„Ohne die Führungsrolle der USA ist eine freiheitlich-westliche Weltordnung kaum aufrechtzuerhalten“

F 35 während der Operation Epic Fury Foto: Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten Lizenz: Gemeinfrei


Die militärische Befreiungsoperation Israels und der Vereinigten Staaten gegen das iranische Mullah-Regime muss im historischen und strategischen Kontext verstanden werden. Christopher Ariel Merkel.

Seit Jahrzehnten stellt die theokratische Führung in Teheran nicht nur eine permanente Bedrohung für Israel dar, sondern für die gesamte Sicherheitsarchitektur der USA und ihrer Verbündeten. Der Iran hat systematisch ein Netzwerk aus Stellvertretermilizen aufgebaut, darunter Hisbollah im Libanon, Hamas und der Palästinensische Islamische Dschihad in Gaza,

schiitische Milizen im Irak und die Huthi-Milizen im Jemen. Diese Kräfte haben Raketenangriffe auf Städte, Terroranschläge, Angriffe auf internationale Schifffahrtsrouten und Destabilisierungsoperationen im gesamten Nahen Osten durchgeführt. Ohne die Finanzierung, Ausbildung und strategische Steuerung aus Teheran wäre dieses Netzwerk in seiner heutigen Form kaum denkbar.

Gleichzeitig hat das Regime im Inneren einen der repressivsten Polizeistaaten der Gegenwart aufgebaut. Oppositionelle wurden jahrzehntelang inhaftiert oder hingerichtet, ethnische und religiöse Minderheiten systematisch unterdrückt, Frauen entrechtet und Protestbewegungen brutal niedergeschlagen. Besonders in den letzten Jahren eskalierte diese Gewalt erneut: Demonstrationen wurden mit scharfer Munition beantwortet, Tausende Menschen wurden getötet oder verschwanden in Gefängnissen, Zehntausende wurden verhaftet. Die Welt hat gesehen, dass das Regime bereit ist, seine eigene Bevölkerung mit massiver Gewalt zu unterwerfen. Für viele Iraner, insbesondere im Exil, war der Zustand längst nicht mehr hinnehmbar.

Vor diesem Hintergrund betrachten viele Beobachter die militärische Operation gegen die Machtstruktur der Mullahs nicht als Angriff auf den Iran, sondern als mögliche Befreiung von einer theokratischen Diktatur. Entscheidend ist dabei auch der strategische Zeitpunkt. Geopolitische Fenster öffnen sich selten und schließen sich schnell. Der Iran steht wirtschaftlich und gesellschaftlich unter Druck, während seine Führung gleichzeitig versucht, ihr Raketen- und Atomprogramm weiter auszubauen. Würde dieses Regime eines Tages über ein voll entwickeltes nukleares Abschreckungspotenzial verfügen, wären die Risiken jeder späteren Intervention um ein Vielfaches höher.

Hinzu kommt die geopolitische Dynamik der kommenden Jahre. Sollte sich die internationale Lage verändern, etwa durch eine engere strategische Zusammenarbeit zwischen Teheran und Moskau nach einem möglichen Ende des Ukrainekrieges, durch neue Bündnisse mit antiwestlichen Mächten oder durch regionale Machtverschiebungen, könnte ein späteres Eingreifen erheblich schwieriger werden. Auch eine stärkere Annäherung zwischen dem Iran und anderen islamistisch geprägten oder antiwestlichen Akteuren, etwa unter einer zunehmend ideologisch radikalisierten türkischen Führung oder durch Kooperation mit Staaten wie Pakistan, würde die strategische Lage verändern. In einem solchen Szenario könnte sich ein autoritärer Block herausbilden, der offen gegen die westliche Ordnung arbeitet.

Ein weiterer Faktor ist die politische Entwicklung im Westen selbst. Sollte in den Vereinigten Staaten erneut ein politisches Lager an Einfluss gewinnen, das auf Beschwichtigung gegenüber radikalen Regimen setzt oder islamistische Kräfte aus ideologischen Gründen verharmlost, könnte ein solches Zeitfenster ebenfalls verschwinden. In einer politischen Atmosphäre, in der postmoderne Ideologie und antiwestliche Narrative Teile der öffentlichen Debatte dominieren, würde eine entschlossene strategische Reaktion gegen ein Regime wie das der Mullahs möglicherweise gar nicht mehr durchsetzbar sein.

