Ein Fußballabend beim BVB, der plötzlich nach Corona riecht

Böse überraschung nach dem Spiel. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Am Samstagabend ist es wieder so weit: Im Dortmunder Westfalenstadion treffen der BVB und der FC Bayern München im DFB-Supercup aufeinander. Gut 80.000 Zuschauer werden dabei sein. Ausverkauft, laut und vermutlich ziemlich emotional.

Über den sportlichen Wert dieser Veranstaltung kann man sich trefflich streiten. Ist es tatsächlich der erste Titel der neuen Saison? Oder doch eher das letzte ernsthafte Testspiel vor dem Bundesliga-Start? Vermutlich liegt die Wahrheit, wie so oft, irgendwo dazwischen.

Mich beschäftigt diesmal allerdings etwas ganz anderes. Denn Facebook erinnerte mich in dieser Woche daran, dass ich vor genau fünf Jahren schon einmal beim Supercup in Dortmund gewesen bin. Und plötzlich waren sie wieder da: Erinnerungen an einen Fußballabend, der sich heute fast surreal anfühlt.

20.000 statt 80.000

Den genauen Spielverlauf der Partie von 2021 (1:3) hatte ich längst vergessen. Sehr präsent ist mir dagegen Erling Haaland. Was dieser Typ damals auf dem Platz veranstaltete, war beeindruckend. Einen derart engagierten und herausragenden Dortmunder Spieler hatte ich schon lange nicht mehr erlebt.

Dabei war es eine merkwürdige Zeit. Haaland hatte während seiner BVB-Zeit ohnehin viel zu selten vor wirklich vollen Rängen spielen dürfen. Corona hatte den Profifußball fest im Griff. Beim Supercup waren damals gerade einmal gut 20.000 Zuschauer im 80.000er-Stadion zugelassen.

Heute kaum noch vorstellbar.

Ich erinnere mich an die vielen freien Plätze auf den Tribünen und an die Kontrollen der erforderlichen Impfbescheinigungen rund um das Stadion. Alles war irgendwie anders. Vorsichtig. Misstrauisch. Und trotz aller Vorfreude auf Fußball lag über diesem Abend eine merkwürdige Beklemmung.

Eine Warnung auf dem Handy

Besonders skurril wurde es am nächsten Tag. Meine Corona-App meldete mir eine Risiko-Begegnung. Ausgerechnet nach diesem Stadionbesuch.

Ich hatte mich damals an alle möglichen Regeln gehalten und trotzdem plötzlich diese Warnung auf dem Handy. Beängstigend war das schon. Zumal niemand genau wusste, was eine solche Begegnung am Ende tatsächlich bedeuten würde.

Zum Glück dauerte es bei mir noch einige Jahre bis zu meiner ersten bewussten Infektion. Aber genau deshalb hat mich diese alte Erinnerung in dieser Woche auch so beschäftigt. Fünf Jahre sind eigentlich keine besonders lange Zeit. Und doch fühlt sich diese Zeit inzwischen wie eine andere Epoche an.

80.000 Menschen sind ein Luxus

Am Samstag werden wieder rund 80.000 Menschen im Westfalenstadion stehen. Sie werden singen, schimpfen, jubeln und sich vermutlich über Schiedsrichterentscheidungen aufregen, als hinge davon das Schicksal der Welt ab. Ganz normaler Fußballwahnsinn eben.

Und genau das ist schön.

Denn ein Besuch in einem vollen Stadion ist keineswegs so selbstverständlich, wie wir manchmal glauben. Wir haben erlebt, wie schnell sich das ändern kann. Plötzlich waren Tribünen leer, Spiele fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und ein gemeinsamer Fußballabend wurde zum gesundheitlichen Risiko.

Vielleicht denkt am Samstagabend ja der eine oder andere Zuschauer für einen kurzen Moment daran zurück. Nicht lange, schließlich soll Fußball Spaß machen. Aber vielleicht reicht schon ein kleiner Gedanke: 80.000 Menschen gemeinsam im Stadion zu erleben, ist ein verdammt schöner Luxus.

Und vielleicht ist genau das am Ende der eigentliche Wert dieses Supercups.

Autorenseite: Robin Patzwaldt
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