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In eigener Sache: Warum ich mich nicht auf ein Podium mit Götz Kubitschek setze

Götz Kubitschek auf einer Pegida-Demonstration Foto: Metropolico.org Lizenz: CC BY-SA 2.0


Ich wurde zu einem Seminar der Studienstiftung des Deutschen Volkes eingeladen und werde nicht hingehen. 

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für die Einladung zu Ihrem Seminar „Diskurs(-), Feindschaft und das Politische“ am 23. März in Heidelberg. Leider muss ich Ihnen absagen und ich möchte diesen Brief dazu nutzen Ihnen zu erklären, warum ich nicht an einer Podiumsdiskussion mit den Bundestagsabgeordneten Jens Brandenburg (FDP), Jessica Tatti (Die Linke) sowie dem Künstler Ruppe Koselleck und  Verleger Götz Kubitschek teilnehmen möchte.

Lassen Sie mich zuerst meine Verwunderung darüber zum Ausdruck bringen, dass ein Seminar der Studienstiftung des Deutschen Volkes einen der führenden Köpfe der rechtsradikalen Szene wie Götz Kubitschek zu einer solchen  Veranstaltung einlädt und ihn damit auf eine Stufe mit Bundestagsabgeordneten stellt. Sicher, der Schirmherr der Studienstiftung, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, hat erst vor wenigen Tagen dem iranischen Regime auch in meinem Namen zum 40. Jahrestag der islamischen Revolution gratuliert und so gezeigt, dass er keinerlei Berührungsängste mit einem antisemitischen Terrorregime hat, das die eigene Bevölkerung quält und ausbeutet – wieso sollte er da Vorbehalte gegen jemanden wie Götz Kubitschek haben, der bislang nicht wegen solcher Verbrechen auffiel? Aber muss die Stiftung, die auf eine lange Tradition und Stipendienprogramme unter den Namen so honoriger Personen wie Carlo Schmid, Leo Baeck und John Jay McCloy zurückblicken kann, sich auf Steinmeiers Niveau begeben? Bundespräsidenten kommen und gehen, es ist nur eine Frage der Zeit, bis jemand an der Spitze dieses Landes steht, der seinem Amt eine größere Ehre erweisen wird.

Ich halte es für ein Problem und ein Zeichen der Naivität, wenn Sie jemandem wie Götz Kubitschek eine, wenn auch kleine, Bühne bieten und ihn somit aus dem Stand des intellektuellen Parias erheben, in dem er sich zurecht befindet. Sie beteiligen sich damit nicht nur an einer Diskursverschiebung, die nicht zu rechtfertigen ist, und ermöglichen einem Rechtsradikalen einen Gewinn im Raumkampf, ohne dass er sich dafür wenigstens in eine Auseinandersetzung begeben müsste. Der dafür passende Begriff ist jener der Kapitulation. Demokraten dürfen nie kapitulieren. Ein solches Handeln ist als schändlich zu bezeichnen.

Da mir der Gedanke an Kapitulation gänzlich fremd ist, habe ich nicht vor, mich an einer solchen zu beteiligen, auch wenn Sie es sind, die die Fahne vor dem Feind in den Staub sinken lassen.

Und ja, genau das ist Kubitschek:  ein Feind, kein Gegner, mit dem man streitet, sich wieder verträgt und am Ende des Abends vielleicht noch gemütlich zusammensitzt, um das Geschehene Revue passieren zu lassen.

