31

Pegida-NRW: Der antisemitische Irrsinn tobt

pegida_antisemitismus

Immer wieder ist es Thema: Wie steht Pegida zu Antisemitismus und Israel? Der Grund: Immer wieder wehen Israel-Fahnen auf Pegida-Kundgebungen, laut der Website „Netz-gegen-nazis.de“ soll es auch eine Gruppierung namens „Jewgida“ geben. Zumindest in NRW ist jetzt klar, wie der hiesige Pegida-Ableger zu Antisemitismus steht.

Die Nutzerin Rebecca fragt auf Facebook: „Und wie Beweissen wir das Merkel eine Jüdin ist?“ (Alle Grammatik- und Rechtschreibfehler vom Original-Post übernommen) und fordert weiter in ihrem Beitrag in grammatikalisch katastrophalem Deutsch, dass man Seehofer, Merkel und „Ihre ganze Truppe“ festnehmen solle. Warum, das wird nicht ganz ersichtlich. Außerdem schreibt die Nutzerin, dass sie nun Im Internet nach einer Geburtsurkunde von Angela Merkel suchen würde, wohl um zu überprüfen, ob Merkel jüdisch sei. Das, so schreibt sie, wäre „der Nächste Beweiss“.

Für was die Geburtsurkunde ein Beweis wäre, wird auch bei mehrmaligem durchlesen nicht ersichtlich. Genauso, warum Merkel, Seehofer und andere verhaftet werden sollen. Weil Merkel, wie Rebecca sagt, jüdisch sei? Ein Nutzer auf der Facebook-Seite „We´re watching you“, die einen Screenshot von der Unterhaltung veröffentlichte, kommentierte treffend „Wow, der Straftatbestand des jüdischen Glaubens. Sind wir wieder so weit?“

Merkel soll „„definitiv Hoeneckers letzte Rache am Kapitalismus“ sein

Pegida NRW antwortet auf den Beitrag von Rebecca: „ Es mag ja sein dass du in dieser Woche das erste mal davon gehört hast. Aber für den Großteil der Bevölkerung ist das schon lange klar, dass Merkel jüdische Eltern hatte und dass die Eltern dieser Frau nicht ganz richtig im Kopf waren.“ (Auch hier gilt: Die Fehler waren im Original schon so) Gegen Ende der Antwort schreibt Pegida NRW noch davon, dass Merkel „definitiv Hoeneckers letzte Rache am Kapitalismus“ sei und schreibt, Merkel habe „seit dem Untergang der DDR massiv dafür gearbeitet, Deutschland an den Abgrund zu bringen.“

Veröffentlicht hat die Unterhaltung die Facebookseite „We´re watching you“. Eine Seite, die bundesweit rechte Gruppen und Seiten auf Facebook beobachten, „vor allem aber geschlossene und „geheime“ Gruppen.“, erklärt ein Vertreter der Seite gegenüber Ruhrbarone.de. „Dabei beobachten wir deren Aktivitäten, schauen ihnen auf die Finger. Wir veröffentlichen Posts von ihnen, melden rassistische oder volksverhetzende Kommentare an Facebook, oder bringen sie zur Anzeige.“

Der „Bak Shalom AG NRW“, ein Ableger des Bundesarbeitskreises Bak Shalom der Jugendorganisation der Linkspartei, der sich unter anderem gegen Antisemitismus engagiert, sagt bezüglich des Screenshots gegenüber Ruhrbarone.de: „Bei Pegida NRW ist es vorbei mit der bürgerlichen Camouflage. Obwohl sie sich stets als besorgte Bürger inszenieren, an ihrer Bühne eine Fahne mit durchgestrichenem Hakenkreuz präsentieren, zeigen sie im Internet, wes Geistes Kind sie sind. Auf der Facebookseite der Gruppe kommentiert eine gewisse Rebecca S. und enthüllt, dass Angela Merkel Jüdin sei und deshalb sofort verhaftet werden müsse. Dieses geheime Wissen, das sich Rebecca S. bei Youtube aneignete, ist für die Pegida NRW jedoch längst bekannt, wie sie in ihrem Kommentar deutlich machen. Hier zeigt sich, dass Pegida NRW bei weitem nicht nur eine rassistische Bürgerbewegung mit offener Flanke zum extrem rechten, gewaltaffinen Lager ist, sondern eindeutig antisemitisch ausgerichtet ist. Umso mehr ein Grund, an der Demo gegen Pegida NRW am 7.12 in Duisburg teilzunehmen.“

