Die Legende vom Energiewenderetter Batteriespeicher

Spatenstich in Gundremmingen Foto: RWE Lizenz: Copyright


Die Sonne ist im Jahresmittel rund zwölf Stunden über dem Horizont – aber sie scheint natürlich nicht ständig. Und auch der Wind weht nicht immer. Wenn im Winter die Tage kurz sind und sich kein Lüftchen regt, kommt es zur Dunkelflaute. Batteriespeicher sollen die Lösung sein.

Vor wenigen Tagen war es wieder so weit: Die Sonne war untergegangen, es wehte nur wenig Wind. Für die Stromversorgung Deutschlands sorgten neben Biomasse und französischer Kernkraft vor allem die Stein- und Braunkohlekraftwerke. Am vergangenen Samstag war Strom in Deutschland nicht nur teuer, sondern mit 591 g CO₂ pro Kilowattstunde auch besonders dreckig – fast doppelt so viel wie im Jahresmittel. Die wetterunabhängig laufenden Kernkraftwerke hat man lieber gesprengt, statt mit ihnen CO₂-freien Strom zu produzieren. Bei Dunkelflaute oder immer dann, wenn Sonne und Wind nicht genug liefern, sollen künftig Batteriespeicher einspringen. Die Idee ist bestechend: Wenn Sonne und Wind mehr Strom liefern, als gerade benötigt wird, speichert man ihn und leert die Batterien, wenn er gebraucht wird. In der WAZ kann man heute sogar von einem Unternehmer lesen, der sagt, seine Batteriespeicher würden den Bau von Gaskraftwerken ersetzen. Und RWE baut auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks Gundremmingen sogar den bislang größten Batteriespeicher Deutschlands.

Das alles klingt besser, als es ist. Werfen wir zuerst einen Blick auf Gundremmingen: Dort lieferten die beiden Blöcke des Kernkraftwerks zusammen 2.688 MW Leistung. Der neue Batteriespeicher von RWE hat eine Kapazität von 700 MWh. Er kann im besten Fall die beiden Reaktoren für gut 15 Minuten ersetzen. Um die Energiemenge, die nur das Kernkraftwerk Gundremmingen in einer langen Dezembernacht geliefert hat, zu ersetzen, wären 50–60 dieser RWE-Speicher nötig – also eine halbe Speicherstadt nur für eine Winternacht. Aber das ist weder das Ziel noch das Geschäftsmodell von RWE: Das Unternehmen will Strom billig einkaufen, wenn er im Überfluss vorhanden ist, und teuer verkaufen, wenn er knapp ist. Der Batteriespeicher ist kein Ersatz für ein Kraftwerk, sondern eine neue Version des Pumpspeichers.

Um Deutschland durch eine echte Dunkelflaute von fünf Tagen zu bringen, wären Tausende solcher RWE-Speicher nötig. Das wären dann Investitionen im dreistelligen Milliardenbereich – bei einem Nutzen, der vielleicht ein paar Tage im Jahr gebraucht wird. Und diese Kosten würden natürlich auf den Strompreis aufgeschlagen werden. Auch bei kleinen Batterien an einem Windrad wäre das nicht grundsätzlich anders. Die in der WAZ vorgestellten 4-MWh-Container könnten ein modernes Windrad mit 4 MW Nennleistung gerade einmal eine Stunde lang ersetzen. Und natürlich würde dieser Strom dann deutlich teurer verkauft werden als der des Windrads. Ein Ersatz für Gaskraftwerke, wie ein Unternehmer im Artikel behauptet, sind sie natürlich nicht.

Batteriespeicher sind gut dafür, kleinere Schwankungen im Netz auszugleichen. Für Minuten und Stunden sind sie ideal – für Tage oder Wochen völlig ungeeignet. Mit einer dauerhaft sicheren Stromversorgung haben sie nichts zu tun. Für die Betreiber sind sie allerdings ein gutes Geschäft.

Dir gefällt vielleicht auch:

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
9 Comments
Älteste
Neueste
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Entitaet
Entitaet
2 Monate zuvor

Man hat fast den Eindruck, man müsste diesen Artikel täglich wie ein Mantra wiederholen. Nur hilft das nichts, weil die Hardcore-Energiewende-Gläubigen ihre Religion pflegen, statt Realitäten zur Kenntnis zu nehmen. Einsicht gefährdet schließlich das seelische Gleichgewicht.

paule t.
paule t.
2 Monate zuvor

@ Entitaet, Zitat: „Man hat fast den Eindruck, man müsste diesen Artikel täglich wie ein Mantra wiederholen.“

Warum schreiben Sie „müsste“ im Konjunktiv II? Artikel dieser Stoßrichtung – Klimapolitik ganz schlecht, Kernkraftwerke abschalten ganz dumm, Ökos alle Idioten – werden hier doch täglich wie ein Mantra wiederholt.

Lustig übrigens, dass jemand, der das mantraartige Wiederholen von etwas bereits mantrahaft Wiederholtem fordert, anderen vorwirft, nur „gläubig“ einer angeblichen „Religion“ zu folgen. Sie wissen schon, was ein Mantra ist, oder?

—————————–

Zum Artikel:

Der Artikel würde Sinn ergeben, wenn in irgendeinem Szenario irgendjemand ausschließlich auf Batteriespeicher setzen würde, um die Schwankungen von Wind- und Solarstrom auszugleichen. Nur ist das einfach nicht der Fall. Man hat leider nicht den Eindruck, dass der Autor solche Planungen/Szenarien in irgendwie nennenswertem Ausmaß rezipiert hat.

Zunächst einmal muss man berücksichtigen, dass Wind- und Solarstrom sich in Deutschland netterweise jahreszeitlich gegenläufig verhalten: In den Wintermonaten, in denen es naturgemäß weniger Solarstrom gibt, gibt es umso mehr Windstrom. Diese beiden erneuerbaren Energien gleichen also ihre Schwankungen zu einem erheblichen Teil schon gegenseitig aus.

Dazu kommt, dass Flauten (5 Tage mit besonders wenig Wind) sowieso schon nicht sehr häufig sind (ca. einmal pro Jahr), im Winter – wo es wie gesagt sowieso mehr Wind gibt – entsprechend noch seltener. Kurz: Dunkelflauten sind selten.

Um die noch verbleibender Schwankungen auszugleichen, wird ein Mix sehr verschiedener Maßnahmen nötig sein:

  • Einerseits werden natürlich große und kleine Batteriespeicher sehr wohl eine wesentliche Rolle spielen, um kurz- und mittelfristige Schwankungen auszugleichen, jedenfalls die tageszeitlichen Schwankungen und auch darüber hinaus. (Und damit werden selbstverständlich sehr wohl auch Gaskraftwerke ersetzt, nur eben nicht vollständig.)
  • Daneben die im Artikel schon erwähnten Pumpspeicher.
  • Daneben verstärkter Energiehandel mit den europäischen Nachbarn: Auch wenn die ebenfalls auf Erneuerbare umsteigen, ist es eben sehr unwahrscheinlich, dass von Lissabon bis Athen und Narvik überall Dunkelflaute herrscht.
  • Daneben die Nutzung regelbarer Erneuerbarer: Wasserkraft aus Stauseen, wiederum auch in den Nachbarländern, lässt sich in Grenzen regeln, Stromerzeugung aus Biogas noch besser. Wind und Sonne sind zwar die wichtigsten, aber eben nicht die einzigen erneuerbaren Energien, und manche lassen sich besser regeln.
  • Zusätzlich lässt sich auch die Last teilweise regeln – bei flexiblen Strompreisen werden viele Verbraucher von alleine den Stromverbrauch in Grenzen an die Erzeugung (und damit billigere Preise im Verlauf) anpassen (für Leute mit eigener PV-Anlage ist das schon selbstverständlicher Alltag, bei zunehmender Durchsetzung von Smart-Mertern wird das für alle möglich). Insbesondere bei zunehmendem Einsatz von Wärmepumpen zur Heizung wird es möglich sein, statt der Elektrizität die erzeugte Wärme zu speichern.
  • Wenn das alles noch nicht reicht, gibt es die Möglichkeit, Großverbraucher für übergangsweises Abschalten ihrer Anlagen zu bezahlen. Wenn das nur selten vorkommt, könnte das deutlich preisgünstiger sein, als für seltene Phasen großer Knappheit im Jahresverlauf kaum genutzte Kraftwerke vorzuhalten.
  • Und langfristig gibt es dann eben die Möglichkeit, in Überschusszeiten billigen Strom nicht nur in Batteriespeichern zu speichern, sondern auch zur Wasserstofferzeugung per Elektrolyse (und dann z.B. Methansynthetisierung) zu verwenden. Zusätzlich wäre langfristig ein Import solchen Methans (o.a. so hergstellter Gase) möglich. Das wäre natürlich weniger effizient als Batteriespeicherung, aber dafür wäre eine Speicherung im Umfang der heutigen Erdgasspeicherung möglich, was offenkundig auch lange Flauten überbrückbar machen würde.

