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Bochum: Kein ECE Einkaufszentrum in Bochum?

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Lange Zeit galt es als ausgemacht, dass der zur Otto-Gruppe gehörende Immobilienentwickler ECE in Bochum auf dem Gelände des Landgerichts ein Einkaufszentrum bauen wird. Sicher ist das nicht mehr.

Ende Januar soll es soweit sein: Dann werden Investoren ihre Pläne für ein Einkaufszentrum auf dem Gelände des Justizzentrums vorlegen. Von den früher einmal sechs Interessenten sind nach einem Bericht der WAZ nur noch zwei übrig geblieben. Nach Informationen dieses Blogs gehört der  Immobilienentwickler ECE nicht mehr dazu. Lange Zeit galt ECE für das Projekt als gesetzt, frühzeitig hatte sich das Unternehmen ein Grundstück im Zentrum der Fläche gesichert und so seine Marke gesetzt. Ob überhaupt ein Einkaufszentrum gebaut werden kann, ist unsicherer denn je: Der Bochumer Kaufhausbesitzer Baltz erwarb unlängst das ehemalige Telekom-Gebäude, dessen Fläche Teil der Einkaufszentrumspläne war. ECE hielt sich auf Anfrage dieses Blogs bedeckt: “Bitte haben Sie Verständnis, dass wir im laufenden Verfahren des Investorenwettbewerbs keine Stellungnahme abgeben.”

Es wäre nicht das erste Mal, das sich ECE von einem Projekt verabschiedet: Auch geplante Zentren in Velbert und Minden wurden von ECE in den vergangenen Monaten aufgegeben.

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27 Kommentare zu “Bochum: Kein ECE Einkaufszentrum in Bochum?

  • #1
    Arnold Voss

    Mit dem Kauf des Telekomkomplexes durch Baltz sind wichtige Teile der potentiellen Bau- und Entwicklungsfläche mehrheitlich in lokaler Hand. Das ist gut für die Stadt Bochum, weil damit der Einfluss des lokalen Einzelhandels auf die weitere Gestaltung der Innenstadt wieder wächst.

  • #2
    Klaus Lohmann

    Bochum, freu dich. Alle Unkenrufe über die ECE-Thiergalerie in Dortmund haben recht behalten, der Ostenhellweg als halbe Einkaufsmeile *ohne* Mall ist fast tot, in der Thiergalerie am Westenhellweg geht dem Erstbezugs-Boom langsam auch die Luft aus und die ersten Mieter flüchten.

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  • #4
    Sebastian Dicke

    Eines der größten Probleme unserer Gesellschaft ist wirtschaftliche Zentralisierung. Wenn eine kleine Bank zahlungsunfähig ist, dann wird sie abgewickelt (oder von einem Konkurrenten gekauft), wenn das bei einer Großbank der Fall ist wird der Untergang des Abendlands ausgerufen, gewissermaßen. Es ist besser, viele kleine und mittlere Unternehmen zu haben, als wenige große, denn so müssen Märkte geteilt werden.

  • #5
    Walter Stach

    Sebastin Dicke -4-

    “Wirtschaftliche Zentralisierung, wirtschaftliche Monopole,Konzentration im Wirtschaftsleben , wirtschaftliche Macht, politische Macht, Herrschaft in Staat und Gesellschaft”, bekanntlich eine Problematik in Gesellschaften und Staaten, die seit alterher besteht, die in Theorie und Praxis Befürworter und Gegner gefunden hat und aktuell findet.

    “Vor Ort” ist Tag für Tag zu registrieren, was wirtschaftliche Macht beutet, wenn es um konkrete Projekte geht -große innerstädtische Investitionen, Großkohle-kraftwerke, die wider geltendes Recht errichtet werden usw.

    “Im Lande, in Europa,in der Welt” ist Tag für Tag zu registrieren, was wirtschaftliche Macht bedeutet.

