Israelhass und Geldsorgen: Flachkarätertreffen in Stuttgart

Kunstgebäude in Stuttgart Foto: Julian Herzog Lizenz: CC BY 4.0

Mitte März wird Stuttgart zum Zürich Schwabens: Nachdem die Elite der schmollenden Intellektuellen im Dezember in der Schweiz zusammenkam, um sich darüber zu beklagen, dass sie angeblich in ihrer Freiheit eingeschränkt sind, Israel zu kritisieren, treffen sich nun die B-Hörnchen in der Landeshauptstadt Baden-Württembergs. Wie üblich bei der schnorrenden Klasse geht es auch um Geld.

Anfang Dezember kamen Eva Menasse, Stefanie Schüler-Springorum, Diedrich Diederichsen, Dirk Moses, Behzad Karim Khani und ein paar andere „Schwerstintellektuelle“ in Zürich zur Konferenz „Rise & Fall of the BRD“ zusammen. Schon der Titel erinnerte an Epochenbruch, Niedergang und das Ende des Römischen Reiches und schwankte zwischen Hybris und Lächerlichkeit. Der Beleg für den Untergang der BRD waren für sie nicht antisemitische Krawalle auf Deutschlands Straßen, der Aufstieg der AfD oder wirtschaftlicher Niedergang, sondern dass man in Deutschland angeblich nicht mehr Israel einen Genozid an den Palästinensern vorwerfen kann, ohne als Antisemit bezeichnet zu werden, und die Solidarität des Landes mit Israel, auch Staatsräson genannt. Man blieb in Zürich unter sich und beklagte eine Cancel Culture, sah einen neuen Autoritarismus und sorgte sich auch mal mehr, mal weniger offen darum, für das Verzapfen des eigenen Unsinns nicht mehr mit Steuergeldern finanziert zu werden. Ein wütendes Selbstbetroffenheitsdrama, das von den meisten Medien im Frühwinter des vergangenen Jahres eher mit Kopfschütteln kommentiert wurde.

Der Remix der Show ist nun Mitte März in Stuttgart angekündigt. Mit dabei ist wie in Zürich Emily Dische-Becker, eine der Initiatorinnen der Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus. Eines der Hauptanliegen der Erklärung ist, die BDS-Kampagne, deren Ziel die Vernichtung Israels durch wirtschaftlichen und kulturellen Boykott ist, vom Vorwurf des Antisemitismus freizusprechen. Wenn in Zürich, wie es die taz schrieb, vor allem „hochkarätige linke Intellektuelle“ zusammenkamen, erinnert Stuttgart eher an ein Treffen der Flachkaräter: Neben Emily Dische-Becker sind unter anderem auch noch Hanno Hauenstein, der früher noch unter dem schönen Namen Hanno Pöppel veröffentlichte, und Henrike Kohpeiß mit dabei. Das unter der Überschrift „Zur Kritik der Freiheit und ihrer Repression in liberalen Demokratien“ geplante Treffen wird vom „Kulturamt der Landeshauptstadt Stuttgart, Abteilung für Literatur und Philosophie“ gefördert und wird vom Württembergischen Kunstverein Stuttgart veranstaltet, was zeigt, dass die in der Ankündigung geäußerte Besorgnis, die Androhung des Entzugs öffentlicher Förderung würde diese sich selbst bejammernde Szene bei ihrer ebenso glühenden wie obsessiven Israelkritik beeinträchtigen, leider gegenstandslos ist.

„Auslöser dieses Symposiums“, heißt es dort, „ist die wachsende Sorge um die Freiheit, Unabhängigkeit und Freiräume von Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft in Deutschland und anderen liberalen Demokratien.“ Um gleich darauf festzustellen, dass die Grundlagen dieser liberalen Demokratien ein großes Übel sind: „Die modernen, vermeintlich europäischen Konzepte von Freiheit und Autonomie entstehen mit der Aufklärung, deren nicht nur emanzipatorische, sondern auch sexistische, rassistische, klassistische und koloniale Strukturen Gegenstand jüngerer transdisziplinärer Forschung und Theorie sind. Freiheit und Unabhängigkeit stellen keine fixen, sondern permanent zu erstreitenden sozialen Verhältnisse dar. Dieser Streit muss offen sein.“

Und was bedroht die offene Debatte? Natürlich „eine Reihe von strukturellen Entwicklungen in Deutschland – allen voran jene politischen Eingriffe, die sich auf das diffuse Konstrukt einer deutschen Staatsräson und einer Definition von Antisemitismus berufen, die für die gesamte Gesellschaft geltend gemacht werden sollen.“

Das große Problem ist also wieder einmal, dass man mit Hetze gegen Israel in Deutschland nicht mehr so einfach Steuergelder abgreifen kann und Politiker sich herausnehmen, bei der Vergabe von Steuermitteln, des Geldes also, das sie den Bürgern abgenommen haben, auch inhaltliche Maßstäbe anzusetzen, also keine Carte blanche auszustellen, um das postmoderne Milieu mit einem leistungslosen Grundeinkommen zu versorgen. Der Württembergische Kunstverein Stuttgart scheint trotz Kürzungen der Landeszuschüsse noch genug Geld zu haben, den B-Hörnchen der Szene zumindest eine warme Suppe spendieren zu können.

 

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