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Etwas seriöser bitte!

66857_597201686957126_1721930818_nIn der Essener Innenstadt wird derzeit die „Strassen Gazette“ verteilt. Herausgeber ist der gemeinnützige Strassen Gazzette e.V. aus Erlangen. Mit dem Verkauf der Zeitung können sich Wohnungslose ein wenig Geld verdienen, die Hälfte des Kaufpreise geht an die Verkäufer. Soweit so gut. Allerdings täte dem Blatt ein wenig mehr Objektivität gut, wie am Beispiel der Ostermarsch-Berichterstattung in der aktuellen Ausgabe (April/Mai) deutlich wird.

Es ist fast ein wenig so, als hätten die Veranstalter des „Odenwälder Friedensmarsches“ unseren Artikel „Ostermarsch Ruhr – Redet lieber wieder über Chemtrails!“ gelesen. Denn das taten sie. Die „Gazette“ lieferte dazu einen Artikel, der mit viel gutem Willen als unkritisch bezeichnet werden kann. „Chemtrails, Chemiestreifen am Himmel, als Verbrechen gegen die Menschlichkeit war Thema von Bernd Hauck (Mannheim) von der Aktion ‚Sauberer Himmel‚“, ist dort zu lesen. Bei dem folgenden Text wird nicht auf Anhieb deutlich, dass es sich um die Wiedergabe von Haucks Rede handelt.

Durch das stellenweise Fehlen des Konjunktivs wird hier und da der Eindruck erweckt, hier würden von seiten der Autorin gesicherte Tatsachen präsentiert. „Flugzeuge, insbesondere Militärflugzeuge, in Deutschland starten sie von der Nato Airbase Ramstein aus, bringen Aerosole (Aluminium- und Bariumverbindungen, Strontium und Polymeerfasern) aus, die unter anderem das Wetter manipulieren sollen“, wie es im Text heißt. Dies würde, jetzt redet wieder Hauck, „sogar die Blut-Hirn-Schranke durchdringen und Krankheiten wie Alzheimer entstehen lassen.“

In der Bildunterzeile wird Hauck als zivilcouragierter Mensch dargestellt, dessen „Einsatz dem Verbrechen buchstäblich über unseren Köpfen“ gälte. Von „den Medien“ werde dies leider verschwiegen. Am Ende des recht langen Absatzes wird der Schlussappell des Redners an die Piloten wiedergegeben: „Verweigern sie diese Befehle, sie sind ein verbrecherischer Angriff auch auf die eigene Familie. Verweigerung ist der schnellste Weg, dieses Verbrechen zu stoppen.“

 „Ein Himmel voller Verschwörer“

Leider fehlt in dem Artikel der Hinweis darauf, dass die Chemtrail-Theorie eben nur eine Theorie ist – die noch dazu von der etablierten Wissenschaft als Verschwörungstheorie abgetan wird. So heißt es in einem Bericht des Umweltbundesamtes: „Für das in dem genannten Artikel erwähnte Einbringen von Aluminiumverbindungen in die Atmosphäre und die Bildung so genannter Chemtrails gibt es keinerlei wissenschaftliche Belege. Auch im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sind die beschriebenen Phänomene nicht bekannt.“ Selbst Greenpeace winkt ab und spricht von einem „Himmel voller Verschwörer“.

Gabriele Lermann, Verfasserin des Ostermarsch-Artikels und Verantwortliche bei der „Gazette“, hantiert in ihrem Bericht offenbar zu sehr mit ihrer eigenen Meinung herum. Auf Anfrage outete sie sich ebenfalls als Chemtrail-Gläubige: Sie beschäftige sich schon seit Jahren mit dem Thema und habe die vermeintlichen Phänomene schon oft fotografiert. Auch äußerte sie die Vermutung, dass Chemtrails, neben einer Wettermanipulation, auch militärischen Zwecken dienen könnten.

Projekte wie die „Strassen Gazette“ leisten einen wichtigen Beitrag bei der Wiedereingliederung von Wohnungslosen in die Gesellschaft. Sie bieten ihnen eine Verdienstmöglichkeit, ohne auf Almosen angewiesen sein zu müssen: Sie sind Verkäufer statt Bettler. Auch bieten die Redaktionen Anlaufstellen für ihre Mitarbeiter, auch die „Gazette“ bietet ihnen Beratung und Betreuung an. Um so wichtiger sollte es sein, dass die Redaktionen der Straßenzeitungen auf seriöse Berichterstattung setzen, damit das Projekt zukunftsfähig bleibt. Dies ist in doppelter Hinsicht im Sinne der Verkäufer: Diese möchten ebenfalls ein seriöses Produkt anbieten.

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