    Ich habe nicht den Eindruck, daß es in der Gesellschaft – in den Gesellschaften- dagegen einen so heftigen Widerstand gibt, daß daraus zwangsläufig politische Konsequenzen folgen könnten;bestenfalls,schlechtestenfalls wird mit kosmetischen Mitteln versucht, die Problematik von Wirtschaftsmacht, politischer Macht, Herrschaftsmacht in Staat und Gesellschaft -die Kommunen eingeschlossen-zu “übertünchen”.

    Typisch für die derzeitige Einstellung der großen Mehrheit der Menschen zu dieser Problematik erscheint mir, daß die folgende Feststellung in der Verfasssung des Landes NRW (!!!) nicht nur niemand kennt, sondern daß sie bei entsprechender Befragung von den Menschen nicht unserer Landesverfassung, sondern der der ehemaligen DDR zugerechnet wird:

    Art.27 (1)Landesverfassung NRW:

    “G r o ß b e t r i e b e der Grundstoffindustrie und Unternehmen, die wegen ihrer m o n o p o l a r t i g e n Stellung besondere Bedeutung haben, sollen in Gemeineigentum übergehen.”

    Art.27(2)Landesverfassung NRW:

    “Zusammenschlüsse, die ihre w i r t s c h a f t l i c h e M a c h t mißbrauchen, sind zu verbieten.”

    Mir scheint,daß es nicht abwegig ist, auch heute, sh.der Beitrag-4-, über die Gründe und die Befürchtungen nachzudenken, die für die Verfasser der Landesverfassung Anlaß waren, den Art.27 so zu verfassen wie er auch heute noch Bestand hat. “Nur Gedankengut von gestern” ??

  • #6
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Walter Stach: “G r o ß b e t r i e b e der Grundstoffindustrie und Unternehmen, die wegen ihrer m o n o p o l a r t i g e n Stellung besondere Bedeutung haben, sollen in Gemeineigentum übergehen.” Das bedeutet dann in der Praxis Staat oder Genossenversorgungsanstalten – sprich Stadtwerke. An der Konzentration von Macht würde das nichts ändern. Wenn ECE nicht nach Bochum kommt kann das zwei Gründe haben, die beide jenseits der politischen Macht liegen: 1. E-Commerce verändert den Einzelhandel radikal – ein Einkaufszentrum in Bochum lohnt sich nicht. 2. Der Kaufhausbetreiber Baltz hat ECE durch den Erwerb des Telekom-Blogs einen Strich durch die Rechnung gemacht. So oder so: Der Markt hat das Problem geregelt – die Politiker und die Verwaltung können nur zuschauen. Das ist Kapitalismus von seiner besten Seite. Übrigens: Wenn ECE gekommen wäre, wäre mir das persönlich mittlerweile auch ziemlich egal (Das war mal anders). Ich kauf kaum noch in der Stadt ein (Ab und an Saturn), der Rest geht online.

  • #7
    Robin Patzwaldt

    @Stefan #6: ‘Wenn ECE gekommen wäre, wäre mir das persönlich mittlerweile auch ziemlich egal (Das war mal anders). Ich kauf kaum noch in der Stadt ein (Ab und an Saturn), der Rest geht online.’

    Auch ich kaufe inzwischen fast alles online. Früher fuhr ich jeden Samstag in die große Stadt zum Einkaufen. Inzwischen nur noch alle 3 Monate, oder so. Die Folgen sind, darüber bin auch ich mir klar, gravierend.
    Was folgt nun daraus? Innenstädte aufgeben?
    In Recklinghausen bauen sie ja auch gerade so einen Kommerztempel. Die altbekannten Geschäfte in RE jammern jetzt darüber, schließen teilweise auch schon, obwohl das Ding noch nicht einmal in Betrieb ist.
    Ob sich die Investition dort überhaupt noch lohnt?
    Ich werde da wohl ebenso wenig einkaufen wie in der Dortmunder Thier-Galerie. Internet ist einfach besser. Der Handel in unseren städten ist, meiner Meinung nach, kaum noch zu retten. Was wird am Ende in der City übrig bleiben? Wohl nur noch Läden für den täglichen Bedarf…

  • #8
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Robin: Ich war immer gegen die Zentren. Die Leute haben sie Parteien gewählt die sie wollten – jetzt gehen ihr Städte kaputt. Selbst Schuld – alle wussten, dass das passiert. Wir können das jetzt dokumentieren und das wars.