Ich weiß, Per Leo argumentierte vor kurzem in einem Beitrag in der Wochenzeitung „Die Zeit“, dass „Feind“ ein Begriff des Bürgerkriegs ist und nicht in unsere Zeit gehört, denn wir leben im Frieden und nicht im Krieg. So sehr ich letzterem beipflichte, so sehr halte ich den ersten Teil dieses Gedankens für falsch: Nur, wer frühzeitig Feinde von Gegnern zu unterscheiden lernt, wer begreift, aus wessen Überzeugung im Endziel die Vernichtung des anderen hervorgehen muss und nicht, ihn in der Debatte zu stellen, wird größere Konflikte vermeiden können.
Mit der ihm eigenen Naivität argumentierte Leo in seinem Beitrag in der Zeit:  „Um erfolgreich zu sein, brauchen sie (Die Rechten Anm. d. Verf.) uns. Wir Nicht-Rechten sind es, die ihnen unfreiwillig zu Kontur verhelfen, weil wir sie andauernd schärfer machen, als sie sind. Statt sie in ihrer Unschärfe zu zeigen oder sie zu zwingen, die eigene Position zu schärfen, ersparen wir ihnen und uns viel zu oft diese Mühe, indem wir scharfe Grenzen gegen sie ziehen.“

Leo mag Recht haben, wenn er sich ausschließlich auf Debattentaktik bezieht. Götz Kubitschek, auch wenn er sich konservativ gibt, ist ein Kind der Postmoderne. Er meidet klare Aussagen, bleibt im Ungefähren, verweigert sich in Debatten jeder Auseinandersetzung mit offenem Visier. Das mag mancher als besonders listenreich empfinden, aber im Kern ist es nicht mehr als ein puddinghaftes Ausweichen vor dem harten Konflikt. Wer sich so verhält, ist nicht satisfaktionsfähig.

Leo irrt allerdings, wenn er glaubt, von Kubitscheks Diskursverhalten auf eine inhaltliche Schwäche schließen zu können. So sehr sich Kubitschek und seine Adepten auch darin befleißigen, stilistisch Autoren wie Ernst Jünger zu kopieren – und sich damit angesichts ihrer beschränkten sprachlichen Mittel lächerlich machen – so entspannt können sie sich zurücklehnen. Es stimmt nicht, wenn Leo und seine Mitautoren schreiben „Sie müssen, um als Rechte zu existieren, gegen uns reden.“ Eine solche mit Egozentrik gepaarte Hybris verkennt, dass es im Kern die Ideen der Rechten sind, die zunehmend die gesellschaftliche Debatte bestimmen. Aus dem völkischen Denken entwickelte sich gegen Ende der sechziger Jahre die Idee des Ethnopluralismus. Sie ist der ideelle Kern einer immer populärer werdenden Identitätspolitik, die Menschen nicht mehr als Individuen mit denselben Rechten sieht, wie es die Erklärung der Menschenrechte beschreibt, sondern als Teil von Gruppen, Ethnien, Kulturen oder Religionen. Nein, die Rechten haben es nicht nötig, gegen das von Leo imaginierte „uns“ zu reden, um zu existieren. Ihre Vorstellungen sind wirkmächtig und gewinnen an Einfluss. Sie sind dabei, die Ideen der Aufklärung und die Moderne mit ihren Versprechen in die Defensive zu drängen.

Ebenso verhält es sich mit dem Wiedererstarken der Vorstellungen einer verzauberten Welt. Die Erde ist ein Planet, der sich auf einer elliptischen Umlaufbahn um die Sonne befindet, nicht unsere „Mutter“. Und wenn eine grüne Politikerin sagt, ihre Partei wolle, „dass in den nächsten vier Jahren jede Biene und jeder Schmetterling und jeder Vogel in diesem Land weiß: Wir werden uns weiter für sie einsetzen!“ wird damit das Bild einer Natur beschworen, das in keiner Weise mit den Naturwissenschaften übereinstimmt. Man mag das als Kinderei abtun, im Kern ist es jedoch nichts anderes als eine Abkehr von der Aufklärung.

Das klassische, rechte Denken lebt von der Angst der Menschen. Religionen wie die Rechte haben immer Angst verbreitet, haben die Krise heraufbeschworen. Auch dieses Denken ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. In einer Zeit, in der es der Menschheit, nicht nur in den reichen Staaten des Westens, in nahezu allen Belangen (Ernährung, Gesundheit, Bildung) so gut geht wie noch nie in der Geschichte unserer Spezies, hat sich ein apokalyptisches Denken Bahn gebrochen, dem jede faktische Grundlage fehlt. Die Hysterie ersetzt zunehmend das nüchterne Denken.