Kurz: Eine Argumentation, die sich wie der Artikel nur auf Batterie-Großspeicher kapriziert, ist einfach extrem unterkomplex. Diese werden im Moment rasant billiger und voraussichtlich in massivem Umfang gebaut werden, sodass sie einen erheblichen Teil der Schwankungen ausgleichen können werden (und deswegen habe ich das in verschiedenen Kommentaren auch erwähnt). Trotzdem sind sie natürlich nur eine Möglichkeit von vielen verschiedenen. Deswegen sind die Beispielrechnungen aus dem Artikel, wie lange Zeiträume welche Batterie-Großspeicher welche Erzeugung ersetzen könnten, reine Milchmädchen-Rechnungen: Sie werden eben nicht alleine die Versorgung sicherstellen müssen.

Und schließlich zum besonderen Steckenpferd des Autors: Kernkraft wäre gerade keine gute Lösung, um die Schwankungen von Wind- und Solarstrom auszugleichen. Dazu braucht es leicht regelbare Kraftwerke, und das sind AKWs nun mal gerade nicht. Die Grundlast, die sie liefern, würde zwar besonders erzeugungsschwache Phasen abmildern – aber dafür in erzeugungsreichen Phasen nur noch mehr überflüssigen Strom auf den Markt werfen, der, so er nicht ganz ungenutzt bleiben soll, irgendwie gespeichert werden müsste. Ganz davon abgesehen, dass Strom aus neuen AKWs einfach zu teuer wäre. Und den abgeschalteten Kraftwerken, die man noch ein paar Jahre hätte weiterbetreiben können, hinterherzuweinen, ist jetzt einfach völlig fruchtlos.

———————————

Nebenbei zu den „591 g CO₂ pro Kilowattstunde“: Vor einer Woche galten die noch für einen Abend, nicht für den ganzen Tag. Dass das jetzt angeblich das gleiche sein soll, wirkt ein bisschen knapp recherchiert.
Aber so oder so: Es kommt nicht auf einen Abend oder einen Tag an, sondern auf die Entwicklung des Durchschnitts. Und der sinkt, primär dank der Erneuerbaren.

———————————

Und richtig lustig die als endgültig richtend zum Schluss gesetzte negative Beurteilung: „Für die Betreiber sind sie allerdings ein gutes Geschäft.“
Seit wann ist das denn in einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung, die der Autor doch sonst immer absolut klasse findet, ein Gegenargument? Man kann mit den Dingern Geld verdienen, indem man einfach zum einen Zeitpunkt Strom kauft und zum anderen Zeitpunkt verkauft. Das sollte für überzeugte Marktwirtschaftler doch eigentlich der ultimative Beweis sein, dass diese Technologie nützlich ist. Während Kernkraft immer auf massive Subventionen angewiesen war und ist.

Entitaet
Entitaet
2 Monate zuvor

Wenn du schon so gern religiöse Metaphern auspackst: Wenn du mit Religionen so gut vertraut bist, sollte sich mein Konjunktiv bei „Mantra“ eigentlich von selbst erklären. Aber gut – bleiben wir bei deinem Text.

Schon deine ersten beiden Punkte zeigen, dass du offensichtlich lieber philosophierst als rechnest. Von „Pumpspeichern“ schwärmst du? Dann lies bitte wenigstens einmal nach, welche Energiemenge wir aus allen deutschen Pumpspeichern zusammen maximal ziehen können: Es reicht für rund 30 Minuten deutschen Strombedarfs. Das ist energetisch die Größenordnung eines lauwarmen Fußbads – aber du präsentierst es, als sei es der Schlüssel zur deutschen Energiewende. Und dein „Wind und Sonne gleichen sich netterweise gegenseitig aus“ ist genau die Art von Schönwetter-Physik, an der die Hardcore-Energiewendefraktion seit Jahren festhält wie Kinder an ihrem Lieblingskuscheltier. Btw: Dazu gibt es übrigens im WWW frei verfügbare Studien, die z. B. mit deinem Halbsatz „…,ist es eben sehr unwahrscheinlich, dass von Lissabon bis Athen und Narvik überall Dunkelflaute herrscht“ aufräumen.

Das zentrale Problem, an dem du – genau wie viele Energiewende-Gläubige – vorbeischreibst, bleibt weiterhin:
Deutschland kann seinen Energiebedarf nicht zu 100 % durch variable erneuerbare Energien decken. Punkt.

Unsere geografischen Bedingungen, die physikalischen Ausbaugrenzen und der notwendige Flächenbedarf sorgen dafür, dass wir selbst 2030…2035…2040 noch signifikante fossile Anteile brauchen werden. Und zwar nicht, weil irgendwer eine „alte fossile Welt“ retten oder gar die „Welt verbrennen“ will, sondern weil die Überschüsse aus Wind und PV schlicht nicht ausreichen, um die benötigten Wasserstoffmengen herzustellen.

Die Alternative: extrem teurer Import mit neuen (teils ebenso massiven) Abhängigkeiten – oder eben Erdgas sowie grauen/blauen Wasserstoff nutzen, der im Übergang sogar weniger CO₂ verursacht.

Dass dir all das entgeht, wundert mich wenig. Genau darauf weist der Artikel oben übrigens zwischen den Zeilen hin – auf das systematische Weglassen dieser Zusammenhänge insbesondere durch die lautesten Energiewende-Influencer_[Pause]innen des Landes. Claudia Kemfert, Luisa Neubauer und Co. meiden diese Themen wie der Teufel das Weihwasser. Wobei ich mir von einer reinen Energieökonomin (DIW) ohnehin nicht erwarte, dass sie technische Zusammenhänge versteht – aber dann sollte man sich bei Themen, von denen man erkennbar keine Ahnung hat, wenigstens mit Urteilen zurückhalten.

Dann dein Ausflug zum Lastfolgebetrieb:

Bevor du das nächste Mal behauptest, Elektrizität aus Kernkraft könne keiner Last folgen, beschäftige dich bitte einmal fachlich mit dem Begriff „Lastfolgebetrieb bei Kernkraftwerken“. Frankreich, Finnland, selbst alte deutsche Anlagen – alle wurden teils seit Jahrzehnten im Lastfolgemodus gefahren. Deine Aussage oben ist fachlicher Unsinn der Kategorie „Ich habe mal irgendwo eine Schlagzeile gelesen“.
Nur mal gefragt: Deine berufliche Ausbildung ist ziemlich sicher nicht im MINT-Bereich, oder? Und falls doch, warst du anscheinend häufig abwesend.

Die Sache mit der Lastflexibilität der Verbraucher ist dann die nächste offene Tür, die du mit stolz erhobenem Kopf einrennst. Natürlich passiert das alles längst – aber viel zu langsam. Und statt sich den Ursachen zu widmen, wird dann die neue Wirtschafts- und Klimaministerin Reiche von der üblichen Lobby oder besser von den üblichen Verdächtigen als „Gas-Kathie“ beschimpft, obwohl sie nur das fortführt, was ihr Vorgänger Habeck bereits angeschoben hatte. Genau diese Realitätsverweigerung ist es, die die Energiewende in Deutschland so teuer und gleichzeitig so extrem wirkungsarm bis phasenweise wirkungslos macht.

Warum sind die CO₂-Emissionen in Deutschland immer noch viel zu hoch?  

(Deine vielen Konjunktive wie „wäre, könnte, müsste“ liefern die Antwort eigentlich selbst: Grundlagenwissen fehlt.)

Dann dein Hinweis auf „regelbare Erneuerbare“ aus dem Ausland. Ein kurzer Realitätsabgleich:  

Schau dir bitte bestimmte Aussagen zum Thema von Daniel Bleich hier im Blog an.

Die schwedische Energieministerin ist „stinksauer“ auf die Deutschen.  

Der norwegische Energieminister spricht von einer „beschissenen Situation“ und will prüfen lassen, ob man die Stromkabel nach Deutschland kappt. 

Von einem Importparadies zu träumen ist leicht – nur existiert das in der Realität schlicht nicht.

Und dann dein Glaubenssatz zum Wasserstoff aus Elektrolyse „mit Überschussstrom“.

Bitte gönn dir hierzu einen Realitätscheck:

Wir hängen beim Windkraftausbau mindestens seit zwei Jahren massiv hinter den Zielen zurück. Die Energielücke wächst, sie schrumpft nicht. Selbst bei einer Vervier- oder Verfünffachung der Elektrolysekapazitäten wäre es in unserem Breitengrad unmöglich, die benötigten H₂-Mengen aus Wind- und PV-Überschüssen zu erzeugen. Physik ist da unerbittlich.

Zum Rest deiner Spiegelpunkte – V2G, grüner Ammoniak, synthetisches Gedöns, du kennst die Liste -:
Das sind alles nette, kleine Bausteine, die jedem echten Experten längst bekannt sind.
Doch sie ersetzen keine gesamtenergetische Betrachtung.

