
Extremisten der Gruppe „Kufiyas in Buchenwald“ hatten ursprünglich pünktlich zum 81. Jahrestag der Befreiung des KZ einen Protest vor der Gedenkstätte Buchenwald angekündigt. Hier sollte die Gedenkstätte für ihre politischen Zwecke instrumentalisiert werden. Israel sollte als Täter angeprangert und die Lüge vom Genozid in Gaza verbreitet werden. Vorwand war ein angebliches Kufiya-Verbot in der Gedenkstätte.
Eine entsprechende Vorbereitungsveranstaltung in Köln konnte verhindert werden. Dazu hatten wir berichtet. Das Verwaltungsgericht Weimar untersagte glücklicherweise die Kundgebung am Gelände selbst. Der extremistischen Gruppe wurde dafür der Theaterplatz in Weimar zugewiesen. Sie sagte dann aber kurzfristig ihre Veranstaltung ab.
Der Protest gegen diese infame Instrumentalisierung der KZ-Gedenkstätte fand aber dennoch am Sonntag, 12.4.2026, in Weimar statt. Rund 200 Teilnehmer, darunter Vertreter von CDU, SPD, FDP und ver.di sowie von Iron-Dome-Gruppen aus Nürnberg, Hannover, Köln, Bremen, Mannheim, Bonn, Frankfurt, Erlangen und München, hatten sich versammelt, um gegen die Politisierung des Gedenkens an die Schoa zu protestieren. Organisiert wurde die Veranstaltung von Johannes Lösch von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG).

Der Landesbeauftragte für jüdisches Leben in Thüringen, Michael Panse, sprach davon, wie wichtig es ist, Flagge zu zeigen und Position gegen Antisemitismus zu beziehen, da „Menschen ihren Israelhass auf die Gräber der Opfer von Buchenwald tragen wollen“. Der Thüringer Innenminister Georg Meier erinnerte daran, dass die Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald das Ende der Schoa bedeutete. An dieses einzigartige Verbrechen soll in der Gedenkstätte erinnert werden. Sie „darf niemals instrumentalisiert werden. Für gar nichts.“ Die geplante Versammlung der Kufiya-Freunde dort sei eine Relativierung der Schoa. Hier hat die Versammlungsfreiheit ihre Grenzen, meinte Meier. Er dankte der Stadt Weimar, dass sie die Veranstaltung vor der Gedenkstätte verboten hat. „Die geopolitische Situation hat mit Buchenwald nichts zu tun und hat auch deshalb dort nichts zu suchen.“

Volker Beck, der Präsident der DIG, erklärte, der Erlösungsantisemitismus der NS-Zeit wird heute auf das Land Israel übertragen. Antizionismus ist Antisemitismus, denn Zionismus ist die Selbstbestimmung der Juden und ihr Recht auf einen eigenen Staat. Beck spricht von Israel als „letzte Lebensversicherung“ für die Juden, vor allem in Anbetracht der Diffamierungen, Bedrohungen und auch Attentate auf Juden weltweit in der letzten Zeit. Das Gedenken an Buchenwald darf man sich nicht für eigene politische Interessen und antizionistische Propaganda aneignen. Die Unterstellung, der jüdische Staat begehe einen Genozid an den Palästinensern, versucht die Geschichte umzudrehen, „aus dem Staat, der von Überlebenden der Schoa aufgebaut wurde, den Täter zu machen… Das ist zutiefst antisemitisch… Dem muss man sich entgegenstellen.“ Nicht nur in der Kampagne „Kyffias in Buchenwald“ kommt diese Geschichtsverdrehung zum Ausdruck. Auch bei dem Bild eines italienischen Künstlers von Anne Frank mit Kufiya zeigt sie sich. Beck erklärt noch einmal die Bedeutung der Kufiya und warum sie als Symbol so problematisch ist. Zunächst vom Großmufti Al Husseini, der mit Hitler regen Kontakt pflegte und bereits die Ermordung und die Vertreibung der Juden aus Palästina auf der Agenda hatte, über Arafat, den Gründer der PLO, ist das Palituch ein Symbol für die Vernichtung Israels und der Juden geworden. Deshalb haben Kufiyas in einer Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus nichts zu suchen. „Das tritt das Gedenken an die Opfer mit den Füßen.“
Politische Auseinandersetzungen gehören auf die Marktplätze und nicht an Gedenkstätten. Beck fordert mehr Pietät und Respekt vor dem unendlichen Leid der Menschen, die in Buchenwald interniert wurden.
Nach ihm sprach das Bundestagsmitglied Michael Hose. Er griff den Satz von Tova Friedman, einer Überlebenden des Holocaust, die kürzlich vor dem Bundestag sprach, auf: „Das Böse beginnt nicht mit Lagern, das Böse beginnt mit Gleichgültigkeit.“ Wichtig ist das Aufstehen gegen Hetze, Menschenfeindlichkeit und die Relativierung der Geschichte.
