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Claus Fritzsche ist tot

Fritzsche (†50) (Quelle: www.claus-fritzsche.de)

Fritzsche (†50) (Quelle: www.claus-fritzsche.de)

Der Journalist Claus Fritzsche (geb. 1964) war einer der bekanntesten Befürworter der „Alternativmedizin“. Als Homöopathie-Lobbyist führte er harte Auseinandersetzungen v.a. mit der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) und dem Esowiki Psiram. Fritzsche war dabei dafür bekannt, vor namentlicher Benennung bzw. Anprangerung seiner Kritiker nicht zurückzuschrecken.

Mitte 2012 wurde öffentlich, dass Fritzsche von verschiedenen Homöopathie-Konzernen Zahlungen für seine Tätigkeiten erhielt – der Begriff „CAMgate“ bezeichnete diese Causa. Viele Fördermittelgeber distanzierten sich nun von Fritzsche.

Laut seinem Weggefährten Professor Harald Walach, Universität Viadrina, war dies ein Schlag von dem Fritzsche sich nicht erholte. Wie Walach heute mitteilte:

Seine wirtschaftliche Basis war schwach, seine Schulden nahmen zu, eine Perspektive war nicht in Sicht. Ein anderer hätte sich vielleicht eine andere Aufgabe gesucht. Claus Fritzsche nahm sich am 14.1.2014 das Leben.

Walach erfuhr nach Informationen der Ruhrbarone vom Suizid durch einen gemeinsamen Bekannten. In einem Gespräch mit der Schwester Fritzsches wurde Walach dies nach eigenen Angaben bestätigt. Hierfür spricht auch, dass Fritzsche seit dem 10.1. nicht mehr twitterte und seine Büronummer nicht mehr geschaltet ist.

So sehr man als Anhänger des naturwissenschaftlich-kritischen Denkens die Meinungen und Handlungen des Journalisten Fritzsche ablehnen mag, so traurig ist es gleichwohl, dass der Mensch Fritzsche den Freitod gewählt hat.

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16 Kommentare zu “Claus Fritzsche ist tot

  • Pingback: Claus Fritzsche ist tot: Ein skeptischer Blickwinkel | Julitschka

  • #2
    Martin Kaysh

    Noch ganz erschüttert, mal ganz neugierig gefragt. Er hat das aber nicht mit Globuli gemacht?

  • #3
    Martin Kaysh

    Oh Gott. Ich fragte mich noch lapidar und fies, ob er sich denn mit Globuli getötet habe.
    Dann beschlich mich ein merkwürdiges Gefühl. Nach ein bisschen Google und Wiki bin ich mir sicher: Er war kein Jugendfreund von mir. Er wohnte im Nebenhaus, pirschte als Zehnjähriger mit der Armbrust durch die Gegend und erklärte mir, zwölfjährig, dass die Juden den Krieg begonnen hätten und mein Willy Brandt ein Verbrecher sei, der Verrat begangen hat am deutschen Volk. Ich war, soweit es der Verstand schon hergab, schockiert und außerdem persönlich äußerst beleidigt. Sein Vater, ein offensichtliches Arschloch und Altnazi, hatte den Jungen schon in dem Alter ruiniert. Das ist ein scheiß Leben, dachte ich dann etwas später über Klaus.
    Das ist jetzt zu Ende gegangen, unschön.

  • #4
  • #5
    dot tilde dot

    freitod ist ein sehr romantisches wort für selbsttötung, finden sie nicht? ich denke nicht, dass herr fritzsche sich in seinen letzten wochen sehr frei gefühlt haben wird.

    im übrigen stimme ich ihnen zu.

    .~.

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  • #7
  • #8
    Wilhelm Leonhard Schuster

    Wenn ich nach Bad Windsheim baden gehe,
    (dort gibt es das hochberühmte Salzbad in dem ich mich dann auch suhle),
    lasse ich 10 Liter der „Anna Quelle“ in ein Gefäß laufen, um damit Daheim Kaffe zu bereiten, sowie zu kochen.
    Die sehr, sehr fad schmeckende Anna-Quelle, wird zuhause mittels Orangensaft, ein wenig geschmacklich aufgemöbelt, damit diese gut trinkbar wird.

