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Energiewende: „Am deutschen Wesen mag die Welt genesen“


Wahrscheinlich ist die Idee das jedes Land einen Nationalcharakter besitzt, falsch.  Aber sehr wahrscheinlich ist Deutschland die Ausnahme,  welche die Regel bestätigt.

Bescheiden klingen die Worte nicht, mit denen die FAZ Finanzminister Olaf Scholz (SPD) zitiert: „Der Anspruch müsse sein, Deutschland zu einem „energiepolitischen Vorzeigeland weiterzuentwickeln“. Ein Land mit 80 Millionen Einwohnern, einer rückständigen digitalen Infrastruktur, im internationalen Vergleich mittelmäßigen Hochschulen und einer ebenso technikfeindlichen wie klagefreudigen Bevölkerung schickt sich an, einem Satz  aus einem Gedicht  Emanuel Geibels zu folgen der da lautet „Am deutschen Wesen mag die Welt genesen“. 

Ich halte nicht viel von der Idee der Nationalcharaktäre, aber vielleicht ist Deutschland doch die Ausnahme, welche die Regel bestätigt. In seinem Buch „Wer hat Angst vor Deutschland?“ beschreibt der Historiker Andreas Rödder eine wichtige Konstante der deutschen Politik: Es ist das Ringen um die Frage der nationalen Identität, die andere Länder so nicht kennen und das  einher geht mit einer großen Selbstüberschätzung, der sich in dem Versuch der radikalen Energiewende zeigt, in dem die Romantik erneut ihr hässliches Gesicht zeigt – zumal sie eine Ehe mit dem Calvinismus eigegangen ist: Deutschlands Leitkultur ist grün. Rödder schreibt: „Das deutsche Selbstverständnis als Kulturnation aber wirkte ebenso weiter wie eine Tendenz zur moralisch-kulturellen Selbstüberhöhung.“

Der grüne Nationalismus ignoriert nicht nur die Technik, neben der  „deutschen Medizin“ scheint es nun auch eine deutsche Energietechnik zu geben, er nimmt auch keine Rücksicht auf die Nachbarländer, die heute schon unter der deutschen Energiewendehybris leiden, denn man geht ja vorweg.

Eine deutsche Spezialität war es immer, zwischen Zivilisation und Kultur zu unterscheiden. Die Energiewende, der in ihrer nun beschlossenen Radikalität kein Land der Welt folgt, die Schweden zum Beispiel sind aus Gründen der C02-Reduzierung längst wieder aus dem Atomausstieg ausgestiegen, sind Ausdruck eines Denkens, das sich im Einklang mit der Natur wähnt und in der immer eine Verachtung gegenüber profanen Kaufleuten und Technikern mitschwang. Und das natürlich scheitern wird und das umso schneller, wenn die schon aufflackernden  Proteste gegen die Gasnutzung erfolgreich sein werden. Denn es ist der rationale Blick und die Suche nach technischen Lösungen welche die Kosten im Blick behalten, der Erfolg verspricht und nicht der nahezu religiöse Nationalökologismus.

Wenn dann die hinreichend prognostizierten Probleme auftauchen wie hohe Energiepreise und Stromausfälle, wird man in Selbstmitleid versinken. Die anderen sind schuld, wird es heißen, sie haben den toitschen Genius nicht erkannt. Als  Mythos wird sich verfestigen, dass Deutschland auf dem Felde der Energiewende ungeschlagen war, aber von Feinden im Inneren und Intrigen fremder Mächte heimtückisch zu Boden gestossen wurde.

Es wird ausgehen wie immer.

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8 Kommentare zu “Energiewende: „Am deutschen Wesen mag die Welt genesen“

  • #1
    ke

    Bei der Eroberung des grünen Energiemarktes mit ausländischen Solarzellen etc. ist es wenig hilfreich, wenn es in diesem Neuland Internet ein paar gallische Dörfer gibt, die so rückständig sind und an Naturwissenschaften glauben, dass ihnen jede Vision fehlt, den Fortschritt der grünen 20-Jahres-Plänen zu erkennen.
    Das treibt mir den Blutdruck hoch. Ich brauche ein paar Globulis.

  • #2
    Georg Jungk

    Die Enkel der 68 ziger werden es schaffen uns in einer Generation dahin zurück zu schaffen wo wir vor einhundert Jahren waren !!!