Und wenn wir dann noch anfangen über Blindleistung, Momentanreserve oder transiente Netzstabilität zu sprechen, dürftest du mutmaßlich endgültig geistig aussteigen – dazu müsste man sich nämlich technisch-physikalisch auskennen und nicht nur visionär.

Kurz gesagt:

Du argumentierst wie jemand, der sich das deutsche Energiesystem der Zukunft als IKEA-Regal vorstellt: bunte Einzelteile zusammenschrauben und hoffen, dass es hält.

Die Realität ist leider kein IKEA-Regal – eher ein Kernreaktor.  

Und der lässt sich nicht durch Wunschdenken stabilisieren (s. Nuklearkatastrophe im Kernkraftwerk Tschernobyl mit dem berühmt-berüchtigten RBMK-Reaktor).

68er
68er
2 Monate zuvor

@ paule t.

Das idt hier wirklich unterkomplex und eigentlich sinnlos mit den Leuten hier zu diskutieren. Wenn schwarz-gelb nicht die Energiewende gestoppt hätte, wären wir noch viel weiter und wir würden mit Solarstrom noch mehr Geld verdienen.

Wenn wir die Energieversorgung dezentralisiert hätten, auf 1 Millionen Dächer gesetzt hätten, E-Autos als Zwischenspeicher nutzen würden, etc. pp. wären halt 2 bis 3 Energierisen vom Markt verschwunden, was aber nicht gewollt war und ist. Da ist jetzt – nomen est omen – Frau Reiche vor.

Aber selbst mit dieser Eisernen-Gustav-Regierung, geht die Welt voran und die Energiewende wird sich letztlich durchsetzen. Leider zu spät, aber selbst wenn wir 100 Prozent stabilen Strom aus Erneuerbaren haben, werden Herr Laurin dann eben behaupten, man brauch 150 Prozent Kapazitäten…

Das ist, wie gesagt: unterkomplex.

paule t.
paule t.
2 Monate zuvor

@ Entitaet:

Zitat:
„Wenn du schon so gern religiöse Metaphern auspackst: […]“

Die religiöse Metapher Mantra haben mit „mantraartig“ doch Sie aufgebracht, nicht ich. Ich habe nur die unfreiwillige Ironie bzgl. „Religion“ in Ihrem Statement aufgezeigt. Aber gut, das ist für die Diskussion irrelevant.

————————————–

Zitat: „Von „Pumpspeichern“ schwärmst du? Dann lies bitte wenigstens einmal nach, welche Energiemenge wir aus allen deutschen Pumpspeichern zusammen maximal ziehen können: Es reicht für rund 30 Minuten deutschen Strombedarfs. Das ist energetisch die Größenordnung eines lauwarmen Fußbads – aber du präsentierst es, als sei es der Schlüssel zur deutschen Energiewende.“

Ich stelle Pumpspeicher nicht als den „Schlüssel zur deutschen Energiewende“ dar, sondern nur als eine von einer ganzen Reihe von Möglichkeiten, Erzeugungsschwankungen bei Sonnen- und Windstrom auszugleichen. Das kann jeder in meinem vorigen Posting nachlesen, Sie bauen also einen argumentativen Strohmann.

Gleichzeitig machen SIe in dieser Aussage bezüglich Pumpspeichern denselben Fehler wie der obige Artikel bezüglich Batteriegroßspeichern: Sie tun so, als müsste die jeweilige Speicherart die Stromversorgung alleine übernehmen, um dann zu argumentieren, dass der Zeitraum, für den dann die Speicher reichen würden, so klein wäre, dass die Speicher quasi irrelevant wären.

Das ist aber ein völlig unsinniger Anspruch. In den wenigen Zeiten, in denen über längere Zeit Wind- und Solarstrom nur sehr wenig zur Verfügung steht, müssen in einer zukünftigen CO2-neutralen Stromversorgung alle Speichermedien gemeinsam übernehmen, zusammen mit gesteuertem Verbrauch. In diesen Phasen reichen Pumpspeicher und Batteriespeicher, die im ganzen Jahresverlauf kleinere Schwankungen wie tageszeitliche Schwankungen übernehmen können und dabei sehr effektiv sind, eben nicht aus, sondern man muss dann halt auch andere, teurere und weniger effektive Möglichkeiten nutzen, von denen ich ja mehrere nannte.

Im Übrigen: Wenn Sie auf Studien verweisen, die Ihre Argumentation stützen sollen, dann verlinken SIe doch eine.

—————————————

Zitat: „Die Alternative: extrem teurer Import mit neuen (teils ebenso massiven) Abhängigkeiten“

Ja, grünen Wasserstoff bzw. auf dessen Basis hergetellte andere synthetische Brennstoffe wie Ammoniak, Methan u.Ä. wird man – neben Eigenproduktion aus hiesigem Überschusstrom bei Hellbrisen – auch importieren müssen. Weniger, wenn es nur darum geht, Gaskraftwerke in Dunkelflauten zu betreiben; mehr, wenn es darum geht, zukünftig ganze industrielle Prozesse umzustellen. Warum das aber prinzipiell schlimmer sein soll als die gegenwärtigen Importe (und damit zusammenhängenden Abhängigkeiten) von Kohle, Öl und Gas erschließt sich mir nicht. Länder mit weitaus höherem Potenzial für erneuerbare Energien, als Deutschland es hat, und damit potenzielle Lieferländer für die genannten Energieträger, gibt es ja nun deutlich mehr als Erdöl-/Erdgaslieferländer, so dass sich die Abhängigkeit von nbestimmten Ländern ja eher verringern würde.

————————————-

Zitat: „Bevor du das nächste Mal behauptest, Elektrizität aus Kernkraft könne keiner Last folgen, beschäftige dich bitte einmal fachlich mit dem Begriff „Lastfolgebetrieb bei Kernkraftwerken“. Frankreich, Finnland, selbst alte deutsche Anlagen – alle wurden teils seit Jahrzehnten im Lastfolgemodus gefahren.“

Da haben Sie mich zugegebenermaßen erwischt; ich habe die Fähigkeiten von AKWs dazu offenbar unterschätzt. Nach einigem Nachlesen zum Auffüllen von Wissenslücken scheint es mir aber immer noch so, dass das nicht so einfach ist wie zB bei Geskraftwerken, insbesondere wenn es um komplettes Herunter- und wieder Anfahren geht. Aber gut, da bin ich nicht sehr beschlagen.

Letztlich scheint mir die Rolle von Kernkraft aber vor allem eine Kostenfrage zu sein. Derzeit ist Kernenergie nun einmal, was die Gestehungskosten des Stroms neu errichteter Kraftwerke angeht, viel teurer als Wind- und Sonnenenergie. (Das sieht man auch an den wenigen aktuellen Neubauprojekten in Europa, die nur unter massiven Subventionen und hohen garantieretn Abnahmepreisen möglich sind.) Und da ist noch nicht einmal eingerechnet, dass sowohl Ewigkeitskosten für den jahrtausendelangen Verschluss radioaktiver Abschlüsse als auch Risikokosten für den Fall eines Unfalls m.W. gedeckelt sind, sprich ab einer gewissen Höhe der Allgemeinheit zur Last fallen. Um das abzudecken, könnte man ja – wenn man sich denn zum Wiedereinstieg entschlösse – Kraftwerksbetreiber zur Einrichtung wirklicher Ewigkeitsfonds in der dafür notwendigen Höhe und zum Abschluss von Versicherungen ohne Deckungsmaximum verpflichten. Es würde die Preise für Atomstrom noch einmal massiv erhöhen.

Daher wäre es mE für den allergrößten Teil des Jahres weitaus günstiger, den Ausbau von Windkraft- und PV-Anlagen sowie von Speichern voranzutreiben. Dann müsste mal freilich für Dunkelflauten teureres, synthetisch erzegtes Gas verwenden und die entsprechenden Kraftwerke vorhalten (wenn auch mutmaßlich deutlich weniger als von der WIrtschaftsministerin vorgesehen, die in ihrer Prognose den Ausbau von Speichern einfach mal komplett ignoriert, soweit ich weiß) sowie Lastabschaltungen bezahlen.

Wäre das in der Gesamtrechnung teurer als AKWs? Ich glaube nicht, aber Sie können gerne entsprechende Studien nennen.

