
Die Linke ist bei der Berlin-Wahl mit deutlichem Abstand zur CDU, stärkste Kraft geworden. Regieren muss sie deshalb noch lange nicht.
CDU, SPD und Grüne hätten gemeinsam eine knappe Mehrheit. Eine Kenia-Koalition könnte zeigen, wie sich ohne AfD, BSW und die SED-Nachfolger regieren lässt. Vorausgesetzt, die drei einigen sich auf mehr als die Abneigung gegen die anderen. Ein Szenario.
82 Sitze, keine Ausrede
Die tatsächliche Entwicklung geht zunächst in eine andere Richtung:
Am 26. September 2026 hat auch die Berliner SPD Sondierungen mit Linken und Grünen zugestimmt. Alle drei Parteien haben damit grünes Licht für Gespräche gegeben. Kenia ist eine Alternative, kein Bericht über bereits laufende Verhandlungen.
Neu ist die Idee ebenfalls nicht:
Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) warb schon am Wahlabend des 20. September 2026 für CDU, SPD und Grüne.
Die Rechnung ist einfach. Nach der vorläufigen Sitzverteilung kommt die CDU auf 34 Mandate, die Grünen auf 26 und die SPD auf 22. Zusammen sind das 82 von 158 Sitzen. Für die absolute Mehrheit braucht es 80. Kenia läge zwei Sitze darüber. Stimmen drei Abgeordnete nicht mit, reichen die verbleibenden 79 bei einer Abstimmung, die die absolute Mehrheit verlangt, nicht mehr aus. Das ist eine mögliche Regierungsoption und, das sei zugegeben, kein richtig bequemes Polster bei Abstimmungen um Berliner Abgeordnetenhaus.
Auch bei der Wählerbasis sollte man sauber rechnen: Die drei Parteien erhielten zusammen 824.155 Zweitstimmen. Das entspricht 45,17 Prozent der gültigen Zweitstimmen, 44,64 Prozent aller Wählenden einschließlich ungültiger Zweitstimmen und 33,13 Prozent sämtlicher Wahlberechtigten. Grundlage sind die absoluten Zahlen des vorläufigen amtlichen Ergebnisses. Eine Mehrheit der gültigen Stimmen wäre das nicht, durch die bei der Sitzverteilung unberücksichtigten Stimmen für kleinere Parteien reicht es dennoch für eine Mandatsmehrheit.
Zur Ehrlichkeit gehört der Vergleich: Linke, Grüne und SPD kämen auf 95 Sitze und 52,05 Prozent der gültigen Zweitstimmen. Dieses Bündnis wäre rechnerisch deutlich breiter abgestützt. Kenia darf deshalb nicht als überwältigender Wählerauftrag gegen die Linke verkauft werden. Es wäre die politische Entscheidung dreier Parteien für eine andere parlamentarische Mehrheit.
Auch deren Wähler haben allerdings keine fertige Koalition angekreuzt.
Dass die stärkste Fraktion nicht zwingend die Regierung führt, ist keine Berliner Erfindung. 1969 blieb die Union stärkste Bundestagsfraktion. Kanzler wurde trotzdem Willy Brandt, weil SPD und FDP eine Mehrheit organisierten.
Die SPD dürfte den Vorgang in Erinnerung haben. Er gehört zu den angenehmeren Teilen ihrer Geschichte.
Was gegen diese Linke spricht
Die Bezeichnung SED-Nachfolger beschreibt eine reale parteigeschichtliche Kontinuität: von der SED zur PDS, später zur 2007 mit der WASG vereinigten Linken. Sie macht heutige Mitglieder weder zu Verantwortlichen für die DDR noch die heutige Partei politisch identisch mit der SED. Für eine Koalitionsentscheidung im Jahr 2026 sind ihre gegenwärtigen Positionen und ihr Verhalten entscheidend. Und da gibt es genug zu prüfen.
