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Bitcoins: eine virtuelle Währung mit vielen Nebenwirkungen

ASICMiner ASIC-basiertes USB-Bitcoin-Mining-Gerät Foto: Targaryen Lizenz: CC BY-SA 3.0

In diesen Tagen erpresst ein anonymer Krimineller mit selbstgebastelten Nagelbomben den Paketdienst DHL. Er verlangt 10 Millionen Euro in der Kryptowährung Bitcoin – und dieses Digitalgeld erleichtert die Anonymität. Diese virtuelle Währung entfacht einen Hype, vor dem es sich derzeit nur sehr schwer entziehen lässt. Ist dies der digitale Goldrausch des 21. Jahrhunderts?

Die Meinungen zum Hype um die Bitcoins gehen selbst bei Spezialisten noch auseinander, denn noch ist das Potenzial von digitalen Währungen sehr schwer einschätzbar. Doch die Konsumenten sind ein bisschen greifbarer geworden. Eine von der Universität Münster durchgeführte Studie zu Nutzern und zum Nutzungsverhalten verdeutlichte, dass die durchschnittlichen Bitcoin-Nutzer zwischen 25 und 44 Jahre alt sind und einen technischen Beruf ausüben. Die Gruppe dieser Technologie-Interessierten ist begeistert vom System der Kryptowährungen, denn sie agieren dezentral. Diese digitalen Zahlungsmittel agieren unabhängig von Notenbanken und sind auch geografisch nicht gebunden – sie können in Island oder Iserlohn in die digitalen Wallets eingespeist werden.

Bitcoins werden durch die Lösung komplexer Rechenaufgaben produziert. Die Datenblöcke müssen entschlüsselt werden, um ein Bitcoin zu erzeugen. Es existieren sogenannte Bitcoin-Miner. Das sind Hochleistungscomputer, die nur auf ein Thema ausgelegt sind: dem Lösen komplexer mathematischer Algorithmen und der Produktion von Bitcoins. Das Problem in dieser Angelegenheit ist der Kosten-Nutzen-Faktor. Denn derartige Hochleistungscomputer benötigen Unmengen an Energie und erzeugen eine hohe Wärmeentwicklung. Ein weiteres Problem des profitablen Minings ist, dass das Schürfen nach Bitcoins immer komplexer wird und die sogenannte „Mining Difficulty“ stetig wachsen wird.

Diese Situation ist vielleicht mit dem Lotto-Glücksspiel vergleichbar: der Spieler muss fast 14 Millionen Tipps setzen, um mit dem Hauptgewinn rechnen zu können. Beim Bitcoin-Minen ist die Gewinnwahrscheinlichkeit jedoch deutlich schlechter. Die Wahrscheinlichkeit mit nur einem Versuch einen gültigen Block zu erzeugen, ist etwa so hoch wie die Wahrscheinlichkeit mit jeweils nur einem Tipp in drei aufeinanderfolgenden Runden jeweils die sechs richtigen Zahlen  zu erraten. Wichtiger Unterschied: Beim Lotto darf man nur zweimal pro Woche spielen, beim Bitcoin-Minen so oft der User möchte.

Die wichtigste Motivation, Bitcoins zu benutzen, ist die Freude daran, mit einem innovativen System zu experimentieren. Aber auf Grund der weit verzweigten Anonymität dienen Bitcoins auch der Geldwäsche – oder als Zahlungsmittel für kriminelle Machenschaften, wie Waffengeschäfte und Pornografie. Es wird in Einzelfällen bei Lösegelderpressungen eingesetzt, sowie bei der Drogenbeschaffung. Auch sind Fälle bekannt, die zu Auftragsmorden über Darknet-Märkte angestiftet worden sind.

Neben diesen kriminellen Aspekten fehlt auch noch das Vertrauen in den etablierten Kapitalmärkten: es gibt keine hinterlegte Sicherheit. Die gibt es zwar bei Währungen auch nicht, doch spiegelt eine Landeswährung die Wirtschaftskraft und das Vertrauen, das dem betreffenden Staat entgegengebracht wird. Zudem wird das Volumen der Kryptowährungen als viel zu beschränkt eingeschränkt, um irgendwann die etablierten Zahlungsmittel abzulösen zu können.