—————————————–

Zitat: „Dass dir all das entgeht, wundert mich wenig. Genau darauf weist der Artikel oben übrigens zwischen den Zeilen hin – auf das systematische Weglassen dieser Zusammenhänge insbesondere durch die lautesten Energiewende-Influencer […] des Landes.“

Und das ist nun wieder wirklich lustig. Der Artikel nennt solche Zusammenhänge weder selbst noch weist er in irgendeiner Weise, schon gar nicht „zwischen den Zeilen“, darauf hin. (Ich weiß gar nicht, wie das gehen sollte, „zwischen den Zeilen“ auf komplexe Zusammenhänge bzw. deren Weglassen hinzuweisen. )

Der Artikel ignoriert im Gegenteil die Komplexität des Themas selbst komplett, indem er in einer reinen Milchmädchenrechnung ausschließlich die Kapazität von Batteriegroßspeichern dem Gesamtenergieverbrauch gegenüberstellt, ohne andere Möglichkeiten auch nur zu nennen. Zugegebenermaßen bin ich wirklich kein Fachmann, und natürlich sind meine Kommentare dementsprechend begrenzt, was das Fachwissen angeht.
Aber trotzdem geht mein Kommentar doch wohl auf weitaus mehr Aspekte ein als der komplette obige Artikel, obwohl ich nur als Hobby nach Feierabend Artikel kommentiere und der Autor das Schreiben solcher Artikel als Beruf betreibt. Aber mich kacken Sie an, während Sie den Artikel zur matraartigen, täglichen Wiederholung empfehlen. Wenn es nur um sachliche Bewertung von Diskussionsbeiträgen gehen würde, passt das doch nicht zusammen.

Entitaet
Entitaet
2 Monate zuvor

To: 68er / paule t.

Immer wenn bestimmten, offensichtlichen Hardcore-Unterstützern der Energiewende keine sachlichen Argumente in einer Diskussion zum Thema mehr einfallen, wird gerne rhetorische Selbstentlastung betrieben.
Sobald die Argumente knapp werden, holt ihr das ideologische Werkzeugset heraus – Etikettieren, Moralisieren, Isolieren.

Da wird dann aus jeder nüchternen Analyse sofort ein „unterkomplexes“ Weltbild, jeder der einen Einwand formuliert wird zum „Schwurbler“, und aus jeder physikalischen Grenze ein persönlicher Angriff auf eure Erlöserfantasien.  
Ihr verwechselt eure Wunschwelt mit der Realität – und nennt das dann Debatte.

Eure Kommentar sind Paradebeispiele dieser Manier:  
„Wenn schwarz-gelb… wenn 1 Million Dächer… wenn E-Autos Speicher…“  
Der moralische Wunsch ersetzt die empirische Beschreibung, wobei gerne Pseudo-Kausalitäten eingestreut und Geschichtsklitterung betrieben wird. Es werden von eurer Fraktion keine Zahlen genannt, solange ihr ein Feindbild habt. Ihr brauchst keine Systemanalyse, solange ihr euch für moralisch überlegen haltet.
Ihr ignoriert komplett, dass 2000–2024 ALLES Wesentliche zur Energiewende unter rot-grün, schwarz-rot, schwarz-gelb, schwarz-rot, rot-grün-gelb betrieben wurde – aber nicht das Ergebnis zählt, sondern ein bequemes Feindbild. Diese Art „Geschichtsschreibung“ ist reine Identitätspolitik, keine Analyse.

Inhalte: egal.
Technik: egal.  
Kosten: egal.  
Auswirkungen auf Industrie, Netzstabilität, Versorgungssicherheit: egal.

Hauptsache, man ist moralisch überlegen. Das ist der eigentliche Kern eures Diskurses.

Natürlich darf bei euch „moving goalposts“ nicht fehlen: 
Egal wie schlecht Prognosen der letzten 20 Jahre eingetroffen sind, es wird einfach das Ziel verschoben:  
„Ja, das konnte 2010…2015…2017 noch niemand wissen… aber JETZT klappt es bestimmt!“
So wird jede falsche Aussage im Nachhinein zur unbeabsichtigten Vision umgedeutet.

Nur blöd, dass sich Energieversorgung nun mal nicht nach Gesinnung richtet, sondern nach Physik.  
Und die zeigt seit über 20 Jahren kristallklar:  
Wir schaffen es nicht einmal, die 20,5 GW gesicherte Leistung der alten Kernkraftwerke vom Stand Anfang der 2000er-Jahre zu 100 % durch EE zu ersetzen – obwohl die EE-Lobby seit weit über zwei Jahrzehnten fast 

  • jede denkbare Förderung, 
  • jede Privilegierung und
  • jeden gesetzlichen Vorteil eingesammelt hat.

Ergebnis:
Wir betrieben bis jetzt weiter Kohle- und Gas-Kraftwerke und werden sie auch in den 2030ern weiter betreiben, wir importieren nach dem Abschalten der letzten Kernkraftwerke so genannten Atomstrom, wir importieren Wasserkraft und fossile Energie – und die CO₂-Emissionen bleiben zu hoch.  
Das ist nicht „unterkomplex“. Das ist Realität. Angaben zu Mengen, Leistung, Energieinhalt, Kosten, Wirkungsgrade, Netzdynamik, Zeiträume, Kapazitäten fehlen bei euch immer, denn die Hardcore-Fraktion liebt Begriffe ohne Zahlen.

Und während die Energielobby-Influencer_[Pause]Innen mit utopischem Überschuss (Copyright: Jana Hensel) das Paradies versprechen, ignorieren sie weiter die Grundrechenarten:  
Weder 1 Million Dächer, noch V2G (s. auch aktuellen Beitrag von Daniel Bleich hier im Blog), noch dein („68er“) romantisches Dezentralisierungsballett lösen Dunkelflauten, steigenden Strombedarf (Wärmepumpen, E-Mobilität, KI), Netzstabilität, Momentanreserve oder die simple Frage:  
Wer liefert Strom, wenn weder Wind noch Sonne liefern?

Dass dieser Punkt von euch nicht beantwortet, sondern einfach „unterkomplex“ gerufen wird, ist genau diese intellektuelle Selbstvergewisserung, die eure Szene so zuverlässig produziert:  
Komplexität wird nur dann beschworen, wenn sie als Schutzschild taugt; ansonsten wird alles auf das Niveau eines Parteitags-Slogans heruntergeglättet und ganz schnell „unterkomplex“ gerufen.

Kurz gesagt und ich wiederhole mich:

Ihr diskutiert über die Energiewende wie über ein IKEA-Regal:  
Man steckt ein paar bunte Teile zusammen, und wenn’s wackelt und droht bei Belastung umzufallen, ist natürlich die Gegenseite (Opposition oder aktuelle Regierung, wie es gerade passt) schuld.

Die Realität ist leider kein IKEA-Regal.  
Sie ist ein hochkomplexes und -dynamisches Energiesystem – und die Physik dahinter ist unerbittlich, egal wie oft ihr „unterkomplex“ ruft.

paule t.
paule t.
2 Monate zuvor

@ Entitaet
 
Zitat: „Sobald die Argumente knapp werden, holt ihr das ideologische Werkzeugset heraus – Etikettieren, Moralisieren, Isolieren.“
 
Damit sprechen Sie ja aúch mich an. Und da kann ich guten Gewissens antworten: Nö. Das stimmt einfach nicht. Moralisierende Argumentation interessiert mich in dieser Diskussion kein Stück. (Moralisch argumentieren würde ich nur gegenüber Leuten, die die Auswirkungen der Energieerzeugung auf den Klimawandel komplett ignorieren und nach dem Motto „nach mir die Sintflut“ leben wollen. Das unterstelle ich weder Ihnen noch den Ruhrbarone-Autoren.) Ich argumentiere hier nach den bereits vorhandenen Energieerzeugungskapazitäten, nach den vorhandenen Potenzialen, nach den Kosten. Das alles hat mit Moral nichts zu tun, sondern damit, das – hoffentlich – gemeinsame Ziel, die Energieerzeugung treibhausgasfrei zu machen, möglichst effektiv und kostengünstig zu erreichen.

Das kann jeder in meinen Posts zu diesem und zu anderen Artikeln nachlesen.
 
Unter anderem ärgert Sie ja anscheinend die Bewertung „unterkomplex“. Das ist aber weder moralisierend noch eikettierend noch isolierend, es ist einfach eine sachlich und argumentativ begründete Bewertung des Artikels: Indem der Artikel sich nur auf Batteriespeicher fokussiert; verengend so tut, als sollten nur diese die Volatilität von Wind und Sonne ausgleichen; und darauf dann das Urteil stützt, dass diese Speicher nicht viel nützen, weil sie keine fünftägige Dunbkelflaute ausgleichen können – dann ist das gleich in zweifacher Hinsicht unterkomplex: Einerseits, weil er die anderen Möglichkeiten, die es dafür auch gibt, einfach außer acht lässt; andererseits, weil er gegen einen bequemen Strohmann argumentiert statt gegen die realen Positionen der Energiewendebefürworter, denn die setzen nun mal nicht nur auf diese eine Technik.