  • #3
    Christoph Becker

    Dieser Missionierungsdrang der Deutschen muss ja nicht grundsätzlich wirklich schlecht sein. Das Problem ist nur, dass die Deutschen dabei immer wieder zu Theorien und Zielen neigen, die die Welt, wenn sie, die Deutschen, Erfolg haben sollten, nicht wirklich weiter bringen, sondern die alles nur verschlimmern oder zumindest nichts wirklich verbessern.
    Zum Thema Klimaschutz gibt es aber einen unter anderem in Tschechien, Australien, Südafrika den USA und teilweise auch in Deutschland entwickelten Lösungsansatz mit dem man ziemlich elegant und preiswert das Problem "Klimawandel" (= zunehmende Extremwetterlagen, Hitzewellen, Dürrekatastrophen und Wüstenausbreiten, Gletscherrückzüge usw.) lösen und damit diese Art Energiewende überflüssig machen könnte: www.freizahn.de/2018/11/wirksamer-klimaschutz-ist-gemeinde-und-laendersache/
    Wenn man das, anstelle dieses irren Kohleausstieges forcieren würde, könnte man vielleicht tatsächlich auch in einigen anderen Teile der Welt positives bewirken. So aber wird Deutschland einfach nur kollabieren, im Chaos versinken und womöglich sogar die finsteren Prognosen der Deagle-Liste bestätigen

  • #4
    Andre Schreiber

    Nicht nur den Autor, auch den Kommentatoren möchte ich zurufen: "nur Mut, weg mit der German Ängstlichkeit".

    Es ist schon erstaunlich dass in Deutschland bei einer Veränderung zuerst geprüft wird, was das kostet, was es für Nachteile gibt und was schief gehen kann. Dann wird das x mal heruntergebetet. Es kommt dabei nicht darauf an, das alles gesagt wurde, nein JEDER muss es gesagt haben. Und wenn dann noch etwas vom Innovationslust übrig ist, dann wird maximaler Ausgleich von sämtlichen Benachteiligungen gefordert.

    So wird das tatsächlich nichts…

  • #5
    Gerd

    "Als Mythos wird sich verfestigen, dass Deutschland auf dem Felde der Energiewende ungeschlagen war, aber von Feinden im Inneren und Intrigen fremder Mächte heimtückisch zu Boden gestossen wurde."

    LMAO . Großartig formuliert.

  • #6
    paule t.

    Also erstens habe ich jetzt gelernt, dass es ganz, ganz schlimm ist, in einem langfristig gesehen sinnvollen Bereich technologisch führend sein zu wollen. Warum, konnte ich dem Text jetzt zwar nicht entnehmen, aber es wird schon seine Richtigkeit haben.
    Zweitens, auch eine Politik, die nun wirklich gar nichts mit Nationalismus zu tun hat, kann als solcher verunglimpft werden. Und wenn man nun wirklich gar keine sachlichen Argumente dafür hat, dann fabuliert man halt ein bisschen über Romantik rum, zitiert die richtigen bösen Sätze und behauptet den Zusammenhang einfach.
    Naja, wem’s Spaß macht.

  • #7
    ke

    #6 paule t.
    Was ist denn langfristig gesehen der sinnvolle Bereich, in dem Deutschland technologisch führend sein soll? Bitte mit Zeitangaben.

    Ein Statement, wie Strom nachts und ohne Wind beschafft werden soll, wäre auch hilfreich.
    Dann haben wir noch die E-Autos mit ihren Akkus und dem Problem, wie sie im großen Maßstab aufgeladen werden sollen.

    Meine Prognose:
    In 10 Jahren sieht der Verkehr anders aus als wir es jetzt denken und mit der zunehmenden Automatisierung wird auch die jetzige Kapazität der Strassen ausreichen.

  • #8
    Helmut Junge

    technologisch führend zu sein, ist auf jeden Fall besser, als abgehängt zu werden. Hätten wir eine Weltregierung, gäbe es immer noch Konkurrenzen intern. Also, irgendwer ackert sich immer ab, um vorne zu sein. Nur sind wir trotzguter Handelsbilanzen längst keine wissenschaftlichen bzw. technologischen Leuchten mehr. Schon lange nicht mehr. Scholz hätte lieber von der Gefahr abgehängt zu werden, die uns blüht, sprechen sollen. Vielleicht versteht er auch vom Thema nicht genügend. Jedenfalls der große Sprung nach vorne an die Spitze ist für Deutschland keine realistische Option. Erst mal die Schulbildung so verbessern, daß einige Träumer mit größeren Zahlen umgehen lernen. Das wäre schon was. Darauf könnte man aufbauen. Das könnte man dann an den Pisastudien abschätzen, wie weit unser Land ist, und was dann 20 Jahre später dabei herauskommen konnte. Aber in diese Niederungen will Scholz ja gar nicht. Das zeigt aber, daß es eine der unzähligen Sonntagsreden war. Darin sind wir Deutschen tatsächlich Weltspitze.

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