In der Pandemie erwiesen sich die meisten Menschen als mündige Bürger

Grafitti Corona Colonia Foto: K. Gercek

Nach der Corona-Pandemie gibt es gute Gründe, optimistisch zu sein.

Die Omikron-Welle ebbt ab und bald kommt der Frühling. Heute werden die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten das Ende zahlreicher Corona-Maßnahmen beschließen. Unser Leben wird sich in wenigen Wochen nach zwei Jahren des Ausnahmezustandes weitgehend normalisieren.

Wenn wir Glück haben, wird es keine gefährlichen neuen Varianten geben. Wenn doch, wissen wir, dass Industrie und Wissenschaft schnell passende Impfstoffe zur Verfügung stellen können. Was wohl bleibt, ist die Maske. Es kann gut sein, dass sie wie in Asien, Teil der Alltagskultur wird.

Die beiden hinter uns liegenden Pandemiejahre waren nicht nur wegen der verschiedenen Coronaviren, die in Wellen um die Welt zogen, eine außergewöhnliche Zeit. Noch nie in der Geschichte der Menschheit gab es so schnell so gewaltige wissenschaftliche Fortschritte. Die lange verteufelte Gentechnik hat geholfen, das Leben unzähliger Menschen zu retten. Alle, die gegen sie hetzten und das hohe Lied der Alternativmedizin sangen, stehen jetzt gut erkennbar als das da, was sie immer schon waren: Technologiefeindliche Idioten. Es bleibt zu hoffen, dass die erzielten Erfolge auch in anderen Bereichen wie der Landwirtschaft nun der Biotechnologie zum Durchbruch verhelfen und die Verhinderungsmacht der grünen Rackets gebrochen werden kann. Zumindest während der Pandemie verhielten sie sich auffällig ruhig. Vielleicht war ihnen auch nur klar, dass Hetze gegen Impfstofftechnik während einer weltweiten Seuche nicht gut für das Spendengeschäft sind.

Vielleicht schreckte sie auch die Nähe zu den „Querdenkern“ ab. Die grünbraune Protestbewegung brachte Tausende auf die Straße. Sie war ein Zusammenschluss von ehrlich besorgten Menschen, Verwirrten, Geschäftemachern, grauen Mäusen, die ihre Chance auf kurzen Ruhm nutzten, Neonazis, Ökos und Esoterikern. Und viele waren all das gleichzeitig oder im schnellen Wechsel schwankender Bewusstseinszustände.

Unter den Querdenkern waren viele die versuchten, Angst zu verbreiten und so ihre politische Agenda zu befördern. Der Staat wurde als Monstrum in der Hand gewissenloser Konzerne dargestellt, der Millionen Menschen zu Versuchskaninchen macht und ihre Existenzen gefährdet. Ihr Ziel war es, jedes Vertrauen in Wissenschaft und Demokratie zu untergraben. Wie immer wurden zu diesem Zweck antisemitische Verschwörungstheorien genutzt.

Angst war auch das Mittel der Wahl auf der Seite derjenigen, die von der Position einer autoritären Linken gegen die Coronapolitik protestierten. Das tatsächlich in einigen seiner Varianten hochgefährliche Virus, bis heute starben alleine in Deutschland über 120.000 Menschen, wurde genutzt, um noch weitergehende Einschränkungen zu fordern. Antikapitalistischer Furor gab sich als Sorge um die „Volksgesundheit“: Die Wirtschaft sollte lahm gelegt und die Patenten auf Impfstoffe abgeschafft werden. Zum Teil scheint man in diesen Kreisen heute zu bedauern, das Omikron deutlich harmloser ist als es Delta war. Die Denunziation der Idee der individuellen Freiheit als rechts und reaktionär sollte die Durchsetzung für autoritäre Maßnahmen zum Beispiel im Bereich des Klimaschutzes nach dem Motto „Du bist nichts, Mutter Erde ist alles“ erleichtern. Doch wer die Freiheit schätzt, dem ist Mutter Erde egal, wenn er auf ihr nicht mehr in Freiheit leben darf.

Die meisten demokratischen Politiker suchten nach einem Weg, das Leben möglichst vieler Menschen zu schützen und dabei weder die Bürgerrechte aufzugeben noch die Wirtschaft zu ruinieren. Im Großen und Ganzen ist ihnen das halbwegs gut gelungen. Ja, die Europäische Union hat sich bei der Beschaffung der Impfstoffe gerade am Anfang als inkompetent erwiesen, einige CDU-Politiker nutzten die Gelegenheit, um in die eigene Tasche zu wirtschaften und der Föderalismus erlebte nicht seine beste Stunde. Aber insgesamt kam das Land gut durch die Krise. Auch für die Politiker war es eine neue Situation. Sie mussten, wie alle, jeden Tag lernen.

