Markus Müller im youtube-Roulette

Free Music Production (FMP): ein Siittengemälde zwischen Avantgarde, Free Jazz und Geschichtsschreibung | Foto: Wolke Verlag

Für den Wolke Verlag hat der aus Hattingen stammende Autor Markus Müller ein Buch über die West-Berliner „Free Music Production. FMP – The Living Music“ geschrieben – und es ist wirklich mit viel Hingabe und Aufwand gemacht. Inhaltlich beschäftigt es sich mit Freejazz-Made-in-Germany – die Findungs- und Sinnsuch-Phase der 1968er Generation von musikalischen Größen, wie Peter Brötzmann. Einer Szene also, die auch immer wieder mit viel Hingabe und kreativem Einfallsreichtum Brücken zu Neuer Musik, Avantgarde und zeitgenössischer bildender Kunst geschlagen hat. Dieser Wälzer ist ganze 400 Seiten dick, großformatig und fast zweieinhalb Kilo schwer. Mit rund 300 Abbildungen wird das FMP-Movement so als eines der wichtigsten kulturpolitischen Phänomene im Westberlin des 20. Jahrhundert hervorgehoben. Das Buch ähnelt in Haptik und seiner wunderschönen Aufmachung eher einem Kunstband, als einem Fachbuch. Was sonst noch wichtig ist, erklärt uns Markus Müller im youtube-Roulette.

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Streckmittel im youtube-Roulette

Hoch die Tassen – hier kommt Punkrock von der Bochumer Band Streckmittel

Punkrock in Bochum hat nicht erst seid den mächtigen Kassierern, Terremoto Party oder den Shitlers eine große (und lange!) Tradition. Auch Streckmittel hauen mit derben Texten, runtergeschrubbten one-two-three-four-Riffs und dem nötigen Drive eine sehr schmissige Mischung raus. Morgen kann man sich das im Oberhausener Druckluft anschauen, dort spielen sie zusammen beim Punkabend #50 mit den Bands John Porno Punk Explosion, Endlich schlechte Musik und Zwakkelmann. Was sonst noch wichtig ist, verrät uns Streckmittel-Sänger Kiwi im youtube-Roulette.  

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Die John Porno Punk Explosion im youtube Roulette

Die John Porno Punk Explosion kommt aus Düsseldorf und sie spielen Punkrock

Laut dem «Oxford Dictionary» ist Punk ein Wort für «verdorben», «Straßenmädchen» oder «faulendes Holz». Seit dem Jahr 1977 steht Punk auch für eine Jugendbewegung, die alles in Frage stellte, was zuvor galt. Punk war brachiale Musik, Rebellion und eine stilitisierte Lebenseinstellung mit Dosenbier und in zerrissenen Jeans. Ein Statement gegen alles Etablierte, gegen Regeln im Allgemeinen und ein Aufbegehren gegen die sogenannte Spießerwelt. Die John Porno Punk Explosion lieben Punk und zelebrieren ihn mit einer gehörigen Portion Nostalgie. Nächsten Freitag (18. März) spielen die Düsseldorfer zusammen mit Streckmittel und Zwakkelmann beim Jubiläums-Punkabend #50 im Druckluft Oberhausen. Was sonst noch wichtig ist, verrät uns die John Porno Punk Explosion im youtube-Roulette.

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Kultur im Krieg: Truppenbetreuung oder Le Pop pour Le Pop

Marilyn Monroe 1954 performing for troops in Korea by U.S. Dept. of Defense – Public Domain

Pop-Kultur war immer beseelt von Gewissheit. Völlig fraglos, ob auf der Bühne oder davor, dass man bezaubere und überzeuge und falls doch einmal widerlegt, dann nur durch Pop, niemals durch Panzer, durch Putin schon gar nicht. Eine schöne Gewissheit, sie schält sich gerade täglich ab, es ist ernüchternd. Wenn Pop-Songs, die gegen Putin ins Feld geführt werden, so alt sind wie die Waffen, mit denen Putin diesen Pop bekriegt, gibt es nichts mehr zu tun. Vielleicht ist das eine Chance.

Russland bekämpft die Ukraine, Putin bekämpft den Pop. In seiner Kriegserklärung sprach der postsozialistische Diktator vom „kollektiven Westen“, der drauf und dran sei, „unsere traditionellen Werte zu zerstören“  und „Pseudo-Werte aufzuzwingen, die uns, unser Volk, von innen heraus zersetzen würden“.

Dagegen demonstrieren JuSos und JuLis, Grüne Jugend und Junge Union gemeinsam, am Ende ihrer Demo vorm Bochumer Rathaus ein Lied, das alle kennen, „Ein bisschen Frieden“, Nicoles Siegessong beim Eurovision Song Contest von vor 40 Jahren, jetzt frisch interpretiert.

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Elvis Pummel im youtube-Roulette

Elvis Pummel spielt am Donnerstag im Dortmunder subrosa

„Jede Stadt hat ihren Elvis“, so schrieb das Visions Magazin über ihn, „und Dortmund hat den besten: Mister ELVIS PUMMEL.“ Er ist Entertainer, Klamaukbarde, Monsieur eine Milliarde Volt und lebende 50s/60s Musicbox in Personalunion. Überhaupt ein Mann, den man nicht in Worte fassen kann. Seine Konzerte schwanken zwischen Mädchenherzenbrechen, Selbst-Hypnose und einem Rockabilly-Kaputtnik-Zauberkasten aus 1001 Nacht. Kurz vor seinem Auftritt im Dortmunder subrosa (Donnerstag, 3. März) haben wir ihn zum youtube-Roulette eingeladen.

