Flüchtlinge, Geflüchtete oder Subjekte mit positivem Status des Geflüchtetseins?

Ist man schon „geflüchtet“, wenn die Schuhe das Festland erreicht haben? Quelle: Flickr.com, Foto: Stefanie Eisenschenk,CC BY 2.0

Es ist noch nicht lange her, dass ich erstmals die These hörte, das Wort „Flüchtling“ sei diskriminierend und solle durch „Geflüchteter“ ersetzt werden. Solche Vorwürfe erfahren viele Begriffe, aber hier scheint mir der Vorschlag ganz besonders rasant und mit besonders servilem Eifer umgesetzt zu werden. Wenige Jahre, nachdem diese Behauptung in die Welt gesetzt wurde, kann es einem bereits passieren, dass man im Internet ermahnt wird, wenn man „Flüchtling“ sagt.

Ich gehöre nicht zu den Leuten, die den Wandel von Sprache leugnen, oder die unter Vorspiegelung linguistischer Argumente ihr Recht auf Diskriminierung verteidigen wollen. Ich lerne dazu und bin offen und passe meinen Sprachgebrauch an. Das heißt allerdings nicht, dass ich im Umkehrschluss alles mitmache, mit dem sich irgendjemand als besonders erweckt darstellen will. Das bezieht sich nicht bloß auf vermeintlich „politisch korrekte“ Sprache. Ich reagiere genauso allergisch, wenn die Menschen unreflektiert Werbedeutsch übernehmen und Sachen sagen wie: „Ich gönne mir jetzt einfach mal das Premiumprodukt.“ Oder wenn Journalisten allen Ernstes und ohne Anführungszeichen das euphemistische Ungetüm „Nichtbleibeperspektive“ benutzen. Ich halte es grundsätzlich für sinnvoll, sprachliche Autonomie zu bewahren und die Kontrolle über die Wörter, in denen ich denke, nicht an andere abzugeben. Und ich wundere mich über die Kritiklosigkeit, mit der viele Leute sprachliche Moden annehmen und dann Sachen sagen wie: “Gefühlt ist das zum jetzigen Zeitpunkt keine Option.”

Ich bin überzeugt, dass Sprache sich wandelt (absurd, das überhaupt anzuzweifeln), aber ich glaube auch daran, dass dies ein langsamer und organischer Prozess ist und dass dabei ehrliche, brauchbare, menschliche Begriffe herauskommen können oder aber verschwurbelte Bürokratensprache, die zu Entfremdung und Missbrauch einlädt. Es gibt gute Wörter, die mit starken Bildern verknüpft sind, die uns sehr natürlich vorkommen, die zu einer lebendigen Sprache beitragen. Und es gibt solche, die verschleiern, abstrahieren, verkomplizieren. Ich kann „Brief“ sagen oder „Schriftstück“, „Musik“ oder „akustische Untermalung“, “Hoffnung” oder “positive Perspektive”, „Obdachloser“ oder „Wohnsitzloser“.

Bleiben wir bei dem letzten Beispiel: Früher sagte man auch „Penner“. Das ist fraglos diskriminierend. Der Obdachlose hingegen ist zwar etwas sperriger, aber vermittelt dennoch ein starkes Bild. Ein Mensch ohne Obdach muss eigentlich Mitgefühl auslösen, wenn man nicht völlig empathielos ist. Dennoch musste daraus der „Wohnungslose“ werden, vielleicht aus Pedanterie, weil so jemand möglicherweise ein Dach aus Wellblech über dem Kopf hat oder in einer Obdachloseneinrichtung untergekommen ist. Oder weil der Gedanke, dass jemand Mitgefühl haben könnte, obwohl der Betroffene vielleicht aus freien Stücken auf der Straße lebt, schon als Diskriminierung empfunden wird. Neuerdings sind es „Wohnsitzlose“. Ohne Wohnsitz kann allerdings auch jemand sein, der nach dem Umzug in eine andere Villa einfach vergessen hat, diesen hübschen neuen Wohnsitz anzumelden. Der Wohnsitz ist nicht die Wohnung, sondern der abstrakte Ort, an dem diese Wohnung sitzt. Das Wort „Wohnsitzloser“ weckt keinerlei Mitgefühl mehr, das ist lediglich ein bürokratischer Begriff für eine demographische Teilmenge.

