Antisemitismus als Friedensbewegung

 

Antisemitische Demonstration 2014 in Dortmund.

„Wenn es dem zionistischen Siedlerregime in Israel noch einmal gelingen sollte, die Völker des Nahen Ostens noch einmal in einen Krieg zu stürzen, wird das Ergebnis nicht der Sieg des Zionismus, sondern die Vernichtung Israels sein.“

Täte jemand diesen Satz so oder ähnlich dieser Tage auf Gaza-Kundgebung in einer europäischen Hauptstadt sagen, hörte er Buhrufe oder bekäme er Applaus? Von unserem Gastautor Thomas von der Osten-Sacken

Ich vermute letzteres, denn einmal mehr scheint bei so Veranstaltungen ja ausgemacht, wer der eigentliche Aggressor ist.

Und da heute eh sich niemand mehr so richtig für Geschichte zu interessieren scheint, außer sie hilft, irgendwelche dümmlich-moralisierenden Statements zu legitimieren, dürften dann auch die wenigsten wissen, dass es sich hier um den leicht abgeänderten Teil der Rede Hitlers handelt, die er nach dem deutschen Überfall in Polen hielt.

Leicht nämlich gerät in Vergessenheit, dass Antisemitismus sich als ganz große Friedensbewegung verstanden hat und in seiner antizionistischen Aktualisierung es bis heute tut.

Die Juden – bzw. Israel – sind die Störenfriede, Kriegstreiber, das liegt in ihrem Blut und folgerichtig müssen sie nur weg – heute in den Müll, wie man es neuerdings auf Plakaten sieht – und dann, so das große Versprechen herrscht endlich Frieden und Gerechtigkeit. Hitler galt lange als Mann des Friedens, er liebte dieses Wort in seinen Reden und auch die von Mahmoud Ahhmedinejad etwa klangen, nur in islamischem Layout, ganz ähnlich. In den Worten des iranischen Revolutionsführers Khamenei, müsse der Krebstumor namens Israel aus der Region herausoperiert werden. So kann man die Message auch in Worte fassen.

Wenn das Ziel auch Weltfrieden und eine harmonische Welt ist, so gestaltet der Weg sich steinig als einer voller Blut und Zerstörung und ja, aber die Leichenberge mit denen er gepflastert wird, werden für einen guten Zweck produziert, der eben die Mittel heiligt.

Logo eines Flugblatts, dass auf der Site der Duisburger Linkspartei zum Download angeboten wurde.

Diese Zeilen schreibe ich in Suleymaniah, ca. 40 Kilometer von der iranischen Grenze entfernt. Jeder, den man hier fragt in Irakisch-Kurdistan, kann es einem sagen: Da drüber, in Teheran, befindet sich das eigentliche Problem. Dort wird dieser Tage entschieden, ob man den Krieg weiter eskalieren will oder nicht. Die Milizen, Waffen und alles andere hat man in Jahren ebenso aufgebaut, wie die Logistik, diesen heiligen Krieg für den Weltfrieden auch führen zu können.

Raketen fliegen in Stellungen des „großen Satans“ im Irak und Syrien und es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis dieser Krieg das nächste Land erreicht, dessen Bevölkerung natürlich kein Mitspracherecht hat, ob sich sich nun opfern will oder nicht.

Die Reaktionen deuten sehr stark darauf hin, dass die Mehreit es nicht will, sondern nach all dem Grauen und Schrecken der letzten Jahrzehnte ganz einfach leben und ihrem Alltag nachgehen. Gefragt wird sie allerdings nicht, ebenso wenig wie die Menschen in Gaza gefragt wurden, ob die die Konsequenzen aus dem größten antisemitischen Massaker nach 1945 tragen wollen oder nicht.

Wenn dann, und es ist zu hoffen, dass dies nicht geschieht, auf Drängen Teherans dieser Krieg sich ausweitet und die USA in ihn hineingezogen werden, ist zumindest klar, wer auf europäischen Straßen und in Redaktionsstuben als Aggressor augemacht werden wird: Israel und eben nicht der Iran.

Denn eigentlich ist es ja ganz einfach, geben es Israel nicht, hätte es keinen 7.10 gegeben und keinen Krieg.

Der Artikel erschien bereits in einer ähnlichen Version in der Jungle World

Dir gefällt vielleicht auch:

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
Werbung