  • #9
    Robin Patzwaldt

    @Stefan: Ja, aufhalten kann man den Trend sicher nicht mehr, höchstens noch etwas gegensteuern. Ob sich der Aufwand dafür aber lohnt? Da aktuell alle Städte panisch in diese Richtung zu planen scheinen (auch hier in der Provinz gibt es aktuell innahezu allen Städten relativ hektische Planungen für neue Innenstadtkonzepte) heben sich die Effekte größtenteils gegenseitig auf. Und der Umsatz wird weiter sinken.

  • #10
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Robin Patzwaldt: Die Städte werden im Ruhrgebiet die klassischen Fußgängerzonen zurückbauen und die Innenstädte wieder auf ihren Kern konzentrieren müssen: Weniger Menschen, weniger Kaufkraft, E-Commerce = geringerer Flächenbedarf. Das wann dann noch übrig ist sollte sich in jeder Stadt von den anderen unterscheiden. Wichtig werden Service- und Betreuungsangebote für Kinder und Senioren, Gastronomie etc. Im Ruhrgebiet werden sich die Innenstädte auf einem niedrigeren Niveau wiederfinden. Wirtschaftlich schwache Regionen schrumpfen nun einmal und das wird jetzt immer schneller gehen – auch weil die Generation der “reichen” Rentner bald abtritt. In Köln, Düsseldorf oderMünster sieht die Welt natürlich ganz anders aus. In München, Frankfurt und Hamburg auch – aber wir reden ja über das Ruhrgebiet. Für Waltrop – und auch die Stadtteile der Großstädte – sehe ich spannende Möglichkeiten in der Verbindung von Einzelhandel und Lieferstation, eng verbunden mit einer klugen Vorausschau der Kundenbedürfnisse in dem jeweiligen Quartier.

  • #11
    Robin Patzwaldt

    @Stefan: Wenn ich die Lokalpolitik hier in der Gegend so betrachte, dann fehlt mir allerdings der Glaube daran, dass diese raren Chancen dann rechtzeitig erkannt und genutzt werden.
    Aber vielleicht sehe ich das ja auch einfach nur zu negativ… 😉

  • #12
    Thomas Hille

    Da macht Baltz dasselbe wie Hardeck mit Möbel Unger: Kaufen, damit ja keine Konkurrenz entsteht. In lokaler Hand… – das ist doch nur blabla. Der Telekom-Block wird die nächsten 15 Jahre leer stehen und dann abgerissen werden. In die Innenstadt wird sich dann keiner mehr verirren.

    Wenn Konkurrenz das Geschäft belebt, dann stirbt mit der Konkurrenz auch das Geschäft.

  • #13
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Thomas Hille: Falls ECE bis zu dem Zeitpunkt des Kaufes des Telekom-Blocks durch Baltz noch Interesse hatte, war es ein Shootout. Baltz war schneller. Jetzt besteht zumindest theoretisch die Chance, dass sich Bochum in der Innenstadt anders entwickelt als Dortmund und Essen. OK, mit dem jetzigen Stadtbaurat Kratzsch wird das nichts (Kratzsch-Spott im Rathaus: Das einzige Projekt das Kratzsch in seiner Amtszeit in Bochum erfolgreich umgesetzt hat war der Bau seines Eigenheims in Rheine”) aber zum Glück ist der ja Ende des Jahres weg. Die Wahl seines Nachfolgers wird für Bochum eine sehr wichtige Personalentscheidung sein. Noch so ein Ausfall und es wird sehr eng für die Stadt.