Ich habe drei Begründungen gehört, die gegen das Wort Flüchtling sprechen sollen. Die Uneinigkeit der Gemeinde darüber, was an dem Wort falsch sei, spricht alleine dafür, dass erst die Idee da war, das Wort zu tauschen und dann nach einem Grund gesucht wurde.

  1. Es heißt, das -ling sei ein pejoratives, also beschimpfendes Suffix.
  2. Der Flüchtling sei noch auf der Flucht, der Geflüchtete hingegen angekommen.
  3. Erst unlängst von Klaas Heufer-Umlauf in Umlauf gebracht: Der Flüchtling reduziere im Gegensatz zum Geflüchteten die Person auf die Flucht.

Tatsächlich sagt der Duden in Bezug auf die Endung -ling:

„Wird diese Endung mit Adjektiven verknüpft, werden damit oft Personen bezeichnet, die durch eine bestimmte Eigenschaft charakterisiert sind. Solche Bildungen haben häufig stark abwertenden Charakter.“

Und es stimmt ja, der Widerling ist äußerst kränkend und man will zwar kein Hässling sein, aber auch kein Schönling. Selbst das erfreuliche Wort „schön“ kann also durch das -ling zu einer Beleidigung werden. Ob das „häufig“ ist, kann gerne jemand zählen, aber ab wieviel Prozent pejorativer Verwendung wollen wir ein Suffix aus der Sprache tilgen? Oder kann man vielleicht einfach fragen, ob es auch in dieser Verwendung abwertend ist? „Stark abwertend“ hingegen erscheint mir vom Duden recht unsachlich formuliert. Gibt es auch Suffixe, die nur schwach abwertend klingen? Und hat das -ling nicht auch eine niedliche Komponente? Ein Dümmling klingt eher etwas dümmlich und verzeihlicher als ein Vollidiot. Und das liegt daran, dass das -ling auch eine diminutive (verkleinernde) Verwendung haben kann. Der Säugling, der Setzling und sogar der Liebling. Jedem ist klar, dass der Winzling ein kleiner Kerl ist, wohingegen der Riesling kein Riese ist.

Die Seite Wiktionary ist hierzu auch sehr viel präziser als der Duden. Dort heißt es:

„Wortableitungen (“Derivationen”) mit -ling als Suffix ergeben männliche Substantive, deren Wortstamm eine Eigenschaft der damit bezeichneten Person oder Sache im Sinne des Wortstammes charakterisiert. Das Ableitungssuffix wird vor dem allfälligen Flexionssuffix eingesetzt. Die resultierenden Ableitungen können der Sprachökonomie dienen (und damit konnotativ relativ neutral sein), aber auch ironisch, diminutiv oder pejorativ verwendet werden. Damit ist eine mögliche Stilebenenbreite von fachsprachlich, standardsprachlich, umgangssprachlich und vulgärsprachlich gegeben. Die Ableitungen können je nach der Wortart des Stammes differenziert werden.“

Der letzte Satz fordert also zum Selberdenken auf. Wenn widerlich bereits pejorativ ist, ist es der Widerling erst recht. Zwilling, Prüfling oder Lehrling sind es hingegen nicht. Auch der Häftling ist einfach einer, der eine Haft abzusitzen hat, auch wenn die Haft selbst nichts Erfreuliches ist.
Allerdings geht auch das Wiktionary nicht auf einen Aspekt ein, den das -ling für gewöhnlich hat. Da, wo es nicht abwertend oder verniedlichend ist, bezeichnet es nämlich doch eine gewisse Passivität, es bezeichnet denjenigen, mit dem etwas geschieht. Der Prüfer prüft, der Prüfling hingegen wird geprüft. Der Lehrer lehrt, der Lehrling hingegen muss es sich anhören. Der Häftling wird in Haft genommen, der Zögling aufgezogen, der Schützling beschützt. Sie alle sind äußeren Umständen ausgesetzt, mit ihnen geschieht etwas. Und genau das gilt ja auch für den Flüchtling. Er ist eben kein Auswanderer, sondern einer, den Krieg, Terror oder Hunger in die Flucht getrieben haben. Das -ling betont gerade die Not und die Notwendigkeit.

