Der Instagram-Post zur Bewerbung des Konzerts. Screenshot: Andreas Wolf
Ein Punkkonzert in Leipzig will unter dem Motto „Love Hardcore – Hate Antisemitism“ ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen. Doch unter dem Instagram-Post zur Veranstaltung zeigen sich genau jene antisemitischen Ressentiments, gegen die das Konzert Stellung beziehen will. Die Kommentare machen dabei nicht nur sichtbar, wie offen Judenhass mittlerweile in Teilen der Szene artikuliert wird – sie offenbaren auch eine erschreckende Nähe zu antisemitischen Denkmustern, wie sie bereits Adolf Hitler propagierte.
Danger Dan 2023 in der Roten Flora by Michael Vogel cc 4.0
Als alle schwiegen, hat die Antilopen-Gang – einer von dreien Danger Dan – ein Statement gesetzt: für Israel, gegen Hamas-Hudelei. Mit Keine Angst setzt Danger Dan jetzt auf beides, er hofiert Terror und Demokratie. Falls es die AntiFa ist, die den Terror verübt, die Kinder der Kunden. Ein Aufruf zur Gewalt? Das ZDF hat Danger Dan ausgeladen, ein Skandal ist das nicht. Aber dass er ästhetische Module abruft, die dem genügen, was er bekämpft, das irritiert. Auf dem Song liegt der Widerschein des Nazismus, den er verdammt. Ein Essay über Keine Angst mit Kitsch und Tod in der Hand, der wegweisenden Arbeit von Saul Friedländer.
Abstract: Im ersten Teil geht es um eine Gruppe der AntiFa-Ost, die Nazis auf äußerst brutale Weise bekämpft, die Hammer-Bande. Wer verfolgt hat, wie sie verfolgen und wie verfolgt werden, kann diesen Teil einfach überspringen. Im zweiten Teil werden Keine Angst, Danger Dans Song, und Kitsch und Tod, das wegweisende Werk von Saul Friedländer, übereinandergelegt. Ergebnis: Nazi-Ästhetik schimmert durch. Das ist kein juristischer Befund, sondern ein pop-ästhetischer. Und ein kulturpolitischer, im dritten Teil ein paar Gedanken dazu. Solidarität wird nicht geschrammt, liebe Grüße an Igor Levit und Danger Dan.
Mit seinem Song „Keine Angst“ hat Danger Dan eine breite Debatte ausgelöst. Foto: wikipedia / Michael Vogel / CC BY-SA 4.0
Danger Dan ist vom ZDF wegen seinem Song „Keine Angst“ ausgeladen worden. Im Songtext beschreibt er das Gefühl, dass der demokratische Rechtsstaat rechtsextreme Gewalt und ihre Unterstützer häufig nicht wirksam genug bekämpft. Dieses Unbehagen teilen viele Menschen. Kunst muss nicht eindeutig sein und darf provozieren. Gerade deshalb sollte aber auch über ihre möglichen Wirkungen gesprochen werden. Eine kritische Betrachtung.
Musik wie ein ein Krug Bier am Lagerfeuer liefert das Static Roots Festival | Foto: Pit Schulz
Kommendes Wochenende wird die Stadt Oberhausen zum Zentrum amerikanischer Roots-Music. Zwischen Country, Neo-Folk, Americana und Gospel stehen dann 12 Akteure im Zentrum Altenberg in Oberhausen auf der Bühne, was jedes Jahr in liebevoller Detailarbeit von Festivalmacher Dietmar Leibecke veranstaltet wird.
Johnny Rotten während eines Konzerts 1977. Auch heute gehört er zu den bekanntesten Stimmen, die sich gegen ideologische Konformität innerhalb und außerhalb der Punkszene wenden. Foto: Koen Suyk / Nationaal Archief (CC0)
Punk versteht sich als Gegenkultur. Er misstraut Autoritäten, Institutionen und Ideologien. Dennoch wirken Teile der heutigen Punkszene erstaunlich ideologisch geschlossen. Wie konnte aus einer Bewegung, die das Denken gegen den Strich kultivierte, eine Szene werden, in der manche Positionen kaum noch hinterfragt werden?