Karoline Preißler sagte: „Wir stehen heute hier, weil eine Mahn- und Gedenkstätte von Menschenfeinden für Propaganda missbraucht wird. Ein Ort der Erinnerung, ein Datum des Gedenkens. Antisemiten und Menschenfeinde reißen die Geschichte des industriellen Massenmordes unter den Nationalsozialisten an sich, schreiben die Geschichte um und überschminken Leichenberge und Holocaustaufarbeitung… Die Zielsetzung ist immer gleich. So war es damals und so ist es auch heute: Juden wird das Existenzrecht abgesprochen.“
Karoline Preißler zeigte sich dankbar, dass „Thüringen und die Stadt Weimar so einen Tabubruch nicht einfach laufen lassen“.
Viele Briefe habe sie bekommen, die sie aufforderten, dass sie die Einzigartigkeit des industriellen Massenmordes an Jüdinnen und Juden noch einmal betonen möge und dass das Unrecht eben nicht relativiert werden darf.
In ihrer Rede verlas sie die drei Forderungen der Gruppe „Kyffias in Buchenwald“.
Erstens: offene Thematisierung des angeblichen Völkermordes in Gaza in der Gedenkstätte Buchenwald. Aber dies ist ein Ort der Erinnerung und der Trauer an die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen, der auch eine Hausordnung hat. Gruppierungen, die den Terror der Hamas feiern, das Massaker vom 7. Oktober bejubeln und Israel in seiner Existenz bedrohen, wollen diesen Zweck missbrauchen. Derartige Ideologien widersprechen dem Eid von Buchenwald und allem, wofür die Stiftung der Gedenkstätten einsteht.
Zweitens: kein Verbot palästinensischer Symbole in der Gedenkstätte. Dieses Verbot gibt es aber in der Gedenkstätte gar nicht. Nur im Kontext einer politischen Instrumentalisierung kann das Tuch unerwünscht sein.
Drittens: keine Haus- und Sprechverbote wegen Palästinasolidarität. Allerdings ist das Anbringen und Mitführen von Fahnen und Transparenten generell in der Gedenkstätte nicht gestattet und im Übrigen auch unangebracht. Ausnahmen sind Traditionsfahnen der Überlebenden.
Preißler weiter: „Die Antisemiten bestreiten das Existenzrecht Israels an dem Ort, der mit vielen anderen Orten des Grauens den Grund für die Staatsgründung Israels lieferte.“ Sie erinnerte noch einmal an das entsetzliche Massaker vom 7. Oktober 2023 und an Dietrich Bonhoeffers Ermordung kurz vor der Befreiung Buchenwalds.
Karoline Preißler meinte, wir dürfen den Menschenfeinden nicht nachgeben, denn die Würde der Opfer ist unantastbar.
Danach sprach Sascha Stavsky vom Honestly Concerned e.V. darüber, dass wir die Stimme erheben müssen für die, die sie nicht mehr erheben können, die Opfer von Buchenwald, die Ermordeten und gegen die Geschichtsverdrehung der Hamas-Freunde mit ihren Kufiyas und Wassermelonen und „Globalise-the-Intifada“ und „From-the-River-to-the-Sea“-Rufen. „Es reicht! So nicht, nicht hier in Weimar, nirgendwo sonst!“, rief Stavsky. Israels Selbstverteidigung wird als Genozid bezeichnet. „Das hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun… Juden werden angegriffen, Häuser werden beschmiert, zur Vernichtung des jüdischen Staates wird offen aufgerufen.“ Er spricht von der Staatsräson und der völlig konträren aktuellen Politik, dem Auswärtigen Amt, das sich mit fast täglicher Kritik gegen Israel positioniert, einer Entwicklungsministerin, die Hamas- und Hisbollah-Narrative kommuniziert. Propagandalügen werden übernommen und weiter verbreitet. Der Bundespräsident mit seiner Völkerrechtsdebatte meint, über Israel urteilen zu können. Der „Bundeskanzler, der in einer Phase, in der Israel um seine Existenz kämpfen müsste, Waffenlieferungen infrage gestellt hat und verzögert hat“, hat Israel in entscheidenden Momenten geschwächt. Das wären keine Einzelfälle, sondern ein Muster. „Es reicht mit den hohlen Worten.“ Alltäglicher Antisemitismus mit Hass, Bedrohung gab es seit Jahren und ist nur in letzter Zeit noch größer geworden und eskaliert. Stavsky sagte: „Der Staat hat versagt.“ Aber Meinungsfreiheit endet, wenn aus Meinung Hass wird, aus Kritik Hetze, aus Worten Gewalt und wo offener Antisemitismus und Vernichtungsphantasien verbreitet werden. Zionismus ist das Recht auf Selbstbestimmung und auf Schutz und Sicherheit für das jüdische Volk. Antisemitismus ist keine abstrakte Debatte mehr, sondern Realität. Jüdisches Leben ist bedroht und jüdische Symbole werden heute versteckt. Das hätte man sich 81 Jahre nach Buchenwald nicht vorstellen können.