Aber von all dem ließ sich Großteil der Menschen nicht beeindrucken. Sie verstanden die Lage, in der sie sich befanden. Härtere Maßnahmen wurden unterstützt, als sie notwendig erschienen Jetzt sind viele dafür, zu lockern. Die meisten ließen sich impfen und behielten die Nerven in einer Situation, die für alle neu war. Wenn etwas nach dieser Krise bleibt, dann die Erkenntnis, dass die meisten Menschen sich vernünftig verhalten haben und nicht in Panik gerieten. Damit haben sie eindrucksvoll alle, die einen starken Staat fordern oder ihren Mitbürgern nicht zutrauten, die Lage in der sie sich befanden, zu verstehen, Lügen gestraft. Die Mehrheit wollte weder  Gesundheitsdiktatur noch Durchseuchung, vertrauten der Wissenschaft, informierte sich und fiel nicht auf Fakenews herein. Sie erwiesen sich als mündige Bürger.

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Mawa
Mawa
2 Jahre zuvor

Die Geschichte hat uns gelehrt, das der Politik immer zu misstrauen ist. Insofern ist der Text ein aufschlussreiches Dokument der aktuellen Zeit. Anlass zu Optimismus sehe ich da nicht.

Angelika, die usw.
Angelika, die usw.
2 Jahre zuvor

"…Wenn wir Glück haben, wird es keine gefährlichen neuen Varianten geben. Wenn doch, wissen wir, dass Industrie und Wissenschaft schnell passende Impfstoffe zur Verfügung stellen können…"
Ja dann … Bonne chance!
Ob das mit dem "…schnell passende…" immer so klappen wird? Bin skeptisch.

Jens
Jens
2 Jahre zuvor

@Mawa
Und ich habe die Nase voll von Leuten, die sich als Bewohner Nordkoreas fühlen .

Walter Stach
Walter Stach
2 Jahre zuvor

Zustimmung!
Ich gehe davon aus, daß in meiner Familie, in der Nachbarschaft , im Freundes-/Bekanntenkreis und seitens einer sehr große Mehrheit der Bürgerschaft hier im kleinen Waltrop der Meinung von Stefan Laurin zugestimmt wird.

Ich hoffe vor allem, daß sie allesamt fähig und willens sind, sich auf den Optimismus einzulassen, den Stefan Laurin offenkundig hat und den zu vermitteln versucht

Vorsicht, Umsicht, Zurückhaltung, die ich nach wie vor im Umgang mit der Pandemie bzw. mit ihren Folgen für geboten halte -seitens jedes Einzelnen, seitens aller Institutionen in Gesellschaft und Staat-, statt Übermut, statt Leichtsinn, statt Hemmungslosigkeit widersprechen dem Optimismus nicht.

Mawa
Mawa
2 Jahre zuvor

@Jens
ja, ich weiß. Diversität und Meinungsvielfalt sind leider kein großer Renner mehr. Die Angst hat leider auch viel Hirn gefressen.

Thomas Schweighäuser
Thomas Schweighäuser
2 Jahre zuvor

Zur impliziten Kritik an ZeroCovid: Selten bekam man so anschaulich vorgeführt, dass der Kapitalismus buchstäblich über Leichen geht, was der Autor euphemistisch als "die Wirtschaft nicht ruinieren" beschreibt. Denn trotz des hochgefährlichen Virus schien die Aufrechterhaltung der Produktion auch überflüssiger Waren oberstes Ziel zu sein, die ideellen Gesamtkapitalisten weltweit bemühten sich halt, irgendwie aus der Krise zu kommen. Da kamen die ganz Unbedarften, die antisemitisch grundierten Impfgegner, gerade recht, um zu zeigen, dass es noch dümmer geht. In Österreich bot ihnen einer der reichsten Männer des Landes in seinem "servus-tv" eine Bühne, in Deutschland wanzte sich seit Monaten der Springerkonzern (Schlagzeile von Bild heute: "Freiheit! Jetzt!") an die Szene heran. Und weil die Welt so scheußlich ist, wie sie ist, wird Impfstoff lieber vernichtet als gespendet, von einer Freigabe der Patente ganz zu schweigen. Wer da optimistisch ist, glaubt fest daran, dass der Kapitalismus die Probleme, die er erzeugt, selbst zu lösen in der Lage ist. Das hat aber bislang selten geklappt.

Manni
Manni
2 Jahre zuvor

Einige diskussionswürdige Thesen sind schon noch geblieben.

"die Maske. Es kann gut sein, dass sie wie in Asien, Teil der Alltagskultur wird."
Daran halte ich mich seit SARS und bin damit gut gefahren. Welche Art von Freiheit Leute meinen, die sich lieber jetzt als gleich die Maske von Gesicht reißen, bleibt mir unverständlich.

"bedauern, das Omikron deutlich harmloser ist als es Delta war."
Sprachlosigkeit macht sich breit. Meine Familie und ich haben's fast überstanden, das zählt.

"die Erkenntnis, dass die meisten Menschen sich vernünftig verhalten haben"
Leider waren meine Nachbarn noch für darunter. Die wollen nur nach Malle, und wer Angst hat, solle sich halt vergraben. Immerhin: mein Blick ist jetzt geschärft. Enttäuschung bedeutet ja auch immer ein Anderer Täuschung.

Manni
Manni
2 Jahre zuvor

… ein Ende der Täuschung natürlich.

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