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„Lügenpresse, halt die Fresse“

pegida_duisburg
Ob Radio, Fernsehen, gedruckt oder im Internet: Immer größere Teile der Bevölkerung misstrauen den traditionellen Medien. Von dem Vertrauensverlust profitieren obskure Verschwörungsmagazine und Verlage.

Seit über einem Jahr treffen sie sich fast an fast jedem Montag auf dem tristen und windigen Bahnhofsvorplatz vor dem Duisburger Hauptbahnhof. 300, manchmal 500 Männer und Frauen. Die Reste von Pegida in Nordrhein-Westfalen. Gescheitert in Köln, Bonn und Düsseldorf hat sich Pegida in Duisburg etabliert. Besorgter Bürger, Neonazis, Fußballschläger. Deutschlandfahnen wehen im Wind, auf Transparenten finden sich Sprüche wie „Erbschuld ist Rassismus“ und in Reden wird sich lautstark beklagt, dass die Leugnung des Holocaust in Deutschland strafbar ist. Wenn die Truppe nach den Reden eine kurze Demonstration durch die Stadt absolviert, wird jedes Mal ein Spruch besonders oft und inbrünstig skandiert: „Lügenpresse halt die Fresse“.

Neu ist das nicht. Schon in den 20er Jahren waren alle Zeitungen, die über die NSDAP kritisch berichteten für die Nazis nichts anderes als „Lügenpresse“ und lange vor Pegida gehört der Spruch zum Standardrepertoire jede Neonazidemonstration.

Doch aus den rechten Randlagen hat es das „Unwort des Jahres 2014“ längst in die Mitte der Bevölkerung geschafft: Nach einer Umfrage der Wochenzeitung Die Zeit aus dem Jahr 2014 glauben 47 Prozent der Bundesbürger, die Medien würden einseitig berichten und seien von der Politik gelenkt. Nur 40 Prozent vertrauten der Berichterstattung der traditionellen Medien. Besonders tief sitzt das Misstrauen nicht nur im Osten der Republik, auch unter denen mit Abitur, Hochschulabschluss und einem überdurchschnittlich hohem Monatseinkommen traut man den Medien besonders häufig nicht mehr über Weg. Und ein rechtes Phänomen ist die ablehnende Haltung gegenüber der Arbeit der großen Verlagen und Sendern auch nicht. AfD- und Linkspartei-Anhänger sind sich in dieser Frage fast so einig wie in ihrer Bewunderung für den Autokraten Putin, was wenig wundert, verkündet doch Linken-Star Oskar Lafontaine auf Facebook, „Dass die CIA manchem deutschen Journalisten die Feder führt.“

Für Willi Keinhorst, den Redaktionsleiter des NRW-Teils der Welt am Sonntag betrifft das Misstrauen nicht nur die Medien: „Ich denke, dass der Vertrauensverlust die gesamte Gesellschaft durchzieht, er ist jedenfalls in allen gesellschaftlichen Gruppierungen zu spüren. Es wäre jedenfalls falsch, den Vertrauensverlust allein in bildungsfernen Schichten zu verorten.“ Bei aller Kritik ist sich Keinhorst sicher: „Die klassischen Medien haben ihren Status als bevorzugte Informationsquelle trotzdem nicht verloren.“

Doch während das Vertrauen in ARD, WDR und ZDF, in Spiegel, Welt und FAZ sinkt, erfreuen sich obskure Angebote immer größerer Beliebtheit. Der von Putin gelenkte russische TV-Sender RT-Deutsch erreicht im Internet immer mehr Zuschauer und die Nachtrichten seiner Magazine werden von Linken und Rechten gleichermaßen begeistert in den sozialen Netzwerken geteilt. Dem auf rechte Verschwörungsliteratur spezialisierten KOPP-Verlag gelang mit Büchern des ehemaligen FAZ-Journalisten Udo Ulfkotte wie „Gekaufte Journalisten“, „Die Asyl-Industrie“ und „Vorsicht Bürgerkrieg!“ mehrere Bestseller und auch das Compact-Magazin, in Aufmachung und Inhalt schon auf den ersten Blick so wenig ernst zu nehmen wie sein sich immer am Rand der Lächerlichkeit bewegender Chefredakteur Jürgen Elsässer konnte in den vergangenen Jahren mit Titelgeschichten wie „Merkel? Verhaften!“, „Diktatur Merkel“ und „Endstation Bürgerkrieg“ seine Auflage beträchtlich steigern.