Nein, wenn es so weiterläuft, läuft es auf Kubitschek und die Seinen zu – nicht in diesem Jahr und nicht im kommenden Jahrzehnt, aber die Zeit vergeht schnell.

Darüber muss geredet und gestritten werden. Auf Bühnen und mit Texten, in klaren Worten und mit der nötigen Härte. Das geht allerdings nicht mit Menschen wie Kubitschek, die zwar auf „Rittergütern“ leben, allerdings den offenen Streit scheuen und sich stattdessen hinter scheinbar wortgewaltigen Scharaden verstecken.

Ihnen eine Bühne zu bieten ist dumm. Sie sind nicht dumm, lassen Sie es.

Mit freundlichen Grüßen,

Stefan Laurin

 

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135 Kommentare zu “In eigener Sache: Warum ich mich nicht auf ein Podium mit Götz Kubitschek setze

  • #1
    H.

    Danke! Als jemand, die von dieser Institution gefördert wird, bin ich unglaublich sauer über diese Einladung (von Kubitschek) und diese Veranstaltung generell und werde dies auch der Stiftung mitteilen – mit einer Gruppe Stipendiat*innen versuchen wir schon eine Weile gegen die Absurdität und Illusion von "Neutralität" mit der die Stiftung argumentiert, anzukommen. Danke für die öffentliche Begründung, die Aufmerksamkeit auf das Ganze lenkt!

  • #2
    Jens Brandenburg

    Sehr geehrter Herr Laurin,

    als Mitdiskutant respektiere ich Ihre Absage, habe mich aber selbst anders entschieden. Rechtsextremismus bekommt man nicht mit persönlicher Ächtung und Debattenverweigerung klein, sondern mit direkter Konfrontation. Das Feld werde ich den Radikalen nicht überlassen.

    Es geht in diesem Fall übrigens nicht um die große Bühne (die hat er bei Pegida), sondern um einen kontroversen Streit um genau diese Fragen in überschaubarer Runde. Wir Demokraten sollten uns nicht nachsagen lassen, uns vor dieser Auseinandersetzung zu drücken.

    Beste Grüße

    Jens Brandenburg

  • #3
    TPfanne

    Ein sehr selbstgefälliger, sich über den Bundespräsidenten setzender und widersprüchlicher Beitrag: Wenn es heißt: "Darüber muss geredet und gestritten werden. Auf Bühnen und mit Texten, in klaren Worten und mit der nötigen Härte. Das geht allerdings nicht mit Menschen wie Kubitschek, die zwar auf „Rittergütern“ leben, allerdings den offenen Streit scheuen und sich stattdessen hinter scheinbar wortgewaltigen Scharaden verstecken." drängt sich die Frage auf, wer hier den Streit scheut: Offenbar der Autor der Ruhrbarone.

  • #4
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @TPfanne: Ich habe die Gründe warum ich Kubitschek für nicht satisfaktionsfähig halte, ausführlich beschrieben. Was soll ich mit einem schwurbelnden Pudding diskutieren?

  • #5
    Wolfram Obermanns

    S. Laurin spricht ein für grundsätzliches Problem bei der Diskussion mit Radikalen an. Ich weiß nicht mehr wer es war, aber solche Treffen wurden mal mit einem Schachspiel gegen eine Taube verglichen. Das Vieh schmeißt die Figuren um, kackt auf das Spielbrett und latscht herum, als habe es die Partie gewonnen.
    Was bei diesem Vergleich noch fehlt ist die Reaktion der Fans der Taube, die glauben nämlich tatsächlich die Flugratte habe gewonnen.
    Was man aber auch nicht unterschätzen darf sind die anderen Zuschauer. Für die ist es nicht unwichtig nochmals zu sehen, Tauben gehören in den Bräter und nicht auf’s Schachbrett.