————————————————–
 
Zitat: „Natürlich darf bei euch „moving goalposts“ nicht fehlen: 
Egal wie schlecht Prognosen der letzten 20 Jahre eingetroffen sind, es wird einfach das Ziel verschoben:  
„Ja, das konnte 2010…2015…2017 noch niemand wissen… aber JETZT klappt es bestimmt!“
So wird jede falsche Aussage im Nachhinein zur unbeabsichtigten Vision umgedeutet.“
 
Bisher waren frühere Prognosen überhaupt nicht Thema; schon allein deswegen ist die Behauptung unsinnig, jemand würde diesbezüglich die Torpfosten verschieben. Aber wir können gerne über alte Prognosen sprechen. Ich habe mal ein paar alte Prognosen von ChatGpt raussuchen lassen, habe mich aber nicht auf die Aussagen von ChatGpt dazu verlassen, sondern bin dann zu den Quellen gegangen.
(Frage an ChatGPT: „Welche Prognosen gab es im Zeitraum 1990 bis 2010 darüber, wie viel Strom erneuerbare Energien in Zukunft produzieren könnten?“)
 
Ein paar Beispiele:
 
A) „Energiereport IV. Die Entwicklung der Energiemärkte bis zum Jahr 2030
Energiewirtschaftliche Referenzprognose (2005)“
https://www.prognos.com/sites/default/files/2021-02/energiereport_iv_kurzfassung_d.pdf
 
Dort steht auf S. 34: „Die Stromerzeugung in Deutschland wird sich verstärkt auf Erdgas stützen. Die heimische Braunkohle rückt auf Platz 2. Die erneuerbaren Energien stellen am Ende des Prognosezeitraums [d.h. 2030] 38 % der Kraftwerkskapazität und decken 26 % der Bruttostromerzeugung.“
 
Tatsächlich haben die Erneuerbaren bereits 2024 eine Nettostromerzeugung von 58,6% der öffentlichen Stromversorgung erreicht (sogar 63% der gesamten Stromerzeugung). Und ich weiß zwar nicht, ob die Berücksichtigung des Unterschieds von Brutto- und Nettostromverbrauch den Vergleich für die Erneuerbaren schlechter oder sogar noch besser ausfallen lassen würde, und ob die Prognose 2005 den öffentlichen oder den gesamten Stromverbauch meinte – aber dennoch kann man sagen, dass der Anteil der Erneuerbaren in Wirklichkeit ca. doppelt so hoch ist wie in der Prognose (oder mehr), und das noch sechs Jahre vor dem Prognosedatum.
 
B) „LEITSTUDIE 2008 – Ausbaustrategie Erneuerbare Energien
und die Rolle der dezentralen Energieversorgung.“
 
Der Grafik auf S. 4 kann man entnehmen, dass für 2030 eine einheimische Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien in Höhe von ca. 245 TWh/Jahr prognostiziert wird (Importe aus dem europäischen Verbund habe ich logischerweise weggelassen).
 
Tatsächlich hatten wir schon 2024 eine produzierte Strommenge aus Erneuerbaren Energien in Höhe von 259,6 TWh/Jahr (öffentlich) bzw. 276,7 TWh/Jahr (gesamt). Also auch diese, deutlich optimistischere Prognose wurde von der Realität schon 6 Jahre zuvor übertroffen. Dabei wurde, wenn man genauer hinschaut, Offshore-Windkraft deutlich über- und Photovoltaik drastisch unterschätzt.
 
C) „Energieszenarien für ein Energiekonzept der Bundesregierung. Projekt Nr. 12/10“ (2010)
https://www.ewi.uni-koeln.de/cms/wp-content/uploads/2015/12/EWI_2010-08-30_Energieszenarien-Studie.pdf
 
In dieser Studie kann man der Grafik auf S. 135 entnehmen (und das steht auch so im Text), dass ab 2020 kaum noch ein Zubau bei der installierten Leistung bei der Photovoltaik stattfinden würde, weil diese nicht wirtschaftlich werden würde. Daher rechnet die Studie, wie ich es an der Grafik ablese, auch 2050 in verschiedenen Szenarien mit nur ca. 45 GW installierter Leistung.
 
Tatsächlich wurde das Potenzial der Photovoltaik damit offenbar geradezu grandios unterschätzt, denn wir haben schon jetzt, 25 Jahre früher, eine installierte Leistung von 104,5 GW, und der Ausbau geht zügig weiter – denn Photovoltaik ist eben sehr wohl wirtschaftlich geworden und ist auf der ganzen Welt in massivem Aufschwung.
 
–> Nur drei Beispiele, in relativ kurzer Zeit gefunden. Sicher, es mag auch andere Studien geben, oder andere Aspekte in diesen Studien, die weniger deutlich ausfallen. Und sicher gab es auch – im Gegensatz zu diesen Studien – eher fantastische Zukunftsvorstellungen.
Aber diese seriösen Studien hier haben die Entwicklung der Erneuerbaren Energien eben nicht überschätzt, sodass die Wirklichkeit schlechter aussähe, wie Sie behaupten – ganz im Gegenteil wurde die Entwicklung besonders bei der Photovoltaik, aber auch insgesamt stark unterschätzt.
 
Sogar die Grünen haben in ihrem Energiewende-Szenario von 1996 die Möglichkeiten der Erneuerbaren Energien nicht etwa zu positiv dargestellt, sondern massiv unterschätzt: Sie gingen für 2020 von einer installierten Leistung von 56,2 GW und einer Stromproduktion von 146 TWh aus – in der Realität waren es dann 126,9 GW installierte Leistung bzw. 239,4 TWh öffentliche Stromerzeugung.
 
Insgesamt frage ich mich da, woher Sie Ihre Idee haben, dass „Befürworter der Energiewende“ immer zu positive Prognosen hätten und immer wieder die Ziele verschieben würden. Haben Sie dafür gezielt unseriöse, wenig wissenschaftliche Prognosen gesucht, die mir bei dieser Suche nicht begegnet sind? Oder haben Sie das gleich völlig frei erfunden?
 
Aber anderen werfen Sie vor, nur auf ein „bequemes Feindbild“ hin zu argumentieren. Schon klar.
 
————————————————–

Schließlich noch dieser Punkt:

Zitat: „Wir schaffen es nicht einmal, die 20,5 GW gesicherte Leistung der alten Kernkraftwerke vom Stand Anfang der 2000er-Jahre zu 100 % durch EE zu ersetzen“

Da habe ich zuerst gestutzt, Zahlen rausgesucht und gedacht: „Hä? Wieso? Die Stromproduktion aus Kernenergie betrug z.B. im Jahr 2002 156,3 TWh. Die Produktion aus Erneuerbaren ist seitdem bis 2024 aber von 44,2 TWh auf 259,6 TWh gestiegen. Wir haben mit dem Zuwachs von 215,4 TWh den Beitrag der Kernenergie also längst mehr als ersetzt.“ Wobei ich auf die Stromproduktion statt auf die installierte Leistung geschaut habe, weil mir klar ist, dass der Vergleich bei letzterer nicht sinnvoll ist, weil ein Großteil der Erneuerbaren im Gegensatz zur Kernenergie volatil ist, also die (heute) um ein vielfaches höhere installierte Leistung der Erneuerbaren nicht im entsprechenden Maße zur Stromproduktion beiträgt.

Und bei diesem Punkt habe ich dann gemerkt, dass das entscheidende Wörtchen bei Ihnen die „gesicherte“ Leistung war. Und ja, damit haben Sie natürlich im Prinzip recht – Wind und Sonne sind volatil, können also nicht in dem Maße „gesicherte“ Leistung bereitstellen wie Atomkraft im Normalbetrieb. Nur stellen Sie damit einen Anspruch an die Erneuerbaren, die diese rein technisch nicht erfüllen können – was aber auch niemand behauptet. Dieses Problem ist allen Befürwortern der Energiewende selbstverständlich bekannt, deswegen reden wir ja von Speichertechnologien usw. und bauen diese aus.
Das Argument ist ungefähr so sinnvoll, als würden Sie in einer Diskussion über Autoverkehr auf Fernstrecken und dessen Ersatz durch die Eisenbahn anführen, dass man mit der Eisenbahn nicht bis vor die eigene Haustür fahren kann: Technisch gesehen richtig, weiß aber auch jeder Eisenbahnfreund und überlegt sich für die letzten Meter deswegen andere Möglichkeiten.

Wobei es mit der „gesicherten“ Leistung ja auch nicht immer weit her ist. Die Entdeckung von Korrosionsproblemen, Kühlwassermangel bei warmem Wetter, einmal – hört sich wie ein Witz an, ist aber keiner – Quallenschwärme haben im von Atomkraftwerkbefürwortern gepriesenen Frankreich in den letzten Jahren dazu geführt, dass auch Atomkraftwerke ungeplant stillstehen mussten. 2022 stand – teils geplant, teils ungeplant – die Hälfte der franzsischen AKWs still.

paule t.
paule t.
2 Monate zuvor

Nachtrag: Quelle für alle von mir genannten Zahlen ist die Seite „Energy Charts“.
https://energy-charts.info/index.html?l=de&c=DE

Entitaet
Entitaet
2 Monate zuvor

To: paule t.

Danke für deine Antwort. Ich versuche, auf möglichst viele deiner Punkte sachlich einzugehen und die von mir intendierte Grundfragen klarer zu erläutern. zu erläutern.