Wer meint, Flüchtling klinge abwertend, der soll bitte in sich gehen und sich fragen, ob er wirklich schon so empfunden hat, bevor jemand diese Behauptung aufgestellt hat und sich der Sprachgebrauch in seinem Umfeld verändert hat. Fanden Sie wirklich, „Flüchtlingshilfe“ klinge nach einer Beschimpfung? Wie „Pennerfütterung”? Wenn Sie jetzt ja sagen, kann ich das nicht widerlegen, aber tut mir leid, ich bezweifle es trotzdem.

Die zweite Begründung ist möglicherweise ideologischer Natur. Rein sprachlich ist es natürlich richtig, dass bei einem Geflüchteten die Flucht in der Vergangenheit liegt. Allerdings ist bei einem Prüfling die Prüfung auch zu Ende, wenn er seine Note bekommen hat und die Bezeichnung haftet ihm nicht für immer an. Dann schon eher, wenn man ein „vom Leben Geprüfter“ ist. Ebenso bleibt die Tatsache, in der Vergangenheit mal geflüchtet zu sein, für immer existent. Ein Geflüchteter ist man also für immer, ein Flüchtling hingegen nur passager. Und soll man zukünftig differenzieren, ob eine Person noch auf dem Weg ist oder schon festen Boden unter den Füßen hat? Ist man ein Flüchtender, solange man noch in Reichweite der Kugeln seiner Verfolger ist? Bis man den Grenzzaun überwunden hat? Ist man schon „geflüchtet“, wenn man auf dem Mittelmeer auf einem Boot sitzt oder erst auf dem Festland?

Der ideologische Gedanke hinter dieser Begründung ist vermutlich, dass die Möglichkeit, es handele sich nur um einen Zwischenstopp, schon sprachlich ausgeschlossen werden soll. Das ignoriert allerdings auch die Frage an die Betroffenen, ob sie selbst planen, wieder zurückzukehren, wenn es möglich wird. Es führt auch zu Problemen bei der Verteilung und Versorgung. Denn wenn ich diese Leute als Angekommene bezeichne, nicht mehr als in der Notlage der Flucht befindliche, dann gibt es eigentlich auch keinen Grund mehr, sich ihrer anzunehmen. Ihre Aufnahme in EU-Ländern zu fordern. Flüchtlingshilfe zu fördern. Dann sind sie ja, rein sprachlich, nur noch ehemalige Flüchtlinge.

Davon abgesehen ist es reichlich naiv zu glauben, die Politik würde keine Möglichkeit finden, auch unter den schönsten Euphemismen (wenn es denn überhaupt einer wäre) Menschen abzuschieben, zu benachteiligen und ihnen Hilfe zu verwehren. „Geflüchtetenrückkehrgesetz“ klingt doch prima. Denn das Wort „Geflüchtete“ klingt nicht nur, als wäre das Problem erledigt, es klingt auch herrlich bürokratisch, eben wie der Wohnsitzlose.