Wenn bis heute noch irgendjemand dachte, neben Hetze gegen den Islam würde Pegida NRW jedenfalls nichts gegen Juden haben: Falsch gedacht. So, wie es scheint, sind Menschen mit jüdischem Glauben im Weltbild von Pegida NRW generell „anders“ und dass Merkel jüdisch sei war, da kann man sich sicher sein, keine neutrale Behauptung.

RuhrBarone-Logo

31 Kommentare zu “Pegida-NRW: Der antisemitische Irrsinn tobt

  • #1
    Deutschlandkritiker

    Mich würde mal interessieren, welche gesellschaftliche Relevanz Phänomenen wie Rebecca beizumessen ist. Ich neige nämlich dazu, das als besonders schillernde Randerscheinung zu verbuchen. Ist nicht der Antisemitismus der Mitte der Gesellschaft bzw. der "Gebildete Antisemitismus", wie ihn Schwarz-Friesel u. a. in ihren Studien nachweisen, einer, der den Pluralismus unserer Gesellschaft viel subtiler und nachhaltiger unterhöhlt? Damit schließe ich übrigens den Antisemitismus von Linkspartei, BDS und anderen Israel-Delegitimierungskampagnen ausdrücklich mit ein.

  • #2
    Klaus Lohmann

    Bei dieser geballten Masse an geistigem Dünnpfiff kann ich eigentlich nicht glauben, dass "Rebecca Schilling" ein echtes Wesen mit menschlicher DNA sein soll. Umso konkreter ist dann der offene Antisemitismus der braunen Brüllaffen von Pegida NRW zu bewerten, wenn es nicht sogar ein Post war, welches gefaked wurde, um diesen braunen Exkremente zu verbreiten.

  • #3
    Klaus Lohmann

    @#1: Es geht hier wohl nicht um das "Phänomen Rebecca", sondern um die Position, die Pegida mit solchen Posts öffentlich vertritt.

  • #4
    Markus Lange

    Hier hat sich jemand etwas genauer über Rebecca XXXX informiert:

    https://kosmologelei.wordpress.com/2015/11/26/wirklich-falsche-flagge/

  • #5
    WALTER Stach

    Klaus Lohmann,
    es gibt regelmäßig aus den Reihen der PEGIDA-Bewegung bzw. unter Berufung auf die Pegida-Bewegung Meinungsbekundungen zu Flüchtlingen, zu Fremden, zu deutschen Mitbürgern jüdischen oder und muslimische Glaubens, zu Menschen, die sich politisch in der CDU,der SPD,in der FDP, bei den Grünen, bei den LINKEN engagieren -vor Ort und/oder in der sog. großen Poltik-, die nur erklärt weden können mit 1.) einem Wissenstand und einer Ausdrucksfähigkeit, die unter "Volkschulniveau" liegen , 2.) mit einem gravierend unter dem Durschnitt liegenden Intellligenzquotienten,. 3.) mit dem völlig Fehlen einer Beziehung zu dem, was einen freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat ausmacht und 4..) mit dem Willen und der Fähigkeit trotz 1 bis 3 sich, vor allem anonym ,im Netz gegen alle und gegen alles zu postionieren, was das Gegenteil von 1- 3 ausmacht.

    Klaus Lohmann, solche Meinungsbekundugen entziehen sich jeglichem Versuch einer sachlichen Auseinandersetzung.

    Verschweigen sollte "man" sie trotzdem nicht, denn sie sind nun ‚mal Bestandteil dessen, was Menschen in Deutschland " von sich geben" -was sie denken??- und was damit zwangsläufig iim politischen Dsikurs nicht ausgeblendet werden kann udn nicht ausgeblendet werden darf.