    Schwierig dabei eine eindeutige Linie zu finden. Das ist aber auch gar nicht notwendig. Es ist die Mischung aus, ich brate Tauben, spiele aber nicht mit dem Essen und dem exemplarischen verhaltensbiologischen Experiment, das die Natur des Vogels erklärt, das zusammen das Gesamtbild ergibt.

  • #6
    Thomas Weigle

    Die Gratulation des Bupräsis an die Klerikalfaschisten in Teheran hat mich sehr irritiert. Vielleicht hat er ja jenenSchreibautomaten, der früher in einem Büro der Linkpartei gestanden hat und von sich aus Gratulationen verschickt hat. Also hat Steini entweder sich selbst oder seinen Automaten nicht im Griff. Sehr bedenklich das.

  • #7
    Nina

    Auseinandersetzung, kontroverser Streit, Debatten-Kultur… sind mit einem Neonazi nicht möglich. Punkt.

  • #8
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Jens Brandenburg: Mit jemanden der feige auf das Feld der Metakommunikation ausweicht, kann man nicht streiten. Das betrifft Kubitschek ebenso wie die postmodernen Schwurbler.

  • #9
    RW-Pastor

    Was mir, Herr Laurin, an ihren Einlassungen sehr missfällt, sind ihre abwertenden Formulierungen: "auf das Niveau von Herrn Steinmeier begeben" oder ihren Gegnger als schwurbelnden Pudding bezeichnen. Was in der Diskussion gerade mit oft den radikalen Gruppen nötig ist, ist es, eine respektvolle Sprache zu pflegen. Alles andere fördert nur Hass, Schuldzuweisung und Diffamierung. Schade, wenn Sie so formulieren.

  • #10
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @RW-Pastor: Zu Steinmeier: Wer den Mullahs zu 40 Jahren Schlächeterei im Namen der Bürger dieses Landes gratuliert hat sich disqualifiziert. Zu Kubitschek: Sie kennen oder schätzen den Unterschied zwischen Gegnern und Feinden nicht. Ich schätze da klare Verhältnisse.

  • #11
    Thomas Weigle

    Man darf nicht verkennen, dass es nicht nur Neonazis sind, die ein Feindbild haben, dass v.a. überzeugte Demokraten einschließt, sondern dass dieses Feindbild weit ins rechte Nochnichtneo-Lager ausstrahlt. Der Begriff des Feindes oder Klassenfeindes ist in den extremistischen Lagern bestens eingeführt und hat große und brutale Wirkmächtigkeit immer gehabt, im Kaiserreich, in der Weimarer Republik, in den 1000 Jahren sowieso, auch in der DDR, bei uns sei an die RAF u.a. erinnert.Und nun auch in der Berliner Republik.
    Es wäre also höchst dumm, dies zu verkennen, braun nicht braun, Feind nicht Feind zu nennen. Zwischentöne sind bloß Krampf im Klassenkampf hat mal FJD gesungen. In der Auseinandersetzung mit den radikalen Feinden der Demokratie und den Werten der Aufklärung sind Zwischentöne auf jeden Fall Krampf. Klare Ansagen sind erforderlich, sind unabdingbar. @ Stefan Laurin hat diese getan.

  • #12
    Karl-heinz Terpelle

    Hallo Stefan Laurin
    Die Essenz aus dem Artikel ist für mich: Wenn aus Ideenarmut erst Dirkursschwäche und dann Diskursphobie wird.
    Ein ideologisch abgewirtschaftetes Ideengebäude zwingt seine Anhänger in die Wohlfühl-Echokammer eigener Gedanken und dort findet nur noch unfruchtbarer ideologischer Inzest statt.
    Der Höhepunkt an wohlfeiler Verweigerungsrechtfertigung aber ist bei „Nina“ zu finden: „Auseinandersetzung, kontroverser Streit, Debatten-Kultur… sind mit einem Neonazi nicht möglich. Punkt“. Das ist die Methode: Argumentationsschwacher Ideologe ernennt Gegner zum Nazi und braucht das Offenlegen seiner argumentativen Armut nicht zu fürchten.
    Es ist geradezu schmerlich wenn man den ideellen Niedergang der Linken mitansehen muß wenn diese einen Großteil ihrer Ziele erreicht hat.

