Die Debatte um Layla – Humorvoll, wie eine eitrige Zahnwurzelentzündung

Screenshot Video „Layla“

Nach Würzburg nun also auch Düsseldorf. Bevor es zu einem unerträglichen Skandal kam, ist den Verantwortlichen der Rheinkirmes aufgefallen, dass der Nr. 1 Hit Layla (schöner, jünger, geiler!) in völlig überspitzter Form klischeehaft mit dem Thema Prostitution und Sex umgeht. Dass Layla eigentlich ein Transvestit ist, geschenkt. Das Drama nahm bereits seinen Lauf. Selbstverständlich blieb nur ein Ausweg: Die Notbremse. Ein direktes Verbot, verbunden mit der Stellungnahme, wie entsetzt man doch sei. Das Herz eines jeden völlig verklemmten, charismatischen, amerikanischen Landpredigers kann nun Frieden finden.

Es ist ein ungeheuerliches Novum, dass junge Erwachsene stockbetrunken Sauflieder grölen, bei denen es im Prinzip um nichts anderes, als Alkohol und Sex geht. Die Dramaturgie gewinnt kafkaeske Qualität, wenn man sich vor Augen hält, dass ein nicht unerheblicher Anteil dabei nahezu unbekleidet ist und nachfolgend auch noch in die völlig unverbindliche Horizontale entschwindet.

Alkohol, Feiern, Sex. Leicht bekleidet, fixiert auf den Körper. Dramatisch.

Im Zuge der aktuellen Debatte um Zucht und Prüderie in der Gesellschaft werden in vorauseilendem Gehorsam große Schlachten erfolgreich geschlagen. Es ist aktuell noch völlig offen, ob sprachloses Entsetzen zukünftig alle Anwesenden ergreifen wird, wenn junge Männer, wie in den vergangenen fünf Jahren, laut „Ich verkaufe meinen Körper, ganz ganz billig, ganz ganz billig!“ brüllen, dramatische Schreie des Entsetzens die Landschaft erschüttern, wenn das vor 10 Jahren erschienene „Ich will Sex mit dir Carmen“ von Ikke Hüftgold zum 17.297.481 mal über die Lautsprecher dröhnt und ebendieser Musikus nachfolgend auch noch über die wissenschaftlichen Zusammenhänge von dicken Titten und Kartoffelsalat philosophiert. Wie wichtig der Vorbau allgemein ist, diskutierte jüngst auch Rammstein und erhielt dafür in Österreich kein Verbot, sondern die goldene Schallplatte:

„Sie muss nicht schön sein, sie muss nicht klug sein, nein, sie muss nicht reich sein, doch um eines möchte ich bitten, dicke Titten.“

Es ist der unfassbar schlechten Sprachbildung der Deutschen und hieraus resultierenden, mangelhaften Textfestigkeit zu verdanken, dass kaum jemand die englischsprachigen, literarischen Ergüsse versteht, die regelmäßig auf Volksfesten zum Besten gegeben werden. Dass es um wenig christlich angehauchten Geschlechtsverkehr, Drogen und Prostitution geht, wird dort häufig nicht mal paraphrasiert.

Es ist am Ende nur ein weiterer, besonders ätzender Ausfluss einer zunehmend politisch korrekten, prüden Gesellschaft, die von einer völlig spaßbefreiten Sekte von Moralisten beeinflusst wird.

Und wem nachfolgend bei Schüttelreimen und Saufmelodien das Betroffenheitskrönchen verrutscht, möge die 32 16 8 wählen und Druck ablassen.

Da herrscht Konjunktur. Die ganze Nacht.

Skandal.

 

 

 

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Thomas
Thomas
1 Jahr zuvor

Wollen wir doch hoffen das die Düsseldorfer Konsequent bleiben demnach wäre jedes zweite Karnevalslied in der Landeshauptstadt verboten. einfach lächerlich diese „verbieterei“ des Liedes mehr Werbung hätten sich die Künstler nicht wünschen können.

Helmut Junge
1 Jahr zuvor

Erstaunlich wie sich die Sitten geändert haben.
Das Lied ging früher ohne Beanstandung durch und wurde auf allen möglichen Festen gesungen.