Besonders aufschlussreich ist die aktuelle Vorsichtsmaßnahme aus dem Lager der möglichen Partner. Grünen-Chefin Franziska Brantner verlangt laut dem Bericht von rbb und Tagesschau vom 26. September 2026, der Linken weder das Innen- noch das Justizressort zu überlassen. Sie begründet das mit Kontakten einzelner Linken-Politiker in problematische Milieus. Das ist ihre politische Bewertung, kein Nachweis einer Verstrickung der gesamten Partei. Die Frage bleibt trotzdem:
Wie belastbar ist ein Regierungsbündnis, wenn eine mögliche Partnerin vorab von zwei zentralen Ressorts ferngehalten werden soll?
Die Zweifel kommen nicht nur von außen. Die Berliner LAG Shalom der Linkspartei unterstützt ausdrücklich eine Regierung unter Elif Eralp. Gleichzeitig fordert sie in ihrer Stellungnahme vom 21. September 2026, das Antisemitismusproblem des Landesverbandes zu bewältigen, und warnt vor möglichen Sabotageversuchen aus der eigenen Partei. Die Warnung beweist keine bereits erfolgte Sabotage. Sie zeigt aber, dass selbst die Befürworter einer Regierungsbeteiligung erhebliche Probleme sehen. (
Linke will ins Rote Rathaus – eigene LAG warnt vor Sabotage und „antizionistischen Sektierer*innen“)
Wie konkret der Streit ist, zeigt die bedrohte Neuköllner Programmschänke Bajszel. Die Linksfraktion lehnte 2025 eine Solidaritätsentschließung ab. Sie verurteilte zwar Gewalt und Drohungen und legte einen Änderungsantrag vor, verband ihr Nein aber mit politischen Vorwürfen gegen die Bedrohten. Die Landesführung kritisierte das als Fehler. Gerade dieser Widerspruch ist relevant: Koalitionspartner brauchen nicht nur beruhigende Erklärungen der Parteispitze, sondern verlässliches Verhalten ihrer Gliederungen. (
Die Linke Berlin: Solidarität nach Gesinnungsprüfung)
Hinzu kommt marx21. Das Netzwerk arbeitet nach eigener Darstellung innerhalb der Linkspartei und verlangte in seiner archivierten FAQ die revolutionäre Beseitigung Israels als Staat zugunsten eines gemeinsamen Staates. Das ist weder eine Forderung nach der Ermordung der jüdischen Bevölkerung noch ein Beschluss der gesamten Linken. Es ist aber ein handfester Grund, nach den Grenzen politischer Zusammenarbeit zu fragen. Ein Koalitionsvertrag beantwortet nicht automatisch, welchen Einfluss solche Strukturen behalten. (
marx21: Für Israel die Abschaffung, von der Linken das Parteibüro)
Daraus folgt kein rechtliches Regierungsverbot. Wohl aber ein politischer Maßstab: Solange solche Konflikte nicht überzeugend geklärt sind, müssen SPD und Grüne dieser Linken nicht das Rote Rathaus überlassen.
Wer ihnen trotzdem Alternativlosigkeit erklärt, verwechselt den Wahlsieg einer Partei mit einem Arbeitsauftrag an alle anderen.
Auch Rot-Rot-Grün müsste Wort halten – oder brechen
Nicht nur die Personal- und Milieufragen sind schwierig. Auch die Berliner Wahlprogramme 2026 passen keineswegs widerspruchsfrei zusammen. Dabei muss man unterscheiden: Nicht jede abweichende Forderung schließt eine Koalition aus. Einige Ziele lassen sich aber nicht gleichzeitig umsetzen.
Beim Verfassungsschutz ist der Gegensatz grundsätzlich. Die Linke will ihn als Geheimdienst auflösen und durch eine wissenschaftlich arbeitende Einrichtung ohne nachrichtendienstliche Methoden ersetzen (Programm, Seite 295). Die Grünen wollen dagegen ausdrücklich zwei Säulen: ein unabhängiges Institut und einen reformierten nachrichtendienstlichen Verfassungsschutz. Die SPD zählt ihn zu den notwendigen Akteuren einer wehrhaften Demokratie (Seite 29). Einen Geheimdienst abschaffen und ihn weiterarbeiten lassen geht nicht gleichzeitig. Hier müsste mindestens ein Partner seine Position räumen oder vertagen.