    Ich habe nun festgestellt, daß, seit ich also handele, ich weit weniger „Globuli“
    meines hoch geschätzten Onkel Dr. ,der unter Anderem ein sehr guter
    Diagnostiker und auch Homöopath ist, zu mir nehmen muß.

    Frage wie ist das nun : Sind Bäder der Homöopathie zuzuordnen?
    Die Brennessel ist gut gegen mein Rheuma, sagt mein Doktor, beispielsweise-
    und gibt mir ein „Globuli“ wo „Brenn-Nessel-Extrakt“ drin ist.
    Oder er gibt mir ein „Anna-Quellen Globuli“!

    Was ich damit sagen will ist : Ich kann die Aufregung, von wegen der bösen nicht wirksamen Homöopathie, beim besten Willen nicht verstehen!

    Traurig, traurig, traurig :Immer wenn ich in Bad Windsheim, in der Franken Therme, aufkreuze , muß ich doch tatsächlich, immer,immer, gnadenlos, Eintritt bezahlen!

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  • #12
    Vexation of the Soul is Vanity

    Was für peinliche Kommentare zum Tod eines Menschen. Passt aber zu diesem Blog.

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  • #15
    r.s

    …..er ist mir einige male begegnet und war bei allen hier fremdbeschriebenen verfehlungen ein mensch voller zweifel und intellekt, was man ihm auch immer anlastet, hier nimmt man ihm seine würde, die jedweder mensch verdient, einen suicid zu begehen ist ein grosser schritt……., erfordert mut und zeigt den grad der verzweiflung, soweit ich mich erinnere war er soweit es stimmt lange vorher manager im kreditautomatenbusiness, arriviert aber auch erschöpft von dem druck all jener branchen………….aufklärung war ihm wichtig……….inwieweit hier eine schlechtigkeit zu einer dunklen, trübenden ambivalenz vorlag kann und will ich auch nicht beurteilen………es geht mich nichts an ……..mir war er bei den wenigen, kurzen, dialogbelegten lebensbegegnungen sehr sympathisch und hatte eine nur scheinbar dogmasuchende gute allgemeinbildung, eine kindliche neugier nach wissen ……… diese wenigen begegnungen waren für mich besonders……oft sah ich ihn sehr einsam zu fuss flanierend mit einem regenschirm in der rechten hand……die zufällige kürzliche nachricht seines todes hat mich traurig gestimmt………urteile wer will……menschen hört auf zu urteilen sondern kehrt vor euren eigenen füssen………in andenken an einen sehr bekannten unbekannten r.s.

  • #16
    Geleen

    Lieber "R.S."
    Ich hoffe, Sie können diese Antwort lesen. Ich habe erst vor wenigen Monaten von Claus Fritzsches Tod erfahren und habe deshalb jetzt noch mal seinen Namen gegoogelt und stoße dabei auf Ihren Kommentar auf dieser mir bis eben völlig unbekannten Website "Ruhrbarone". Ich kann nicht
    behaupten, Claus Fritzsche gekannt zu haben, denn ich bin ihm nur ein einziges Mal in meinem Leben begegnet – und das ist nicht Jahre her, sondern ziemlich genau 3 Jahrzehnte! Aber wenn ich jetzt sein Photo sehe: so sah er auch damals aus; na ja ein bißchen grau sind wir seither alle geworden, aber ihm stand das gut (im Unterschied zu mir). Ich hätte ihn auf der Straße also sofort wiedererkannt.