Für Frank Überall, den Vorsitzender des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV) steckt hinter der Abwertung des gesamten Berufsstandes:: „Journalistinnen und Journalisten sollen gezielt diskreditiert werden. Wir müssen uns klar machen, was hier gesellschaftlich passiert: Interessierte Gruppen wollen Medienvertreter als unglaubwürdig darstellen, um Raum für eigene Ideologien zu schaffen, um zuweilen krude Gedanken hoffähig zu machen. Das solide Handwerk des Recherchierens, Überprüfens und möglichst objektiv Berichtens soll in Frage gestellt werden, nach dem Motto: Glaubt (nur) mir, vergesst die anderen. Das ist für eine demokratische Gesellschaft schädlich.“ Und der Vorwurf der Lügenpresse, die Hatz auf Journalisten, hat Auswirkungen auf die Arbeit der Presse, sagt der DJV-Vorsitzende: „Die Aggressivität, die durch solche verbalen Anfeindungen geschürt und befeuert wird, hat inzwischen aber immer öfter auch handfeste Folgen: Übergriffe auf Medienvertreter nehmen gerade dort zu, wo zunächst verbal besonders offensiv mit dem Begriff der „Lügenpresse“ operiert wird. Das ist von den Initiatoren so gewollt. Spätestens durch solche gewalttätigen Übergriffe sind Journalistinnen und Journalisten bei der Ausübung ihrer Arbeit zunehmend in Gefahr.“

Vielleicht ist ein Grund für den schlechten Ruf der Medien ein Missverständnis. Viele Leser und Zuschauer erwarten von Journalisten und Verlagen etwas, dass es so nicht geben kann: Eine ungefilterte Berichterstattung, eine reine Wiedergabe der Fakten. Doch Medien sind keine Aufbereitungsanlagen der Wirklichkeit. Verlage sind aus gutem Grund Tendenzbetriebe, haben eine Richtung und Haltung. Zwar haben sich alle wichtigen Verlage dem Pressekodex des Presserates angeschlossen und sich damit der „wahrhaftigen Unterrichtung der Öffentlichkeit“ verpflichtet, aber damit endet die Arbeit von Journalisten nicht. Ihre Aufgabe ist auch die Einordnung und Interpretation des Geschehenen und so beurteilen die linke taz und die konservative FAZ ein und dasselbe Geschehen oft sehr unterschiedlich. Für immer mehr Leser ist das kein Beleg für Vielfalt und Meinungsfreiheit sondern für Lug und Trug.

Auch die sozialen Medien spielen nach Meinung der Medienmacher eine wichtige Rolle: Keinhorst: „Sie potenzieren die Kritik, die es ja immer gab, ganz enorm. Außerdem verleitet die Teilnahme an sozialen Netzwerken dazu, zu glauben, man sei im Besitz der Wahrheit. Man bewegt sich in Peer Groups, die die Meinung oder die Vorurteile immer bestätigen.“ Auch WAZ-Chefredakteur Andreas Tyrock beurteilt ihre Rolle ebenfalls kritisch: „Sie wirken als Verstärker, indem sie ungefiltert, laut und allzu häufig auch ordinär den Frust über die klassischen Medien verbreiten. Sie wirken aber auch verengend.“ Es sei paradox, durch das Internet verfügten alle über so viele und so vielfältige Informationen wie noch nie., aber Dadurch, dass sich viele Menschen vorwiegend über ihre „sozialen“ Netzwerke informieren, durch das, was ihnen „Freunde“ posten, verenge sich ihre Wahrnehmung: „Die Breite an Informationen, an unterschiedlichen Perspektiven und Meinungen wie sie etwa eine Tageszeitung liefert, spielen hier eine genauso kleine Rolle wie die Prinzipien des professionellen Journalismus. Von daher ist es auch nicht abwegig, Pegida als eine große Facebook-Party zu bezeichnen, wie der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen es getan hat.“

