Im Stadion des MSV Duisburg könnte bald wieder deutlich mehr los sein als hier. Archiv-Foto: Daniel Jentsch
Borussia Dortmund kämpft aktuell mit der eigenen Identität, Schalke 04 liefert mal wieder das ganz große Drama – und während die grellen Scheinwerfer des Fußballs im Ruhrgebiet einmal mehr auf die beiden schillerndsten Vertreter ihrer Art gerichtet sind, droht ein bemerkenswertes Stück Fußballkultur auf überregionaler Bühne einmal mehr fast unbeachtet zu bleiben: die mögliche Renaissance von Rot-Weiss Essen und dem MSV Duisburg.
Israel ist ein Wunderland der Musik. Heute: die Pianistin Sharon Mansur, der Bassist David Michaeli und der Schlagzeuger Aviv Cohen. Ihre Musik: eine Fusion aus Jazz und Rock, aus Elektronik und arabischen Sounds, hoch-emotional. Wie auch der heutige Tag, an dem sie in der Christuskirche Bochum spielen, er erinnert daran, dass sich Israel niemals von Terror erpressen lässt. Von BDS schon gar nicht.
Zuerst war da die arabische Musik, dann der „König der Löwen“, er hat das Herz der kleinen Sharon für klassische Musik geöffnet, da war sie fünf Jahre alt. Später studierte sie klassisches Klavier, arbeitete sich in den Progressive Rock hinein, lernte Metal lieben und dann den Jazz, den Blues, die Improvisation. Mit ihr, dem Spiel der Freiheit, kehrt sie – noch keine 30 – in die Musik ihrer Kindheit zurück, die arabische Musik, ihr Vater stammt aus dem Irak. In Israel ist solche Fusion alltäglich, zwei von drei Israelis stammen aus dem arabisch-nordafrikanischen Raum.
Der VfL Bochum ist zurück in seinem natürlichen Biotop: irgendwo zwischen gepflegter Zweitliga-Langeweile, rostigem Ruhrstadion-Charme und der erschütternden Erkenntnis, dass außerhalb der eigenen Stadtgrenzen kaum noch jemand Notiz von diesem Traditionsverein nimmt.
Während ringsum im Revier gerade die großen Fußball-Geschichten geschrieben werden, ist Bochum mal wieder das, was es über Jahrzehnte so zuverlässig war: die graue Maus des Ruhrgebiets.
Die Jahrhunderthalle in Bochum ist einer der wichtigsten Standorte der Ruhrtriennale | Foto: Peter Hesse
Die Ruhrtriennale 2026 findet vom 20. August bis 20. September statt. Insgesamt gibt es in diesem Jahr 31 Produktionen und Projekte mit 114 Veranstaltungen in Bochum, Duisburg, Dortmund, Essen und Gladbeck. Im dritten und letzten Jahr der Intendanz von Ivo Van Hove lädt die Ruhrtriennale dazu ein, gemeinsame Erlebnisse zu feiern und neue Perspektiven einzunehmen.
bodo im April mit dem Essener Original Ryko | Foto: bodo e.V.
Der Comedian und Poetry-Slammer Ryko erfindet die Ruhrgebiets-Comedy neu. Marc-Uwe Klings Känguru zettelt eine Rebellion an. Gefängnis-Chefin Nina Gygax bringt Poetry Slams und Väter-Kind-Treffen in die JVA. Oliver „Pille“ Pilsner holt Underground-Bands zum Dortmunder Hafen und Dietmar Bleidick führt durch das historische Bochum. Das Straßenmagazin im April.
Die Kunst ist frei, die Kunstfreiheit heilig? Leider ja, schrieb Alfred Döblin vor knapp 100 Jahren, es bedeute „nichts weiter als: der Künstler ist ein Idiot, man lasse ihn ruhig reden.“ Und wie sie reden, die Künstler und Kunstfunktionäre im staatsfinanzierten Betrieb, sie schweigen den Judenhass tot. Eine Strategie? Für den Tag, an dem die AfD den Laden übernimmt?