Bei den Polizeibefugnissen reicht der gemeinsame Ruf nach Bürgerrechten nicht. Die Linke will kriminalitätsbelastete Orte und Waffenverbotszonen als Instrumente abschaffen (Seite 290). Die Grünen wollen sie prüfen und dort aufheben, wo sie es für erforderlich halten. Die SPD will sie auf Ausnahmefälle begrenzen und parlamentarisch kontrollieren (Seiten 30–31). Vollständige Abschaffung und begründete Beibehaltung schließen sich aus; Prüfung und Begrenzung lassen dagegen Kompromisse zu. Wer so tut, als seien das drei Formulierungen derselben Politik, hat nur die Überschriften gelesen.
Bei der Vergesellschaftung verläuft die Bruchlinie anders. Die Linke verlangt für jede Koalition mit ihrer Beteiligung einen verbindlichen Zeitplan für ein Vergesellschaftungsgesetz auf Grundlage des Initiativenentwurfs (Seite 19). Die Grünen unterstützen die Umsetzung des Volksentscheids. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach lehnte die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne hingegen im radioeins-Gespräch vom 3. September 2026 ab. Verbindlich vergesellschaften und die Vergesellschaftung verhindern sind keine miteinander vereinbaren Aufträge. Allerdings ist Krachs Wahlkampflinie nicht mit einem pauschalen Nein der gesamten SPD gleichzusetzen: Ihr Programm hält einen Mietendeckel auch auf Grundlage von Artikel 15 des Grundgesetzes offen (Seite 21). Das ist noch keine Zusage zur Eigentumsübertragung, zeigt aber den Unterschied zwischen Parteiprogramm und Kandidatenposition. Die Zustimmung zu Sondierungen belegt nicht, dass dieser Konflikt bereits gelöst wäre.
Beim Tempelhofer Feld geht es eher um eine offene Hintertür. Linke und Grüne lehnen eine Bebauung des Feldes ab. Die SPD schließt Wohnungen am Feldrand aus, solange andere Bauflächen ungenutzt sind (Seite 19). Das ist kein aktueller Bebauungsbeschluss, aber auch kein dauerhaftes Nein. Hier wäre ein gemeinsamer Verzicht möglich; ein unüberbrückbarer Sofortkonflikt lässt sich daraus nicht ableiten.
Rot-Rot-Grün wäre also nicht die konfliktfreie Normalität, von der Kenia eine sonderbare Abweichung darstellt. Beide Bündnisse müssten zentrale Streitfragen verbindlich entscheiden. Der Unterschied läge darin, wer welche Forderung aufgibt. Ein Koalitionsvertrag ist schließlich kein Angebot, drei einander widersprechende Wahlprogramme gleichzeitig einzulösen.
Was Kenia zusammenhalten könnte
Eine Koalition gegen die Linke wäre noch kein Regierungsprogramm. Es gibt jedoch sachliche Ansatzpunkte. CDU und SPD nennen in ihren Programmen jeweils 100.000 neue Wohnungen bis 2031. Die SPD setzt dabei auf öffentliche, genossenschaftliche und private Bauherren; mehr als die Hälfte des Neubaus soll gemeinwohlorientiert entstehen. Die Grünen wollen unter anderem leerstehende Büros zu Wohnungen umbauen. Neubau, Umnutzung und schnellere Verfahren könnten ein gemeinsames Arbeitsprogramm ergeben.
Eine zweite Schnittmenge liegt bei der Verwaltung. Die CDU will Doppelzuständigkeiten beseitigen und Verfahren digitalisieren. Auch die Grünen verlangen in ihrem Programm Bürokratieabbau und Planungsbeschleunigung. Daraus ließen sich überprüfbare Ziele machen: kürzere Bearbeitungszeiten, klare Zuständigkeiten und weniger Mehrfachabfragen derselben Daten. Das klingt unspektakulär. Für Bürger, die auf eine Genehmigung warten, wäre es durchaus ein Ereignis.
Drittens der Nahverkehr: Die SPD will den BVG-Betrieb durch Wartung und Fahrzeugbeschaffung stabilisieren, die Grünen setzen ebenfalls auf neue Fahrzeuge und mehr Personal. Über Ausbaustrecken und die Verteilung des Straßenraums würde weiter gestritten. Ein verlässlicher Betrieb müsste aber kein weltanschauliches Großprojekt sein.
