
Die Geschichte der deutschen Marine ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Erst 1848 vom Paulskirchenparlament gegründet, schwankte sie stets zwischen großen Ansprüchen und bescheidenen Ergebnissen. Bei der Skagerrakschlacht 1916 bestand ihr größter Erfolg darin, nicht von der Royal Navy vollkommen zusammengeschossen zu werden. Ansonsten waren ihre U-Boote in beiden Weltkriegen vor allem darin erfolgreich, unbewaffnete Handelsschiffe zu versenken. Ja, die Gorch Fock ist ein schöner Dreimaster, aber der deutsche Matrose machte an der Theke immer schon eine bessere Figur als in der Schlacht.
Aber das sind nicht die Argumente, mit denen die Bundesregierung den USA Unterstützung bei der Sicherung der Straße von Hormus verweigert. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) ist der Ansicht, der Kampf der Israelis und Amerikaner gegen den Iran „ist nicht unser Krieg“ – und vergisst dabei, dass die Mullahs seit Jahrzehnten in Deutschland morden und Anschläge verüben. Offenbar gilt das in Berlin nicht als kriegerischer Akt.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte schon am Freitag klargestellt, dass es für ihn im Augenblick keine Veranlassung gebe, „über eine militärische Absicherung der Seewege nachzudenken“. Die Reeder sehen das anders. Aber das liegt vielleicht daran, dass sie die vollmundige Regierungserklärung von Merz vom 14. Mai 2025 ernst genommen haben.
Damals sagte der Kanzler Sätze wie: „Wir wollen regieren, um neue Sicherheit zu geben und vor allem um unsere Freiheit entschlossen gegen ihre Feinde zu verteidigen.“ „Deutschland wird Initiativen ergreifen, um die europäische Idee der Freiheit und des Friedens neu zu beleben, damit Europa seinem Anspruch und seiner Bedeutung in der Welt gerecht wird.“ Und schließlich: „Wir sind dem Gemeinwohl verpflichtet.“
Und genau um dieses Gemeinwohl – auf Englisch „Commons“ – geht es bei der Sicherung der Straße von Hormus. Wenn das Terrorregime der Mullahs daran gehindert wird, diese wichtigste Handelsroute der Welt zu schließen, profitieren alle Bewohner von Staaten, die Teil der Weltwirtschaft sind. Nicht nur die USA, Israel, Deutschland oder Katar, sondern auch China, Indien – und die Familien der philippinischen Matrosen.
Die Straße von Hormus zu sichern ist praktiziertes Gemeinwohl. Schon ein Kriegsschiff könnte helfen. Milliarden Menschen haben etwas davon. Und wer sich dem verweigert, sollte nicht erwarten, ernst genommen zu werden.
Aber vielleicht erwartet der Kanzler das ja auch gar nicht mehr.