Als Abdallah Alkhatib fertig war mit seinen hasserfüllten Tiraden, sagte Desiree Nosbusch „Congratulations“ und knetete hilflos ihre Hände. Allein gelassen auf der Bühne, war es ein Zuschauer, der ihr, der Moderatorin, zurief, was Tricia Tuttle hätte sagen müssen, die Berlinale-Chefin: „Free Gaza? From Hamas!“ Tuttle schwieg, also knetete sich Nosbusch, offenbar nicht vorbereitet auf eine Situation, die längstens zu erwarten war, selber etwas zusammen derart, dass die Meinung der vielen Künstler „nicht notwendigerweise in jedem Fall“ auch die der Berlinale sei: „Okay, this is really hard“. Was genau? Dass Kunst so frei sei, dass sie Israelhass beschweigt?
Mascara und Kajal, Glitzerhöschen und Glamour, Pailletten und Plateau. Wie der Topact einer Queer-Pride-Party von heute. Nur in den 70ern. Und ohne Erziehungsprogramm. Eine fröhliche Lässigkeit im Umgang mit Gender, Sex und Outfit, sie brüllten niemandem an: „Du musst“, sie spielten allen vor: „Du kannst“.
Was? Den aufrechten Tanz, so ein Plateau ragt schon mal 10 cm hoch. In einem Interview hat Andy Scott, Gitarrist und Gründungsmitglied der Band, einmal erzählt, wie sie anfangs in Stöckelschuhen aufgetreten seien und wie schwierig es für sie gewesen sei, solche Schuhe überhaupt in passender Größe aufzutreiben. Bis sie einen Schuhmacher fanden, der eigens für sie den Plateau-Schuh erfand. Den Stöckelschuh des Glam-Rock, des Bubblegum-Pop, die Basics der SWEET.
Bochums OB Thomas Eiskirch (Foto: Roland W. Waniek)
2015 wurde Thomas Eiskirch (SPD) zum Oberbürgermeister Bochums gewählt. Im vergangenen Sommer kündigte er überraschend an, nicht für eine dritte Antszeit zur Verfügung zu stehen. Im Abschiedsinterview blickt er auf seine zehnjährige Amtszeit zurück.
Warum machen Sie es nicht weiter, ist natürlich die erste Frage. Sie waren erfolgreich, und Sie wären wahrscheinlich im ersten Wahlgang wiedergewählt worden.
Thomas Eiskirch: Weil ich glaube, dass alles seine Zeit hat. Und weil ich in der Politik zu viele gesehen habe, die zu spät gegangen sind. Den idealen Zeitpunkt, den gibt es in dieser Aufgabe kaum, weil man das nur alle
Deutsch-israelische Geiseln der Hamas. Eingang der Christuskirche Bochum | thw
Der größte Massenmord an Juden seit der Shoah, er wird verleugnet, verschwiegen, vergessen. Dass sieben Bundesbürger von Hamas zu Tode gefoltert werden? Seit zwei Jahren? Kein Thema. October 7 dauert an. In Bochum hat sich ein Netzwerk geknüpft, um das Unsägliche zu erinnern. Am 7. und 8. Oktober in der Christuskirche Bochum.
1200 Israelis ermordet, 3400 verstümmelt, 251 in Foltertunneln verschwunden, Zehntausende traumatisiert. Ein Massaker, wie es vordem nur Nazi-Deutsche an Juden begangen haben. Jetzt Hamas, ein Terrorstaat, der den Krieg gegen Terror nicht lediglich ausgelöst hat, sondern es darauf anlegt. Darauf, Juden zu schlachten und die eigenen Familien zu „opfern“. Hamas, sagte jetzt der ehemalige israelische Regierungssprecher Eylon Levy im Interview mit der Jüdischen Allgemeinen, bringe „Menschenopfer“ dar. Und erntet Applaus.
Der VfL Bochum hat sich entschieden: Uwe Rösler übernimmt ab Montag das Traineramt beim abstiegsbedrohten Fußball-Zweitligisten. Eine Entscheidung, die auf den ersten Blick nach Erfahrung und Seriosität klingt – schließlich hat Rösler sowohl in Deutschland als auch international gearbeitet, kennt die 2. Bundesliga und gilt als akribischer Arbeiter. Doch bei genauerem Hinsehen drängt sich die Frage auf: Ist Rösler tatsächlich die richtige Wahl? Oder hätte man dann auch gleich beim erfahrenen Dieter Hecking, dem ähnliche Attribute zugeschrieben werden, bleiben können?