„Ole,wir fahrn in Puff nach Barcelona“

SvG
SvG
1 Jahr zuvor

https://chng.it/ZyV6rxNvWz
Der link zur Petition gegen die lebensfeindlichen Gesinnungsschnüffler; die Blockwarte der öffentlichen Rede, die Denunzianten in Kultur und Kunst.
Laßt Luftballons mit „schöner, jünger, geiler!“ steigen, malt es Euch auf die Autos, sprüht es an Hauswände und Bahndämme, laßt es vom Balkon in Endlosschleife erschallen. Auf daß die ungebetenen Zensoren sich an ihren Bionaden vor Schreck verschlucken. Daß Ihnen die Quinoaaufläufe im Hals stecken bleiben. Daß sie von Schockstarre, Herzinfarkten und Fußpilz geplagt werden.
Und wenn Ihr ihnen begegnet, singt es ihnen in ihre freudlosen Fratzen: „schöner, jünger, geiler!“
Ich habe dieses Stück bis vor zehn Minuten noch nie gehört, finde es furchtbar, war noch nie am Ballermann oder einem Schützenfest: Aber jetzt werde ich im es Betrieb singen, im Auto bei geöffnetem Fenster spielen und bei der nächstbesten Demo, gerne von Fuzzies for Future, zum ersten Mal im Leben ein Plakat hochhalten. Und mir die Haare zu Dreadlocks drehen.

SvG
SvG
1 Jahr zuvor

Gerne auch Grußschreiben oder Anrufe an die Zensoren von : tourismus@wuerzburg.de
oder die Schützen in Düsseldorf:
Elektronische Postadresse:
webmaster(at)schuetzen1316.de

Schnelle elektronische und unmittelbare Kommunikation: Tel.: 0211/462143
Ich habe einfach mal gefragt, wieviele Anzeigen wegen sexueller Belästigung oder Nötigung von Frauen auf dem Schützenfest der Verein denn so in den vergangenen Jahren gestellt bzw. unterstützt hat.
Müllt denen die Server voll, bis sie vor Verzweiflung anfangen zu singen: Olé, wir fahrn in den Puff nach Barcelona…“.
https://www.br.de/mediathek/video/umstrittener-song-auch-wuerzburgs-oberbuergermeister-feierte-zu-layla-av:62cfebaa09264300088d3d41

Helmut Junge
1 Jahr zuvor

ich glaube, daß die Zensoren tatsächlich persönlich und öffentlich auf ihre Zensur angesprochen werden sollten.

SvG
SvG
1 Jahr zuvor

@ 5; Helmut Junge: Sehe ich genau so. Wie kann es sein, daß ein subalterner MA der Stadt Würzburg Pressestatement verbreitet, und von „Wir wollen das nicht…“ spricht. Gibt es einen Ratsbeschluß? MW nicht. Hier versucht wokoharam den Marsch durch die Instanzen. Das Mensch gehört von seinen Aufgaben entbunden und ins Straßenreinigungsamt versetzt.
Die sollen dafür sorgen, daß die städtische Infrastruktur funktioniert, aber nicht den Menschen Vorschriften machen, zu welcher Musik sie feiern wollen.

thomas weigle
thomas weigle
1 Jahr zuvor

Ähem,ist Düsseldorf nicht eine Hochburg dieses sexistischen Gedöns namens Karneval? Da wartet auf die Zensoren aber viel Arbeit ab dem 11.11.

Berthold Grabe
Berthold Grabe
1 Jahr zuvor

Nun ja, die Folge ist ja nur, dass öffentliche Einrichtungen als Veranstalter ausfallen.
Private Initiatoren interessiert der Schwachsinn nicht. Da gehts ums Geld und weniger um verlogene und geheuchelte Moral.
Aus dem Kölner Karneval kennt man das auf und ab, verbotener Lieder.
Der echte Kölsche Karnevalist war eh eher auf den eher unbekannteren Veranstaltungen unterwegs, statt auf denen der High Society und Touristen.
Da war das Risiko von Langeweile schon immer geringer.

paule t.
paule t.
1 Jahr zuvor

Ich teile die Empörung, die hier im Artikel und den Kommentaren zum Ausdruck kommt, vollkommen.

Es ist wirklich ein ungeheuerlicher Anschlag auf die Kunstfreiheit, wenn Veranstalter auf ihren Veranstaltungen selbst entscheiden, welche Musik gespielt wird. Das schreit nach demokratischer Meinungsäußerung durch Zumüllen der Webseite oder auch des Telefonanschlusses!