Und drittens, die Reduktion aufs Flüchten? Ist gegeben, wenn ich Menschen als Flüchtlinge oder auch als Geflüchtete bezeichne. Weil es in diesem Moment ja um diese eine Information geht. Die Frage ist nicht, wie man es sagt, sondern wann man es sagt. Wenn es um Flüchtlingshilfe oder die Verteilung der Menschen aus den Lagern geht, ist durchaus sinnvoll, dazu zu sagen, um welche Personengruppe es sich handelt. Aber egal in welcher der beiden Formulierungen, immer sage ich nur eins über diese Leute: dass sie mit Flucht zu tun haben. Mehr Information enthält auch „Geflüchteter” nicht. Angenommen, ich bezeichne einen, der Glück hatte, grundsätzlich neidvoll als “Begünstigter” – reduziere ich ihn dann weniger, als wenn ich ihn Günstling nenne? Und wenn ich jemanden auf meinen Geburtstag eingeladen habe und jedem vorstelle als „Mohammed, er ist übrigens ein Geflüchteter“, wird er sich genauso mies fühlen, wie wenn ich “Flüchtling” sage. Es wäre unpassend. Aber das ergibt sich aus dem Kontext und nicht aus der Formulierung.
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Vielleicht steckt hinter all dem eine seltsame ideologische Volte. Vielleicht sollen notleidende Menschen gar nicht als schutzbedürftig sprachlich in Erscheinung treten. Vielleicht soll es so sehr Recht sein, ihnen zu helfen, dass die menschliche Verpflichtung dazu gar nicht mehr hörbar sein darf. Als wäre es, wenn es mit Mitgefühl verbunden ist, nur eine Art Almosen, das entzogen werden kann. Dabei ist die Hilfe ein Recht, dass sich aus der Menschenwürde ergibt und die Menschenwürde braucht den Menschen, den sichtbaren, lebendigen Menschen. Und deshalb halte ich die Reduktion von der Person, dem Flüchtling, auf das bürokratische Etikett, den Geflüchteten, nicht nur für unsinnig, sondern für schädlich.

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10 Kommentare

  1. #1 | Helmut Junge sagt am 20. Oktober 2020 um 15:26 Uhr

    Wie lange hält so ein neues Wort für einen älteren Begriff im Neusprech?
    Da Sprache ja lt. Neusprechtheorie das Denken beeinfussen soll, müße die negative Denke eher verschwunden sein, als das Ersatzwort. (Theoretisch jedenfalls)
    Klappt nicht? Oooch, so eine schöne Theorie und klappt nicht.

  2. #2 | Walter Stach sagt am 20. Oktober 2020 um 18:13 Uhr

    Geflüchtete Menschen…..
    -1-

    Helmut Junge,
    ich bemühe mich, -neuerdings-, diese Begrifflichkeit zu verwenden, wenn….

    PS
    "Sprache beeinflußt das Denken"; das scheint mir eine zumindest nachdenkenswerte und diskussionswürdige These zu ein.

    "Denken beeinflußt die Sprache"; das dürfte eine jedermann hinlänglich bekannte und tagtäglich nachprüfbare Aussage sein.

    Trump kommt mir beim beim Schreiben dieser Zeilen in den Sinne, weil er mir -offenkundig- prädestiniert erscheint, den o.a. Gedenken nachzugehen.

    Unabhängig vom Denken und Sprechen dieses Typen":

    Ich denke, daß diese Thematik/Problematik in den nächsten Tagen/Wochen Inhalt kontroverser Diskussion werden könnte, wenn es um die derzeit angedachte Änderung des Art. 3 GG geht, konkret darum, das Wort/den Begriff "Rasse" aus Art. 3(2) GG ersatzlos zu streichen. Unabhängig davon, ob es letztendlich zu dieser angedachten ersatzlosen Streichung des Wortes/ des Begriffes Rasse aus Art. 3(2) GG kommt, wird die Diskussion interessante Argumente liefern können für ein intensives Nachdenken darüber, ob die Sprache das Denken oder/und das Denken die Sprache (mit-)bestimmt und darüber, warum das so sein kann bzw. warum das so ist und ob dieserhalb bezüglich der jeweiligen "Einflußgröße" strukturelle und/oder graduelle Unterschiede zu bedenken, zu beachten gilt..
    Ich bin jedenfalls höchst interessiert an den Inhalten dieser von mir erwarteten und erhofften Diskussion, in der ich mich als Laie gar nicht, bestenfalls am Rande beteiligen kann.