Der Festivalsommer läuft auf Hochtouren. Bei bestem Wetter könnte man jedes Wochenende woanders hinfahren, um schon frühmorgens Bier zu trinken, sich vor der Bühne einen Sonnenbrand zu holen und die Nächte in einem unbequemen Zelt zu verbringen. Zeitgleich geistern Meldungen von den überall stattfindenden Festivals durch Social Media: Diese Band soll dort nicht auftreten dürfen, ein Mitglied einer anderen Band habe etwas Falsches gesagt, oder die Crew baut die Bühne bei über 30 Grad im Schatten auf und zieht dabei ihre Shirts aus. Längst gibt es auf vielen Festivals sogenannte „Awareness-Teams“, die die Einhaltung der Regeln überprüfen, die die Besucher einzuhalten haben und die von Jahr zu Jahr zahlreicher werden. Doch wie kam es dazu, dass Punk zu einer Bewegung wurde, die ihre Mitglieder in ein enges Korsett eines Verhaltenskodex zwängt und sogar deren Gedanken kontrollieren möchte?
Die Band „End It“ auf der Bühne. Screenshot: Andreas Wolf
Vor einigen Tagen ging ein Video auf Social Media viral, in dem die Band „End It“ das Publikum dazu aufruft, einen Konzertgänger zu attackieren, der ein Bananenkostüm trägt. Dies sorgte für großes mediales Interesse. Der unsägliche Antisemitismus der Band löste hingegen keine Empörung aus.
Hosen-Sänger Campino hat früher mehr riskiert. Quelle: Wikipedia, Foto: Libertinus Yomango, Lizenz: CC BY-SA 2.0
In diesen Tagen kommt man den Toten Hosen kaum noch aus dem Weg. Parallel zur Veröffentlichung ihres offiziell letzten Studioalbums (und dem Abstieg ihrer geliebten Fortuna in die 3. Liga) startet die große Abschiedstournee der Düsseldorfer Punkrock-Institution. Die Marketingmaschinerie läuft auf Hochtouren, die Medien überschlagen sich mit Würdigungen, Rückblicken und Lobeshymnen. Kaum ein Radiosender, kaum eine Talkshow, kaum eine Kulturseite verzichtet derzeit auf einen Beitrag über Campino und seine Mitstreiter.
Das überrascht wenig. Wenn jemand seinen Abschied ankündigt, dominieren meist die positiven Stimmen. Kritik gilt schnell als unangebracht. Doch gerade deshalb lohnt es sich aus meiner Sicht, einen etwas anderen Blick auf die Toten Hosen zu werfen. Einen Blick, der nicht von Nostalgie verklärt ist.
Die Toten Hosen im Jahr 1985 als Coverhelden der Spex
Für die einen ist er der Schlager-Punk, der längst in den Giftschrank gehört – für andere ist Campino ein aufrichtiger Rocksänger, der mit seinen Mitteln probiert, eine Art Bruce Springsteen meets Manic Street Preachers für die Bundesrepublik sein. Denn die Songs der Toten Hosen handeln vom Leben in Deutschland. Ist Campino nun eher ››Ballast der Republik‹‹ oder sind die Toten Hosen mit ihren über 1.500 Konzerten, 500 Liedern und fast 200 Coverversionen eine Art ››Opium fürs Volk‹‹? Unser Autor Peter Hesse begleitet die Band von Anfang an und hat ein paar Hosen-Ereignisse aus seinem Leben zum 44jährigen Bandjubiläum zusammengfasst.
Roh, witzig und gnadenlos ehrlich: die ELECTRI_CITY Conference präsentiert am 7. Juni im Düsseldorfer Me And Hotel einen Abend zwischen Rock ’n’ Roll und Haute Cuisine mit Robbie Williams-Musiker Jerry Meehan, Gitarrenlegende Chris Spedding und Starkkoch Graham Garrett.
Israel ist ein Wunderland der Musik. Heute: die Pianistin Sharon Mansur, der Bassist David Michaeli und der Schlagzeuger Aviv Cohen. Ihre Musik: eine Fusion aus Jazz und Rock, aus Elektronik und arabischen Sounds, hoch-emotional. Wie auch der heutige Tag, an dem sie in der Christuskirche Bochum spielen, er erinnert daran, dass sich Israel niemals von Terror erpressen lässt. Von BDS schon gar nicht.
Zuerst war da die arabische Musik, dann der „König der Löwen“, er hat das Herz der kleinen Sharon für klassische Musik geöffnet, da war sie fünf Jahre alt. Später studierte sie klassisches Klavier, arbeitete sich in den Progressive Rock hinein, lernte Metal lieben und dann den Jazz, den Blues, die Improvisation. Mit ihr, dem Spiel der Freiheit, kehrt sie – noch keine 30 – in die Musik ihrer Kindheit zurück, die arabische Musik, ihr Vater stammt aus dem Irak. In Israel ist solche Fusion alltäglich, zwei von drei Israelis stammen aus dem arabisch-nordafrikanischen Raum.