Das Misstrauen in die Medien ist aber zum Teil auch hausgemacht. Wenn die WDR-Mitarbeiterin Claudia Zimmermann im holländischen Radio erklärt, das Mitarbeiter des Senders angewiesen seien in der Flüchtlingsfrage „pro Regierung zu berichten“, wenn der ehemalige Aspekte-Moderator Wolfgang Herles im Deutschlandfunk sagt, „Es gibt tatsächlich […] Anweisungen von oben. Auch im ZDF sagt der Chefredakteur: Freunde, wir müssen so berichten, dass es Europa und dem Gemeinwohl dient.“, die taz sich von ihrem Redakteur Sebastian Heise trennt, weil der seine Kollegen bespitzelt hat, sind das Meldungen, die scheinbar alle Vorurteile gegenüber den traditionellen Medien zu bestätigen scheinen. Qualität und Ehrlichkeit, gerade auch dann, wenn Fehler gemacht wurden, sein die richtige Antwort, sagt Willi Keinhorst: „Es geht nur durch exzellente journalistische Arbeit: umfassende, bestmögliche Recherche, präzise Darstellung und klare Präsentation.“ Zur Glaubwürdigkeit gehöre es aber auch, sich von einem Redakteur zu trennen, der sich nicht an die Spielregeln gehalten habe.

Die Welt habe dies im Fall von Günther Lachmann getan, der sich der AfD als Berater angedient hatte. Für WAZ-Chef Tryock sind Qualität und der Kontakt zu den Lesern wichtig: „Wir recherchieren und publizieren entlang eines harten Pressekodex.“ Die WAZ verstehe sich auch als Anwalt ihrer Leserinnen und Leser. „Wir hinterfragen“ sagt Tyrock, „unsere Arbeit, machen gegebenenfalls Fehler transparent.“

Aber für den Journalismus müsse auch geworben werden, sagt DJV-Vorsitzender Überall: „Wir müssen gesellschaftlich für den Wert des Journalismus werben. Das geschieht bereits auf vielfältige Weise: In Sozialen Netzwerken, im privaten Freundeskreis, bei öffentlichen Diskussionen. Aber das geschieht noch nicht in ausreichendem Maße.“

Bleibt die Frage ob diejenigen, welche die freie Presse ablehnen und Journalisten offen mit Hass entgegentreten überhaupt noch zuhören.

Der Artikel erschien in eine ähnlichen Version bereits im Kulturmagazin K.West

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14 Kommentare zu “„Lügenpresse, halt die Fresse“

  • #1
    Frank Heinze

    was hier in der (durchaus selbstkritischen) Analyse fehlt, ist die Trennung von öffentlich-rechtlichen ("Staatspresse") und privaten Medien.
    Während man private Medien durchaus grob entlang gewisser Einstellungen sortieren kann, kennt der Staatsfunk i.d.R. nur eine Richtung. Zumal weit weniger berichtend wie moralisierend und Richtung vorgebend. Das gilt für die anderen großen Themen jenseits der Migrationskrise ja genauso.

    Reschke-TV und Hayali-Funk wären die entsprechenden Synonyme. Die, gewollten oder ungewollten, aufgedeckten Fehlleistungen hier zu rekapitulieren, erspare ich mir.

    Im Ganzen aber kein Wunder, wenn man die Parteipräferenzen der schreibenden Klasse kennt.
    http://de.statista.com/statistik/daten/studie/163740/umfrage/parteipraeferenz-von-politikjournalisten-in-deutschland/

    Irgendjemand schrieb, die Medien hätten mit Aufkommen der sozialen Netze die "Torwächterfunktion der veröffentlichten Meinung verloren."
    Genau so ist es. Das kann man aber auch als Bereicherung des Diskurses sehen.

  • #2
    Deutschlandkritiker

    Guter Artikel! Die meisten Journalist_innen machen hervorragende Arbeit, und das oft unter gewaltigem Produktionsdruck und manchmal auch noch sehr schlecht bezahlt. @ Frank Heinze: Ihr "Irgendjemand schrieb" ist ein Paradebeispiel für das Problem, das der DJV, auf dessen Angaben sich Stefan stützt, beklagt.