  • #14
    Detlev Winkler

    Liebe Leute, guckt euch mal bitte die Realität an, das Gejammere über die sterbenden Citys geht doch daran etwas vorbei. Klar gibt es das Internet, wo ich auch viel und gut einkaufe und auch andere Veränderungen im Einkaufsverhalten.
    Aber ein Oberzentrum wie Dortmund wird doch locker eine Thier Galerie verkraften können und aus meiner Sicht auch müssen.
    Ich war letzte Woche mal wieder da, alle die nicht schon Ü 50 sind wie ich – obwohl auch die sieht man da – gehen da hin und mit Tüten wieder raus, der Laden brummt bei Primark, Hollister usw..
    Der Ostenhellweg ist dadurch auch nicht den Bach runter gegangen, das stimmt einfach nicht, da gibt es ein paar echte Magneten für ein breites Publikum, C+A, TK-Max, Strauss Innovation und sogar für klassischen Facheinzelhandel wie Lütgenau hat es einen Nachfolger gegeben!
    Und ich behaupte mal: Auch Bochum würde an einem halbwegs flächenmäßig angepasstem Shoppingcenter nicht zugrunde gehen, sondern davon profitieren.
    Wenn ich “Großstadt” sein will, muss sowas her. Ob ECE oder Mfi, die angebotenen Center als Einkaufsformen sind bundesweit schlicht und ergreifend Standard, ob man das gut findet oder nicht. Schwierig wird es mit solchen Angeboten in der Stadtliga darunter.
    Es gibt halt für die Center einfach ein breites Publikum, dass genau so einkaufen möchte und auf das keine Großstadt verzichten kann und sollte. Dass das vieleicht nicht dieselben sind, die auf der Kö oder in der Maximilianstraße ihr Geld lassen, ist schon klar. Da sehe ich viel eher ein Defizit, Leute, die Kohle haben und ihr Geld überall ausgeben können durch ein attraktives Angebot an individuellem, nicht normierten Angebot “hier in Do/Bo/E/Du” zu halten.

  • #15
    discipulussenecae

    Ich finde es wichtig, eben nicht nur online zu kaufen und gehe daher den umgekehrten Weg: Ich suche mir das Buch oder die CD bei Amazon aus, rufe dann beim Buch- oder CD-Händler an und hole am nächsten Tag die Neuerwerbung ab. Vielleicht bin ich da mittlerweise hoffnungslos romantisch oder altmodisch: Aber gerade dieser lokale Fachhandel sollte und muß erhalten bleiben. Denn ob Saturn, Media Markt oder sonstwer auf irgendwelchen Wiesen Konsumtempel errichten, geht mir sonstwo vorbei!

  • #16
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @disci: Ich lese fast ausschließlich E-Books. Da gibt es keinen Fachhandel – nur iBooks und Amazon 🙂 Mir ging es mehr ums Stadtbild als um die Händler. Wo welcher Filialist sitzt ist ja eigentlich egal. Ich fand nur die Vorstellung einer kaputten Innenstadt unattraktiv.
    @Detlev: Kein Problem mit Konsumgewohnheiten – jeder wie er will. Ich hab nix gegen Primark. Meine Sorge war: Wie entwickelnsich die schrumpfenden Städte im Ruhrgebiet längerfristig? Einkaufszentren sind in Köln und Frankfurt in den Innenstadtlagen kein großes Problem, sondern eine Bereicherung – mehr Verkaufsfläche. Ich sehe bei keinem Planer im Ruhrgebiet eine Idee für einen Innenstadt aus der sich den klassischen Lagen zurückzieht – und das wird er tun. Mit Einkaufszentren etwas schneller, ohne etwas langsamer.

  • #17
    Detlev Winkler

    Mein Ansatz ist: das Ruhrgebiet braucht das Centro als Einkaufszentrum und “Alleinstellungsmerkmal” mit allem drumherum (KöPi-Halle, Kneipenmeile, Schloss Oberhausen, Sportzentum, Kanal, Gasometer usw.) unbedingt, da würde ich die Innenstadt Oberhausen “bewußt” auch nicht weiter fördern. Neues Zentrum eben!
    Die Oberzentren Duisburg, Essen, Bochum, Dortmund müssen sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten entwickeln, und dazu gehöhren meiner Meinung nach auch möglichst attraktive und möglichst gut in die innerstädtische Struktur eingebundene Center. Die haben außer Bielefeld inzwischen alle und sind nix exotisches sondern ein “must have”.
    Wo ist das Gemeinwesen, das einen anderen Weg beschritten hat?
    Ich kenne keins.
    Apropos Bielefeld: Ich arbeite da und da stand – ernsthaft – bei jüngeren Kollegen die Fragen an: Wir wollen Klamotten kaufen – Primark Dortmund oder Hannover :-)))!

