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Daniela Klette: Die RAF und der 7. Oktober

Fahndungsfotos von Daniela Klette Foto (Ausschnitt): LKA Niedersachen


Laut Angaben eines Terrorismusexperten hat die Festnahme der EX-Raflerin Daniela Klette auch etwas mit dem Angriff der Hamas am 7. Oktober auf Israel zu tun. Von unserem Gastautor Thomas von der Osten-Sacken.

Wenn stimmt, was Hans-Jakob Schindler vom Counter Extremism Project (CEP) der Frankfurter Rundschau gegenüber erklärte, entbehrte dies nicht einer gewissen Ironie der Geschichte:

„In Berlin gibt es eine große und sehr aktive linksextremistische Szene. Die RAF-Leute sind für viele in diesem Milieu immer noch Helden. (…)

Warum erfolgte die Festnahme gerade jetzt? Klette wurde laut Sicherheitskreisen anhand von Fingerabdrücken identifiziert. Schindler erklärt: „Zum Verhängnis ist ihnen sicher unter anderem geworden, dass die linksextremistische Szene sich zuletzt so sehr mit Terrororganisationen wie der Hamas oder Samidoun verbrüdert hat. So hatten die Behörden sie wieder viel stärker im Fokus.“ Dies galt denn wohl auch für die Unterstützerszene im linksextremistischen Milieu.“

Dann nämlich kämen Mitglieder der dritten und letzten Generation der RAF, die 1998 die Selbstauflösung erklärt hatten, vor Gericht auch weil am 7. 10. 2023 die Hamas ein antisemitisches Massaker anrichtete und in Folge sich in dieser Szene entsprechender Solidarität erfreute. Schließlich war das Verhältnis zwischen RAF und palästinensischen Terroristen schon immer ein sehr enges: Ihre militärische Ausbildung erhielt die erste Generation  von der PLO:

„Im Zuge der Zusammenarbeit der RAF mit palästinensischen Terrorgruppen erhielt die Rote Armee Fraktion nicht nur schwere Waffen und Munition, sondern wurde auch in den Trainingslagern der Palästinenser ausgiebig auf Gewalttaten in Europa vorbereitet. Laut „Spiegel“ fanden die RAF-Terroristen nach der Entführung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer im Herbst 1977 ein Versteck in der Zentrale der marxistisch-leninistischen „Volksfront für die Befreiung Palästinas“ (PFLP) in Bagdad. Dort trafen sie mit dem Führer der PFLP, dem einstigen Kinderarzt Wadi Haddad zusammen, der den RAF-Mitgliedern weitere Unterstützung anbot. „Seine Leute könnten die deutsche Botschaft in Kuwait besetzen oder eine Lufthansa-Maschine entführen“, lautete das Angebot des PFLP-Chefs, so der „Spiegel“.

Die Verbindungen der RAF bestanden auch zur radikalen Fatah-Gruppe von PLO-Chef Yasser Arafat: Bei der Fatah erhielten RAF-Leute eine militärische Ausbildung.“

1976 agierte dann ein „deutsch-palästinensisches Kommando“ gemeinsam und entführte eine Maschine der Air France, die schlussendlich in Entebbe von israelischen Spezialeinheiten gestürmt wurde. Einer der Planer dieser Aktion, Wilfried Böse, war Mitbegründer der Revolutionären Zellen (RZ), hatte seine Karriere allerdings bei der RAF begonnen.

Titelseite der Herald Tribune vom 5. Juli 1976

Doch zuvor, solange sich die Geiseln noch in den Händen der Entführer befanden, führten diese noch eine Selektion durch:

„Anhand der eingesammelten Reisepässe selektierten Winfried Böse und Brigitte Kuhl im Flughafengebäude von Entebbe die israelischen Geiseln. Oder die Juden von den Nichtjuden? Jedenfalls kam bei den gefangenen Menschen dieser Eindruck auf: Ein Israeli, der den Holocaust überlebt hatte, zeigte Böse wütend die Häftlingsnummer, die in seinen Arm tätowiert worden war. Er warf Böse auf Deutsch vor, die neue Generation der Deutschen sei offenbar genauso wie jene, die er im Zweiten Weltkrieg erlebt hatte.

Der Linksextremist Böse erwiderte, er sei ein „Freiheitskämpfer“ geworden, gerade weil in der Bundesrepublik Nazis an führenden Stellen säßen. Sein Ziel sei es, den unterdrückten Palästinensern zu helfen — und deren Feind sei nun einmal Israel.“

Juden bzw. Israelis – insgesamt 94 – mussten an Bord bleiben, Nichtjuden wurden freigelassen.

Diese gemeinsame Feindschaft zeichnete alle „Generationen“ der RAF über die Jahre hinweg aus und wurde nun offenbar den letzten, die jahrzehntelang unerkannt und unbehelligt in Berlin unter falscher Identität leben konnten zum Verhängnis.

Der Text erschien in einer ähnlichen Version bereits in der Jungle World

 

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spindoctor
spindoctor
1 Monat zuvor

Anscheinend konnten sie recht gut an / unter der Mauer, aka „Antifaschistischer Schutzwall“ überwintern.

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