    Ich habe allerdings nicht, nicht mehr vor, auf diese und ähnliche Meinungsbekundungen zu reagieren, denn ich bewirke mit Reaktionen meinerseits bei den betreffenden Menschen in der Sache nichts, befördere damit aber möglicherweise ihr Selbstvertrauen, ihres Selbstgewissheit, ihr Bedürfnis nach Wahrnehmung -und das ist nicht "mein Geschäft"-.

    PS
    Ich verkenne nicht, daß mittlerweile der Hass auf Flüchtlnge, auf Fremde, auf deutsche Mitrüger jüdischen oder muslimischen Glaubens auch in Teilen der Gesellschaft zu Hause ist, die der "gebildeten bürgerlichen Mittelschich"t zuzurechnen sind", von der ich allerdings annehmen muß, daß ihr jedes Grundverständnis der Prinzipien eines freiheitliche-demokratischen Rechtstaates fehlt. Das gilt nicht zuletzt für viele Menschen in Ostdeutschland, die ihre Sozialisation in der SED-Diktatur der DDR nicht überwinden können bzw. nciht überwinden wollen.

  • #6
  • #7
    Klaus Lohmann

    @Markus Lange:
    Aus Deinem Link: "..In dem Zusammen­hang wird das Fuckbook-Posting von Rebecca S. aus Duisburg als Beweis dafür heran­ge­zogen, was für Bekloppte sich bei PEGIDA tummeln."

    Noch Jemand, der den Artikel nicht kapiert. Es geht nicht um "Rebecca S.", sondern um die Antwort der braunen Hohlköppe von Pegida NRW. Und die Ruhrbarone "beweisen" nix, sondern zitieren ein Post von der Seite https://www.facebook.com/stophatesites/?fref=nf

    Ist das so schwer?

  • #8
    Christian Perzl

    @Markus Lange

    Lohmann hat ja das den einen Fehler schon angesprochen.

    Es gibt jedoch noch einen Zweiten, der mit Verlaub, noch wesentlich widerlicher ist.

    Sehe ich richtig, dass der Blogbetreiber die Userin R.S in vollen Klarnamen und guter Auflösung präsentiert? Mehr noch, ein Klick weiter und man ist auf ihren Profil.

    In Deckmantel der Entrüstung wird genau das gemacht was man den Blog Ruhrbarone vorwirft: Zurschaustellung von Menschen mit Behinderung.

    Der Gipfel ist dann aber noch, das der Autor, der sich so schlau hält mit seinen Bemerkung "Mit drei Googleklicks…", nicht einmal bemerkt hat das er das FALSCHE Profil auf seinem Blog zur Schau gestellt hat!
    Er hat wohl nicht gemerkt das mindestens vier Profile mit jener Userin R.S gibt… aber hey eine kurze Facebooknamenssuche ist auch echt zu viel verlangt wenn man sich hirnlos empören will.

  • #9
    Deutschlandkritiker

    @ Klaus Lohmann: Mir ging es um eine Einschätzung der gesellschaftlichen Relevanz solcher Leute. Gibt´s da empirische Studien o. ä.?

  • #10
    Klaus Lohmann

    @Deutschlandkritiker: Auf die Schnelle evt. das hier: http://www.uni-leipzig.de/journalistik/fileadmin/user_upload/00/machill/LfM_Materialien_Bd31_FINAL.pdf
    "Das neue Gesicht der Öffentlichkeit"

    Geht aber mehr auf Persönlichkeitsstrukturen ein als auf antisemitische Hetze.

  • #11
    Gerd

    „Wow, der Straftatbestand des jüdischen Glaubens. Sind wir wieder so weit?“

    Ja! Selbst die EU stellt jüdisch sein unter Strafe, zumindest in Judäa. Aber dennoch kann ich mich einer Skepsis nicht erwehren! Der Jugendorganisation der (judenfeindlichen) Linkspartei traue ich in Sachen Bekämpfung vom Judenhass so weit wie Erichs Lampenlanden frei von Asbest war – also garnicht!