  3. #3 | Detlef Fritz sagt am 20. Oktober 2020 um 18:56 Uhr

    Der Begriff „Flüchtling“ bezeichnet einen Rechtsstatus: ein Mensch musste aus seinem Herkunftsland fliehen, lebt nun auf einer klaren Rechtsgrundlage in einem anderen Land. Flieht ein Verdächtiger etwa nach einem Bankraub vom Tatort, fahndet die Polizei nach dem Geflüchteten. Das macht den aber noch lange nicht zum Flüchtling.

  4. #4 | Walter Stach sagt am 20. Oktober 2020 um 19:05 Uhr

    Korrektur
    zu -2- unter PS im vorletzten Absatz:

    Nicht Art. 3(2) GG, sondern Art. 3(3) GG; ja, ja wenn man alt ist und vergesslich wird……..

  5. #5 | Helmut Junge sagt am 20. Oktober 2020 um 19:27 Uhr

    Walter Stach, die Idee, daß Sprache das Denken beeinflußt ist verlockend, weil dann der Kampf gegen Kriminalität oder auch Rassismus ziemlich leicht wäre. Man wechselt das Wort und schon verschwindet die entsprechende kriminelle Idee, weil es eben kein Wort mehr dafür gibt. Super einfach. Aber bisher hat das leider nicht funktioniert. Es gibt keinen Beweis dafür, daß mit neuen Wörtern Erfolge in der Sache erzielt wurden.
    Was die Streichung des Wortes "Rasse" aus dem GG betrifft, wäre eine solche Streichung richtig, weil es nach den Forschungsergebnissen der letzten 10 Jahre klar ist, daß es den Menschen zur Zeit nur als eine Rasse gibt. Die letzte andere Rasse war der Neanderthaler, von dem man bisher glaubte er wäre eine andere Art. Da es aber zu Vermischungen mit dem Homo sapiens und Neanderthalern kam, die fruchtbare Nachkommen hatte, ist der Neanderthaler keine eigene Art. Sonst wäre keine fruchtbaren Nachkommen entstanden. Der Neanderthaler ist von uns genetisch sehr weit entfernt. So weit, daß die genetischen Unterschiede unter uns heute lebenden Menschen als unerheblich angesehen werden können. Die genetischen Unterschide zwischen uns Menschen reichen bei weitem nicht aus, von Rassen zu sprechen. Bei weitem nicht. Also sind wir Menschen eine einzige Rasse. Weil es keine Rassen gibt, macht es auch keinen Sinn, daß das Wort im GG steht. Darum kann es auch kein Ersatzwort für "Rasse" geben. Den "Rassismus" wird es natürlich auch weiterhin geben. Weil einige Menschen nicht umdenken wollen. Es gibt ja auch noch Leute, die an die flache Erde glauben wollen. Für die ist die Erdkugel (Achtung: neues Wort!) einfach flach.

  6. #6 | Walter Stach sagt am 20. Oktober 2020 um 20:10 Uhr

    Sprache und Denken
    Denken und Sprechen

    Helmut Junge,
    wider meine Absicht habe ich nun doch losgelöst vom aktuellen Anlass damit angefangen, mich "Einzulesen" in das mir verfügbare Material – zur Thematik/Problematik Sprache und Denken/ Denken und Sprache -auch "gegoogelt"-. Ich bin fasziniert von dem, was ich bisher lesen konntge und zu bedenken hatte.

    Das führt bei mir zu der (ersten) Erkenntnis, daß mein bisher eigenständiges Nachdenken und Sprechen über Denken und Sprechen, über Sprechen und Denken- -sh. u.a. oben zu – 1- nicht abwegig ist.

    "Flüchtlinge, geflüchtete Menschen oder Rasse oder General/Generälin oder……"
    Es gäbe also vielfältige aktuelle Anlässe, sich mit der Thematik/Problematik Denken und Sprechen/Sprache und Denken "von Grund auf bzw. über den Tellerrand hinaus" zu befassen, denn so könnte es gelingen, der jeweiligen Diskussion eine gemeinsame Basis bzw. eine allseits akzeptable Struktur zu (ver-)schaffen.