Aber so lange der Hype rund um die digitale Währung anhält wird es immer diejenigen geben, die ihr Glück mit Schürfen von Bitcoins suchen. Das Bitcoin-Minen wird gerne mit dem Schürfen nach Gold verglichen. Aber auch beim großen Goldrausch im 19. Jahrhundert in den USA wurden nicht die Goldgräber reich, sondern die gewitzten Kaufleute, die innerhalb dieser Hochphase Schaufeln, Siebe und Pfannen verkauft haben. Es ist daher nicht besonders sicher, das Bitcoin-Mining sich in den nächsten Jahren zu einer lukrativen Geldquelle entwickeln wird. Quereinsteiger haben schon jetzt kaum noch eine Chance, damit Geld zu machen.

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2 Kommentare zu “Bitcoins: eine virtuelle Währung mit vielen Nebenwirkungen

  • #1
    Björn Wilmsmann

    Krypowährungen wie Bitcoin erleichtern kriminelle Transaktionen nur temporär und auch nur sehr bedingt.

    Der große Vorteil digitalen Geldes – egal ob für legale oder illegale Transaktionen – ist dass sich das Geld auf diesem Weg ohne den Transport von physischen Geldscheinen oder Münzen übertragen lässt. Das ist soweit nichts neues. Im traditionellen Bankensystem schützen hier aber aufwendige Geldwäschegesetze vor krimineller Nutzung, weswegen auch in bestimmten "Branchen" Bargeld bevorzugt wird. Diese Kontrolle durch den Gesetzgeber funktioniert aber auch nur bedingt und, wie Panama und Paradise Papers gezeigt haben, vor allem für den Teil der Bevölkerung, der sich keine Offshore Investments leisten kann.

    Bitcoin ist deswegen aktuell für illegale Transaktionen beliebt, weil es kein zentrales Bankensystem gibt, das ein Gesetzgeber kontrollieren könnte. Im Prinzip ist Bitcoin in der Hinsicht wie Bargeld, nur mit dem Unterschied, dass sich Bitcoin augenblicklich und ohne Transportaufwand weltweit transferieren lässt.

    Allerdings ist Bitcoin und die zugrundeliegende Blockchain Datenstruktur mitnichten anonym. Im Gegensatz zu Bargeld lässt sich sehr wohl genau nachverfolgen, wer wann für was Bitcoin bezahlt hat. Eine Blockchain ist ein distributed ledger, im Prinzip also nichts anderes als ein weltweit einheitliches, öffentliches Buchhaltungskonto. Und wie bei jeder ordentlichen Buchhaltung bleiben alle Buchungssätze auf ewig erhalten und sind so nachvollziehbar. Im Gegensatz zu einer klassischen Buchhaltung wird diese Dauerhaftigkeit und Nachprüfbarkeit in einer Blockchain durch kryptografische Verfahren mathematisch nachweisbar sicher gestellt.

    Bitcoin eignet sich also eigentlich viel schlechter für anonyme Transaktionen als sowohl Bargeld, als auch klassisches elektronisches Geld. Staaten und Strafverfolgungsbehörden sind nur technologisch und regulatorisch einfach noch nicht so weit, dass sie mit diesem neuen Ansatz umgehen könnten.

    Was das Vertrauen in Bitcoin angeht, kann dieses durch 2 Aspekte entstehen:

    1.) Proof-of work / proof-of-stake: Das Verfahren, das auf mathematischem Wege sicher stellt, dass Bitcoins nicht einfach erzeugt, gelöscht, kopiert oder doppelt ausgegeben werden können.

    2.) Das Transaktionsvolumen: Analog zum Vertrauen in klassische Währungen, das durch das Vertrauen in die sie deckenden Staaten entsteht, erzeugt ein Anstieg in der Nutzung und der Anzahl der Transaktionen mehr Vertrauen. Wenn eine Währung von vielen Parteien genutzt wird, kann ich relativ sicher davon ausgehen, dass die Währung einen Wert hat und ich damit Waren und Dienstleistungen erwerben kann.

  • #2
    ke

    Die Entwicklung ist spannend und hochspekulativ.

    Ökologisch ist das Mining ein Desaster:
    http://www.businessinsider.de/bitcoin-stromverbrauch-miner-2017-11

    Es wird für die Kurse interessant, wenn wirklich viele Leute versuchen, ihr Guthaben in reale Güter zu tauschen bzw. wenn wirklich noch stärker und auch schneller Geld transferiert wird (z.B. Kauf im Supermarkt). Dann muss die Technologie zeigen, ob sie wirklich brauchbar ist bzw. ob die Technlogie angepasst werden kann.

    Aber final ist staatliches Geld auch nur Papier bzw. eine Summe auf dem Konto. Und wenn weiterhin Geld ausgeschüttet wird, verliert auch zwangsläufig die Währung realen Wert.

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