Die skandalöse Zensur geht übrigens weiter:
https://www.der-postillon.com/2022/07/layla-beerdigung.html

SvG
SvG
1 Jahr zuvor

@ paule t: Die „Veranstalter“ in Würzburg sind halt nur Angestellte der Stadtverwaltung und somit letztendlich der Bürger. Der Aufgabenkatalog einer Verwaltung umfasst -bislang- mW nicht die Bewertung von Musik oder die Bevormundung der Bürger. dem Verbot vorausgegangene Diskussion fanden nicht öffentlich durch gewählte Bürger, sondern im kleinen Kreis bislang unbekannter Teilnehmer statt. Wenn es diese denn überhaupt gab und nicht ein Einzelner oder eine Kleinstgruppe auszog, um die Bürger zu belehren und zu Bevormunden. Der Vorsitzende einer Schützenbruderschaft hat mW laut Satzung auch nicht die Aufgabe, persönlich in die Musikauswahl einzugreifen. Das ganze trifft vor Verlogenheit und Möchtegern-Korrektheit. Vor allem, wenn man sich den üblichen Ablauf der genannten Veranstaltungen vor Augen führt: Saufen, grölen, umfallen. Ich bin mir sicher, wenn man sich die Playlist des heutigen Tages in D’dorf anschaut, wird man viele Lieder finden, die man dann auch nicht spielen dürfte. Entweder ich als Veranstalter lasse mich auf eine Ballermannparty in meinem Festzelt ein, weil ich die Kohle der politischen Unterschicht haben will, oder ich mache einen politisch korrekten Tanzabend mit vorher geprüfter Playlist. Die dürfte aber a) sehr schwer zusammen zu stellen sein, weil irgendeiner immer beleidigt ist und b) niemals rechtzeitig fertiggestellt werden können. Weil sich die Diskussionen inkl. dem öffentlichen Aufschrei, dem Shitstorm, den Durchstechereien, den Störaktionen der diversen Kleinkriminellen, die man gemeinhin „Aktivisten“ nennt, und all den in D bei einer Entscheidungsfindung üblichen Rituale endlos hinzöge.
Das Stück mag unterirdisch sein, das Video billig, aber es ist auch von der Kunstfreiheit, die von Ihnen offensichtlich nicht universell verstanden wird, gedeckt. Zensur fängt immer mit kleinen Dingen an, wie jede Art der Repression. Oder lebensnäher: Heute ist es Layla, morgen werden Bücher aus Bibliotheken entfernt, übermorgen findet man im ÖD keinen Job mehr, weil man Frau gesagt hat.

paule t.
paule t.
1 Jahr zuvor

@ #10, Zitat: „Der Vorsitzende einer Schützenbruderschaft hat mW laut Satzung auch nicht die Aufgabe, persönlich in die Musikauswahl einzugreifen.“

Eben, was erlaubt sich der Vorsitzende des Schützenvereins, über die Musik auf dem Schützenfest bestimmen zu wollen? Ungeheuerlicher Eingriff in die Kunstfreiheit, sag‘ ich ja, danke für die genauere Ausführung.

Zitat: „Weil sich die Diskussionen inkl. dem öffentlichen Aufschrei, dem Shitstorm, den Durchstechereien, den Störaktionen der diversen Kleinkriminellen, die man gemeinhin „Aktivisten“ nennt, und all den in D bei einer Entscheidungsfindung üblichen Rituale endlos hinzöge.“

Genau! Denn naturgemäß gilt Meinungsfreiheit nur für lustige Lieder, die die normalen Hobbys von Männern preisen. Slche Lieder nicht zu spielen gehört verboten! Im namen der Kunstfreiheit!
Wer da Widerworte gibt, ist kriminell und soll sich verpissen. Im Namen der Meinungsfreiheit!

SvG
SvG
1 Jahr zuvor

@paule t.: Haben Sie auch Argumente beizutragen, oder können Sie nur noch auf diesem Niveau? Nun ja, wem die Argumente ausgehen, der versucht es mit Ironie. Auch wenn das daneben geht.
Hat z.B. der Vorsitzende mit den Vereinsmitgliedern darüber diskutiert? Wurde nicht vermeldet.
Sie sollten vielleicht mal die Begründungen und Kommentare unter der Petition lesen: Sehr viele von Frauen, viele sehr klar formuliert.
Aber das würde wohl nicht zu Ihrer gefestigten Ansicht passen.
Pöbeln Sie weiter, wenn es Ihrer geistigen Verfasstheit dient.

