Die Gesellschaft muss diskutieren, was sie von Hochschulen erwartet

Technische Universität Dortmund, Mathe Tower, ein von weitem sichtbares Gebäude mit rotierendem TU Logo Foto: Tuxyso / Wikimedia Commons Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die NRW-Landesregierung will ab dem kommenden Jahr 150 Millionen Euro bei den Hochschulen sparen. Bis zu 300 Professorenstellen könnten wegfallen. Ist das wirklich ein Problem?

Seit drei Jahren schrumpft die Wirtschaft. Auch das Land muss sparen. Und das wird es auch bei den Hochschulen tun. 6,5 Milliarden Euro erhalten sie im Jahr, künftig werden es 150 Millionen weniger sein. Angesichts der wirtschaftlichen Lage moderate Einsparungen. Doch die Senate von zehn großen Universitäten in Nordrhein-Westfalen, unter anderem der Ruhr-Uni, der Uni Köln und der TU Dortmund, warnen nun in einer gemeinsamen Resolution vor den Folgen der geplanten Kürzung der Hochschulgrundfinanzierung: „Mit den Kürzungen würde das Land Nordrhein-Westfalen nicht in die Zukunft investieren, sondern seine wirtschaftliche, soziale und kulturelle Attraktivität schwächen“, warnen die Senate. Stattdessen brauche es eine verlässliche Grundfinanzierung, die Hochschulen in die Lage versetzt, ihrer Verantwortung gerecht zu werden – von technologischen Innovationen bis zu Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen wie Polarisierung oder Fachkräftemangel.“

Ganz abgesehen von der in der FAZ von Nicolai Foss und Thorbjørn Knudsen aufgeworfenen Frage, welche Zukunft die Massenuniversitäten in Zeiten der wachsenden Bedeutung von Künstlicher Intelligenz noch haben, wenn die „massenhafte Ausbildung von Absolventinnen und Absolventen für standardisierte Analysearbeit“ kein tragfähiges Geschäftsmodell mehr ist, muss die Gesellschaft diskutieren, was sie von den Hochschulen erwartet und wofür sie bezahlen will. Wer Geld vom Steuerzahler erwartet, sollte ihn von dem überzeugen, was er mit diesem Geld macht. Bei vielen Fächern haben die Universitäten kein Erklärungsproblem: Ingenieure, Ärzte, Informatiker werden auch künftig gebraucht, auch wenn sich ihre Arbeit massiv ändern wird. Aber benötigt man noch so viele Lehrer für Fremdsprachen, wenn absehbar ist, dass Menschen sich künftig in allen Sprachen miteinander unterhalten können – auch ohne sie gelernt zu haben, weil Airpods die Übersetzung in Echtzeit übernehmen? Kommt es in Zukunft nicht eher auf die Vermittlung interkultureller Kompetenz an?

Was ist mit ideologisch geprägten Fächern wie den Studies? Wäre die „wirtschaftliche, soziale und kulturelle Attraktivität“ Nordrhein-Westfalens wirklich gefährdet, wenn Professuren in postmodernen Modefächern wie Gender-, Performance- oder Postkolonial-Studies wegfielen? Könnten die weniger sinnvollen Elemente nicht von anderen Fächern übernommen und so Personal eingespart werden?

Der Alarmismus der Hochschulen ist dem Eigeninteresse geschuldet und damit natürlich vollkommen legitim. Aber die Interessen von Steuergeldempfängern sind nicht identisch mit denen von Steuerzahlern. Und darüber muss offen diskutiert werden.

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