  • #3
    Klaus Lohmann

    @#1 Frank Heinze: Die von Ihnen namentlich verballhornten Journalistinnen freuen sich übrigens über jeden Braunen, der sich über sie aufregt. Also her mit den angeblichen "Fehlleistungen"…

  • #4
    bob hope

    Gute Zusammenfassung der aktuellen Situation aus journalistischer Sicht.

    Die große Legitimationskrise für Politik und Medien sehe ich zudem noch nicht.
    Das Abgebot hat sich einfach erweitert. Ein Problem ist eher der Mangel an inhaltlicher Auseinandersetzung – auch und vor allem wenn es um Kritik an der AfD geht. Worthülsen und Schlagworte haben die Argumente verdrängt. Auf der Jagd nach Klicks, Auflage und Quote bleiben Inhalte oft auf der Strecke.

    Abgesehen davon gibt halt Menschen (15, 20 Prozent?), die gar nicht an Diskussionen, an Fakten interessiert sind und lieber das hören wollen, was sie eh glauben. Die Leute haben sich halt den "(rechts)-alternativen" Medien zugewandt, um der großen Verschwörung auf die Schliche zu kommen.

    @ #1 Frank Heinze:

    Sie schreiben: "Während man private Medien durchaus grob entlang gewisser Einstellungen sortieren kann, kennt der Staatsfunk i.d.R. nur eine Richtung (…) Reschke-TV und Hayali-Funk wären die entsprechenden Synonyme. Die, gewollten oder ungewollten, aufgedeckten Fehlleistungen hier zu rekapitulieren, erspare ich mir".

    Von welchen "Fehlleistungen" sprechen Sie? Anscheinend können Sie mit Meinungsvielfalt und Kritik nicht umgehen. Statt dessen schwingen Sie gleich wieder die Keule: "Staatsfunk" als Synonym für "Lügenpresse" oder "Einheitsparteien"… Es gehört ja auch bei AfD, Pegida und Co zum Programm, Kritik mit Zensur zu verwechseln und andere Meinunungen als "Tugendterror" oder ähnliches zu bezeichnen.

    In fast allen Medien, von ARD über ZDF und Deutschlandfunk bis hin zu den Privaten, in Focus, Welt, Cicero, Spiegel und FAZ, in Talkshows und Blogs finden Sie zu jeder Tages- und Nachtzeit das komplette Meinungsspektrum vor. Sie müssen keine fünf Minuten suchen, um jemanden zu finden, der vor einem Millionenpublikum erklärt, weshalb Merkels Politik gescheitert ist, weshalb der Islam nicht zu Europa gehört und weshalb man die AfD und ihre Wähler nicht in die rechte Ecke stellen sollte. Dass derartige Meinungen nicht unwidersprochen bleiben, ist mehr als legitim und macht eine offene Gesellschaft aus.

    Und, Herr Heinze, sollten Ihre Freunde von der AfD tatsächlich mal die Macht ergreifen, wovon man glücklicherweise nicht ausgehen kann, werden Sie ja sehen, was von der Meinungsvielfalt und -freiheit übrig bleibt, nämlich nur noch das, was dazu dient, die "historisch-kulturelle Identität unserer Nation und ein souveränes Deutschland als Nationalstaat" zu erhalten und die "traditionellen Wertvorstellungen und spezifischen Geschlechterrollen in den Familien" zu stärken. Zumindest steht es so im Programmentwurf. Vielfalt ist dann genauso unerwünscht wie Kritik an derartigen Wertvorstellungen.

  • #5
    Helmut Junge

    "Bleibt die Frage ob diejenigen, welche die freie Presse ablehnen und Journalisten offen mit Hass entgegentreten überhaupt noch zuhören."
    Diese Frage kann ich vielleicht beantworten.
    Im privatem Bereich habe ich als Kind diese Frage für mich selbst so beantwortet. Nachdem ich mehrfach ausgelacht wurde, weil ich gutgläubig gezielte Fehlinformationen eines Cousins ernstgenommen hatte, habe ich mir damals geschworen, nie mehr etwas zu glauben, was der mir erzählen würde. Daran kann ich mich noch nach 55 Jahren ganz deutlich erinnern. Dieser Cousin hatte mich seitdem trotz etlicher Versuche nie mehr verarschen können. Insgesamt bin ich damals überhaupt allen Menschen gegenüber mißtrauischer geworden.
    Und so wird es wohl vielen Leuten gehen. Egal, ob die echt verarscht oder das nur vermuten.
    Um dieses aufgebaute Filter zu durchdringen, müßten Dinge geschehen, die ich noch nicht kenne.