Helmut Junge
1 Jahr zuvor

Im ehemaligen Land der Dichter und Denker, und heutigen Dumpfbacken, kursieren Millionen der weltweit schlechtesten Songs ganz vorne.
Leider. Da ist dieses Layla keine Ausnahme, sondern die Regel. Ich hätte ohne dieses Verbot nie von diesem Lied erfahren. Ich habe das Video bis zur Hälfte gesehen.
Der Text ist dabei aber weniger schlecht als die Musik. Aber verbieten? Das ist schlimm.

paule t.
paule t.
1 Jahr zuvor

@ #13, Helmut Junge:

Lieber Herr Junge, machen Sie doch den Test: Veranstalten Sie ein Fest. Spielen Sie dieses schelchte Lied. Wird die Polizei kommen und das unterbinden? Nein? –> Es ist nicht verboten. Und das ist auch in Würzburg und Düsseldorf der Fall. Dort legen nur die Veranstalter fest, welche Musik gespielt werden soll bzw. welche nicht.

Helmut Junge
1 Jahr zuvor

Neeh paule, mach ich nicht. Mir gefällt solche Musik nicht. Aber ich kenne Leute, von denen ich annehme, daß sie darauf fröhlich hopsen würden.
Und die werden es auch tun. Natürlich ist das Lied nicht verboten. Hat das jemand gesagt? Sie konstruieren sich mal wieder eine Welt ganz für sich.
Es geht einzig um zwei Fragen. Wer entscheidet im Land, was sexistisch ist, und wer schließt sich dieser Meinung an.
Es häufen sich die Fälle von vorrauseilendem Gehorsam, wenn jemand sagt, daß dies oder jenes sexistisch, rassistisch, islamophob, transfeindlich o.A. ist.
Sie, lieber Paule sind sofort dabei. Ich will dagegen erst einmal verstehen, worum es überhaupt geht. Denn natürlich gibt es Äußerungen, die ich nach Kenntnis des Sachverhalts auch mit einem „ismus“ versehe. Aber überrollen läßt sich niemand gerne. Es hat mittlerweile inflationäre Auswirkungen angenommen, Leute mit diesen „ismen“ anzuprangern. Das Beispiel mit Layla wird vermutlich nicht mal von den woken als sexistisch bezeichnet. Es gibt auch andere religiöse Typen, die gerne auf den Zug aufspringen.

Helmut Junge
1 Jahr zuvor

Es könnten Leute sein, die bisher erfolglos „sündhaft“ gesagt haben, aber jetzt einfach mal „sexistisch“ sagen und mit diesm neugelernten Wort irgentwann sogar die echten woken canceln werden.

paule t.
paule t.
1 Jahr zuvor

Jetzt wird’s surreal:

@ #15 | Helmut Junge, Zitat:
„Natürlich ist das Lied nicht verboten. Hat das jemand gesagt? Sie konstruieren sich mal wieder eine Welt ganz für sich.“

Natürlich hat jemand gesagt, dass das Lied verboten wäre, nämlich der obige Artikel und mehrere Kommentare, unter anderem #13 von einem gewissen Helmut Junge.
Aber klar, _ich_ konstruiere mir angeblich „mal wieder eine Welt ganz für [mich]“. Ich sag mal, ich weiß immerhin am Abend noch, was ich am Morgen geschrieben habe …

@ #16 | Helmut Junge, Zitat:
„Es könnten Leute sein, die bisher erfolglos „sündhaft“ gesagt haben, aber jetzt einfach mal „sexistisch“ sagen und mit diesm neugelernten Wort irgentwann sogar die echten woken canceln werden.“

Ich weiß immer noch nicht, wer die „echten woken“ sind, denn zumindest in der hiesigen Debatte scheinen das Phantasiegestalten zur Abschreckung zu sein. Ich kenne nämlich immer noch niemanden, der sich so nennt.
Und inwiefern ist diese substanzlose Spekulation ein Argument für irgendwas?

Es könnten übrigens auch die Leute sein, die bisher „volksschädlich“ und „entartet“ gesagt haben, die jetzt „woke“ sagen und irgendwann die echten Liberalen canceln. Das ist zwar auch kein Argument für irgendetwas, aber immerhin eine Spur substanzvoller, denn Rechtsextremisten benutzen _tatsächlich_ ebenfalls „woke“ als Stigmawort. Ebenso wie manche christlichen Fundamentalisten übrigens, was Ihre Spekulation noch ein bisschen substanzloser macht.

