Manche sind eben gleicher als die anderen – der SC Paderborn genießt Sonderrechte

Das kleine Stadion in Paderborn. Quelle: Wikipedia, Foto: Sunnysteffen, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Der Aufstieg des SC Paderborn in die 1. Fußball-Bundesliga dürfte bei vielen Fußballromantikern ohnehin nur begrenzte Begeisterung ausgelöst haben. Während Vereine mit großer Tradition, riesigen Fanlagern und imposanten Stadien Jahr für Jahr um die Rückkehr ins Oberhaus kämpfen, spielt künftig ein Klub in einer Arena, die gerade einmal 15.000 Zuschauer fasst. Doch darüber ließe sich noch streiten. Schließlich entscheidet im Sport grundsätzlich die Leistung auf dem Platz.

Was allerdings deutlich schwerer zu akzeptieren ist, sind die Sonderregelungen, die dem Aufsteiger nun offenbar auch im Oberhaus gewährt werden. Denn während sich alle anderen Bundesligisten den Spielplänen der Deutschen Fußball Liga unterordnen müssen, gelten in Paderborn besondere Regeln. Aufgrund von Anwohnerbeschwerden und der geltenden Sportstätten-Lärmschutzverordnung dürfen dort keine Freitagabendspiele und keine späten Wochentagspartien stattfinden. Damit erhält der SCP offenbar einen Status, den so kein anderer Erstligist für sich beanspruchen kann.

Wenn der Spielplan an Stadtgrenzen endet

Natürlich ist Lärmschutz grundsätzlich ein legitimes Anliegen. Niemand wird bestreiten, dass Anwohner ein Recht auf Nachtruhe haben. Die entscheidende Frage lautet jedoch: Warum wird dieses Recht in Paderborn anscheinend höher bewertet als anderswo?

In nahezu jeder Bundesliga-Stadt leben Menschen in unmittelbarer Nähe eines Stadions. Durchgängig sogar als Nachbar deutlich größeren Arenen. Auch dort entstehen Verkehrsprobleme, Parkplatzengpässe und Lärmbelästigungen. Vielfach sogar erheblichere. Trotzdem finden dort regelmäßig Freitagabendspiele, Pokalpartien unter Flutlicht oder internationale Begegnungen statt. Die Fans reisen an, die Vereine organisieren sich und die Anwohner müssen die Belastungen akzeptieren, die mit einem Stadionbetrieb auf höchstem Niveau verbunden sind.

In Paderborn hingegen scheint seit Jahren ein anderer Maßstab zu gelten. Aber hier endet die Bundesliga künftig offenbar dort, wo die Interessen einiger Anwohner beginnen. Ein paar Meter mehr oder weniger Abstand zur Arena dürfte da auch nicht den großen, grundsätzlichen Unterschied ausmachen, zumal bei einer vergleichsweise kleinen Anlage. Dass das Relegationsrückspiel gegen Wolfsburg in Paderborn hingegen sehr wohl um 20.30 Uhr angepfiffen werden durfte, zeigt zusätzlich die Widersprüchlichkeit der Situation. Wenn es sportlich wichtig wird, sind Ausnahmen offenbar möglich. Im normalen Ligabetrieb dagegen nicht? Das soll ein Außenstehender verstehen können…

Die Leidtragenden sind die Fans

Besonders ärgerlich ist dabei, dass die eigentlichen Leidtragenden nicht die Fernsehsender oder die Liga sind, sondern die Fans. Heim- und Auswärtsanhänger müssen sich in Sachen Paderborn auf eine Extrawurst einstellen. Freitagabendspiele gehören seit Jahren fest zum Bundesliga-Alltag. Viele Fans schätzen diese Termine, weil sie ein komplettes Fußballwochenende ermöglichen. Für die eigenen Anhänger entfällt in Paderborn die Möglichkeit, bestimmte attraktive Spieltermine wahrzunehmen. Die Bundesliga lebt zudem von ihrer Einheitlichkeit und von einem Wettbewerb, in dem für alle dieselben Rahmenbedingungen gelten. Genau dieses Prinzip wird durch solche Ausnahmen aufgeweicht.

Dabei geht es nicht einmal darum, ob Freitagabendspiele grundsätzlich gut oder schlecht sind. Es geht um die Frage der Gleichbehandlung. Wenn ein Verein bestimmte Ansetzungen kategorisch ausschließen kann, während alle anderen Klubs diese akzeptieren müssen, entsteht zwangsläufig der Eindruck eines Wettbewerbs mit unterschiedlichen Regeln.

Ein schwieriger Start ins Oberhaus

Der sportliche Erfolg des SC Paderborn verdient Respekt. Der Verein hat sich den Aufstieg auf dem Platz erarbeitet und gehört deshalb zurecht in die Bundesliga. Doch die Diskussion um die Spielansetzungen sorgt bereits vor dem ersten Spieltag für Diskussionen. Am Ende bleibt hier ein ungutes Gefühl. Die Bundesliga versteht sich als ein Wettbewerb, in dem für alle Teilnehmer dieselben Voraussetzungen gelten. Wenn jedoch ein Verein bestimmte Spieltermine grundsätzlich ausschließen darf, während die Konkurrenz diese akzeptieren muss, wird genau dieses Prinzip infrage gestellt. So entsteht, Gerichtsentscheid hin oder her, zwangläufig der Eindruck, dass manche Vereine eben gleicher sind als andere – und das ist für die Glaubwürdigkeit eines fairen Wettbewerbs selten ein gutes Zeichen.

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