  • #18
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Detlev Winkler: Wie siehst Du Zentren wie das, was gerade in Recklinghausen gebaut wird? Recklinghausen ist ja kein Oberzentrum. Und dann gibt es ja noch die alten Zentren wie den Ruhrpark und das RheinRuhrZentrum – die sind ja alles andere als in die Innenstadt integriert. Bochum hätte, falls ECE bauen würde, zwei große Einkaufszentren – eins in der Innenstadt, eins in der Peripherie.

  • #19
    Walter Stach

    Stefan Laurin -6-
    Ich habe in der Diskussion “ECE Bochum”, konkret im Beitrag von Sebastin Dicke -4- für mich einen Anlaß gesehen, ‘mal wieder an die uralte Problematik von wirtschaftlicher Macht,politischer Macht,Herrschaft über Menschen in Staat und Gesellschaft zu erinnern und daran, welche Konsequenzen beispielsweise die “Mütter und Väter der Landesverfassung NRW” daraus vor rd.65 Jahren gezogen haben. Daran zu erinnern, darüber ‘mal wieder bei Gelegenheit nachzudenken, liegt mir nahe, anderen mag das sehr ferne liegen.

    Im übrigen teile ich zur konkreten Problematik weitgehend die in den Beiträgen -8-u.-10-vertretene Meinung.

    Zudem habe ich den Eindruck, daß es den Investoren im Regelfall darum geht, in relativer kurzer Zeit möglichst viel Geld zu verdienen. Selbst in kleinen und mittleren Städten des nördlichen Ruhrgebiet wird der Bau immer größerer Einkaufszentren von Investoren betrieben und der Kommunalpolitik gefordert und gefördert bei gleichzeitig wachsendem Leerstand herkömmlicher “Laden-/Geschäftslokale”, die bisher das urbane Leben der Menschen getragen und geprägt haben, und das geschieht in Kenntnis der vor allem für diese Regionen seit Jahren bekannten Prognosen eines drastischen Rückganges der Bevölkerung in den nächsten 3o Jahren. Das wird offenkundig von den Investoren ausgeblendet. Sie wollen jetzt -und in den nächsten 1o Jahren- mittels ihrer Investitionen die gewünschte Rendite erzielen; und dann? Das interessiert sie nicht, sollte aber Politik und Verwaltung in den Kommunen/in der Region interessieren.

    Und noch eine Bemerkung:
    Jede noch so kleine Kommune versucht, im Wettbewerb um die attraktiste Einkaufsstadt mitzuhalten nach dem Motto: ” Je größer das Kaufhaus, je Größer das Einkaufszetrum um so besser. ” Die Konkurrenz zwischen DO/BO/Essen ist zwar in der Größenordnung eine andere als z.B. zwischen Datteln/Waltrop/Lünen, in der Struktur sind sie aber gleich.

    Über den Sinn für die hier lebenden Menschen und über den richtigen Weg, die kleine,aber feine oder die große und oft weniger feine Einkaufsstadt zu erhalten und sie im Konkurrenzkampf mit Nachbarkommunen sogar noch ausbauen zu wollen , mag man streiten, nur das dabei, wie bereits angedeutet, das mittel-/langfristig stets answachsende Problem des Bevölkerungsrückganges und das Problem einer weiterhin sinkenden Kaufkraft im Revier gänzlich in der Diskussion “außen vorbleiben” bzw. bestenfalls hier und dort in kleinen Cirkeln diskutiert werden, die durch die Investoren und die “Macher” in Politik und Adminstration” nicht wahrgenommen werden,das ist mir unverständlich.