  • #13
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Karl-heinz Terpelle: Welches "abgewirtschaftetes Ideengebäude" meinen Sie? Und wo lösen Sie bei mir so etwas wie Angst heraus?

  • #14
    Nina

    @12 Karl-heinz Terpelle: Ich sorge gerne für Höhepunkte, so kennt man und schätzt man mich.
    Gebe Ihnen aber nicht Unrecht-natürlich macht es Sinn, mit handfesten Neonazis zu diskutieren, die ändern i.d.R dadurch ihre menschenverachtende Gesinnung. Man kann auch mit parfümierten Wattebällchen nach ihnen werfen oder mit ihnen auf flauschigen Lammfellen herumtollen.

  • #15
  • #16
    Thomas Weigle

    #12 Wenn "die Linke" einen Großteil ihrer Ziele erreicht hätte, sähe diese Republik etwas anders aus. Es ist eine bürgerliche Republik, die ziemlich wenig links ist, wie schon ein Blick auf die Vermögens-und Eigentumsverhältnisse zeigt. Argumentativ also ganz schwach, vielleicht schon Diskursphobie oder was auch immer, aber mit der Realität hierzulande hat diese Aussage nix zu tun. Schauen Sie doch bei Gelegenheit mal bei der Linkspartei vorbei, vielleicht nähert das Ihre etwas verquere Sichtweise etwas näher an die Realität in dieser Republik.

  • #17
    Lisa G.

    Ich habe den Artikel gelesen, nachdem ich mich selbst zu dem Seminar anmelden wollte. Spannend finde ich, dass Sie über genau das Thema des (von Stipendiaten organisierten) Seminars diskutieren: "Diskurs(-), Feindschaft und das Politische", ab wann sind politische Gegner Feinde? Kann ich in einen Diskurs mit extremen Meinungsvertretern gehen? Um aus dem Programmheft zu zitieren: "Gibt es einen ethisch richtigen Umgang mit Feindschaft?"
    Es geht m.E. in der Studienstiftung und besonders bei diesem Seminar um einen Diskurs, um eine Debatte der Teilnehmenden, um verschiedene Meinungsäußerungen. Ich freue mich darauf ihren Text als anekdotischen Meta-Text zum Thema mitzubringen und genau an dem Wochenende zu diskutieren.

  • #18
    Helmut Junge

    @Liza G. wenn jemand "in eigener Sache " schreibt, ist das für ihn persönlich der Maßstab. Ich würde hingehen, weil ich meinen Gegnern, vielleicht auch "Feinden" nicht das Feld überlassen wollte. Es ist übrigens ein häufiger Irrtum, daß glaubt, man müßte diesen Gegner überzeugen. Das geht fast nie. Wenn das ginge, wäre der bereits umgedreht worden, hat er doch sicher schon ein paar Diskkussionen hinter sich.
    Nein, man sollte versuchen, größere Teile des Publikums davon zu überzeugen, daß dieser Gegner falsch liegt. Aber Menschen sind js unterschiedlich geprägt, und ich bin sicher, daß Stefan Laurin seine Erfahrungen mit solchen Gegnern gemacht hat, die mir vielleicht noch fehlen..

  • #19
    Nina

    @17 Lisa G. Nun ja, Faschismus als Meinungsäußerung zu betrachten… kann man machen. Aber bitte nicht wundern, wenn der halbe Freundeskreis (bei mir wäre es fast der gesamte) nach einer möglichen Machtübernahme von Neonazis ziemlich wenig zu lachen hätte.
    Aber nun ja, viel Spaß im akademischen Elfenbeinturm. Als nächstes dann Podium-Kuscheln mit Höcke und Gauland?
    Wer tief in seiner Seele Antifaschist ist, kommt im Leben nicht auf die Idee, sich mit einem Neonazi auf ein Podium zu setzen.

