
Tarek Ehlail war der Sohn eines Palästinensers und einer Deutschen und wurde am 31. August 1981 in Homburg geboren. Nur zwei Tage vor seinem 44. Geburtstag ist der Filmemacher, Boxer, Piercer, Autor und Unternehmer vergangenen Freitag bei einem tragischen Verkehrsunfall in Köln verstorben. Ein Nachruf.
Tarek war ein Autodidakt mit unbändiger Neugier und einer bemerkenswerten Vielseitigkeit. 2003 gründete er die Produktionsfirma Sabotakt, die sich der Arbeit an Undergroundprojekten verschrieben hatte. Gemeinsam mit Matthias Lange rief er zudem die Sabotakt Boxparty ins Leben – ein Punk- und Kampfsport-Event, mit dem sie durch Europa tourten. Seit 2015 betrieb er außerdem die Agentur Solid, die Schutzdienstleistungen, Sicherheitskonzepte und freie Wachkräfte vermittelte.
Als Filmemacher machte er 2008 mit „CHAOSTAGE – We are Punks!“ sein Kinodebüt, zwei Jahre später folgte „GEGENGERADE – Niemand siegt am Millerntor!“. 2013 veröffentlichte er das Buch „PIERCING IS NOT A CRIME“, in dem er seine Erfahrungen aus dem Piercingstudio reflektierte. „Besonders wichtig beim Piercen ist Empathie, um auf den Kunden einzugehen oder ihn zu beruhigen, wenn er nervös ist“, sagte er einmal in einem Interview. „Ich habe mich immer als Dienstleister gesehen, der den Wunsch des Kunden erfüllt – eine Gefälligkeit durch Schmerz.“ Neben Musikvideos für Bands wie Slime („Gewinnen werden immer wir“) und Egotronic („Hamburg soll brennen“) drehte Tarek 2016 seinen dritten Kinofilm „VOLT“, der prominent mit Benno Fürmann und Kida Khodr Ramadan besetzt war und in München Premiere feierte.
Jedes Gespräch mit ihm war eine Bereicherung
Tarek war ein Mensch mit klaren Visionen und einem einfachen Traum: irgendwann wollte er genug Geld haben um in Rente gehen und nur noch mit seinem Hund spazieren zu gehen. Er war ein unermüdlicher Macher – und gleichzeitig jemand, der zuhören, verstehen und verbinden konnte. Mareike Bachmann, eine Freundin von ihm, schreibt auf Facebook: „Jede Begegnung mit ihm war ein Geschenk, jedes Gespräch eine Bereicherung. Tarek hatte die seltene Gabe, Menschen nicht nur zu hören, sondern wirklich zu verstehen – und genau dadurch Spuren zu hinterlassen, die bleiben. Sein Lachen, seine Wärme und seine aufrichtige Freundschaft haben mein Leben heller und reicher gemacht.“
Ich selbst hatte Anfang dieses Jahres das Glück, Tarek und seine Freundin Ina auf der „Film im Ruhrgebiet“-Ausstellung auf Zeche Zollverein in Essen zu begleiten. Aus einem kurzen Rundgang wurde ein energiegeladener Talk über Filmgeschichte – seine Ausführungen zu Werner Herzog, Stanley Kubrick oder Robert Eggers waren so leidenschaftlich wie klug. Auch der Bochumer Schauspieler Uwe Fellensiek lobte kürzlich noch die kraftvolle und visionäre Bildsprache von Ehlail in einem Interview mit dem Magzin bodo.
Tarek Ehlail hinterlässt eine Lücke, die nicht zu schließen ist. Sein Schaffen, seine Energie und seine Wärme werden fehlen. Unser herzlichstes Beileid gilt seiner Familie, seinen Freunden und allen, die das Glück hatten, ihm zu begegnen.

[…] nach „Chaostage – We are Punks!“ nicht so wirklich mitverfolgt. Aber Nachrufe auf „Ruhrbarone“ oder „Homburg1“ zeigen, dass ich da eine Chance verpasst habe, den Werdegang eines […]