    Und Formulierenung wie "laut der Website „Netz-gegen-nazis.de“ soll es auch eine Gruppierung namens „Jewgida“ geben" sind auch nicht Vertrauen erweckend. Es "soll" so eine Gruppen geben? Soll, hätte, könnte, vielleicht, möglicherweise?

    Ok, mag nur ne blöde Wortwahl des Autors gewesen sein, aber in der Kombination schrillen die Alarmglocken.

  • #12
    Sebastian Klein

    Absoluter Irrsinn. Mich erschreckt vorallem die Banalität: "Merkel ist Jüdin." – wohlwissend, dass damit an die Adressaten alles gesagt ist, keine weitere Erklärung notwendig. Und dass der Pegida-Account auf diesem offiziellen und öffentlichen Kanal noch dazu so schamlos antwortet und nicht mal klug genug sein will, zumindest nach außen den Schein zu wahren lässt ganz, ganz tief blicken – nicht nur über deren Weltbild, sondern vorallem auch über deren Einschätzung der öffentlichen Stimmung. Es muss wahrlich wieder 1933 sein.

  • #13
    Helmut Junge

    Gerd, mit Logik hat das alles nichts zu tun, aber ich versuche trotzdem solche gedankliche Irrwege zu begreifen. ( Verstehen wäre der falsche Ausdruck)
    Ich denke mir einfach, daß diejenigen, die früher Juden gehaßt haben, ohne auch nur einen einzigen Juden zu kennen, auch wenn sie neuerdings deren erbitterte Gegner ebenso hassen, ihren alten Haß beibehalten. Die haben eben Platz für jeden Haß der Welt. So simpel, so mies.

  • #14
    Alreech

    Ist das jetzt ein Problem wenn Pegida Merkle für eine Jüdin hält ?
    In einer Zeit in der die Kommentatoren und Leser der taz dem Präsidenten des Zentralrates der Juden vorwerfen Islamophob zu sein sicherlich eine schlimme Anschuldigung die Merkel nicht auf sich sitzen lassen kann…

  • #15
    mat

    Fraglich, ob Pegida NRW mit “Juden” Menschen jüdischen Glaubens meint. Allein der Vorfall auf der dieser Artikel beruht legt nahe, dass deren Definition mit Rasse und Abstammung zu tun hat, nicht mit Religion, also der der Nazis im Dritten Reich ähnelt.

  • #16
  • #17
    Sebastian Klein

    Ich finde das eine ziemlich fragwürdige Differenzierung. Ist doch scheißegal, wie diese(!) Leute nun Juden definieren und abgrenzen, am Ende trifft es jemanden jüdischen Glaubens. Dass der Täter ihn rausgegriffen hat, weil er ihn als Angehörigen eines angeblichen Volkes und nicht einer Religion identifiziert ist da ja wohl nicht wirklich ein Trost.

  • #18
    Klaus Lohmann

    @ #16 mat:
    (doppelhust) Wenn schon, denn schon: "…der Vorfall, auf dem dieser Artikel beruht, legt nahe,.."

    Und mich würde jetzt auch mal interessieren, welcher "Vorfall" denn im obigen Artikel gemeint sein soll?

  • #19
    mat

    @Sebastian Klein
    Natürlich ist es piepegal, wie die ‚Kameraden‘ Juden definieren. Bloß: die Definition “Menschen jüdischen Glaubens” ist schon seit jeher fragwürdig, da ein Jude beispielsweise auch Atheist oder Buddhist sein kann.

    @ Klaus Lohmann
    Jetzt mal abgesehen von Ihrem fragwürdigen Verbesserungsvorschlag (warum nicht gleich nach jedem Wort ein Komma?): der Vorfall sind die beiden Facebook-Postings, auf das sich dieser Artikel bezieht.

  • #20
    Klaus Lohmann

    @mat: Mein "fragwürdiger Verbesserungsvorschlag" nennt sich richtig "Interpunktion nach geltender deutscher Rechtschreibung" und wird in geschlossenen Gebäuden gelehrt, die man landläufig "Schule" nennt.

    Und nein – an “Menschen jüdischen Glaubens” ist ebenso nichts "fragwürdiges", denn es sind per definitionem Menschen *jüdischen Glaubens* und keine Atheisten oder Buddhisten.

