
Eine Exil-Iranerin schildert, was sie durch die islamischen Herrscher und deren Schergen erlitten hat, wieso sie sich auch vor deren linken Unterstützern fürchtet und weshalb sie dennoch wie Hunderttausende in München gegen die Mullahs demonstriert.
Ich bin verzweifelt, wenn ich sehe, was in meiner Heimat geschehen ist und immer noch geschieht. Es zerreißt mir das Herz. Seit 47 Jahren unterdrücken die Mullahs das Volk, besonders die Frauen. Sie rauben das Land aus, das eigentlich sehr reich ist. Sie nehmen den Menschen alles. In Teheran, meiner Heimatstadt, gibt es nicht einmal mehr Wasser, weil die Gegend durch ihre jahrzehntelange Misswirtschaft ausgetrocknet ist.
Nun haben sie wieder Zehntausende ermordet, die gegen das Regime protestiert haben, und verkaufen sogar ihre Leichen. Die Leute sind so verzweifelt, dass sie sagen: Egal, wenn ich sterbe.
Ich bin vor 26 Jahren mit meiner damals zwei Jahre alten Tochter geflohen. Ich bin noch unter dem Schah aufgewachsen. Damals waren die Frauen frei und konnten sich kleiden, wie sie wollten. Mein Vater hat bei einer Ölfirma des Schah gearbeitet. Er hasste die Mullahs. Mit dem Sohn des Schah war ich bei den Pfadfindern. Ich habe vor ihm gesungen.
Als als zwölf war, ein Jahr nach der islamischen Revolution, hatte ich eine christliche Mitschülerin, eine Armenierin. Sie hat mir von Jesus erzählt. Ich habe in der Schule gesagt, dass ich auch Christin werden wollte. Ich wusste nicht, dass es verboten ist. Die Lehrerin hat meine Eltern zu sich bestellt und von ihnen gefordert, es zu verhindern. Die Mitschülerin wurde von der Schule geworfen, weil sie einen schlechten Einfluss auf mich hätte. Ich habe weiter als Muslimin gelebt, aber meine Gefühle waren ganz anders. Ich habe immer geweint, weil ich nicht so leben wollte.
Mit 16 wurde ich zwangsverheiratet. Mein Mann war eng mit dem Regime. Er war Schulleiter, sein Bruder Richter. Er raubte das Gold, das meine Eltern für mich als Aussteuer gekauft hatten, und meinen Familienschmuck. Erst nach drei Jahren stimmte er einer Scheidung zu. Meine erste Tochter, die ich mit ihm hatte, wurde mir weggenommen. Ich habe sie nie wieder gesehen.
Ausgepeitscht, weil eine Haarsträhne zu sehen war
Mit 22 wurde ich ins Gefängnis geworfen, weil eine Haarsträhne unter meinem Hijab zu sehen war. Mein Großvater, der Geld hatte, hat für mich gebürgt, damit ich nach einer Woche frei kam. Ich bekam 35 Peitschenhiebe zur Strafe, musste eine hohe Geldbuße zahlen und durfte für ein Jahr das Land nicht verlassen. Ich hatte Angst, dass ich wieder ins Gefängnis komme – für immer. Deshalb wollte ich unbedingt weg. Ich hatte mir schon ein Arbeitsvisum für Japan besorgt. Doch meine Mutter hat mir den Pass weggenommen. Sie wollte mich nicht gehen lassen.
Danach wollte ich in die Niederlande. Aber dann habe ich einen Mann kennengelernt, ihn geheiratet und mit ihm meine zweite Tochter bekommen. Auch er hatte mit dem Regime zu tun und hat mich schwarz und blau geschlagen. Ich fürchtete, dass man mir auch meine zweite Tochter wegnehmen würde. Schließlich hat er eingewilligt, dass ich ihm die Wohnung gebe, die mir gehörte, und ich dafür mit ihr gehen durfte.
Als ich mit ihr schon im Flugzeug saß, hat er es sich anders überlegt. Aber der Pilot hat die Türen geschlossen und ist los geflogen. Gott hat uns geholfen. Nach der Ankunft in Deutschland bin ich getauft worden, von Baptisten, und habe hier als Krankenschwester und kaufmännische Angestellte gearbeitet, bis ich krank geworden bin. Deshalb kann ich nicht mehr arbeiten.
Hoffnung auf eine demokratische Regierung
Ich hoffe, dass Gott meinem Volk jetzt auch hilft, sich von dem Mullah-Regime zu befreien. Und dass unter Führung des Schah-Sohns Reza Pahlavi eine demokratische Regierung errichtet wird.
Mit meiner Tochter gehe ich jede Woche mit anderen Exiliranern zu Demonstrationen gegen das Regime. Obwohl ich Angst habe vor iranischen Agenten und vor Linken, die die Mullahs immer noch unterstützen.
Mit meiner Mutter und meinen Geschwistern, die im Iran leben, kann ich nun endlich wieder telefonieren, nachdem das Regime alle Verbindungen abgeschnitten hatte. Ihnen ist zum Glück nichts passiert.
Um die Exil-Iranerin, ihre Tochter und ihre Angehörigen im Iran nicht zu gefährden, erscheint der Text anonym.