  • #20
    Stefan Laurin Beitragsautor

    Walter Stach@: Investoren die in Einkaufszentren investieren sind an langfristigen, sicheren Renditen interessiert – nicht an schnellen, kurzfristigen Gewinnen. Die Investitionen sind dafür da, innerhalb eines Portfolios der riskanteren Investitionen abzufedern. ECE sieht wohl in Bochum keine Möglichkeit eine solche langfristige Rendite zu erzielen – das mag an der Schwäche des Standortes liegen, es mag an den Umwälzungen im Einzelhandel liegen – da wird beides wohl zusammenkommen.

  • #21
    Walter Stach

    Stefan Laurin,
    “langfristig sichere Renditen”?

    Was ist “lanfristig und was ist für die Kapitalanleger sicher”? Darüber wäre zu reden.

    Es wäre ja für die Bochumer von größten Interesse, konkret die Gründe für den Rückzug von ECE zu erfahren. Gründe, die möglicherweise mehr und Realistischeres über die “Stadtentwicklung aussagen” als das in diversen Stadtenwicklungsplänen geschieht. Das wird ECE aber nicht machen oder?

  • #22
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Walter Stach: Mehrere Jahrzehnte. Es geht häufig um die Absicherung riskanterer Anlageformen in Fonds durch konservative wie Immobilien. Der Grund warum ECE nicht kommt soll die Einschätzung des Ruhrgebiets als Standort mit schlechter Perspektive sein. Alternde Bevölkerung, schrumpfende Bevölkerung, kein Wirtschaftswachstum, sinkende Kaufkraft – und kein Anzeichen dafür, dass sich das ändert. ECE wählt seine Standorte klug aus – Bochum (und der Rest des Ruhrgebiets) gehören nicht mehr dazu. Dazu kommt: E-Commerce ändert das Kaufverhalten. Das haben die Stadtplaner im Ruhrgebiet noch nicht erkannt. ECE schon. Die Otto-Gruppe, zu der ECE gehört, hat zuletzt massiv in E-Commerce investiert. Hoffen wir mal, das nun keine neue Spinnereien kommen – die Städte des Ruhrgebiets sollten nun wirtschaftliche tragfähige neue Konzepte für ihre Innenstädte entwickeln. Mit was kann in den Innenstädten auf welcher Fläche Geld verdient werden? Wie können dort Jobs entstehen? Wie Immobilienwerte gehalten und idealerweise später gesteigert werden? Orte, an denen weder Jobs entstehen noch Geld verdient wird haben wir genug. Die müssen nicht auch noch künstlich mit weiteren Subventionen geschaffen werden. Mal schauen, ich glaube ich schreibe dazu mal was in den nächsten Tagen.

  • #23
    Detlev Winkler

    Guten Abend Herr Laurin, Guten Abend Herr Stach, ich glaube nicht das die Bevölkerungsentwicklung und Kaufkraft in der Diskussion aussen vorbleibt. Gerade im Fall von Investitionen in den Einzelhandel liegen die Hürden in NRW ab 1.200 qm Verkaufsfläche des Aldi planungsrechtlich schon hoch, die Stichworte sind “zentrale Versorgungsbereiche, Zentrenkonzepte, Verträglichkeitsgutachten zur Kaufkraft- / Umsatzumverteilung, Sortimentsbeschränkung, Verkaufsflächenbegrenzung usw.”. Zu all diesen Themen müssen Planungsvorhaben im Segment Einzelhandel in den Verfahren mit Gutachen Stellung beziehen und die betreffenden Parameter kreuz- und quer rechnen (was erstaunlicherweise meist zu positiven Ergebnissen führt). Und IHKs und Einzelhandelsverbände im Verbund mit den Bezirksregierungen begleiten da vieles sehr kritisch, aber die Steuerung ist trotzdem sehr mühsam.
    Die Genehmigungsverfahren sind in der Regel öffentlich und wenn man will auch nachvollziehbar.
    Das ändert aber alles nichts daran, das “zeitgemäße” -worunter ich am Markt angesagte Einzelhandelskonzepte (abgestimmt wird hier mit den Füssen :-)! verstehe – sich in den gewachsenen Zentren schwer tun, oftmals passen hat kleinteilige (Eigentums-) Strukturen mit den aktuellen Konzepten halt nur schwer zusammen.
    Deshalb meine ich ein halbwegs in die City eingebundendes “Center”, das dann einen Standort im “Herzen” der Stadt gefunden hat, ist allemal besser als Standorte wie an der Autobahn A44 in Werl, wo ja Outlet-Konzepte ebenfalls schon ernsthaft diskutiert wurden- oder die kofferaumgebundenen Standorte in der Peripherie (Dortmund Indu-Park, Rhein-Ruhr-Zentrum, Ruhr-Park aus den 60er-Jahren mit Bestandschutz), die aber nun mal da sind.
    Drei Punkte noch zum Schluss:
    * Den Trends und Entwicklungen die im Einzelhandel stattfinden, kann sich kein Gemeinwesen verschliessen.
    * Nichts zu machen und zu erlauben geht auch für Mittelzentren nicht, wie gesagt das Thier-Center, Oberhausen mit dem Centro, D-Dorf und auch Roermond sind nicht soweit und heute gut erreichbar.
    * Um die Investoren muss man sich die wenigsten Sorgen machen, die rechnen den Lebenszyklus ihrer Immobilie bestimmt durch und meist funktionierts wohl auch.