Helmut Junge
1 Jahr zuvor

paule t. jetzt sind wir wieder an dem Punkt, wo es um Paules Bart geht. Haben Sie einen Bart Paule?
Ich glaube, daß Sie einfach ein Rechthaber sind, mit dem zu diskutieren immer schwieriger geworden ist. Früher waren Sie als Diskurspartner besser geignet. Ich weiß nicht warum, aber heute sind Sie nicht mehr an Problemlösungen interessiert, sondern stänkern noch noch. Schade.
Es ist ein Verbot privater Natur, kein staatliches.Dennoch ist es ein Verbot. Wie sollte ich es sonst nennen?
Paule, sind sie begriffsstutzig geworden? Ein privates Verbot kann jeder übertreten.
Dnnoch kann man sich drüber empören. Sie nicht? Ist Ihr Recht.
Wenn Sie überhaupt einen Standpunkt haben, ist das ok. für mich.

Dani
1 Jahr zuvor

Party Lieder sind verboten , aber die Juden boykottieren, dafür kämpfen wir.
GG 5.3

abraxasrgb
abraxasrgb
1 Jahr zuvor

Also bei mir zu Hause dürfte das Lied auch nicht gespielt werden 😉

Höre ich es jedoch an einem öffentlichen Ort, kann ich es ignorieren oder weg gehen. Aber nicht zum DJ gehen und Programmänderung fordern, weil mir der derbe Humor kollektiver hirnloser Ausgelassenheit nicht zusagt …

Jetzt habe ich wenigstens noch einen Grund Volksfeste zu canceln?

SvG
SvG
1 Jahr zuvor

Wollen wir doch einmal ohne Schaum vor dem Mund das Video werkimmanent betrachten:
Ein junger Mann geht durch eine ungenannte Stadt und hat eine Begegnung mit einem Luden. Dieser berichtet ihm, er hätte eine Puffmutter (früher eine Berufsbezeichnung für die leitende Angestellte eines Bordells) namens Layla, die „…schöner, jünger, geiler..“ wäre. Neugierig geworden, betritt der junge Mann das Etablissement und gerät in eine Party. Dabei stellt er fest, daß es sich bei der Puffmutter um einen offensichtlich transsexuellen Mann handelt. Er steigert sich in einen Partyrausch und ist so von Laylas Schönheit, Anmut und Liebreiz entzückt, daß er ihr sogar die Schuhe und Beine ableckt. Auch die restlichen Teilnehmer der Party, Männer wie Frauen, himmeln Layla an, die an der Poolstange die ihrem in Beruf üblichen Bewegungen ausführt.
Nun lautet die Kritik an dem Stück, daß es frauenfeindlich und sexistisch wäre. Ich hingegen lese es so, daß hier die Geschlechtergrenzen aufgebrochen werden; zudem eine Fanal für die freie Berufswahl, eine Anerkennung des Berufs der Sexarbeiter_/*Innen. „…jünger, schöner, geiler,…“ ist in diesem Beruf nun mal auch eine Qualifikation…
Die Kritik und die Verbote der privaten und staatlichen Veranstalter sind also nicht nur ein Akt zutiefst undemokratischen Zensur und Willkür, sondern in sich vor allem geprägt von einer versteckten Trans- und Sexarbeiter_/*Innenfeindlichkeit.

Helmut Junge
1 Jahr zuvor

„vor allem geprägt von einer versteckten Trans- und Sexarbeiter_/*Innenfeindlichkeit.“
Das denke ich auch. Deshalb bin ich auf den Gedanken gekommen, daß der Gedanke des „sündhaften Verhaltens“ oder Ähnlichem bei diesen Verboten eher Hintergrund sein wird, als die Idee des Sexismus. Daß letzterer nur vorgeschoben wird, weil „sündhaft“ heute nicht mehr zieht.
Aber die woken Lifestylelinken begreifen das nicht, weil sie glauben, daß sie ein Monopol auf Sexismusanschuldigungen hätten. Haben sie aber nicht. Die Trittbrettfahrer sind da, und die sind zahlreicher als sie.

paule t.
paule t.
1 Jahr zuvor

#18 | Helmut Junge, Zitat:
„Es ist ein Verbot privater Natur, kein staatliches.Dennoch ist es ein Verbot. Wie sollte ich es sonst nennen?
Ein privates Verbot kann jeder übertreten.“

Nun, ein Verbot, das jeder übertreten kann, ist ja an sich schon ein drollige Sache. Aber gut, ich verstehe schon: Sie möchten es gerne auch ein „Verbot“ nennen, wenn einfach ein Veranstalter sein selbstverständliches Recht in Anspruch nimmt, darüber zu bestimmen, welche Musik er spielen lassen will.

