Düsseldorf bekommt ein Punk-Museum

Im Punkrock-Museum werden die alten Tage vom Ratinger Hof als Virtual-Reality-Projekt zu sehen sein | Foto: wikipedia / Ralf Zeigermann / CC BY-SA 3.0

Punk hat Musik, Mode, Kunst und Politik nachhaltig geprägt und sich längst als kulturgeschichtlich bedeutendes Phänomen etabliert. Wie die Nouvelle Vague im Film oder der Dadaismus in der bildenden Kunst markiert Punk einen kulturellen Umbruch, der bestehende Normen radikal infrage stellte und neue Ausdrucksformen hervorbrachte. Ab Oktober bekommt die Stadt Düsseldorf nun ein eigenes Punkrock-Museum.

Zwischen improvisierter DIY-Fanzine-Ästhetik und retrofuturistischen Bildwelten entstanden Ikonen des Grafikdesigns: Albumcover von den Sex Pistols, Wire oder Suicide gelten bis heute als Klassiker – provokant, reduziert und wegen ihrer markanten Farbgebung unverwechselbar. Was einst als rebellische Subkultur begann, entwickelte sich zu einer Bewegung, deren Einfluss heute weit über die Musik hinausreicht. 2026 feiert Punk sein 50-jähriges Jubiläum. Be Realistic: Demand The Impossible!

Ein Ausgangspunkt dieser Geschichte ist der 22. Oktober 1976. An diesem Tag veröffentlichte die britische Punkband The Damned mit „New Rose“ die erste britische Punk-Single. Exakt 50 Jahre später widmet das Theatermuseum Düsseldorf dem Phänomen eine groß angelegte Ausstellung: Auf mehr als 500 Quadratmetern in der ersten Etage zeichnen die Kuratoren Rudi Esch und Jäki Hildisch die Geschichte von fünf Jahrzehnten Punk nach. Zu sehen sind über 400 Exponate – darunter Plakate, Fotografien, Fanzines, Kleidungsstücke, Musikinstrumente sowie handschriftliche Notizen von Joe Strummer und Malcolm McLaren. Ergänzt wird die Schau durch Schwarz-Weiß-Fotografien des Düsseldorfer Fotografen ar/gee Gleim, ein Originalplakat der ersten Sex-Pistols-Show im Londoner 100 Club sowie das ikonische „Gabba Gabba Hey“-Schild der Ramones, als Leihgabe aus dem Punk Museum in Las Vegas. Auch das originale Türschild des legendären Ratinger Hofs ist Teil der Ausstellung.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der frühen deutschen Punk-Szene. Dokumentiert werden Bands wie Abwärts, Slime, Mittagspause oder KFC – mit Originalobjekten, Arbeiten und Zeitzeugnissen. Mode von Vivienne Westwood, ausgewählte Artworks sowie weitere Artefakte ergänzen das Panorama einer Bewegung, die bis heute nachwirkt. Erweitert wird die Ausstellung durch ein Virtual-Reality-Projekt der Programmierer Björn Sondermann und Jérôme Lozano. Sie haben Düsseldorfer Bands wie Fehlfarben, Der Plan und Die Toten Hosen im legendären Ratinger Hof filmisch rekonstruiert. Aus dem Material entstanden immersive 3D-Erlebnisse, die die Atmosphäre der damaligen Live-Auftritte eindrücklich virtuell erfahrbar machen.

Im Zentrum der Ausstellung steht jedoch nicht nur die Geschichte einer Subkultur, sondern eine Frage, die bis heute aktuell ist: Wer bin ich? „Identity is the crisis, can’t you see?“ sang Poly Styrene 1978 mit ihrer Band X-Ray Spex. In ihrem Song „Identity“ setzte sie sich mit Selbstbild, gesellschaftlichen Rollenbildern und dem Druck auseinander, sich über Medien und Subkulturen definieren zu müssen. „When you look in the mirror, do you see yourself? Do you see yourself on the TV screen or in the magazines? And when you see yourself, do you scream?“ – Zeilen, die auch fast fünf Jahrzehnte später erstaunlich zeitgemäß wirken.

Dass die Identitätsfrage nichts von ihrer Brisanz verloren hat, betont auch der ehemalige Die-Toten-Hosen-Schlagzeuger Trini Trimpop. Er sieht die gesellschaftliche Entwicklung kritisch: „Heute erleben wir eine Rückentwicklung zu dem, was wir in den 1960er Jahren angestoßen haben. Denk mal an das Frauenbild im Hip-Hop. Wir waren mit der Gleichberechtigung schon mal viel weiter. Die junge Generation wird mit YouPorn konfrontiert, aber ohne Anleitung alleine gelassen. Die machen das dann heimlich und denken, sie tun etwas Verbotenes. Wir Menschen sind schließlich Nachahmer, aber niemand zeigt uns, wie man Sexualität lebt.“

Jäki Hildisch (links) und Rudi Esch (rechts) sind die Kuratoren vom Punkrock-Museum | Foto: R. Esch

Die Kuratoren:
Jäki Hildisch (*1958) gehört zu den Pionieren, die den britischen Punk-Look und die Haltung übernahmen. Das berühmte Foto, auf dem er bei einem Konzert den Oberschenkel von Iggy Pop im Jahr 1977 ableckt, machte ihn schlagartig bekannt. Ab den 1980er Jahren wechselte er hinter die Bühne und arbeitet seitdem für zahlreiche bekannte Künstler und Bands als Tourmanager, darunter Die Toten Hosen, Die Ärzte, Einstürzende Neubauten, BAP, Robbie Williams, Morrissey und The Specials. Seit vielen Jahren sammelt Jäki Exponate aus der Punk-Szene und wird für das Punkmuseum vieles davon zum ersten Mal zeigen.

Rudi Esch (*1966) spielte Bass bei Male und Die Krupps. Darüber hinaus machte er sich als Autor einen Namen. Mit seinem Buch „Electri_City – Elektronische Musik aus Düsseldorf“ dokumentierte er die internationale Bedeutung Düsseldorfs für die Entwicklung elektronischer Musik und des Punk. Außerdem organisiert er die Electri_City Conference, bei der Musiker, Zeitzeugen und Wissenschaftler über die Geschichte und den Einfluss dieser Musik- und Subkulturen diskutieren. Esch hat die Biografie über Deutsch Amerikanische Freundschaft geschrieben und hat mit „Spaß muss sein“ eine bemerkenswerte Inneneinsicht über die Geschichte des deutschen Schlagers der 1970er Jahre vorgelegt.

Am 22. Oktober öffnet das Punkrockmuseum Düsseldorf seine Türen für zwölf Monate. Mit der Ausstellung „PUNK!50 – Demand the Impossible“ ist dann in der ersten Etage des Theatermuseums zu sehen.

 

Adresse:
Theatermuseum im Hofgarten
Jägerhofstraße 1
40479 Düsseldorf
Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Sonntag 12:00 – 18:00 h, Mo. & Die. Ruhetag
Eintritt: 5 Euro

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