    Damals war er Student in Mannheim, und wir begegneten uns im studentischen Umfeld bei einem Grillabend. Er saß neben mir und so kamen wir in Gespräch. Ich erinnere mich an einen ruhigen und nachdenklichen Mann mit deutlich intellektueller Prägung, so daß ich von seiner Studienwahl überrascht war. Ich hätte in ihm doch eher einen Geisteswissenschaftler, einen Musiker oder einen Künstler vermutet. Mir fielen seine angenehme Zurückhaltung und seine Kultiviertheit auf und eine schon damals altmodisch anmutende Höflichkeit. Er kam zudem aus der Jugendbewegung, was ihn mir sympathisch machte und sofort einen Anknüpfungspunkt bot. Kurzum: er war jemand, der auf so einem eher jovial-ausgelassenen Abend doch etwas deplaziert schien. Er wirkte ein wenig lyrisch und verträumt, und ich hätte ihn mir eher mit einem Rilke-Band unter einem Baum sitzend oder gedankenverloren an einer Gitarre zupfend vorstellen können. Ich habe ihn zudem als einen Menschen mit Allgemeinbildung und intellektueller Neugier eingeschätzt – etwas Seltenes heutzutage. Wir sind uns danach nie wieder begegnet.

    Wir haben aber über 3 Jahrzehnte hinweg – aber das skurrilerweise jeweils mit Abstand von Jahren(!) – immer mal wieder schriftlichen Kontakt gehabt und voneinander hören lassen. Auch wenn es dann vielleicht nur ein paar Zeilen waren, so habe ich doch nie den Eindruck gehabt, dort Post von einem mir Fremden zu bekommen. Irgendwann ließ er auch einmal durchblicken, wie wenig glücklich er in seinem damaligen Beruf geworden sei, was mich bei einem wohl sensiblen und nachdenklichen Menschen auch nicht wunderte. Von seinen späteren beruflichen Aktivitäten im Umfeld der Homöopathie habe ich irgendwann mal im Internet gelesen, aber ehrlich gesagt hat es mich nicht weiter gekümmert, da mir Themen wie Homöopathie und Alternative Medizin nichts sagen und ich mich dafür einfach nicht interessiere. Auch wenn ich über seine genauen Lebensumstände in den letzten Jahren also nichts weiß, so erschüttert es mich doch, wenn ein Mensch von so viel Hoffnungslosigkeit, Einsamkeit und Dunkelheit umgeben ist, daß für ihn nur noch dieser letzte "Ausweg" des Selbstmordes offen scheint.
    Als ich nun einige der unverhohlen hämischen Kommentare zu seinem Tod las – sowohl hier auf diesem Blog als auch auf anderen mir dato ebenfalls völlig unbekannten Seiten – hat mich doch das blanke Entsetzen gepackt. Viele zeugen von einer beschämenden menschlichen Niedrigkeit, von Geschmacklosigkeit und vor allem von Zynismus. Spätestens dann, wenn man bedenkt, daß ja auch vielleicht Claus Fritzsches Familie so etwas zu lesen bekommt, hätte sich das meiste von selber verboten. Ich weiß nicht, in welche offenbar bitteren Kämpfe Claus Fritzsche verwickelt war, aber mit dem Tod muß alle Feindschaft enden und einem Mann (zudem jemandem, der unter so traurigen Umständen gestorben ist) noch aufs Grab zu spucken, das ist so ziemlich das letzte.

    Ich hätte wohl selber keinen Kommentar hier geschrieben, wenn ich nicht Ihre Zeilen, lieber "R.S.", vorgefunden hätte. Sie waren ja offenbar vielleicht nicht eng befreundet, aber immerhin doch gut genug mit ihm bekannt, daß sie ihn so charakterisieren konnten. Mir gefällt Ihr wie "hingetupft" wirkender Nachruf, und wenn ich ihn aufmerksam lese, dann fällt es mir nicht schwer, darin den Claus Fritzsche wiederzuerkennen, den ich damals traf. Es ist selten im Leben, daß man einem Menschen nur ein einziges Mal begegnet und sich dann auch 30 Jahre später noch an ihn erinnert. Mein Mitgefühl gilt seiner armen Familie. Ich wünsche Claus Fritzsches Seele, daß sie bei Gott ihren Frieden und ihre Ruhe gefunden hat.
    Ihnen, lieber "R.S." unbekannterweise einen herzlichen Gruß und einen Dank, daß Sie sich 2 Jahre nach seinem Tod die Zeit genommen haben. Auch so etwas ist sehr ungewöhnlich.

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