  • #6
    Alreech

    Unterschiedliche Bewertung einer Sache ist ja noch nachvollziehbar, aber einseitige Auswahl von Fakten, ausblenden von wichtigen Informationen und manchmal auch schlichtweg das Verfälschen von Ausgangsmaterial sind durch keinen Pressekodex gedeckt.

    Einige Beispiele aus den öffentlich-rechtlichen Medien:
    "Kaufen für die Müllhalde" Arte:
    Großer Raum wird in dieser Dokumentation der sogenannten Glühbirnenverschwörung eingeräumt. Als Beispiel für die angebliche bessere Qualität früher Glühbirnen wird eine Glühlampe genannt die seit mehr als hundert Jahren ununterbrochen brennt.
    Eine wichtige Information die im ganzen Film nicht vorkommt: Glühlampen gehen nicht durch das brennen kaputt, sondern durch ein- und ausschalten.
    Später in der Dokumentation wird der jüdische Immobilienmakler Bernard London als Erfinder der geplanten Obsoleszenz genannt. Er ist die einzige Person deren Herkunft und Religion thematisiert wird. Zu dramatischer Musik wird dann auch die Frage gestellt "niemand weis, ob es ihm dabei nur um den Profit oder um die Hilfe für Arbeitslose ging…"

    2007 beschäftigte sich die Sendung Panorama (NDR/ARD) mit dem Thema Killerspiele.
    Dazu wurde das Spiel GTA:San Andreas mit der Modifikation Hot Coffee verändert. Diese Modifikation schaltet Sexszenen zwischen der Hauptfigur des Spiels und seiner Geliebten frei, die im Spiel sonst nicht zugänglich sind.
    Bei diesen Sexszenen geht es um einvernehmlichen Geschlechtsverkehr zwischen den dargestellten Figuren, was auch durch die entsprechenden Sounddateien unterstrichen wird.
    Panorama hat jedoch die Videoaufnahmen dieser Szenen mit "Rape Me" von Nirvana hinterlegt und die Behauptung aufgestellt das es im Spiel GTA San Andreas darum geht möglichst viele Frauen zu vergewaltigen.
    Eine Programmbeschwerde gegen diese Art und Weise der Programmgestaltung wurde abgewiesen, mit der Begründung das die Sendung den üblichen Standards des NDRs entspricht.

    Allgemein ist auch festzustellen das die öffentlich-rechtlichen und manchen linke Medien durchaus Wutbürger kompatibel sind.
    Z.B. wenn es gegen die böse Industrie geht die uns und unsere Kinder aus Profitgier vergiftet (etwa mit Aluminium, Killerspiele, Glyphosat, ect…) .

  • #7
    Walter Stach

    1.
    "Der Journalismus" hat in Deutschland weiterhin eine hohe Qualität -auch im Vergleich mit dem Ausland. Das schließt die sog. "Öffentlikch-Rechtlichen" ein. Daran ändern gelegentliche Fehlleistungen nichts, denn die gibt es in allen Tätigkeitsbereichen.

    2.
    Im Bereich der Printmedien gibt es primär im örtlichen, im regionalen Bereich leider einen nachhaltigen Verlust der Vielfältigkeit , u.a. hier im Ruhrgebiet. Das ist nicht nur für den an einer solchen Vielfältigkeit interessierten Leser ärgerlich, das trägt dann "im weitesten Sinne" zum "Medienverdruß" bei, zumal der Leser diesen Zustand zwar beklagen, aber nicht ändern kann.