  • #21
    mat

    @ Klaus Lohmann
    Zu viele Kommata zu setzen begünstigt zwar, dass die richtigen dabei sind, ist dafür aber lange nicht korrekt. Egal.

    Offensichtlich haben Sie sich wenig mit der frage auseinandergesetzt, wer Jude ist und wer nicht. Jude ist nämlich, wer von einer jüdischen Mutter stammt, egal, ob er den jüdischen Glauben hat oder nicht. Außerdem Jude ist, wer den jüdischen Glauben annimmt und von einem Rabbi nach eingehender Prüfung zum Juden erklärt wird.

  • #22
    Klaus Lohmann

    @mat: Meine Deutschlehrer haben stets betont, dass Interpunktion das Denken strukturiert und das wäre für Ihre achterbahn-ähnlichen Abstammungs-Posts evt. notwendig. Zur Konversions-Debatte gibt es derart reichliche und zum Teil sehr widersprüchliche Literatur, da würden Sie sich allein durch die Kommata erschlagen fühlen:) Trotzdem bleiben Menschen jüdischen Glaubens Menschen jüdischen Glaubens – ohne Fragen.

  • #23
    mat

    @ Klaus Lohmann
    Ich gebe zu, mein Originalposting war nicht sehr gekonnt formuliert. Das liegt vielleicht daran, dass ich gerade meinen ersten Espresso intus hatte, der seine Wirkung noch nicht vollends entfaltet hatte. Normalerweise verlasse ich mich darauf, dass die meisten Kommentaspalten eine Editierfunktion anbieten. So kann ich mein holpriges geschreibsel nachträglich in Form bringen, wie ich es auch tue wenn ich einen Artikel verfasse. Das ändert aber nichts daran, dass Sätze, die durch zu viele Kommata, klein, geschnipselt, werden, nicht les, barer, werden.

    Was die Frage mit den Menschen jüdischen Glauben betrifft: Ihre Schlußfeststellung dass Menschen jüdischen Glauben Menschen jüdischen Glaubens sind, ist wahrhaft genial. Dem habe ich nicht mehr hinzuzufügen.

  • #24
    WALTER Stach

    Klaus Lohmann, Mat u.a.
    Ich rege an, ‚mal darüber nachzudenken, was die bekennenden und die heimlichen Antisemiten davon halten könnten, wenn hier und anderswo engagierte Gegner jeden Antisemitismus – letzendlich also die Gegner jeder Diffamierung/Verfolgungvon Menschen wegen ihrer Abstammung, wegen ihrer Rasse, wegen ihres Geschlechtes,wegen ihres Glaubens- miteinander streiten über Begrifflichkeiten, sogar über sprachliche Präzision bis hin zur korrekten Zeichensetzung (!!) und die sich diesbezüglich von Beitrag zu Beitrag steigernd immer mehr von dem Essentiellen eines höchst bedenklichen gesellschaftlichen Zustandes, einer höchstbedenklichen gesellschaftlichen Entwickliung in Deutschland zu entfernen scheinen, nämlich davon, daß Fremdenfeindlichkeit, daß Antisemitismus heutzutage demonstrativ und nicht mehr nur heimlich bekundet werden, und zwar nicht mehr nur durch eine zu vernachlässigende Minderheit, daß abrundtiefer Hass gegen Alle und gegen Alles offen und öffentlich ausgelebt wird was "Anders ist", was "Anders zu sein scheint" , und dieses m.E. letztendlich nicht basiert auf "tiefschkürfenden" ideologischen oder religiösen Erwägungen und Überzeugungen, sondern nur darauf basiert, daß alles abgelehnt, daß alles bekämpf wird , weil da etwas "Anderes ist ", weil da "Andere sind", die in das eigene Weltbild, in ein von mehr und mehr Menschen geteiltes Wunsch-
    Bild von einer "heilen, einer weitgehend problemlosen, einer überschaubaren, einer enfach zu erklärenden und zu begreifenden Welt" nicht hineinpasssen.