1. Zum Vorwurf des Moralisierens und „ideologischen Werkzeugkastens“:

Wenn ich auf Moralisierung, Etikettierung oder Feindbildpflege hinweise, dann zuerst nicht, weil ich dir persönlich eine solche Haltung direkt unterstelle, sondern weil ich mich auf ein wiederkehrendes und auch von dir und 68er hier im Ansatz vertretenes Muster in der öffentlichen Debatte beziehe. In diesem Muster werden technische und ökonomische Probleme häufig „moralisch gerahmt“ („extrem unterkomplex“ sei hier als Beispiel genannt).

Dass du selbst nicht so argumentieren willst, begrüße ich ausdrücklich. Es ändert aber nichts daran, dass diese Muster nachweislich im öffentlichen Diskurs existieren und die inhaltliche Auseinandersetzung erschweren.

Mein Hinweis zielte also auf den Stil der öffentlichen Debatte, nicht auf dich als Person.

2. Warum der Verweis auf korrekt unterbotene Prognosen zum Anteil der EE an installierter (Spitzen-)Leistung nicht die eigentliche (Kern-)Fragen trifft

Weder habe ich behauptet, dass die Prognosen zum Anteil der EE falsch waren (tatsächlich waren sie sogar vor über 20 Jahren zu niedrig, wie von dir korrekt beschieben), noch – und das ist entscheidend – darf es in erster Linie darum gehen, wie hoch der Anteil der variablen EE am Primärenergieverbrauch pro Jahr ist.

Es geht vordringlich um den Rückgang der Treibhausgasemissionen und dann geht es um die dafür erforderlichen Kosten, d. h. den möglichst schnellen Rückgang der Treibhausgasemissionen zu ermöglichen. Selbst wenn wir aktuell einen Anteil von 65 % oder mehr am Endenergieverbrauch nur von elektrischen Strom hätten, gleichzeitig aber eine viel zu hohe Emission von Treibhausgasen, wäre das Ziel der Energiewende eben so schlecht wie es ist.

Folglich kann man mit Bezug aus die Zielerreichung hierzu von verfehlt sprechen.

Mir ging es um die vielen verfehlten und falschen Prognosen zu diesen beiden Zielen, also die berühmte „Kugel Eis pro Monat“ von Jürgen Trittin sei an dieser Stelle als ein herausragendes Beispiel einer von mir gemeinten falschen Prognose zum Thema genannt. Auch die seinerzeit verfehlten Prognosen zu den Zulassungszahlen von (reinen) E-Automobilen könnte ich als Beispiel nennen, aber darum ging es mir gar nicht, denn diese verfehlten Detail-Prognosen sind ja nicht ursächlich verantwortlich für die zuvor genannten falschen Prognosen zu den Treibhausgasemissionen und den Kosten der Energiewende, sondern Ausdruck vollkommen falscher Erwartungen, die seinerzeit geweckt wurden.

Die wesentlichen Ergebnisse von über 20 Jahren Energiewende in Deutschland sind folglich zu hohe Stromkosten (meistens war und ist Deutschland hier Spitzenreiter in Europa) und gleichzeitig zu hohe Treibhausgasemissionen.

Deutschland benötigt als (Noch-)Industrieland aber zuverlässige, nachhaltige, bezahlbare und damit exportierbare Technologien, die auch den künftig weiter steigenden Energiebedarf der Welt mit deutlich geringeren CO₂-Emissionen befriedigen. Technisch-physikalisch formuliert: Energie ist eben zwingend notwendig, um den Anstieg der Entropie zu verringern. Nur wie soll das in Deutschland unter den aktuellen Randbedingungen erfolgreich gelingen?

3. Energie vs. Leistung: Warum Durchschnittswerte das Kernproblem verfehlen

Eine wichtige technische Erläuterung voweg:
Die Stromerzeugung muss dem Stromverbrauch Minute für Minute exakt folgen. 

Die Bemerkung im meinen Antwortkommentar oben zum Ersatz der 20,5 GW gesicherten Leistung zielte genau auf diese Tatsache und letztlich hast du auch die entscheidenden zwei Wörter gelesen, aber hast du dir wirklich klar gemacht, was sie im Ergebnis bedeuten?
Wenn du beispielsweise schreibst, Zitat, „Tatsächlich hatten wir schon 2024 eine produzierte Strommenge aus Erneuerbaren Energien in Höhe von 259,6 TWh/Jahr (öffentlich) bzw. 276,7 TWh/Jahr (gesamt)“.
Du machst hierbei einen typischen Fehler, denn du argumentierst mit Mittelwerten der geleisteten Arbeit (=Energie) und versuchst so, einen großen Erfolg der EE zu belegen. Wichtiger Hinweis von mir: Natürlich ist der Ausbau der EE in Deutschland hinsichtlich der erreichten installierten (Spitzen-)Leistung ein Erfolg. Jeder, der das bestreiten würde, hat entweder Tomaten auf den Augen und hält sich die Ohren zu oder ist schlicht ignorant.
Dein Vergleich, Zitat,
„Das Argument ist ungefähr so sinnvoll, als würden Sie in einer Diskussion über Autoverkehr auf Fernstrecken und dessen Ersatz durch die Eisenbahn anführen, dass man mit der Eisenbahn nicht bis vor die eigene Haustür fahren kann: Technisch gesehen richtig, weiß aber auch jeder Eisenbahnfreund und überlegt sich für die letzten Meter deswegen andere Möglichkeiten.“
ist ein Vergleich, der weder passt, noch richtig ist: es geht ja übertragen auf die Energieversorgung eines ganzen Landes nicht darum, mit dem umweltfreundlicheren Verkehrsmittel Eisenbahn direkt bis vor die Haustür zu fahren, sondern es geht darum, dass beispielsweise in der Nacht oder bei ungünstigen Wetterlagen die Eisenbahn mangels ausreichender umweltfreundlicher Energielieferung stehenbleibt und ich als Fahrgast wieder auf ein umweltschädlicheres Verkehrsmittel umsteigen muss. 

4. Speicher – stationäre Batteriespeicher

Unsere Speicherkapazitäten sind aktuell bekanntlich auf ca. 30 Minuten bei Normallast bis maximal 60 Minuten bei Schwachlast begrenzt. Daran wird der geplante Ausbau der stationären Batteriespeicher bis 2035 nur relativ wenig ändern. Schau dir die Zahlen an. Übrigens gibt es zum Ausbau der stationären Batteriespeicher eine schöne Studie vom Fraunhofer-Institut, die verdeutlicht, über welche Zahlen wir hier reden, Hier also der Tipp von mir: Zu diesem Thema weniger auf Kolumnisten in den Mainstreammedien („Batterie-Tsunami“) als auf die Fachleute (z. B. auf den von mir geschätzten Daniel Bleich hier im Blog) hören.
Das ist übrigens im obigen Artikel von Stefan Laurin auch exakt die Kernbotschaft, und diese Botschaft ist vielleicht unangenehm für bestimmte Zeitgenossen, ganz sicher aber ist sie nicht unterkomplex. 
Ein weiteres Zitat von dir:
„Indem der Artikel sich nur auf Batteriespeicher fokussiert; verengend so tut, als sollten nur diese die Volatilität von Wind und Sonne ausgleichen; und darauf dann das Urteil stützt, dass diese Speicher nicht viel nützen, weil sie keine fünftägige Dunbkelflaute ausgleichen können.“

Das ist zunächst deine Interpretation, dass der Artikel so tut, dass nur Batterie-Speicher die Volatilität von Wind und Sonne ausgleichen sollen. Nein, Stefan Laurin zeigt knapp und korrekt auf, dass Batterie-Speicher 1. sehr teuer sind und 2. die Energiewende nicht retten. Er räumt also mit dem Vorurteil auf, dass bestimmte Kolumnisten (s. o.) zu diesem Thema gerne verbreiten. Nicht mehr und nicht weniger. Der Rest ist reine Interpretation. Zwischen den Zeilen des Stefan Laurin-Beitrags steckt natürlich auch Kritik, aber meine Zeilen hier verdeutlichen hoffentlich, dass er mit dieser stillschweigenden Kritik weitgehend richtig liegt.

