
Seit Sonntagabend ist sie Geschichte: die von Beginn an umstrittene XXL-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Nach über 100 Partien krönte sich Spanien mit einem 1:0 nach Verlängerung gegen Argentinien zum verdienten Weltmeister. Und ja, ich gebe es gerne zu: So schlecht, wie ich das Turnier im Vorfeld erwartet hatte, war es am Ende nicht.
Natürlich war der Spielplan völlig überdimensioniert. Vieles wirkte künstlich aufgeblasen, manche Vorrundenpartie hätte man sich ohne größere Verluste schenken können. Doch als die K.-o.-Phase begann, erinnerte die WM wieder daran, warum Fußball die Massen fasziniert. Spannende Spiele, Dramatik, Überraschungen und große Emotionen – genau das, was ein Weltturnier liefern muss.
Ich selbst habe deutlich weniger Partien komplett verfolgt als bei früheren Weltmeisterschaften. Das lag aber weniger an der Qualität des Sports als vielmehr daran, dass das Mammutprogramm im Zusammenspiel mit der Zeitverschiebung irgendwann schlicht ermüdete.
Die eigentlichen Hauptdarsteller standen neben dem Platz
Unangenehm in Erinnerung bleiben dagegen die Herren, die sich permanent selbst ins Rampenlicht drängten. FIFA-Präsident Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump schafften es immer wieder, den Eindruck zu vermitteln, das Turnier sei in erster Linie ihre persönliche Bühne.
Der eine sonnte sich in seiner Rolle als allmächtiger Fußball-Kaiser, der andere nutzte jede sich bietende Gelegenheit zur politischen Selbstinszenierung. Beide eint eine bemerkenswerte Vorliebe für große Gesten, viele Kameras und möglichst wenig Selbstzweifel.
Man hätte fast vergessen können, dass es eigentlich um Fußball gehen sollte.
Der Erfolg gibt den Machern leider recht
So unerquicklich das alles war: Die unbequeme Wahrheit lautet, dass Infantino und seine Mitstreiter sich bestätigt fühlen dürfen. Die Stadien waren voll. Die Einschaltquoten stimmten. Selbst in Deutschland blieb das Interesse groß, obwohl sich das DFB-Team frühzeitig verabschiedete.
Auch die TV-Sender ziehen ihre Schlüsse. MagentaTV hat seine Ambitionen für die WM 2030 bereits öffentlich bekräftigt. Der Markt funktioniert. Das Geschäft brummt. Die Kassen klingeln.
Wer Milliarden umsetzt, verspürt selten den Drang, plötzlich bescheiden zu werden.
Der Fußball ist größer als seine Funktionäre
Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis dieses Turniers. Nicht Infantino ist der Star. Nicht Trump. Sondern der Fußball selbst. Trotz aller politischen Eitelkeiten, trotz gigantischer Vermarktung und trotz eines Turniers, das in seiner Größe häufig maßlos wirkte, blieb der Sport der eigentliche Gewinner.
Das ist beruhigend – und gleichzeitig frustrierend. Denn solange Fans einschalten, Stadien füllen und TV-Rekorde aufgestellt werden, wird sich an den Strukturen wenig ändern.
Deshalb endet diese WM für mich mit gemischten Gefühlen. Erleichtert darüber, dass das Turnier sportlich deutlich besser war als befürchtet. Ernüchtert darüber, dass ausgerechnet die Personen an der Spitze daraus vermutlich die falschen Lehren ziehen werden.
Und trotzdem freue ich mich jetzt auf etwas, das fast schon wohltuend bodenständig wirkt: den Start der Bundesliga im August. Nach über einem Monat Fußball-Dauerbeschallung fühlt sich ein ganz normaler Samstag mit den Spielen von BVB und S04 plötzlich wieder wie purer Luxus an.
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