Die Grenzen dieser Gemeinsamkeiten sind ebenso deutlich. Die Grünen unterstützen weiterhin die Vergesellschaftungsinitiative „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“. Wer Kenia pauschal als Anti-Enteignungsbündnis anpreist, überspringt dabei diesen potenziellen Konfliktherd. Auch Verkehrsflächen, Baustandards und Haushaltsprioritäten müssten ausgehandelt werden. Gemeinsame Überschriften in Wahlprogrammen finanzieren noch keine einzige Wohnung.
Schwierige Bündnisse sind nicht neu
Sachsen-Anhalt: arbeitsfähig, aber nicht harmonisch. CDU, SPD und Grüne regierten dort von 2016 bis 2021. Zu den in der Bilanzdebatte im Landtag genannten Ergebnissen gehörten eine Verfassungsreform, das neue Hochschulgesetz, die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge und das Azubi-Ticket. Selbst SPD-Fraktionschefin Katja Pähle räumte jedoch ein, dass die widerstreitenden Interessen den Gestaltungsspielraum begrenzten. Der Streit um den Rundfunkbeitrag Ende 2020 zeigte, wie schnell daraus eine Belastungsprobe werden konnte. Die Bilanz: kein politischer Stillstand, aber mühsam erarbeitete Kompromisse.
Bei der Wahl 2021 stieg die CDU auf 37,1 Prozent, die AfD fiel auf 20,8 Prozent. Die SPD verlor, die Grünen legten leicht zu. Ein Beweis, dass Kenia die AfD schrumpfen lässt, ist das nicht. Es widerlegt aber die Behauptung, ein solches Bündnis müsse zwangsläufig alle Beteiligten ruinieren.
Sachsen: durchregiert, Mehrheit verloren. Auch dort hielt Kenia unter Michael Kretschmer von 2019 bis 2024 eine volle Wahlperiode. Der Ministerpräsident verwies in seiner Schlussbilanz 2024 auf Investitionen in Schulen und Forschung sowie zusätzliche Polizeistellen. Das war die Eigenbewertung der Regierung, kein unabhängiges Gütesiegel. Der Wahlabend setzte jedenfalls eine klare Grenze: CDU, SPD und Grüne kamen 2024 zusammen nur noch auf 58 von 120 Sitzen, die AfD stieg von 27,5 auf 30,6 Prozent. Kenia hatte eine Regierung ohne AfD ermöglicht, ihren Aufstieg aber nicht gestoppt. Regieren zu können und dafür wiedergewählt zu werden, bleiben zwei verschiedene Disziplinen.
Schleswig-Holstein zeigt, wie sehr es auf die Beteiligten ankommt. Dort begann 2017 Daniel Günthers Jamaika-Regierung aus CDU, Grünen und FDP. Sie hielt bis zur Wahl 2022. Dann erreichte die CDU 43,4 Prozent, die Grünen 18,3 Prozent; die FDP fiel auf 6,4 Prozent, die AfD schied mit 4,4 Prozent aus. Der Jamaika-Versuch im Bund war dagegen schon 2017 in den Sondierungen gescheitert. Dieselben Farben garantieren keine vergleichbare Kompromissbereitschaft.
Brandenburg liefert die Warnung vor Erfolgsgarantien. Das dort 2019 vereinbarte Kenia-Bündnis verhinderte nicht, dass die AfD bei der Wahl 2024 auf 29,2 Prozent kam und das BSW 13,5 Prozent erreichte. Die Grünen flogen mit 4,1 Prozent aus dem Landtag. Wer eine breite Koalition als Schutzimpfung gegen ihre Gegner verkauft, sollte diesen Beipackzettel mitliefern.
Grün-Schwarz: Zusammenarbeit lässt sich lernen
Baden-Württemberg liefert besonders lange Erfahrung mit dem Zusammengehen dieser beiden Lager: 2016 begann Grün-Schwarz unter Winfried Kretschmann, 2021 wurde das Bündnis fortgesetzt. Seit Mai 2026 regieren Grüne und CDU unter Cem Özdemir weiter. Aus einer ungewöhnlichen Konstellation ist eine über Jahre eingeübte Zusammenarbeit geworden. Die CDU musste dafür akzeptieren, dass ein grüner Ministerpräsident nicht automatisch das Ende des Wirtschaftsstandorts bedeutet. Die Grünen mussten mit einer Partei regieren, die sich von ihrem moralischen Selbstbild nur begrenzt beeindrucken lässt.