Noch eine Stellungnahme zu einem Zitat von dir, Zitat, „In den wenigen Zeiten, in denen über längere Zeit Wind- und Solarstrom nur sehr wenig zur Verfügung steht, müssen in einer zukünftigen CO₂-neutralen Stromversorgung alle Speichermedien gemeinsam übernehmen, zusammen mit gesteuertem Verbrauch. In diesen Phasen reichen Pumpspeicher und Batteriespeicher, die im ganzen Jahresverlauf kleinere Schwankungen wie tageszeitliche Schwankungen übernehmen können und dabei sehr effektiv sind, eben nicht aus, sondern man muss dann halt auch andere, teurere und weniger effektive Möglichkeiten nutzen, von denen ich ja mehrere nannte.“
Ich habe fast alle deiner erwähnten Punkte in meinem Kommentar oben kommentiert, also Pumpspeicher, große und kleine Batteriespeicher, verstärkter Energiehandel mit den europäischen Nachbarn inkl. Wasserkraft aus Stauseen, wiederum auch in den Nachbarländern. Die nicht explizit erwähnten Punkte habe ich wie folgt kommentiert:
„Das sind alles nette, kleine Bausteine, die jedem echten Experten längst bekannt sind. Doch sie ersetzen keine gesamtenergetische Betrachtung.“

Zu den von mir erwähnten Studien im Netz: Du bist mit ChatGPT vertraut und es sollte dir folglich leicht fallen, die von mir erwähnten Studien schnell zu finden. Ich kenne aus dem Gedächtnis mindestens drei verschiedene Studien, die die von mir erläuterten Probleme hinsichtlich einer gesamtenergetischen Betrachtung aufzeigen. Falls du sie nicht finden solltest, melde dich und ich schaue nach und verlinke sie in einem weiteren Kommentar hier.

Zum Ausfall der französischen Kernkraftwerke im Jahr 2022 folgende Ergänzung:
Der große Ausfall 2022 ging primär von geplanten Wartungen, Inspektionen und verlängerten Stillständen, nicht von spontanen, ungeplanten Pannen etc. bei „der Hälfte“ der französichen Kernkraftwerke aus.
Geplante Ausfälle („planned“) 2022: 8.287 Tage ≈ 148 Tage pro Reaktor

Ungeplante Ausfälle („forced“) 2022: 278 Tage ≈ 5 Tage pro Reaktor
Siehe Report-2023 – The World Nuclear Industry Status Report 2023 (HTML):
https://www.worldnuclearreport.org/The-World-Nuclear-Industry-Status-Report-2023-HTML.html#_idTextAnchor144
Daraus folgt, dass 2022 nur der durchschnittl. Anteil der geplanten Ausfalltage über dem Durchschnitt der letzten Jahre lag, aber nicht der durchschnittl. Anteil der ungeplanten Ausfalltage.

Tipp an dich: Künftig besser, d. h. sorgfältiger recherchieren.

5. Argumente zu einigen meiner vier Kernvorwürfe im obigen Kommentar

Ich will abschließend noch einige Argumentationen zu einigen meiner vier Kern-Vorwürfe an die Hardcore-Energiewende-Fraktion oben in meinem Kommentar anhand von bestimmten Hintergrundinformationen verdeutlichen.

Zu Kosten: egal:
Der starke Zubau an PV-Anlagen löst(e) bei vielen Menschen Freude aus. Nur vergessen die meisten, dass der gesamtwirtschaftliche Wert der zusätzlichen Solarmodule oft nicht nur effektiv nichts bringt, sondern sogar negativ ist. 
Denn diese Anlagen (typ. Balkon- und kleinere PV-Module) speisen um die Mittagszeit, also wenn die Sonne am stärksten scheint, ungesteuert Strom in die untere Netzebene (230/400 V) und erhöhen damit das Überangebot zu dieser Tageszeit. 
Auch die vielbeschworenen Batteriespeicher in den Kellern von Ein- oder Mehrfamilienhäuser ändern daran nichts oder nicht viel, weil die an sonnenreichen Tagen ziemlich schnell voll sind und dann diese gespeicherte Energie in Form von elektrischen Strom ohne Steuerungsmöglichkeit des Verteilnetzbetreibers (Stichwort: intelligente Stromzähler, so genannte Smart Meter) ins Netz abgeben. Zwar besteht seit Januar 2025 eine Einbaupflicht für Haushalte mit einem Stromverbrauch über 6.000 kWh pro Jahr oder einer Photovoltaikanlage ab 7 kW installierter Leistung, aber das ist eben nicht die typische mittlere Haushaltsgröße (liegt bei ca. 3.500 kWh) in Deutschland. Haushalte mit geringerem Verbrauch können sich aktuell freiwillig einen Smart Meter installieren lassen. Nur wer oder besser wie viele Leute werden das unter diesen Bedingungen auch machen? Denn dazu kommen nämlich Kosten, die je nach Einzelfall und Messstellenbetreiber variieren und zwischen 30 und 140 Euro pro Jahr liegen können, wobei es je nach Verbrauch auch Ausnahmen geben soll.
Die Folge: Die Verteilnetzbetreiber müssen sehr viel Geld für den Ausbau der Verteilnetze ausgeben. Das ist aber ein Zubau, der für das gesamte Stromnetz in Deutschland nicht netzdienlich ist. Die Frage bleibt: Wie muss dieser Zustand geändert werden?
Gemäß EEG muss den Betreibern von Solaranlagen ein gesetzlich garantierter, fester Abnahmepreis für ihren eingespeisten Strom gezahlt werden. Und zwar auch dann, wenn der Strompreis wegen des Überangebots gerade negativ ist – also der Netzbetreiber muss dann andere dafür bezahlen, dass sie ihm den überschüssigen Strom abnehmen. Für diese Subvention kommen letztlich andere Stromkunden auf. Das bedeutet im Endeffekt, dass Menschen mit geringem oder knapp durchschnittlichem Einkommen in einer Mietwohnung für die Solaranlage auf dem Einfamilienhaus des Besserverdieners zahlen. Ein superiores Ergebnis, oder …?

Was kann oder besser muss hier geschehen?
Ende der Beihilfen für Photovoltaik mindestens bei Eigentümern/Besitzern von Einfamilienhäusern, weil sich Photovoltaik gerade für Hausbesitzer auch ohne Subventionen rechnet.
Aber fordere das einmal öffentlich, und du wirst (noch) einen Shitstorm von bestimmter Seite (ich nenne diese Fraktion bekanntlich Hardcore-Freunde der Energiewende) ernten.

Aus einer Wiso-Sendung im ZDF aus diesem Jahr: „Denn ohne preiswerte grüne Energie, keine Wärmewende, kein Verkehrswende, keine Wasserstoffwende.“

Nur wo ist die so genannte preiswerte grüne Energie in Deutschland? Warum sind die Preise in Strom für Deutschland weltweit Spitze? Und … und … und.

Zu Technik: egal / Kosten: egal:
Wie kann man auf die Idee kommen, insbesondere in einer veränderten Energiesituation in Europa wie seit Mitte bis Ende der 2010er-Jahre und spätestens mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine die Idee zu verwirklichen, voll funktionsfähige und zudem klimaneutrale Kraftwerke stillzulegen und abzureißen?
Die große politische Chance inmitten eines in Europa herrschenden Krieges nicht genutzt zu haben, die deutschen Kernkraftwerke länger am Netz zu lassen, wird insbesondere der Partei der Grünen noch lange anhängen (gemäß Verlautbarungen hatte Habeck dem wohl zugestimmt, konnte sich aber ggü. seiner Partei/Fraktion nicht durchsetzen). Aber daran sieht man eben auch, dass es gerade dieser Partei offenbar überhaupt nicht um die schnelle Verringerung der Treibhausgase geht. Es geht vordringlich um Ideologie, leider.

Das Solarspitzengesetz ist seit dem 25. Februar 2025 in Kraft und regelt die Einspeisung von Solarstrom aus neuen Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen), um das Stromnetz vor Überlastung (s. o.) zu schützen. Es führt technische und regulatorische Änderungen ein, wie z. B. eine Einspeisebegrenzung von 60 % für Anlagen kleiner als 100 kWp und die Notwendigkeit, den Eigenverbrauch zu steigern. Ziel ist es, negative Strompreise zu vermeiden und die Stabilität des Netzes zu sichern. Es sollte klar sein, dass hiermit die zuvor beschriebenen Mängel allenfalls notdürftig und unzureichend repariert werden. Weil dieses Gesetz unter der Ampel-Regierung verabschiedet wurde, kann man festhalten, dass inzwischen offenabr auch wichtige Teile der Grünen begriffen haben, dass es so wie bisher nicht zielführend ist mit der Energiewende.

Zu Inhalte: egal:
In den 1980er-Jahren wurde in Hamm in NRW mit dem Spruch Für ökologische Kohletechnologie statt Atomkraft in NRW geworben.
Quelle:
https://www.machtvonunten.de/atomkraft-und-oekologie.html?view=article&id=67 

Warum erwähne ich das? Es zeigt deutlich den Ideologiecharakter innerhalb der Partei der Grünen. Damals war alles gut/„ökologisch“, was nicht „Atomkraft“ war. Auch waren die Grünen in der rot-grünen Regierung unter Schröder bereit, insbesondere Kohlekraftwerke und Gas als Backup für den Aufbau der EE zu nutzen, ohne irgendeine Idee zur Lösung des Speicherproblems zu haben; damals und auch noch einige Jahre nach der Schröder-Regierung hat kein Politiker der Grünen oder der SPD über Batteriespeicher oder andere Speichertechnologien gesprochen. Ich erwähne das um zu zeigen, dass insbesondere seitens der Hardcore-Energiewende-Fraktion immer neue Erzählungen zur Begründung der Energiewende und zum Verschieben der zwei Kernziele Kosten und Treibhausgasemissionen vorgebracht werden. Das Prinzip kann man übrigens auch sehr schön an den beiden Themen „Dunkelflaute“ und „Blackout in Spanien“ nachvollziehen.