Gut, die deutsche Sprache lässt diese Doppeldeutigkeit zu, dass ein „Verbot“ mal eine staatliche, generelle Einschränkung sein kann, die in den öffentlichen Raum oder sogar den Privatbereich eingreift, und mal eine Einschränkung, die eine Person oder Institution in ihrem eigenen Verantwortungsbereich macht. Nur dass ersteres uU ein Eingriff in die Grundrechte der Menschen sein kann, der wohlbegründet sein muss, letzteres aber genau umgekehrt selbst ein grundlegendes Recht der betreffenden Personen oder Institutionen ist. (In meiner Wohnung ist Techno verboten, im Kleingartenverein sind vielleicht bestimmte Pflanzen verboten, im Kölner Dom sind Mützen verboten, im Casino sind Jeans verboten … und? Alle diese Verbote sind erlaubt und nicht im mindesten eine ernsthafte Einschränkung irgendwelcher Freiheiten.)

In dieser künstlichen Aufregung wird gezielt beides vermischt: Man regt sich so auf, als ginge es um ein allgemeines, staatliches Verbot, das die Kunstfreiheit einschränken würde; tatsächlich handelt es sich aber um das Verbot eines Veranstalters in Bezug auf seine eigene Veranstaltung – was das selbstverständliche Recht des Veranstalters ist und die Kunstfreiheit überhaupt nicht tangiert.

#18 | Helmut Junge, Zitat:
„Dennoch kann man sich drüber empören. Sie nicht? “

Wenn man unbedingt will, kann man sich über alles und jedes empören. Wenn man sich denn unbedingt lächerlich machen will, indem man sich darüber empört, dass auf einem Volksfest, das man selbst nicht besuchen wird, ein Lied, das man selbst schlecht findet, nicht gespielt werden wird, und das noch künstlich zu einer „Einschränkung der Kunstfreiheit“ hochjazzt. Und wenn man zwanghaft den nächsten Anlass sucht, um eine „Gefährdung der Freiheit“ durch die achsoschlimmen „Woken“ zu halluzinieren, während man nicht vernünftig erklären kann, wer das ist.

#18 | Helmut Junge, Zitat:
„Ich weiß nicht warum, aber heute sind Sie nicht mehr an Problemlösungen interessiert, …“

Warum? Weil es in diesem Fall kein Problem _gibt_.

#18 | Helmut Junge, Zitat:
„… sondern stänkern noch noch. “

Da empfehle ich Ihnen, Ihr Stänkometer auf Werkseinstellungen zurückzusetzen und sich die Diskussion noch mal anzuschauen.
Sind meine obigen, sarkastischen Kommentare zu dieser „Empörung“ wirklich ärger im Stänkerfaktor als diese Nettigkeiten:
– „ätzender Ausfluss einer zunehmend politisch korrekten, prüden Gesellschaft“,
– „völlig spaßbefreite Sekte von Moralisten“,
– „lebensfeindliche Gesinnungsschnüffler“, „Blockwarte“, „Denunzianten“, „freudlose Fratzen“,
– oder auch Aufrufe zum Spammen per Mail und Telefon?

Oder empfinden Sie meine Kommentare vielleicht einfach deswegen als „Stänkerei“, weil ich nicht in den hiesigen Empörungschor einstimme?

Helmut Junge
1 Jahr zuvor

Paule, Sie haben ja noch nicht einmal darüber nachgedacht, bzw. darüber berichtet, ob der Sexismusvorwurf aus Ihrer Sicht zutrifft.
Das wäre für mich aber die allererste Grundlage für einen Diskussionsbeitrag.
Ob dieser Vorwurf zutrifft oder nicht, spielt in Ihren Diskussionsbeiträgen absolut keine Rolle. Möglicherweise trifft dieser Vorwurf auch aus Ihrer Sicht gar nicht zu.
Aber Sie haben eine Meinung über die anderen Kommentatoren. Was, lieber Paule T. ist das denn dann anderes als stänkern? Wer nämlich ohne eine eigene Meinung zur Debatte anmeldet, die anderen Redner beschimpft, ist nach meiner Definition, einfach ein Stänkerer. Sie müssen meine Definition ja nicht übernehmen. Denn nur zu sagen, daß es kein Problem gibt, reicht einfach nicht aus, wenn man 5 seitenlange Kommentare schreibt. Verstehen Sie?

