Deutschlands Waffenstopp für Israel ist ein Fehler

Friedrich Merz, CDU (Foto: Roland W. Waniek)


Deutschlands Entscheidung, die Waffenlieferungen an Israel auszusetzen, beherrschte die Schlagzeilen und löste Empörung aus. Die Ankündigung von Bundeskanzler Friedrich Merz führte in Deutschland zu einem Sturm der Entrüstung. Die Gegenreaktionen kamen schnell und massiv – vom Zentralrat der Juden, der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, führenden pro-israelischen Organisationen bis hin zu prominenten Stimmen in Medien und Politik, sogar von Mitgliedern der Kanzlerpartei CDU. Von unserer Gastautorin Paushali Lass.

Das ist nicht nur eine Art politischer Auseinandersetzung, es handelt sich um einen schwerwiegenden politischen und strategischen Fehler, der den Kern unserer Staatsräson trifft: Deutschlands Verpflichtung, jüdisches Leben und die Sicherheit des Staates Israel zu schützen. Diese war nie nur symbolische Pflicht. Sie bedeutete konkrete Zusammenarbeit: Informationsaustausch, Koordination der Verteidigung und die Unterstützung mit Waffen.

Verbündete wanken in Krisenzeiten nicht. Doch indem Merz die Waffenlieferungen stoppt, während Israel einen existenziellen Krieg gegen die Hamas führt, signalisiert er Bedenken und keine Partnerschaft.

Fragile Verbindung in Gefahr

Viele Menschen in Deutschland haben, seitdem die Meldung herauskam, ihrer Frustration und ihrem Ärger Ausdruck verliehen. Was ich hervorheben möchte, ist meine Befürchtung, dass die fragile Verbindung zwischen Deutschland und Israel – eine diplomatische Beziehung, die seit 1965 mit viel Fingerspitzengefühl aufgebaut wurde – nun am seidenen Faden hängt. Gerade in den letzten Jahren habe ich diese Verbindung auf wunderbare Weise wachsen und sich entwickeln sehen. Das ist mehr als Politik; es ist Versöhnungsarbeit, die tiefe Wunden heilt.

Ich erinnere mich an einen israelischen Freund, der sich wegen des Holocaust-Traumas seiner Familie die meiste Zeit seines Lebens geweigert hatte, nach Deutschland zu reisen. Als er mich schließlich doch besuchte, war er überrascht und gerührt von der Herzlichkeit und Gastfreundschaft, die ihm hier entgegengebracht wurde. Ich habe die Erfolge der Bewegung „Marsch des Lebens“ in Deutschland miterlebt, bei der sich die Nachkommen von Nazi-Tätern öffentlich entschuldigten und dem jüdischen Volk ihre Solidarität zusicherten.

Seit dem 7. Oktober habe ich gesehen, wie Deutsche auf Israels Feldern und in Israels Weinbergen freiwillig mithalfen, Oliven und Tomaten ernteten und in ihrer Trauer Schulter an Schulter mit den Israelis standen. Die Menschen in Israel haben diese Liebe der Deutschen gesehen. Viele waren tief berührt und erstaunt, als sie erfuhren, wie viele ihnen beistanden – nicht nur mit Worten, sondern auch mit ihrer Arbeit und ihrer Präsenz.

Ich fürchte, dieses so sorgfältig aufgebaute Vertrauen, diese Heilung stehen nun auf dem Spiel. Ich hoffe aufrichtig, dass sie diese schwierigen Zeiten überleben. Und ich bitte meine israelischen Freunde: Bitte seien Sie sich bewusst, dass es Millionen Deutsche gibt, die weiterhin zu Ihnen stehen, auch wenn die Entscheidung des Kanzlers etwas anderes vermuten lässt.

Israels Recht auf Selbstverteidigung

Indem Deutschland in diesem kritischen Moment die Waffenlieferungen einstellt (https://www.jpost.com/international/article-863636), untergräbt es Israels grundlegendes Recht auf Selbstverteidigung, wenn es am dringendsten benötigt wird. Dieser Schritt befeuert die Propaganda der Hamas, ermutigt antisemitische Bewegungen auf den Straßen in ganz Europa und trägt nicht zur Freilassung der Geiseln bei – acht von ihnen sind deutsche Staatsbürger.

