Karl Lauterbach erklärt aus Versehen die Unmöglichkeit der Energiewende

Karl Lauterbach, SPD (Foto: Roland W. Waniek)

Teurer und schmutziger Strom, zu wenig Energie für Rechenzentren und die explodierenden Preise für Gas, Benzin und Diesel haben dazu geführt, dass in Deutschland wieder über Kernkraft geredet wird. Selbst Patrick Graichen (Grüne), Robert Habecks ehemaliger Staatssekretär im Wirtschaftsministerium und einstiger Chef der Lobby-Organisation Agora Energiewende, hat seinen Frieden mit der Kernkraft gemacht. Der sagte Anfang März im Interview mit der Wirtschaftswoche: „Umso wichtiger wäre es ja genau deshalb, auch in Europa so viel wie möglich zu elektrifizieren und so schnell wie möglich die Stromerzeugung unabhängig vom Gas zu machen. Dann würde es billiger für alle. Da sollten wir dann auch pragmatisch sein und den alten Kampf Erneuerbare gegen Atomkraft beerdigen: Hauptsache, gemeinsam decken sie schnell über 80 Prozent des europäischen Strombedarfs.“

Den Kernkraftgegnern gehen die Argumente aus, die Stimmung dreht sich, der Unsinn der Energiewende kostet Jobs und belastet das Klima. Und natürlich stimmt es nicht, dass, wie der Kanzler sagt, der Ausstieg nicht mehr rückgängig zu machen ist. Es gibt Pläne, die alten Reaktoren wieder ans Netz zu bringen.

Nun hat sich Karl Lauterbach (SPD) in die Debatte eingeschaltet. Der Kölner Bundestagsabgeordnete und ehemalige Bundesgesundheitsminister schrieb gestern auf X:„Wir brauchen Jahrzehnte für Stuttgart 21 oder den BER. Wer glaubt denn wirklich, dass wir noch sichere Atomkraftwerke zu vertretbaren Kosten bauen könnten?“

Keine Frage, Lauterbach spricht einen wichtigen Punkt an: Deutschland hat seit langem Probleme mit Großprojekten. Allerdings ist das größte der großen Großprojekte die „Energiewende“. Der Bau des Stuttgarter Bahnhofs ist im Vergleich zu ihr ein Witz: Tausende Kilometer neuer Stromleitungen müssen gelegt und Wasserstoff-Pipelines gebaut werden. Allein bis 2029 müssten nach einer Studie 5,8 Windräder am Tag gebaut werden, um die Zwischenziele zu erreichen. Und danach wird es so weitergehen. Solaranlagen und Speicher, die auf absehbare Zeit noch nicht einmal ans Netz angeschlossen werden können, kommen noch einmal obendrauf. In einer 2024 veröffentlichten Analyse „Zur Berechnung der Investitionskosten für die Energiewende“ kamen die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages zu dem Ergebnis, dass der grüne Traum bis 2045 bis zu 13,3 Billionen Euro kosten könnte. Wie ein Deutschland, das im Gegensatz zu Ländern wie den USA, Frankreich und China nach Lauterbachs Ansicht nicht in der Lage ist, ein paar Kernkraftwerke zu bauen, ein solches Projekt stemmen können soll, bleibt wohl Lauterbachs kleines Geheimnis.

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