Auch der Präsident der Jüdischen Studierenden Union Ron Dekel sprach. Jüdische Studenten werden permanent und wie keine andere Gruppe angegriffen. Sie fühlen sich von der Mehrheitsgesellschaft im Stich gelassen. Er dankte den Demonstrierenden in Weimar. Dann sprach er über den Antisemitismus als frühe Warnung für autoritäre, illiberale und menschenverachtende Entwicklungen. „Unerträgliche Menschen instrumentalisieren den Holocaust am Tag der Befreiung vom Konzentrationslager Buchenwald, einen Ort, an dem über 56.000 Menschen ermordet wurden, Kinder, Mütter und Alte.“ Nun erklärte Dekel, wer hinter „Kyffias in Buchenwald“ steckt. Es ist die Jüdische Stimme, eine vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestufte Vereinigung. „Diese Extremisten haben das Judentum und den Holocaust nicht verstanden. Sie verhöhnen diesen Ort.“ Ein solcher Protest ist weder friedlich noch gerecht und schon gar nicht jüdisch, meinte der Student. Es würde über Definitionen diskutiert, um Judenhass zu relativieren. An den Universitäten fängt die Diskussionsverschiebung an. „Sie haben angefangen in den Universitäten, dann die Synagogen und jetzt wollen sie uns auch noch die Gräber wegnehmen und unsere Trauer.“ Sie können uns das nicht wegnehmen.
Johannes Lösch erklärte zwischendurch die US-Flaggen, die neben den Israelfahnen an der Bühne hingen. Buchenwald wurde von Amerika befreit. Es sei ein Dankeschön an die USA.
Vom Simon Wiesenthal Center sprach Daniel Schuster.
„56.000 starben in Buchenwald, Tausende waren Juden.“ Buchenwald steht für Entmenschlichung. Auch er weist auf Anne Frank mit Kufiya hin und erwähnte, dass das Simon Wiesenthal Center da klar Stellung bezogen hätte und dass das Gedenken an die Schoa nicht verzerrt und politisiert werden und nicht gegen den einzigen jüdischen Staat eingesetzt werden dürfe. Die Lehren aus Buchenwald wären wichtig für die Gegenwart. Israel bedeutet Schutz, Identität und Zukunft für Juden. Er betonte auch die Wichtigkeit der IHRA-Definition des Antisemitismus. Man müsse wachsam bleiben und Grenzen ziehen. „Möge Buchenwald immer daran erinnern, was geschehen ist und was niemals wieder geschehen darf.“
Alexis Teger, Stadtrat von Jena, sprach über Antizionismus, der im Grunde nichts anderes ist als Judenhass, projiziert auf das Land Israel. Antizionisten bedrohen jüdisches Leben in Europa und Deutschland und wollen Judenfeindlichkeit in Deutschland und Europa ungehindert ausleben können. Man versucht, die Erinnerung an die Folgen des Antisemitismus zu relativieren. Kufiyas stehen für Palästinenser-Nationalismus. Bis heute ist die Vernichtung des Staates Israel und die Vertreibung aller Juden sein konstitutiver Charakter. Er verlas auch ein Grußwort vom Oberbürgermeister Jenas.
Am Ende wurde die Hatikwa, die israelische Nationalhymne, gespielt. Das war ein sehr stimmungsvoller Abschluss.
In Buchenwald selbst waren wohl doch ein paar Judenhasser zu entdecken gewesen. Samstag stand ein halbes Dutzend angeblicher Holocaust-Überlebende-Angehöriger mit unangezündeter Kerze in der Hand auf einem Acker, wo man im Hintergrund die Gedenkstätte erahnen konnte. Sie trugen ein Einheitsshirt mit der Aufschrift: „From Buchenwald to Gaza – From Resistance to Liberation“ („Von Buchenwald nach Gaza – Vom Widerstand zur Befreiung“). Ein Sprecher der Gedenkstättenstiftung sagte dazu: „Sie haben genau das getan, weswegen ihnen untersagt wurde, auf das Gelände zu kommen, nämlich Buchenwald mit Gaza zu vergleichen.“
Neben diesem ziemlich peinlichen Auftritt, der wohl nur zum Posten auf Social Media inszeniert wurde, erschienen auch am Sonntag ein paar Stalinisten mit roter Fahne, FDJ-Abzeichen und Hammer-und-Sichel-Button in der Nähe der Gedenkstätte, um zu provozieren. Während der Veranstaltung, bei der man der Befreiung der KZs und dem Ende der Schoa gedenken wollte, wurde es laut, als Kulturminister Weimer sprach. Auch die Kritik an ihm hatte bei dieser Veranstaltung nichts zu suchen.
Ewig Gestrige, radikalisierte Linke und Judenhasser können einfach nicht begreifen, was eine Mahn- und Gedenkstätte ist und wozu sie dienen soll. Oder sie wollen es einfach nicht begreifen.