    Also…….
    Könnte es nicht sinnvoller, nicht naheliegender sein, in der gesellschaftpolitischen Auseinandersetzung
    Verstand, Zeit, Arbeit einzusetzen für die Auseinandersetzung mit all denjenigen, die m.E. weitweg sind von dem, was zu den Fundamenten unserer freiheitlichen, unserer pluralen Gesellschaft zählt, was mithin auch zu den Essentialen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung unseres Staate gehört?

    Ich rede nicht wider eine Diskussion unter denjenigen, die sich den Fundamenten einer freiheitlich-pluraren Gesellschaft und den Essentialen der feiheitlich-demokratischen Grundordnung verpflichet fühlen, ganz im Gegenteil,nur sollte es , vor allem hier und heute, primär darum gehen, die Feinde einer freiheitlich-pluralen Gessellschaft, die Feinde der freiheitlich-demokratischen Grundordnung auszumachen , klipp und klar als solche zu benennen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen -in der Gesellschaft und seitens des Staates.

    Es mag sein, daß meine Wahrnehmung eine von Irrtümern, von Irrungen und Wirrungen bestimmte ist und ich deshalb meinen Eindruck maßlos überzeichne. Wenn das so ist, dann ist das letztendlich meiner Sorge geschuldet, daß "der Feind", daß der "Gegner" oftmals da ausgemacht wird, wo er , wenn es um Substantielles geht, gar nicht existiert und eben nicht dort ausgemacht und dort attakiert wird wo er substantiel exsitient ist, wo sich also diejenigen befinden, die andere Menschen hassen, weil…….., die Antisemiten sind, weil………., die letztendlich eine andere Gesellschaft wollen als eine freiheitlich-plurale, mithin auch eine andere Staatsorndung als die des freiheitlich-demokratischen Rechtsstaates.

    PS
    Wenn ich mich persönlich-sh.5- für letztendlich unfähig halte, mich wo und wie auch immer in enem Diskurs, der den Namen verdient, mit den Fremdenhassern, den Ausländerfeinden, den Antisemiten, den Feinden unser freiheitlich-pluraen Gesellschaft auseinanderzusetzen, weil das m.E oftmals objektiv unmöglich ist, dann steht das nicht in Widerspruch zu meiner Anregung, doch bitte nicht den Eindruck zu erwecken, der "gesellschaftspolitische Gegner" sei primär in den "eigenen Reihen" aiuszumachen und zu attakieren, also in den Reihen derjenigen, die für eine freiheitlich-plurale Gesellschaft, für deren Essentiale eintreten – und das sollte schon gar nicht anhand bzw. mittels der von mir als solche empfundenen Petissen geschehen.

  • #25
  • #26
    mat

    @ WALTER Stach
    Sorry, ich gebe zu, Ihren Kommentar nur überflogen zu haben. Er ist einfach zu lang und es kam mir vor, als enthielt der erste Satz die Kernaussage, die anschließen in immer undeutlichere Weise dekliniert wird.

    Was bekennende und heimliche Antisemiten von meinen Ansichten halte, ist mir ziemlich wurscht. Die Reduzierung von Juden auf “Menschen jüdischen Glaubens” wurde schon oft kritisiert und sollte auch weiterhin kritisiert werden. Wenn Sie denken, Begriffe seien in diesem Zusammenhang nebensächlich, emfehle ich Ihnen übrigens wärmstens Viktor Klemperers Taschenbuch LTI: Die Sprache des Dritten Reiches.

    Um es kurz zu machen: wenn auf einer Seite ein Rundumschlag gegen Juden im weitesten sinne – das dürfte wohl die Definition der Nazis im dritten Reich sein – gemacht wird, und auf anderer Seite über den Schutz Menschen jüdischen Glaubens geredet wird, dann bleibt eine große Gruppe außen vor, die aber immernoch von Antisemitismus betroffen ist, auch wenn es nicht immer Menschen jüdischen Glaubens sind. Die Bezeichnung “Menschen jüdischen Glaubens” wurde natürlich einmal entworfen, um ein Gegenkonstrukt zur diffusen abstammungsbasierten Begrifflichkeit der Nazis zu bilden, versagt aber darin weil eben viele betroffene von dieser Definition ausgeschlossen sind. Ich denke, das ist wichtig.

