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Bodo Wartke: ‚Dann sind halt Konzerte per Zoom-Call jetzt für mich die neue Art des Auftretens!‘

Bodo Wartke. Foto: Sebastian Niehoff

Unser Autor Robin Patzwaldt war kürzlich privat zu Gast bei einem Online-Auftritt des Musikkabarettisten Bodo Wartke. Der 43-jährige Künstler spielte anlässlich eines privaten Geburtstages einige seiner Songs vor den versammelten rund 100 Geburtstagsgästen, die dabei vor ihren Computern quer durch die Republik verteilt waren, in einem Zoom-Call.

Dabei wirkte Wartke so sympathisch, offen und zugänglich, dass ein paar Tage später jetzt auch noch ein exklusives Ruhrbarone-Interview über die besondere Situation des Künstlers in Pandemie-Zeiten und über die aktuell vorherrschenden Probleme des Alltags  zustandegekommen ist.

Was eigentlich ein trauriges Gespräch über die diversen Härten des Künstleralltags im Lockdown hätte werden können, geriet zu einem offenen und ehrlichen Austausch, der auch die kleinen Freuden des Alltags, die speziell  während der Pandemie noch einmal an Bedeutung gewonnen haben, nicht außeracht lässt.

Ruhrbarone: Hallo Bodo! Du hast kürzlich bei einem Online-Konzert gesagt, dass alle deine Auftritte vor Publikum seit dem Beginn der Pandemie ausgefallen sind. Das klingt natürlich dramatisch. Trotzdem schienst du es irgendwie mit Humor zu tragen. Wie sieht denn dein Alltag in Corona-Zeiten aus?

Bodo Wartke: Ich bin so viel zuhause wie noch nie zuvor, koche viel und spiele mit meinem Sohn.

Ruhrbarone: Und wie sehr vermisst du dein Live-Publikum? Konzerte per Stream sind ja sicher ganz nett, aber für Künstler wie dich, die es gewohnt sind mehr Reaktionen von den Leuten im Saal zu bekommen, muss das doch bestimmt komisch sein, oder?

Bodo Wartke: Meine Darbietung lebt sehr von der Interaktion mit meinem Publikum, es ist im Grunde mein „Mitspieler“. Folglich fehlt es mir sehr…

Ruhrbarone: Du meintest, dass es auch positive Aspekte hat, wie sich dein Alltag seit vergangenem Frühling verändert hat. Magst du uns das etwas erläutern?

Bodo Wartke: Vor der Pandemie war ich in meiner Familie eher „zu Gast“, weil ich so viel auf Tour war. Da war ich öfter mal eine Woche am Stück oder länger nicht da, kam zurück und mein Sohn konnte irgendetwas Neues, was ich nicht miterlebt habe. Das ist jetzt zum Glück ganz anders.

Ruhrbarone: Was war dein positivstes Erlebnis im Lockdown?

Bodo Wartke: Mir gehen zum Glück die Ideen nicht aus, selbst im Lockdown nicht. Und die Solidarität seitens meines Publikums ist immens, uns erreichen viele Spenden. Die reichen zwar nicht, um auf Dauer unsere laufenden Kosten zu decken, aber sie ermöglichen uns die Realisierung diverser Projekte wie etwa die Produktion von Musikvideos oder den Relaunch des „Liebesliedgenerators“ auf meiner Website, so dass der Kontakt zu meinem Publikum nicht abreißt und meine Kunst weiter stattfinden kann – wenn auch gerade nicht live auf einer Bühne.

Ruhrbarone: Der Staat hat für Künstler ja Soforthilfen angekündigt. Wie hast du das Alles wahrgenommen. Fühlt ihr euch ausreichend wertgeschätzt?

Bodo Wartke: Die Hilfen greifen leider immer noch zu kurz und erreichen nicht alle, die sie benötigen. Zwar wird nachgebessert, aber nicht schnell genug. Die November- und Dezemberhilfen etwa konnten wir nicht beantragen, weil wir unterm Dach meiner eigenen Produktionsfirma auch meinen Online-Vertrieb beherbergen, über den wir nicht nur meine Produkte sondern auch die meines hochgeschätzten Freundes und Kollegen Marc-Uwe Kling vertreiben. In seiner Eigenschaft als Bestsellerautor verkauft er viele Bücher, wodurch der Online-Vertrieb Umsatz generiert, aber eben kaum Einnahmen, da wir diese ja an den Kollegen weiterreichen. Das jedoch ist dem Staat egal. Der sieht nur die Zahlen und deklariert: nicht hilfeberechtigt!

Ruhrbarone: Wenn Auftritte vor Publikum aktuell auch nicht möglich sind, wie siehst du die Zukunft für deine Branche? Wie wird Corona die Kulturszene dauerhaft verändern?

Bodo Wartke: Ich las neulich die Schlagzeile, dass jede/r dritte Musiker*in in Hamburg den Job bereits an den Nagel gehängt habe. Das ist natürlich alarmierend. Gleichzeitig hege ich die Hoffnung, dass man den Job, sobald die Zeit dafür wieder reif ist, vom Nagel auch wieder herunternehmen kann – wie eine leichte Frühlingsjacke, sobald der Schnee getaut ist und man sich nicht mehr warm anziehen muss.

Ruhrbarone: Wie planst du aktuell überhaupt deine berufliche Zukunft? Hast du schon Pläne, die über den laufenden Monat hinausgehen?

Bodo Wartke: Ich habe in der Vorweihnachtszeit Online-Konzerte gegeben per Zoom-Konferenz. Das stieß auf derart große Nachfrage und hat allen Beteiligten inklusive mir so viel Spaß gemacht, dass ich es ab Ende Februar fortsetzen werde. Dann ist das halt jetzt für mich die neue Art des Auftretens – solange, bis die alte wieder geht!

Ruhrbarone: Vielen Dank für die offenen Worte, Bodo!

PS: Am kommenden Samstag (20. Februar 2021) steht um 20 Uhr ein Livestream-Konzert aus der Kölner Philharmonie an, das der WDR auf YouTube und Facebook überträgt. Bodo spielt dann gemeinsam mit dem WDR Funkhausorchester unter dem Titel “Jetzt oder Sinfonie!” einen Querschnitt durch sein gesamtes Repertoire. Schaut doch mal rein. Es lohnt sich!

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