SvG
SvG
1 Jahr zuvor

@ Helmut Junge: Da bin ich aber jetzt anderer Meinung. Es ist vollkommen unwichtig,…ob der Sexismusvorwurf aus Ihrer Sicht zutrifft.“ Ein Vorwurf ist erstmal nur das , ein Vorwurf. Und gerade bei solchen Dingen wie Sexismus auch noch sehr subjektiv bewertet. Entscheidend ist, ob das -Achtung, paule t.; Triggerwarnung: Das folgende Wort könnte Schnappatmung, Bluthochdruck und wilde Schreibanfälle auslösen- Verbot des Liedes hinnehmbar ist oder nicht. MMn nicht, das steht weder den Angestellten der Stadt Würzburg noch einem Präsidenten eines Schützenvereines zu. Welcher iÜ auf Tauchstation gegangen ist.

paule t.
paule t.
1 Jahr zuvor

@#25: Ich würde nicht sagen, dass es „vollkommen unwichtig“ wäre, ob der Sexismusvorwurf zutrifft.

Er ist aber nachrangig gegenüber anderen Fragen:
– Haben Veranstalter das Recht, Vorschriften über die Musikauswahl auf ihren eigenen Veranstaltungen zu machen? –> Ja selbstverständlich.
– Greift der Veranstalter damit in irgendwelche Freiheitsrechte ein? –> Natürlich nicht. Bei anderen Gelegenheiten kann jeder das Lied spielen und hören, wie er lustig ist.
– Hat das Ganze eine gesamtgesellschaftliche Relevanz? –> Kein Stück. Für Leute, die das jeweilige Volksfest nicht besuchen, ist das Ganze völlig egal. Für die meisten Besucher übrigens wahrscheinlich auch.

Nicht egal ist es für Leute, die da hingehen, und entweder das Lied ganz toll finden und unbedingt hören wollen oder es aber schlimm sexistisch finden und da nicht hören wollen. Die können sich meinetwegen darüber streiten, aber ich werde mich da nicht einmischen.

Ich beschäftige mich lieber damit, warum solche völlig nebensächlichen Themen zu einer Gefahr für Freiheitsrechte aufgeblasen werden, um damit dann gegen irgendwelche imaginierte „Woke“ zu wettern. Dieses künstliche Suchen nach möglichst vielen Themen, bei denen man auf diese hysterische Art einen Kulturkampf inszenieren kann – das _ist_ nämlich mMn ein Problem.

SvG
SvG
1 Jahr zuvor

@26: paule t. : Der oberste Veranstalter in Würzburg ist als Chef der Verwaltung doch der OB. Welcher zu besagtem Lied tanzte, während es von einem oder mehreren MA der mittleren Verwaltungsebene verboten wurde. Und wenn eine Kommune, Stadt, das Land oder Bund auch Veranstalter ist, so sind sie doch auch der Staat. Und von diesem will und werde ich mir nicht verbieten lassen, welche Musik ich auf den auch von mit mitfinanzierten und letztendlich ja auch im Auftrag der Bürger durchgeführten VA zu hören habe und welche nicht. Ähnliches gilt für den Schützenverein: Hätte es eine demokratische Entscheidungsfindung gegeben, griffe Ihre Argumentation zumindest rechtlich. Die Schützen in D’dorf haben mit ihren Füßen und Stimmen ein Zeichen gesetzt: Das Zelt war brechend voll, und alle sangen „schöner, jünger, geiler“ während ihr Chef glänzte durch körperliche und mediale Abwesenheit.
Und Ihre Argumentation bezüglich des Worts Verbot erinnert mich ganz stark an die coronabedingten Ausgangssperren, die ja auch nicht so genannt werden durften, weil es nur Beschränkungen waren. Das ist spitzfindige Wortakrobatik.
Aber damit sollten wir es auch gut sein lassen. Ich vermute, daß wir da eh‘ nicht zusammenkommen.

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