  • #27
    WALTER Stach

    -26-mat
    _sh. abschließend-
    "Ich denke, das ist wichtig",

    Ja,
    weil unbestreitbar bewußt oder unbewußt häufig (meistens?)nicht exakt definiert wird….."Jude ist, wer…….."

    Letztlich frage ich mich, mit welcher für ene Gesellschaft unverzichtbaren Notwendigkeit bzw. mit welchem " dringenden öffentlichen/staatlichen Zweck/Ziel" sich überhaupt begründen, sich zumindest rechtfertigen läßt, daß die Gesellschaft, daß der Staat zu wissen haben, ob ein Staatsangehöriger, ein hier lebender Nicht-staatsangehöriger per Definition Jude (oder Christ), oder..oder ist.

    Ich versuche jedenfalls im Alltagsleben tunlichst jede Beifügung "jüdisch, christlich, muslimisch, atheistisch oder ähnlich" zu Begriffen wie Bürger,Bürgerinnen zu vermeiden und vor allem praktiziere ich alltäglich und das ganz bewußt,daß es mich ganz und gar nicht interessiert, ob der "Gegenüber" Jude, Christ,Atheist, deutscher Staatsangehöriger oder,oder……ist.

    Aber…..
    die Gesellschaft -die Mehrheitsgesellschaft- und der Staat differenzieren alltäglich aus unterschiedlichen Gründen u.a. nach Christen, Juden, Muslimen, Atheisten, was nicht zwangsläufig dazu führen muß, daß es aufgrund dieser Differenzierung zu menschenunwürdigen Diskrimnierungen -oder gar zu schweren Benachteiligen/Verfolgungen- durch Gesellschaft und Staat kommen muß.
    Aber kommen kann?

    Und weil das in Gesellschaft und Staat so ist, muß ich mich -wider meine Grundauffassung-dieser Differenzierung stellen und mich mit der Frage einer zutreffenden Begrifflichkeit auseinandersetzen, z.B. mit:"Deutscher, jüdischen Glaubens oder jüdischer Deutscher oder deutscher Jude-. Nicht zuletzt führen solche Diffiernzierungen , die ich nicht will, die ich ablehne, die aber folgenschwer existent sind und die sich in Diskriminierungen, Verfolgung, Vernichtung von Menschen in Vergangenheit und Gegenwart niedergeschlagen haben bzw. niederschlagen u.a. dazu, Streitgespräche über zutreffende Begrifflichkeiten einer die personelle Verfaßheit eines Menschen ausmachenden Merkmale zu führen, die "an sich" Gesellschaft und Staat nicht nur nichts anzugehen haben, sondern die "in sich" die Grundlage dafür liefern (liefern können), daß Gesellschaft und Staat menschenunwüridg, menschenrechtswidrig differenzierend, diffamierend, verfolgend mit Menschen umgehen, ja Geselslchaft und Staat der Auffassung sind, nach Kriterien der genannten Art und nach deren Wertung durch sie bezüglich ihrer Nützlchkeit / Schädlichkeit für Gesellschaft und Staat mit Menschen -differenzierend, diffamierend, fördernd oder unterdrückend, erhaltend oder vernichtend umgehen zu können bzw. umgehen zu müssen.

    Wenn es also objektiv unumgänglich ist , dann ist im Kolnkreten nicht, nicht mehr, wie meistens von mir oberflächlich praktiziert, zu sprechen von " "Deutscher, jüdischen Glaubens", sondern vom" jüdischen Deutschenr" oder vom "jüdischen Franzosen" oder…………
    Gibt es "bessere",, evtl. von dem Betroffenen bevorzugte Begrifflichkeiten?