Lieber Elvis Pummel, welcher Song repräsentiert für dich am besten das Ruhrgebiet?
Friedel Hensch – „Der Mond von Wanne Eickel“

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Bye bye, Omo! Bernd Schäumer ist gestorben

Bernd „Omo“ Schäumer – ein Musikliebhaber mit großem Herzen / Foto: privat

Bernd „Omo“ Schäumer ist verstorben. Und darüber sind wir sind sehr traurig – seit vielen Jahren war er Stammleser der Ruhrbarone und über so manches Thema haben wir mit ihm noch ausgiebig bei drei Gläsern Pils debattiert. Bernd stammte aus Wanne-Eickel und als Musiker bereicherte die Band Vorgruppe, wo er in den frühen 1980er Jahren den Synthesizer bediente. In späteren Jahren brachte er unter dem Pseudonym ›Disque Omo‹ seine Songs heraus – und die waren meist irgendwo zwischen verträumter Filmmusik und anmutiger Synthesizer Elektronik angelegt.

Er jobbte in frühen Jahren bei der Plattenfirma Rough Trade in Herne und verdiente viele Jahre sein Geld als Plattenverkäufer sein Geld, zum Beispiel in Läden wie Phonac (Dortmund) und Elpi (Bochum), bis er einer der Teilhaber vom CD-Laden Telök am Bochumer Nordring wurde. Zwischendrin war Omo ein paar Jahre Autor beim Ruhrgebiets-Stadtmagazin Marabo. Unvergessen bleibt seine Kim Wilde-Titelgeschichte, wo er in Wolfgang Welt-Manier am Ende schreibt, wie sein Gespräch in einem Hotelzimmer zwar beendet war – und der nächste Journalist schon mit einem neuen Gespräch an der Reihe war. Omo musste aber nochmal rein zur „Kids in America“-Sängerin, weil er seine Plastiktüte mit seinem Hab und Gut vergessen hatte.

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Ex-In Extremo Musiker stirbt nach Vorfall auf Corona-Demo

Boris Pfeiffer von In Extremo ist verstorben | PR-Foto: Jens Koch

Der Musiker Boris Pfeiffer, ein ehemaliges Mitglied der Mittelalter-Rockband In Extremo, ist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur nach einer Demonstration gegen die Coronapolitik in Wandlitz bei Berlin gestorben. Der 53-Jährige war langjähriges Mitglied von In Extremo – im Mai 2021 hatte er sich von der Gruppe getrennt, um eigene Wege zu gehen. Zuerst hatte die »Märkische Oderzeitung« über Pfeiffers Tod berichtet.

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Zum Tod von Meat Loaf: Wie ich im Ruhrgebiet der 90iger Jahre zum Metal kam

Meat Loaf on stage, Birmingham NEC 2007 (Ausschnitt)Foto: Egghead06 Lizenz: CC BY-SA 3.0

Kamen. Ruhrgebiet. Irgendwann Mitte der 90iger, irgendwo zwischen Deutscher Meisterschaft der heiligen Borussia aus Dortmund, Schulhoffußball und Ende der Kohleförderung wächst ein Junge auf, dessen Musikgeschmack eigentlich niemand seiner Freunde nachvollziehen konnte.

Verantwortlich dafür war meine ganze Familie. Ob bei meinem Vater, meiner Mutter oder meinem Onkel, es liefen die Rocky Horror Picture Show, Queen, Slade, die Toten Hosen und Meat Loaf. Meine Altersgenossen konnten damit relativ wenig anfangen, mir war das völlig egal. Für mich legte es die Grundlage meiner musikalischen Vorlieben: Rock und Metal.

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The Cure – Dunkelbunte Jahre

Es gibt Bücher, da ärgert man sich im Nachhinein kräftig, dass man sie nicht schon deutlich eher für sich entdeckt hat. Zu dieser Kategorie zählt für mich seit ein paar Wochen eindeutig auch der Bildband ‚The Cure – Dunkelbunte Jahre‘, der bereits im Sommer im Hannibal-Verlag erschienen ist, den ich aber leider erst jetzt entdeckte, als ich mich mit der Biografie von Stevie Van Zandt beschäftigt habe, die ich hier im Blog vor rund zwei Wochen vorgestellt habe.

‚The Cure‘ begleitet mich musikalisch schon seit den späten 1980er-Jahren. Viele Mädchen in meiner Schule begeisterten sich damals für die Band, von der ihr Sänger Robert Smith heute behauptet:  ‚Wir hatten nie die Absicht, so erfolgreich zu werden.‘

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Sounds of Silence – ein Buchprojekt über Dortmunder Clubs im Lockdown

Der Lockdown machte die Clubs in Dortmund zur Geisterstadt – Sounds of Silence porträtiert das Ganze

Als Corona explodierte und die Clubszene stagnierte, fasste der Dortmunder Musiker und Grafik-Designer Marcel Richard sich ein Herz. Für sein Projekt ››Sounds of Silence‹‹ hat er Dortmunder Clubs vom Langen August über das Freizeit Zentrum West bis hin zur Westfalenhalle insgesamt 18 Clubs und Kneipen im pandemiebedingten Dornröschenschlaf porträtiert. So ist eine multi-visuelle Reise durch eine Zeit entstanden, die wir mit großer Sicherheit nicht vermissen werden. In der Hafenschänke subrosa stehen die Hocker auf dem Tresen, im domicil sind die stillen Schnapsflaschen im Glasregal momentan das einzige Publikum und beim Oma Doris haben die Discokugeln an der Decke schon Staub angesetzt.

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