Auch das Leid im Gazastreifen wird dadurch nicht gemildert. Im Gegenteil: Er sendet widersprüchliche Signale an die arabischen Staaten, die die Hamas isolieren wollen. Das ist an sich schon ein historischer Augenblick. Gleichzeitig sendet Merz mit der Fortsetzung seiner Waffenlieferungen an Recep Tayyip Erdogan, einen der lautstärksten Unterstützer der Hamas, ein gefährliches und entmutigendes Signal an die jüdische Gemeinde in Deutschland.

In den letzten Tagen habe ich auch die Angst der Zivilisten im Gazastreifen gespürt, die die Hamas für ihr Leid verantwortlich machen. Sie sprechen darüber, als menschliche Schutzschilde benutzt zu werden, von gestohlenen Hilfsgütern und wie sie zum Schweigen gebracht werden. Sie sitzen in der Falle. Warum widersetzen sich nur so viele im Westen dem dringenden Ziel Israels, die Hamas zu zerschlagen, und verurteilen so diese unschuldigen Menschen dazu, in diesem Albtraum gefangen zu bleiben?

Die Alliierten befreiten Europa nicht durch halbe Sachen vom Nationalsozialismus. Sie strebten eine totale Niederlage und eine Entnazifizierung an. Warum stößt die „Ent-Hamasifizierung“ in Europa heute auf so viel Widerstand? Mein Schwiegervater, der während des Zweiten Weltkriegs mit seiner Familie innerhalb Nazideutschlands aus dem Osten in den Westen floh, sprach in diesen dunklen Zeiten nie von Trost oder Sicherheit – aber er war zutiefst dankbar, dass das Nazi-Regime besiegt wurde. Auch die Menschen in Gaza brauchen eine hoffnungsvolle Zukunft.

Ich möchte die deutsche Öffentlichkeit auch daran erinnern: Sollte Israel auf unseren Waffenlieferungsstopp reagieren, könnten wir den Zugang zu israelischer Geheimdienst- und Luftabwehrtechnologie verlieren – die dazu beigetragen hat, größere Terroranschläge auf deutschem Boden zu verhindern. Dieses Risiko sollten wir nicht auf die leichte Schulter nehmen. Es ist wichtig, dass die deutsche Öffentlichkeit versteht, wie viel Israel zur Sicherheit der deutschen Bürger beiträgt.

Verantwortung, keine Besatzung

Was den aktuellen Kriegsplan für Gaza betrifft, so besteht Israels erklärtes Ziel nicht in einer unbefristeten Besetzung. Vielmehr geht es darum, die Geiseln nach Hause zu bringen, die militärischen Kapazitäten der Hamas zu zerstören und durch eine regionale arabische Kooperation, die sich dem Wiederaufbau und der Stabilität verpflichtet fühlt, auf eine neue Regierung in Gaza hinzuarbeiten – eine, die nicht von der Hamas und nicht von der Palästinensischen Autonomiebehörde gebildet wird. Das ist keine Eroberung. Das ist Verantwortung.

Wer Israel böswillige Absichten vorwirft, ignoriert die Tatsache, dass das Land wiederholt Evakuierungswarnungen ausgesprochen hat, gezielte Angriffe durchführt und weiterhin versucht, den Schaden für die Zivilbevölkerung so gering wie möglich zu halten. Welche realistische Option bleibt außer militärischem Druck, wenn die Hamas einen Waffenstillstand und die Freilassung der Geiseln ablehnt?

Die Hamas musste bisher keine nachhaltigen Konsequenzen für ihre Gräueltaten hinnehmen. Warum sollte sie sich ändern? Welchen Anreiz hat sie zu Verhandlungen oder Kompromissen, wenn sie sieht, dass die Welt ihren Zorn nicht gegen die Terroristen, sondern gegen das Land richtet, das sich verteidigt?

Natürlich handelt es sich um eine äußerst heikle Situation, in der die Sicherheit der Geiseln höchste Priorität hat. Ich kann nur hoffen, dass Israels Führung, Militär und Geheimdienste ihre modernsten Mittel einsetzen, um sie zu finden und zu retten. Dies ist eine Situation, die Klugheit, Zurückhaltung und vor allem Vertrauen erfordert.

Wie König Jehoschafat einst angesichts einer überwältigenden Übermacht betete: „Hashem, wir wissen nicht, was wir tun sollen, aber unsere Augen sind auf Dich gerichtet.“ Dies ist solch ein Moment. Ein Schrei nach Erlösung – sowohl für die Geiseln als auch die Soldaten, für die unschuldigen Zivilisten und für moralische Klarheit.

Der Text erschien in englischer Sprache am 12.8.25 in The Jerusalem Post und wurde von Antje Jelinek übersetzt.

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