  • #28
    sandra

    Lustig, laaaaange Kommentare – in besserem und schlechterem Deutsch – die sich darüber austauschen, was man als Jude bezeichnen darf. Jude kann man aber auch sein, ohne zu glauben. Fragt mal Juden. 🙂
    Und dann: der minderbemittelten Tante, die oben in dem Artikel zitiert wird, wurde zu viel der Ehre zuteil. Ich glaube auch, dass die intelligenteren Menschen, die Antisemitismus (und, in dessen Schlepptau, "Israelkritik") vor sich her posaunen, die grössere Bedrohung sind als die Mit- und Nachläufer, die ja, Nomen est und so weiter…
    Trotzdem will es mir lustig scheinen, wenn man die Grammatik anderer Leute belächelt und dann selbst das Wort "wofür" nicht zu kennen scheint. 😉 SCNR

  • #29
    mat

    @ WALTER Stach
    Ja, einfach nur Mensch sein. Ein reines Vernunftwesen. Leider haben wir die Suche nach einem Stamm tief in unsere DNS eingraviert. War wahrscheinlich mal nützlich, als wir in kleinen Grüppchen über die Erdkruste eierten; gerade mal ein paar Tausend Homo Sapiens. Da gab’s auch noch keine Juden und schon gar keine Nazis. Dafür vielleicht Urghs und Grakhs, die sich vielleicht auch nicht sehr grün waren. Wer schon mal von einem Ami gehört hat, er sei Ire, Deutscher oder Italiener weiß, wie tief das alles sitzt. Ein Bißchen von dieser spinnerten Identität braucht der Mensch anscheinend., auch wenn’s mir persönlich anders lieber wäre.

  • #30
  • #31
    WALTER Stach

    mat-29-
    grunsätzlich einverstanden.

    1.
    J e d e n anderen Menschen -unabhängig von……..- als solchen als gleichwertiges Wesen respektieren !
    D a s gilt es, zu lernen, zu leben , und dafür sollte man nach meiner Auffassung als "aufgeklärter Bürger" in einer freiheitlichen, in einer pluraren Gesellschaft einstehen.

    2.
    Das schließt für mich nicht aus, als Individum "Nähe, Geborgenheit,Verbundetheit" in einer Gemeinschaft zu suchen und zu finden, in die man z.B. hineingeboren wird, in der man aufgewachsen ist , in der man längerer Zeit lebt, deren Kultur, deren Sitten und Gebräuche man sich zu eigen macht, deren Religion man sich zugehörig fühlt.

    Die Feststellungen zu 1. und 2. sind für mich kein Widerspruch in sich; im Gegenteil.
    Achtung und Respekt gegenüber jedem anderen Menschen -unabhängig von…- umfaßt nicht nur den anderen in seinem individuellen Menschsein, sondern gilt für ihn zwangsläufig auch als Gemeisnchaftswesen, mit all seinen dadurch bedingten und geprägten kulturellen, religiösen, politischen oder sonstigen Eigenarten, die es- gegenseitig- zu achten und zu respektieren gilt.

    E i n s c h r ä n k u n g e n bezüglich dieser m e i n e r Positionierung?
    Ja,

    ersten deshalb, weil es sich um eine individuelle Aufassung meinersiets handelt, die im weitesten Sinne eine philosophische ist , aber eben nicht auf mathematisch-naturwiissenschaftlich "unbestreitbaren" wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht und

    zweitens deshalb, und insofern befinde ich mich in einem grundsätzlichen Widerspruch, den es zu erkennen und den es auszuhalten gilt, weil ich, letztendlich der sog. Aufklärung geschuldet, davon überzeugt bin, daß jeder individuellen Freiheit zugleich Verantwortung sich selbst und der Gemeinschaft gegenüber beinhaltet und eine Gemeinschaft, die eine menschengerechte sein will, das akzeptieren muß, was Inhalt der Menschenrechte ist.

    Insofern bin ich letztendlich dogmatisch.
    Respketiern, akzeptieren zu sollen, daß Menschen als Indidviduen, daß menschlie Gemeinschaften , daß Gesellschaften und Staaten weltweit sich selbst völlig anders verstehen und definieren, daß sie u.a. fundamentale Menschenrechte nicht anerkennen oder fundamentale Rechte der Mensschen völlig anders definieren als das durch die Gemeinschaft, Gesellschaft geschieht, in er ich lebe, ist für mich ein Dilemma, das ich einsehe, aber das ich grundsätzlich nicht auflösen kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *