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Zentrum für Poltische Schönheit: Knochen kotzen

Werbevideo des Zentrums für Politische Schönheit Bild: Screenshot/Ruhrbarone

„Ich könnte vor Wut nur noch Knochen kotzen.“ So beginnt ein Kommentar zur Aktion des sog. „Zentrums für politische Schönheit“. Im ersten Augenblick war mir nicht klar, was genau gemeint war. In Berlin wurde eine Säule mit der Asche von in Auschwitz ermordeter Juden aufgestellt. Ja, Asche – Asche, die aus dem Krematorium des Vernichtungslager Auschwitz stammt und mit der ein Damm nahe dem Vernichtungslager aufgeschüttet wurde. Hintergrund ist die Mahnung vor einem faschistischen Rechtsruck mit dem deutsche „Konservative“ an den historischen Verrat der Demokratie an Hitler erinnert werden sollen, damit sie keine Allianzen mit der AfD eingehen sollen. So gut, umso schlechter.

Die Asche verbannter Juden wurde anlässlich archäologischer Grabungen und Kernbohrungen gefunden. Sie wird jetzt verwertet. Die Überreste von verbrannten Juden wird von den Nachfahren ihrer deutschen Mörder in eine Säule integriert und an einem historischen Platz in Berlin zur Mahnung aufgestellt. Neben Karten, T-Shirts, Postern werden Proben-Klümpchen (negativ getestet) – in Acryl zu Würfeln gegossen – zudem für Geld feilgeboten. Das kleine Weihnachtspaket gibt es selbstredend und setzt sich aus dem genannten Sortiment zusammen. Für 50 Euro kann man sich dann fast einen toten Juden als Briefbeschwerer auf den Schreibtisch stellen, weil negativ getestet. Damit kann sich dann der Nazi-Abkömmling von seiner historischen Verantwortung freikaufen und ‚was Gutes tun, was er ja so gerne tut. Das ist das, was er in diesem Lande immer tut, wenn es um die ermordeten Juden geht. So ähnlich wie die Plastikmenge durch einen Einkauf im Unverpackt-Laden zu verringern. Einen lebenden Juden kennen sie nicht, auch wenn seine besten Freunde… Na ja, sie wissen schon!

Länger habe ich überlegt, was das bedeutet, die Überbleibsel toter, ermordeter Menschen aus einem Damm kernzubohren und weiterzuverarbeiten. Ich habe an die Asche meines Großvaters gedacht. Wenn ich seine Asche nähme… Von der strafrechtlichen Dimension will ich nicht schreiben, auch wenn mir viel dazu einfiele. Hier geht es um viel mehr.

Vor dem Hintergrund des größten Menschheitsverbrechen, an das zurecht erinnert werden muss, wird die Asche kommerzialisiert. Jetzt kotze ich auch! Wer die Lampenschirme je gesehen hat, die aus der Haut ermordeter Juden gefertigt wurden, hat zugleich in die Untiefen der deutschen Seele und ihres Antisemitismus gesehen. Besserung ist nicht in Sicht. Auch dafür steht die vermeintliche „gute“ Aktion des sog. „Zentrums für politische Schönheit“.

Und was hat das Ganze mit Kunst zu tun? Ganz einfach: Gar nichts. Die Aktion ist die Antwort auf die Frage, die Adorno einst aufwarf, was Kunst nach Auschwitz noch zu bieten habe, was sie danach noch leisten könne. Solange sie deutsch ist, kann sie nichts – außer ermordete Juden zum PR-Event zu machen. Hier in der Form originärer deutscher Kommerzkultur!

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