Kurzum: Unilateralismus bei der deutschen Energiewende (Ausstieg aus Kernkraft und fossilen Energieträgern) führte in der Praxis effektiv betrachtet zu nichts, außer moralischen Effekten, Appellen etc. Ich verlinke unten einen Vortrag von Hans-Werner Sinn vom 16. Dezember 2013 – also vor ca. 12 Jahren – im ifo-Institut in München mit dem Titel Energiewende ins Nichts.
Im Vortrag erwähnte Hans-Werner Sinn u. a. die Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit aus dem betr. Gutachten aus dem Jahr 2004 mit dem Titel Zur Förderung erneuerbarer Energien:
„Sobald ein funktionierender -Emissions-Lizenzmarkt etabliert ist, wird das EEG ein höchst ineffizienter und letztlich wirkungsloser Versuch, das Weltklima zu schützen. Es sollte dann im Interesse von ökonomischer Rationalität und ökologischer Vernunft abgeschafft werden.“

Im Vortrag erläutert er zudem eindrücklich, prägnant, technisch korrekt – für einen Wirtschaftwissenschaftler durchaus bemerkenswert, insbesondere wenn man das mit Aussagen anderer Vertreter_[Pause]Innen seiner Zunft vergleicht – und nachvollziehbar, was es bedeutet die ca. 21 GW hohe gesicherte und in relevanten Grenzen steuerbare elektrische Leistung durch erneuerbare Energien und hier insbesondere durch die so genannten vEE Photovoltaik und Windkraft zusammen mit Speichern zu ersetzen. 
Die am Ende seines Vortrags geäußerte und mittlerweile fast 12(!) Jahre alte Prognose lautet, dass wir in Deutschland zukünftig Kernenergie aus anderen europäischen Ländern importieren werden. Aktuell ist es exakt so gekommen, wie von ihm damals vorhergesagt, im Gegensatz zu allen Prognosen seinerzeit von Leuten aus der Hardcore-Energiewende-Fraktion. Also eine weitere falsche Prognose dieser Fraktion, die ich oben gemeint habe.
URL Vortrag:
https://www.youtube.com/watch?v=jm9h0MJ2swo

Interessanter Nebenaspekt: Wenn die Kamera das Publikum zeigt, kann man mehrmals Monika Schnitzer in der vorderen Reihe deutlich erkennen. Wenn ich einige ihrer Aussagen zur Energiewende höre oder lese (s. Link unten), frage ich mich immer, ob sie den Vortrag ihres damals noch aktiven Kollegen entweder nicht verstanden oder ob sie eine eigene Agenda zum Thema hat. Ich tippe stark auf Letzteres. Siehe beispielsweise hier:
https://www.zeit.de/2025/43/energiepolitik-deutschland-abhaengigkeit-china-usa-industriepolitik

Zu Inhalte: egal / Kosten: egal:
Das EEG ist ein Beispiel für zu teure und hochgradig ineffiziente Klimapolitik. Als solche ist es in keiner Weise geeignet, internationale Lösungen voranzubringen. Im Gegenteil: Indem es die Kosten für den Klimaschutz in die Höhe treibt, verringert es den Spielraum für mehr Klimaschutz innerhalb der EU und macht Klimaschutz für Entwicklungs- und Schwellenländer noch weniger attraktiv, als er schon ist.
Quelle:
https://www.wirtschaftsdienst.eu/inhalt/jahr/2013/heft/11/beitrag/rettet-die-energiewende-warum-eigentlich.html

Unter Ökonomen gilt weitgehend als Konsens, dass unter dem Dach des europäischen Emissionshandels ein nationales Vorpreschen kein zusätzliches CO₂ spart, da die freiwerdenden Emissionsberechtigungen in diesem Fall von anderen Ländern billig übernommen werden. Experten sprechen dabei vom sogenannten Wasserbetteffekt.
Um zu vermeiden, dass CO₂-Einsparungen in Deutschland aufgrund des so genannten „Wasserbetteffekts“ zu 1. steigenden Emissionen im europäischen Ausland führen, muss 2. ein solcher CO₂-Preis in die europäische Klimapolitik eingebettet sein. 
Der Wasserbetteffekt beschreibt eine Schaukelbewegung, die durch die Praxis des europäischen Emissionshandels (ETS) ausgelöst wird: Wenn Deutschland seine Emissionen reduziert, sinkt auch die Nachfrage nach ETS-Zertifikaten, wodurch diese bei gleichbleibender Menge billiger werden. 
Das wiederum lässt die Nachfrage der anderen Länder nach Zertifikaten steigen, was letztendlich den Kohle- und Gasverbrauch dort und damit auch die CO₂-Emissionen wieder in die Höhe treibt. 
Dieser Effekt kann durch eine entsprechende Stilllegung der ETS-Zertifikate vermieden werden. Das ist aber erst dieses Jahr erstmals geschehen und verdeutlicht eben auch, was ich mit dem zu langsamen Rückgang der Treibhausgase meine.
Hier einige Links dazu:
https://www.welt.de/wirtschaft/weltplus/plus256327838/weltenergierat-erfolgloses-live-experiment-das-harte-experten-urteil-ueber-deutschlands-energiewende.html
https://www.beschaeftigte.uni-stuttgart.de/uni-aktuell/meldungen/kopernikus-projekt-enavi-/index.html
https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/deutschland-loescht-ueber-500000
https://www.klimareporter.de/europaeische-union/der-emissionshandel-funktioniert-oder-auch-nicht

Noch ein Hinweis zu den Zertifikatspreisen:
Der ansteigende Energieverbrauch in Verbindung mit einem steigenden Gaspreis in der EU führte wegen des russischen Angriffskrieges in der Ukraine in der Folge zu einem neuen Allzeithoch. Aufgrund der hohen Gaspreise wurde verstärkt auf Kohleverstromung zur Erzeugung von Energie zurückgegriffen. 
Da Kohlestrom doppelt so kohlenstoffintensiv ist wie Gasstrom, stieg die Nachfrage nach Zertifikaten bis 2022 erheblich an.
https://www.ey.com/de_de/insights/decarbonization/eu-ets-wie-stark-steigen-die-co-preise-bis-2030

Torsten Maus, Vorsitzender der Geschäftsführung der EWE Netz (Verteilnetzbetreiber im Nordosten Deutschland) in einem NDR-Beitrag (URL s. unten): „Also das hat sich dramatisch verändert. Um Ihnen eine Dimension zu geben: Wir haben vorletztes und fast auch letztes Jahr beinahe so viele neue Anlagen an das Netz gebracht, wie im ganzen Jahrzehnt in Summe zuvor.“
https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama3/meldungen/Herausforderung-Energiewende-Strom-wegwerfen-statt-nutzen,wohinmitdemstrom100.html

Im genannten NDR-Beitrag wird auch erwähnt, dass infolge des mangelnden Netzausbaus in 2023 ca. 4 Prozent des EE-Stroms abgeregelt, d. h. nicht produziert wurden. Allein diese 4 Prozent zu speichern ist aktuell eine Riesenherausforderung hinsichtlich Kosten und Netzstabilität.

Volker Ebeling sagte in einem Interview mit Welt zum Thema Importquote von Wasserstoff: 
„Auch bei einer steigenden Eigenerzeugung von erneuerbaren Energien und von Wasserstoff wird Deutschland weiterhin ein Energie-Importland bleiben. 
Zwischen 50 und 70 Prozent des erneuerbaren Wasserstoffs wird Deutschland künftig importieren müssen. … Bei einem Importanteil von 50 Prozent des erwarteten Wasserstoffbedarfs reden wir über eine Million Tonnen Wasserstoff, die eingeführt werden müssen.“
https://www.welt.de/regionales/hamburg/article68a4746cce696d388164240f/wasserstoff-es-gab-so-etwas-wie-eine-goldgraeberstimmung-und-damit-auch-eine-gewisse-naivitaet.html

Das ist die neue Abhängigkeit, in die wir uns mit großer Sicherheit werden begeben müssen, wenn wir unser Hauptziel Verringerung der Treibhausgasemissionen möglichst im gesteckten Rahmen erreichen wollen.

Ich konnte hoffentlich verdeutlichen, worum es mir in meinem sehr pointierten Kommentar oben vor allem geht.

Abschließende Bemerkung: Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass bei vielen Freunden der Energiewende „der utopische Überschuss, also der unbedingte Drang, die Welt besser zu machen“ ein wesentliches Motiv ihres Handelns und Denkens ist. Nur darf das nicht den Blick auf die Realitäten versperren.

Werbung