    So wenig schön vieles bei diesen Entwicklungen ist, wo ist das alternative Konzept – am liebsten zum Angucken in echt – das als “Blaupause” taugt?

  • #24
    Detlev Winkler

    Ich glaube auch nicht, dass ECE einen Standort wie Bochum freiwillig der Konkurrenz überlässt. Manchmal sind es auch die banalen Dinge die dazwischenkommen. In Bielefeld – mit noch keinem Center – wo aber seit Jahren zwei namhafte Konkurrenten zwei potentielle Standorte versuchen zu platzieren, ist der von der Stadt tendenziell favorisierte nunmehr gestorben. Hat der Konkurrent mal ordentlich für ein Sperrgrundstück geboten :-)!
    Projekt 1 tot, über das zweite und seine Größe wird heftig weitergestritten.

  • #25
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Detlev Winkler: ECE ist nach meinen Informationen deutlich vor dem Verkauf des Telekom-Blocks an Baltz ausgestiegen. Nach dem Verkauf ist ein Zentrum der ursprünglich geplanten Größe unwahrscheinlich geworden – an dem neuen Besitzer der Immobilie führt kein Weg vorbei und der besitzt ein großes Modehaus in der Innenstadt. Wenn ein Zentrum kommt, wird es wohl kleiner werden. Davon ab: Bochum hat mit dem Ruhrpark bereits ein Einkaufszentrum mit einer Verkaufsfläche von 69.700qm. Und noch etwas zu einem Ihrer früheren Posts: Das aktuelle Shopping findet sich auch bei Primark statt – vor allem aber bei Zalando:
    http://www.ruhrbarone.de/zalando-und-amazon-setzen-einkaufszentren-unter-druck/68031

  • #26
    Detlev Winkler

    Wobei das Geschäftsmodell von Zalando – ich bestelle mal meinen Anzug in meiner gefühlten Größe – vieleicht passt es ja sogar – 52 – 54- 56- und vorsichtshalber auch 58 – und schicke neben den drei ersten auch den passenden in 58 zurück, weil nach dem Silvesterball die neue Zielgröße 50 ist, ja auch noch nicht nachhaltig auf wirtschaftliche Tragfähigkeit geprüft ist.
    Und anfassen kann man am touchscreen auch erstmal nichts so richtig.

  • #27
    Walter Stach

    -22-Stefan Laurin:

    1.
    Meine Erfahrungen sprechen dafür, daß oftmals die über das konkrete Projekt hinaus für die gesamte Stadtentwicklung relevanten Daten/Fakten gründlicher, umfassender, detailierter bei einem potentiellen Investor vorhanden sind als bei der städtischen bzw. regionalen Stadtentwicklung. Insofer wäre es, Stefan, wenn Du Dich der Thematik noch ‘mal zuwendest solltest, doch “spannend”, wenn Du dazu an Datenmaterial eben nicht nur aus dem Fundus der Städte, des RVR herankommen würdest, sonder z.B. auch an Daten/Fakten von ECE.