    Jedenfalls hat der o. a. Kommentar von Robert von Cube mich -danke dafür an von Cube- dazu gebracht, 'mal wieder nicht nur eigenständig über die Thematik/Problematik von "Sprache und Denken" von "Denken und Sprechen" anhand konkreter und aktuell naheliegender Fragestellungen nachzudenken und zu sprechen , sondern dank meiner Neugier auch dazu getrieben, mich einzulesen" in verfügbare Publikationen einschlägig arbeitender WissenschaftlerInnen.

    Ansonsten…sh.- mein Beitrag- 2- im letzten Absatz.

  7. #7 | Wolfram Obermanns sagt am 20. Oktober 2020 um 20:13 Uhr

    Wenn ich ehrlich bin, halte ich die Wortspiele inzwischen für reine Prokrastination.

    Es stimmt, die übliche Wortwahl kann Bilder zur Sache prägen.
    Mehr als dies prägt aber die eigene Erfahrung Bild und Sprachgebrauch.

    Die Idee mit der Änderung des (Sprach-) Symbols ließe sich eine Realität ändern, hat viel mit dem Glauben an Zauberei gemein, aber wenig mit sozialer Realität. Die Verwendung eines korrekten Zauberwortes soll auf magische Weise die neue Realität schaffen.
    Wahrscheinlicher ist die Wortklauberei aber das Austragen eines Scheingefechts um sich den eigentlichen Problemen nicht stellen zu müssen, dabei aber gleichzeitig und in der gelebten Praxis unverbindlich bella figura als Gesinnungsethiker abgeben zu können.

    Die eher sinnlosen Semantikdebatten im Abgleich mit der persönlichen aber dann verallgemeinerten Assoziationen zu den Begriffen sind, so meine Einschätzung, damit nicht mehr als politische Resignation, was mir schon durch die Wirkungslosigkeit der Wortakrobatik belegt erscheint.
    Schwarze in den USA wandelten sich in den Bezeichnungen der Aktivisten von Nigger über Negro (Martin Luther King), Black (Malcolm X), African Americans, People of Colour zu POC. Letzteres um "Colour" nicht mehr explizit nennen zu müssen. Diese Historie der Begriffe zeigt begriffliche Emanzipationsbemühungen auf der Flucht vor der Denunziation durch diese Begriffe. Die meisten Schwarzen der USA haben dieses Spiel bei "Black" abgebrochen, was mit Sicherheit viel mit der Populärkultur der Tage als diese Bezeichnung gewählt wurde zu tun hat (Black Panther, "Say it Loud – I'm Black and I'm Proud!" etc.) und dem damit einhergehenden empowerment. Jedenfalls hat "Black" keine Wurzeln in einer wohlmeinenden(?) Paternalisierung der Betroffenen.

  8. #8 | Enno sagt am 21. Oktober 2020 um 07:28 Uhr

    Ich denke der Begriff "Asylbewerber" bzw. "Asylant" ist laut Grundgesetz immer noch passender:

    https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_16a.html

  9. #9 | Helmut Junge sagt am 21. Oktober 2020 um 08:51 Uhr

    Die Geschichte des Neusprech ist uralt und beginnt nicht mit 1984 von Orwell. Der Gedanke ist ja auch so verlockend.
    Sogar Musiker haben den Gedanken vor Jahrzehnten schon aufgegriffen.

    Aus Udo Lindenbergs Song GeneGalaxo

    "(Auftritt des Gene Galaxo)
    Leute, die Welt ist prima!
    Schön ist es auf der Welt!
    Lalalalalalala
    Die uns so gut gefällt!

    Früher gab's ein Wort, das hieß 'Problem'
    Das strichen wir aus dem Vokabular
    Heute ist das Leben ja so angenehm
    Nicht wahr? Jaja! Nicht wahr?!"

  10. #10 | Über das Tilgen von Wörtern | Ruhrbarone sagt am 13. Juli 2022 um 13:53 Uhr

    […] über Nacht adaptiert wurde (warum das Wort „Flüchtling“ nicht diskriminierend ist, habe ich hier […]

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