Der Ertrag war nicht gleich verteilt. Bei der Wahl 2021 verbesserten sich die Grünen gegenüber 2016 von 30,3 auf 32,6 Prozent; die CDU fiel von 27,0 auf 24,1 Prozent. Die AfD sank damals von 15,1 auf 9,7 Prozent. Wer daraus eine dauerhafte Erfolgsformel ableitet, muss allerdings auch 2026 betrachten: Da erreichte die AfD 18,8 Prozent.
Zehn Jahre Zusammenarbeit verhindern politische Radikalisierung nicht von selbst.
Für Berlin ist die Lehre begrenzter und nützlicher: Verlässliche Zusammenarbeit zwischen Union und Grünen ist möglich, auch über einen Wechsel an der Regierungsspitze hinweg. Dafür braucht es gegenseitige Zugeständnisse und die Bereitschaft, sie in der eigenen Partei durchzusetzen. Baden-Württemberg hat allerdings zwei Partner, Berlin bräuchte drei. Persönliche Autorität, politische Milieus und Mehrheitsverhältnisse lassen sich nicht mit dem Koalitionsvertrag mitkopieren.
Eine Generalprobe, keine Rettungsformel
Berlin berührt damit eine größere deutsche Frage: Was passiert, wenn vertraute Zweierbündnisse nicht mehr reichen und politische Gegensätze die übrigen Mehrheiten blockieren?
Ruhrbaron Stefan Laurin hat die Erosion der bisherigen Stabilität scharf beschrieben. Seine Diagnose ist ein Kommentar, keine Prognose mit Eintrittsgarantie. Die Frage nach der Handlungsfähigkeit bleibt. (
Die alte Bundesrepublik löst sich auf)
Ruhrbaron Daniel Bleich hat am Beispiel Sachsen-Anhalts das Dilemma fehlender politisch akzeptierter Mehrheiten zugespitzt und auch Kooperation mit der AfD diskutiert. Seine Schlussfolgerung muss man nicht übernehmen, um die Ausgangsfrage ernst zu nehmen. Berlin unterscheidet sich gerade darin: Hier gibt es eine rechnerische Mehrheit ohne AfD, ohne BSW und ohne Linke. (
Mit der AfD arbeiten oder die Brandmauer mit Antisemiten erkaufen?)
AfD, BSW und Linke sind dabei weder gleichzusetzen noch durchweg neue Parteien. Unterschiedliche Gründe können trotzdem gegen eine Zusammenarbeit sprechen. Das BSW sitzt nach dem vorläufigen Ergebnis ohnehin nicht im Berliner Abgeordnetenhaus.
Die bundespolitische Bedeutung von Kenia läge deshalb nicht im Abwehren dreier identischer Gegner, sondern im Beweis, dass unterschiedliche Parteien auch unter schwierigen Bedingungen gemeinsam regieren können.
Der härteste Einwand bleibt: CDU, SPD und Grüne haben in Berlin sämtlich Stimmenanteile verloren. Eine Koalition der Wahlverlierer ist parlamentarisch möglich.
Politisch müsste sie erklären, weshalb ausgerechnet ihre Zusammenarbeit jetzt etwas verbessert.
Ein schlichtes Weiter-so mit zusätzlichem grünen Personal wäre keine überzeugende Antwort.
Eine Kenia-Regierung müsste sich deshalb an fertigen Wohnungen, verlässlichen Bahnen und funktionierenden Behörden messen lassen. Erreicht sie das nicht, könnte sie Linke und AfD sogar stärken. Den richtigen Gegner nicht an die Macht gelassen zu haben, ist für sich genommen noch keine Leistung, von der man als Wähler in Berlin seine Miete bezahlen kann.
Die SED-Erben müssen nicht regieren. Die anderen müssten es dafür allerdings können.
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