    3.
    Wer die Vielfältigkeit der Medienlandschaft in Deutschland nutzt , auch die nach wie vor landesweit existierende Vielfältigkeit der Printmedien, auch die Vielfältigkeit der Angebote der öffentliche und der privaten Fernsehsender, dem ist es objektiv nicht möglich, von "d e n Medien" in Deutschland zu sprechen und " d e n " Medien eine "einseitige" Berichterstattung, gar eine von wem auch immer gelenkte vorzuhalten oder gar eine "einseitige Kommentierung" politischer Ereignisse.
    Wer das trotzdem macht, ist entweder nicht fähig oder nicht willens, die Realität der Medienwelt in Deutschland zu erfassen oder er behauptet böswillig Falsches.
    Warum das so ist, darüber wird nachgedacht, und zwar vor allem bei den "Medienmachern" und den in den Medien arbeitenden Journalisten, zum Teil unter Einbeziehung kritischer "Kundschaft".
    Subtantiell wird sich jedoch nichts ändern können, weil m.E. subtantiell nichts zu ändern ist.

    Eine andere Frage ist u.a. die, ob noch mehr als bisher die Medienmacher sich des Internets über
    ihre sog. online-Dienste bedienen sollten, bedienen müßten und ob und inwieweit das dann in Quantiät und Qualität den Print-medienmarkt noch mehr als bisher schaden wird. Das Letzteres nicht eintritt, hängt entscheidend vom Verhalten der Kundschaft ab, also von der Leserschaft der Print-Medien. Hier, so scheint mir, gibt es auch eine generationsbedinge Veränderung der Kundenwünsche.

    4.
    Dass die Informationen und die Kommunikationen durch die und in den sozialen Netzen zunehmend allein (!! dass Wissen und die Meinungen vieler Menschen prägen, ist für mich ein Zustand, der für eine freie, vielfältige und vielschichtige Zivilgesellschaft viel gefährlicher und viel bedenklicher ist als der Zustand der "klassischen" Medien.
    Denn in den sozialen Netzen wird eine riesige Menge an Halbwahrheiten, an Unwahrheiten produziert, die nicht nur oftmals widerspruchslos hingenommen werden, die regelmäßig auch ch nach Darlegung der Fakten nicht korrigiert werden, sondern die im Netz weit über die Möglichkeiten klassischer Medien hinaus verbreitet werden , oftmals mit einem "bestätigenden Kommentar" . Das geschieht regelmäßig deshalb, weil das, was man dort als vorgebliche Informaton über einen Sachverhalt einbringt,bestens in das eigene von Voruteilen betimmte Weltbidl" paßt und man regelmäßig die Zustimmung vieler Gleichgesinnter gewinnt, die es dann h verhindert, daß es zu einer Selbstkorrekur kommen kann.

    "Ungefilterte, ungeprüfte Information der Massen durch die Masse selbst und Kommentierung selbst komplizierter Sachverhalt durch jedermann

    -ungetrübt von jeder Sachkenntnis und losgelöst von jeder Verantwortung und das dann regelmäßig nicht nur in einer sprachlich-stilistisch unsäglichen Diktion, sondern regelmäßig gegenüber Andersdenkenden beleidigend un hasserfüllt-

    d a s ist für mich d a s mediale Problem im 21.Jahrhundert.

    Damit hat sich die Zivilgesellschaft zu befassen und nicht ihre wertvollen Ressourcen an Wissen und Verstand zu vergeuden, indem sie sich mit "der Idiotie von einer vorgeblich existierenden Lügenpresse" befaßt.

    bob hope
    insofern also auch zu Ihren hier einschlägigen Ausführungen zur AFD und zu PEGIDA meine volle Zustimmung.

  • #8
    Frank Heinze

    Die ÖR sind Staatsfunk. Mit ein paar Feigenblättern. Nicht de jure, aber de facto. Noch bis in die 80er gab es eine Meinungspreizung von Löwenthal bis Luc Jochimsen.
    Heute findet man nur noch Reschkes, Hayalis und Klebers. Die Berufsbetroffenen sind völlig austauschbar, würde man Claudia Roth dahinstellen, keiner würde den Unterschied merken.

