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Dortmund: Stüdemann gegen Zwischennutzung durch Künstler

Noch verhandelt die Initiative für ein Unabhängiges Zentrum (UZ) mit der Stadt Dortmund und ECCE über die Zwischennutzung leerstehende  Gebäude durch junge Künstler. Die Gespräche können eingestellt werden. Dortmund Kulturdezernent Jörg Stüdemann ist gegen eine Zwischennutzung städtischer Immobilien durch Künstler.

Das machte Stüdemann, zugleich Kulturdezernent und Kämmerer in einem Schreiben an die CDU-Fraktion deutlich. Den Christdemokraten hatte wie auch den Grünen die Vorstellung gefallen, leerstehende städtische Gebäude Künstlern zur Verfügung zu stellen. Auf eine entsprechende Anfrage der CDU reagierte Stüdemann nun eher harsch:

Grundsätzlich ist festzustellen, dass der bebaute, frei vermarktbare Immobilienbestand der Stadt (also die Immobilien des sachzielfreien Allgemeinen Grundvermögens) nur dann einen Leerstand aufweist, wenn dadurch eine Verbesserung der Vermarktungssituation zu erreichen ist, da diese Situation eine Eigenbedarfsnutzung durch den Erwerber erleichtert. Im Umkehrschluss reduziert eine Nutzungsüberlassung die Vermarktungschancen bzw. den erzielbaren Kaufpreis. Alternativ ist der Leerstand darin begründet, dass der bauliche Zustand eine Vermietung nicht mehr zulässt und daher Investitionen vorgenommen werden müssten, die in keinem wirtschaftlichen Verhältnis zu den bei einer Neuvermietung erzielbaren Einnahmen stehen.

Tja, mit diesem Denken wäre die Zeche Carl in Essen, an deren Aufbau Stüdemann als junger Mann beteiligt war, wohl nie zu einem soziokulturellen Zentrum geworden. Wobei man eine alte Erkenntnis der Neuen Frankfurter Schule variieren kann: Die größten Kritiker der Elche, werden später selber welche. Das ablehnende Fazit Stüdemanns:

Aus den vorgenannten Gründen kann zumindest aus liegenschaftlicher Sicht eine Nutzungsüberlassung von leerstehenden Infrastrukturimmobilien und bebauten Besitzungen des Allgemeinen Grundvermögens an Kulturinitiativen nicht empfohlen werden.

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9 Kommentare zu “Dortmund: Stüdemann gegen Zwischennutzung durch Künstler

  • #1
    Malte

    Das Leben als Künstler:

    Die Brille gefunden, der Mantel geklaut

    Die Rechnung läßt stunden,der Knappen gekaut.

    So könnte man sagen ,auch wenn’s keiner glaubt.

    Das Leben als Künstler, hat manche Moral schon mächtig versaut.

    Kein Geld in der Tasche,kein Geld auf der Bank,

    im Bett nur die Flasche,im Keller kein Tank.

    So war es schon immer, immer wird es so sein

    das Leben als Künstler, ist des öfteren spannend

    aber meist garnicht so fein

    „kybernetikon.de/Weltraumaffe“
    http://kybernetikon.de/

    ….ich wiederhole mich halt gerne 😉

  • #2
    crusius

    „Sachzielfrei“ (ein Wahnsinnswort!) sind wohl nicht nur Teile des „Allgemeinen Grundvermögens“, sondern allem Anschein nach auch Kulturpolitiker im Ruhrgebiet. Während jedoch beim gemeinen Immobilienspekulanten wirtschaftliche Motive im Vordergrund stehen dürften, darf man bei der Zwischennutzung städtischer Immobilien nicht vergessen, daß das ja auch Arbeit macht, Haftungsfragen aufwirft etc. – Ungemach, das sich eine Verwaltung, die ja existiert, um Risiken zu vermeiden, gerne vom Hals hält, erst recht, wenn man mit der Anforderung, einen – vornehm ausgedrückt – „Altbau“ kunst-fertig zu renovieren, in letzter Zeit eher schlechte Erfahrungen gemacht hat.

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  • #4
    marcelbriegwitz

    Sicher hat Stüdemann recht, wenn er sagt, eine Zwischennutzung reduziere die Vermarktungschancen einer Immobile, da sie Verkäufe blockiere und nicht genug Einnahmen für benötigte Sanierungsmassnahmen erziele.
    Aber hier greift er zu kurz:
    Die Stadt muss gerade jetzt den kulturellen Akteuren unter die Arme greifen,
    etwa mit Beratungsangeboten zur kulturökonomischen Professionalisierung und Businessplan-Erstellung.Denn nur mit handfesten Konzepten ergibt sich die Perspektive einer Aufwertung des gesamten Umfelds.
    Nutzen statt besetzen – alles andere ist von gestern.

    briegwitz.ifuk.org

  • #5
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Marcel: Stüdemann hat nicht Recht. Zwischennutzung ist eine Möglichkeit den Wert einer Immobilie und den Wert der Immobilien in ihrem Umfeld zu erhöhen – und das auf verschiedensten Wegen.

    1. NKF: Ein leerstehende Immobilie hat in der Dortmunder Nordtstadt im schlechtesten Fall den Wert „Bodenrichtpreis Minus Abrisskosten“. Da bleibt nicht mehr viel übrig. Ein aktiv genutzte Immobilie könnte allein durch ihren höheren Buchwert der Stadt im Rahmen der Doppik höhere Spielräume bei der Finanzierung gegen.

    2. Markenbildung: Eine von Künstlern genutzte Immobilie kann eine Marke werden – wichtig für die Vermarktung weiterer Immobilien in ihrem Umfeld. Die Markenbildung von Immobilien ist ein wichtiger Wertsteigerungsaspekt. Muss nicht immer klappen, kann aber klappen. Und die Dortmunder PR-Maschine ist eigentlich gut geölt und in der Lage so etwas zu kommunizieren.

    Zwei kurze Aspekte die zeigen, das Stüdemann auch unter immobilienwirtschaftlichen Gesichtspunkten eher oberflächlich argumentiert.

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