    2.
    Detlev Winkler-23-

    Aus lange zurückliegender beruflicher Tätigkeit weiß ich sehr wohl um die inhaltich und verfahrensmäßig schwierigen Prozesse, die aufgrund rechtlicher Vorgaben abzuwickeln sind, bevor eine Großinvestition im Bereich Einzelhandel genehmigt werden kann -gilt ja schon, wie angemerkt, für die relativ kleinen Läden z.B. von EDEKA, ALDI,LIDL.
    Ich durfte u.a. ‘mal unmittelbar dabei sein und erleben, was da wie und mit wem und unter Beachtung welcher gegensätzlicher Interessen vor allem dann abläuft, wenn es um die Ansiedlung eines Outlet-Centers geht. Und in einer solchen Diskussion geht es dann nicht nur um Daten/Fakten und deren rationale Bewertung, sondern auch um Emotionen und im politischen Raum auch um “ideologische” (Vor-)Urteile.

    Meine Hinweise auf die Notwendigkeit, mehr denn je die Folgen des demographischen Wandels und des Rückganges der Kaufkraft im Ruhrgebiet zu beachten, resultieren aus dem Eindruck, der falsch sein kann, daß sich die kommunale Politik “bei uns” entweder mit diesen Fakten immer noch nicht hinreichend auseinandersetzt und/oder sich diese Fakten schön redet, auch wenn es um die Planung/Entwicklung eines innerstädtischen Einzelhandelkonzeptes gilt -mit Blick auf die nächsten 3o Jahre??-.

    U.a.deshalb erscheint es mir mehr denn je geboten, auch gestützt auf die Daten zum demogr.Wandel, gestützt auf die Prognosen über einen weiteren Rückgang der Kaufkraft im gesamten Ruhrgebiet mehr denn je auch im Bereich großflächlicher Einzelhandels interkommunal zusammenzuarbeiten, dh. zumindest, daß “man” sich gegenseitig über seine Pläne mehr als bisher informiert, ohne im einzelnen über jeden Fisch, den man am Haken zu haben scheint, den Nachbarn vorab unterrichtet.
    Das gilt für die Großstätte im Revier untereinander, aber auch für das Verhältnis der Großstädte zu den umliegenden kleineren und mittelgroßen Kommunen.Da läuft m.W. zum Beispiel zwischen DO und Waltrop nichts.

    Solange “gnadenloser Egoismus” das Handeln einer jeden Kommune eben auch im Bereich des großflächigen Einzelhandels bestimmt, kommt es zwangsläufig zu Fehlinvestitionen. Und solche sind für mich primär nicht bedauerlich, weil sie den Investoren Geld kosten können, sondern weil sie in Form von Einzelhandelsleerständen, von innerstädtischen Bauruinen nachhaltig das Stadtbild und damit die Lebensqulität der Menschen in der Stadt negativ beeinflussen.

    Richtig ist, daß es offenkundig für das Problem großflächigen Einzelhandels im innerstädtischen Raum und/oder in den städtischen Randbereichen der Kommunen unter Berücksichtigung aller Daten/Fakten, die des demogr.Wandels und der Kaufkraftentwicklung eingeschlossen, in der kommualen/regionalen Realität des Ruhrgebietes, nicht d i e nachahmenswerte Modellösung gibt und wohl auch nicht geben kann und es den Versuch, zu einem regionalen Gesamtkonzept zu kommen -für die “Metropolstadt Ruhr?- m.W. nicht gibt.

    Diskussionen wie diese hier können insofern unmittelbar nichts
    b e w i r k e n, sind aber m. E.geeignet, über die fachkundigen Akteure in Politik,Adminstration,Wirtschaft hinaus dieses Problem verstärkt in die allgemeine öffentliche Diskussion einzubeziehen als Teil der vielen großen Baustellen im Revier.

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