    Und was die Fehlleistungen bis hin zur Fälschung angeht, haben Sie das echt schon vergessen?
    Nur mal ein paar Beispiele der letzten paar Monate:

    1) http://www.stefan-niggemeier.de/blog/22191/die-unwahrheit-ueber-akif-pirincis-kz-rede/
    (Einstweilige Verfügungen: http://www.rolandtichy.de/daili-es-sentials/der-fall-pirincci-jetzt-trifft-er-prominente/)

    2) http://www.focus.de/kultur/medien/ard-aktuell-chefredakteur-gibt-zu-versaeumnis-bedauern-wir-ard-verfaelschte-bericht-ueber-fluechtlinge_id_5029327.html

    3) http://www.focus.de/kultur/medien/tagesschau-und-tagesthemen-ard-raeumt-falsches-fluechtlingsbild-ein_id_5001222.html

    4) http://www.heise.de/tp/artikel/46/46350/1.html

    Momentan wird die Politik der herrschenden Klasse auch in Gesetzesform gegossen, um auch noch-nicht-gleichgeschaltete Journalisten zu zwingen, diese Geisteshaltung zu exekutieren. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/neues-radio-bremen-gesetz-mit-schlagseite-14138256.html

    Und haben nicht Ruhrbarone vor zwei Jahren oder so berichtet, dass die NRW (?) Regierung irgendwelche privaten Medien mit Steuergeld unterstützen will mit irgendeiner Stiftung oder so?
    Ein Schelm, wer auch hier an staatliche Gleichschaltung denkt….

  • #9
    leoluca

    Die europaweit anzutreffenden Freunde des völkischen und nationalen Milieus in Deutschland, das von Lügenpresse, Staatsfunk und Systemmedien spricht, zeigen ja als Regierende in Polen und Ungarn schön deutlich auf, was sie von der liberalen Pressefreiheit und Meinungsvielfalt halten. Sie verachten sie. Sie halten sie für dekadent und unmoralisch. Wer nicht national denkt, der lügt. Das ist nicht weit weg von dem alten Nazivordenker, Alfred Rosenberg, der in der „Lügenpresse“ den Verrat am "reinen Willen des Volkes" entdeckt hatte.

    Dagegen hört, sagt und liest der heutige, sogenannte besorgte Bürger in seiner eigenen,, volkstümlichen Wahrheitspresse, dass die Probleme unseres Landes vor allem durch Ausländer verursacht werden. Und dass wir deshalb keine neuen Ausländer mehr haben wollen, außer vielleicht ein paar Softwareingenieure aus Indien und Pakistan, die uns momentan fehlen.

  • #10
    Walter Stach

    Frank Heinze,
    ja, ja, so ist das wohl, , wenn man wie Sie kommentiert, stets angetrieben von Wunsch und Wille, seine sattsam bekanntes Vorurteile zu bestätigen, zu bekräftigen.
    Wenn man das zudem in der durchaus berechtigten Hoffnung tun kann, dafür viel Beifall von Gleichgesinnten zu erhalten, sich also stets darauf verlassen kann, Zustimmung seitens "privat Gleigeschalteteter" zu finden, dann beflügelt das naturgemäß zusätzlich.

    Leoluca,
    und weil das so ist wie von Ihnen geschildet, genießen ja Orban und Kaczynskis bei AFD und Pegida höchste Wertschätzung. Das Gleiche gilt bekanntlich auch für Putin. Mit Erdogan könnten die AFDler, die Pegiadisten nur deshalb "Probleme haben", weil der seine Politik contra Medienfreiheit als Repräsentant eines staats-autotriären Islamismu vertritt.
    Ein solcher HInweis wird allerdings bei Menschen wie Frank Heinze nicht dazu führen können, daß sie kritisch darüber nachdenken, wie es denn um Medienvielfalt und Medienfreiheit unter einem "AFD-Regime" in Deutschland bestellt sein würde, sondern solche Hinweise werden ehe dazu beitragen, sich eben eine solche "AFD-Medienwelt " zu wünschen, frei von allen Informationen und Kommentierungen, die als unvereinbar eingestuft würden mit "der Gesinnung der AFD (und Pegida), mit der Gesinnung ihrer Funktionäre, Anhänger und Wähler.

    Die AFD müße zudem für ihre Medienpolitik "das Rad nicht neu zu erfinden". Sie könnten sich nach den Vorbildern in Polen und Ungarn ausrichten, also das polnische oder das ungarische oder das russischen Modell für eine ihr wohlgefallende Medienwelt übernehmen.