Dabei geht es nicht nur um Israel. Die Vereinigten Staaten sind weiterhin der zentrale Garant der westlichen Sicherheitsordnung. Ohne die militärische, wirtschaftliche und politische Führungsrolle der USA wäre eine freiheitlich-westliche Weltordnung in der gegenwärtigen geopolitischen Lage kaum aufrechtzuerhalten. Wenn ein Regime wie das in Teheran, offen antiwestlich, ideologisch revolutionär und militärisch expansiv, seine Macht weiter ausbauen könnte, hätte das direkte Konsequenzen für die Sicherheit der USA, Europas und ihrer Verbündeten.

Kritiker weisen zudem darauf hin, dass das iranische Regime über Jahrzehnte hinweg indirekt auch von politischen Entscheidungen im Westen profitiert hat. Seit den 1990er-Jahren wurden im Zuge verschiedener diplomatischer Initiativen und Sanktionslockerungen immer wieder iranische Vermögenswerte freigegeben oder wirtschaftliche Öffnungen ermöglicht. Besonders im Zusammenhang mit dem Atomabkommen von 2015 wurden eingefrorene iranische Vermögenswerte in der Größenordnung von schätzungsweise rund 100 Milliarden US-Dollar wieder zugänglich. Zusätzlich wurden in späteren Vereinbarungen, etwa bei Gefangenenaustauschen oder humanitären Finanzkanälen, weitere Milliardenbeträge freigegeben. Auch europäische Staaten suchten zeitweise wirtschaftliche Kooperation mit Teheran, was dem Regime zusätzliche Einnahmequellen verschaffte.

Kritiker argumentieren, dass Teile dieser Mittel letztlich nicht nur der iranischen Wirtschaft zugutekamen, sondern indirekt auch den regionalen Stellvertreterstrukturen des Regimes. Aus dieser Perspektive erscheint die militärische Operation gegen die Machtstruktur der Mullahs als verspätete Korrektur einer Politik, die über Jahre hinweg versucht hat, ein ideologisch radikalisiertes Regime durch Diplomatie zu mäßigen.

Die strategische Schlussfolgerung vieler Befürworter dieser Operation ist daher klar: Wenn ein Regime gleichzeitig seine eigene Bevölkerung brutal unterdrückt, Terrornetzwerke im Ausland finanziert, die regionale Ordnung destabilisiert und nach nuklearer Abschreckung strebt, dann stellt sich irgendwann nicht mehr die Frage, ob gehandelt werden sollte, sondern nur noch wann. In den Augen vieler Beobachter ist genau dieser Moment jetzt gekommen: ein seltenes geopolitisches Zeitfenster, in dem eine solche Operation noch mit vergleichsweise kalkulierbarem Risiko möglich ist.

In diesem Sinne wird die militärische Intervention nicht nur als Maßnahme zur Sicherheit Israels gesehen, sondern als strategischer Schritt zur Verteidigung der westlichen Weltordnung insgesamt, einer Ordnung, deren Fortbestand ohne die Führungsrolle der Vereinigten Staaten in der heutigen globalen Machtlandschaft kaum vorstellbar wäre.

Werbung

Dir gefällt vielleicht auch:

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
3 Comments
Älteste
Neueste
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Marcus Pindur
Gast
Marcus Pindur
1 Monat vor

Mit dem Iran das ist ja (fast) alles richtig. Aber was ist denn Trumps Ziel? Wie will er es erreichen, wenn er sich dann mit sich selbst geeinigt hat? Ad Amerikanische Führungsrolle: Wo war der Autor im vergangenen Jahr?

Alexander Weiss
Gast
1 Monat vor

Ich unterstütze den Angriff auf den Iran, weil er im Interesse Israels ist und russland auf lange Sicht schwächen könnte. Ob die USA wirklich der Garant der westlichen Sicherheitsordnung bleiben könnten, bezweifele ich. MAGA ist im Kern selbst ein anti-westliches Projekt. Das wird auch ohne Trump nicht verschwinden.

thomas weigle
thomas weigle
1 Monat vor

Wie befürchtet, Trump schwankt und iranische Gruppen in den USA fürchten schon, dass Trump die iranische Opposition dem angeschlagenen Regime der Kopfwindelträger und dessen Revolutionsgarden überlassen wird. Diese haben ja auch bereits verlauten lassen, dass sie zukünftig noch härter gegen die Opposition vorgehen werden.

3
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x