
Lars Hünich, früher Mitglied der Linkspartei, sitzt für die AfD im Brandenburger Landtag. Gerade nutzt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD im Brandenburger Landtag seine Facebook-Reichweite für einen Spendenaufruf zugunsten von Marla-Svenja Liebich.
Der rechtskräftig wegen Volksverhetzung verurteilten Rechtsextremistin Liebich soll das Telefonieren erleichtert werden. Jeder setzt Prioritäten.
Volksvertreter mit Klingelbeutel
Am 10. August schrieb Hünich auf Facebook, Liebich müsse in ihrer „aktuellen Situation“ den Kontakt zu Familie und Freundinnen halten können. Telefonieren bedeute „Normalität, Halt und Verbundenheit“. Dann folgen Spendenkonto und Verwendungszweck. Der Aufruf ist so sorgfältig wie sein politisches Urteil: Hünich schreibt zunächst „Mala Svenja Liebig“, beim Verwendungszweck dann „Liebich“. Wer Geld sammelt, sollte immerhin wissen, für wen. Sorgfalt ist in diesem Milieu offenbar Systempresse.

Ein Jahr und sechs Monate
Das Oberlandesgericht Naumburg verwarf 2025 Liebichs Revision. Damit wurde eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten rechtskräftig. Zu den abgeurteilten Taten gehörten zwei Fälle von Volksverhetzung. Nach den Feststellungen des Landgerichts stachelte Liebich in einem Fall gegen Flüchtlinge auf. In einem weiteren Fall bot Liebich einen Baseballschläger mit der Aufschrift „Abschiebehelfer“ an. Das Gericht wertete das als Aufruf, Abschiebungen gewaltsam „zu unterstützen“.
Damit ist Liebichs rechtsextremes Sortiment allerdings noch nicht vollständig. Nach Recherchen von MDR Investigativ wollte Liebich den Geschlechtseintrag Anfang 2026 erneut ändern: auf „divers“ und auf den Vornamen „Anne Frank“. Selbst der Name eines von den Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Mädchens wird so zum Material für die nächste Provokation.
Auch sonst ist das Programm eindeutig: Liebich beschimpfte Medien als „Lügenpresse“, verkaufte gelbe Sterne mit der Aufschrift „Ungeimpft“ und bot auch antisemitische Motive und Aufkleber zum Überkleben von Stolpersteinen an. Zum russischen Angriffskrieg nahm Liebich eine durchweg prorussische Position ein, relativierte die Kriegsschuld Russlands, machte NATO und Westen verantwortlich und zeigte öffentlich das russische „Z“-Symbol. Pressefeindlichkeit, Antisemitismus und Kremlpropaganda – alles aus demselben rechten Gemischtwarenladen.
Das ist die Person, für deren Telefonkosten ein AfD-Landtagsabgeordneter nun seine Anhängerschaft mobilisiert. Nicht trotz der Vorgeschichte. Sondern in voller Kenntnis dieser Vorgeschichte.
Kein verirrter Facebook-Onkel
Hünich ist nicht irgendein Parteifan mit Internetanschluss. Laut Landtag Brandenburg gehört er der AfD-Fraktion an, sitzt seit 2019 im Parlament und war zuvor Landesgeschäftsführer der AfD im Oblast Brandenburg. Natürlich darf Hünich um Spenden bitten. Interessant ist, wofür er seine politische Reichweite einsetzt: Ein gewählter Abgeordneter reicht öffentlich den digitalen Klingelbeutel herum, damit eine rechtskräftig verurteilte Volksverhetzerin leichter telefonieren kann. Die AfD erzählt gern, sie habe mit dem rechtsextremen Milieu nichts zu tun. Dann greift einer ihrer Abgeordneten zur Spendendose, sobald dort jemand Beistand braucht.
Die Brandmauer zu Rechtsextremisten ist bei Lars Hünich offenbar keine Mauer, sondern eine Überweisungsvorlage.
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