    Leoluca,
    mit Freunden und Anhängern von AFD und Pegida, also mit den diesbezüglich"gleichgeschalteten Gesinnungsgenossen" läßt sich, wie alle Erfahrungen zeigen, argumentativ und vorurteilslos keine Diskussion über Medienvielfalt und Medienfreiheit in Deutschland führen. Ich habe in meinem Beitrag -7- anklingen lassen, womit das zu tun haben könnte. Ich nehme das folglich zur Kenntnis.

    Das ändert nichts daran, sich mehr denn je über die Zukunft einer möglichst vielfältigen, vielschichtigen Medienwelt in Deutschland Gedanken machen zu müssen, der Informationsfreiheit und der Meinungsäußerungs-/Meinungsfreiheit wegen, nicht primär wegen AFD und Pegida.

    Nur dabei stets an die einschlägigen Vorstellungen von AFD/Pegida und Anhängerschaft zu denken, kann ja Positives bewirken, daß nämlich seitens der Zivilgesellschaft alles dafür tun ist, ß auch in Zukunft in Deutschland sicherzustellen, daß substantiell Medienvielfalt, Meinungsfreiheit, Meinungsäußerungsfreiheit. Meinungsverbreitungsfreiheit in der heute existierenden Quantität und Qualität (!!) fortbestehen kann vor allem angesichts der in meinem Beitrag -7- abschließend angesprochenen Problematik.

    Denn jedem freiheitsliebenden Menschen muß es grausen, wenn er darüber nachdenkt, wie es um diese Freiheiten in Deutschland bestellt sein würde, wenn die AFD sich nach polnisch-ungarisch-russisch-türkischem Vorbild über die die Medienwelt in Deutschland hermachen könnte.

  • #11
    Alreech

    Die AfD muß ihre Medienpolitik gar nicht neu erfinden.
    Sie muß nur auf ihre verfassungsmäßigen Rechte beharren – nämlich Vertreter in die Rundfunkräte zu entsenden, wenn das die entsprechenden Rundfunkgesetze des jeweiligen Landes vorsehen.
    Dort kann sie dann ganz legal Druck auf die Programmverantwortlichen ausüben das konservative Haltungen – etwa zur Ehe und Familie – verstärkt positiv im Programm berücksichtigt werden.
    Vermutlich können sie dabei von Fall zu Fall sogar mit anderen konservativen Kräften im Rundfunkrat (etwa die Kirchen und Muslime) an einem Strang ziehen. In Sachen Abtreibung, Ehebruch ect… sind die nämlich nicht so progressiv wie viele glauben.
    Die bisherigen Fälle von Zensur – etwa das nicht senden des unchristlichen Musikvideos von Carolin Kebekus – wären wohl auch von der AfD unterstützt worden.

    Natürlich geht das auch staatsfern, dann Sitz statt der AfD eben die Zivile Koalition im Rundfunkrat und achtet darauf das im Fernsehen auch mal die klassische Familie aus Vater, Mutter und 2,6 Kindern gezeigt wird, und nicht immer nur die schwul-lesbische Patchworkfamilie bei der mindestens die Hälfte der Mitglieder Migrationshintergrund hat und in der trotzdem alles problemlos läuft (und wenn’s nicht läuft sind natürlich irgendwelche Nazis das Problem).

    Im übrigen ist es sicher nicht die Medienpolitik die dazu führt das manche AfD Wähler und Politiker Orban und Putin zu bewundern. Da ist eher ihre Opposition zu Merkel, den USA und der EU ausschlaggebend – was auch der Grund ist warum viele Linke mit Putin sympathisieren.

  • #12
    Walter Stach

    Alreech,
    ich zitiere aus Ihrem Beitrag -11-:
    "das im Fernsehen ……..nicht immer nur die schwul-lesbische Pachtworkfamilie bei der mindestens die Hälfte der Mitglieder Migrationshintergrund hat……" .
    Das entspricht exakt der Wahrnehmung und dem Denken der Anhängerschaft von Pegida und AFD . Das Zitierte kritisch zu kommentieren, wäre der Versuch an einem untauglichen Objekt.

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