  • #20
    Kritiker

    Die Deutung der Epoche der Aufklärung scheint mir in diesem Beitrag reichlich undifferenziert und geschichtsvergessen. Keineswegs war diese "nationalstaatskritisch"; sie hat selbigen erst so wirklich in Betracht gezogen. Sie beleidigen das 16. u. 17. Jahrhundert.

  • #21
    Helmut Junge

    @Nina, ich denke, daß ich auch "tief in meiner Seele Antifaschist bin", aber ich würde es aus den genannten Gründen tun, bevor die Faschisten mich mund(tot) machen

  • Pingback: Studienstiftung sagt Seminar mit Götz Kubische ab! | Ruhrbarone

  • #23
  • #24
    Thomas Weigle

    Es gehört übrigens seit dem Jänner 19 und der Gründung der Weimarer Republik zu den bevorzugten Verleumdungen von Alt-und Neo-Nazis, Nationalreaktionären und Monarchisten die bürgerliche Republik und die bürgerlichen Freiheiten als links zu verleumden, zu diffamieren und herabzuwürdigen, denn links ist nun mal ein Begriff, der ein gewisses Unwohlsein bei (unpolitischen) Bürgern hervorruft. Schließlich ist die Terrorherrschaft der Murxisten-Leninisten leider untrennbar, aber zu Unrecht mit dem Begriff und den Zielen der antikommunistischen Linken verbunden worden, auch wenn viele nicht bzw. antikommunistische Linke ebenfalls unter dieser Terrorherrschaft zu leiden hatten. Der demokratische Sozialismus und die antikommunistische Linke haben mit Kommunismus nichts zu schaffen, wurden und werden aber von den bösartigen Verleumdern mit in Generalhaftung für den kommunistischen Terror genommen, damit werden sie und die von ihnen unterstützte bürgerlichen Republik und ihre Freiheiten delegitimiert.
    Mit diesen Feinden der Republik und ihrer Freiheiten zu diskutieren, mit Leuten, die frech lügen? Welchen Sinn soll das machen?
    Übrigens @Nina, der Antifaschismus hat nun auch nicht die besten Referenzen, so hat bspw die sich antifaschistisch gebende DDR die dortige VVN 1953 verboten und aufgelöst, weil dort auch bürgerliche Antifaschisten nicht nur tätig waren, sondern sehr zum Ärger der Genossen auch in Leitungsfunktionen gewählt wurden. Vom "antifaschistischen Schutzwall" will ich erst garnicht anfangen, der kommunistische Terror gegen Andersdenkende, auch in den eigenen Reihen, gab sich immer betont antifaschistisch.

  • #25
    Nansy

    Zitat: "Das klassische, rechte Denken lebt von der Angst der Menschen. Religionen wie die Rechte haben immer Angst verbreitet, haben die Krise heraufbeschworen."

    Nanu, jetzt bin ich verwirrt: sind jetzt die meisten rot/grünen Weltretter rechte Missionare? Denn Angst verbreiten diese schon lange ("Und täglich grüsst der Weltuntergang"). Die Grünen als rechte Denker – mir gefällt das….

  • #26
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Nansy: Sie sind in einigen Bereichen – wenig überraschend – nicht weit auseinander: Götz Kubitschek: "Der weitaus größere Teil unserer Leute ist grundsätzlich ökologisch orientiert. Wir bringen dabei den Gedanken des Verzichts und der Askese als erzieherische Kategorie in Verbindung mit dem Verzicht als einer ökologischen Grundbedingung. Da uns der Verzicht nicht mehr auferlegt ist, müssen wir bewusst Verzicht üben, um keinen Raubbau zu betreiben. Vordenker: Ludwig Klages, die halbe deutsche Reformbewegung, Friedrich Georg Jünger, Martin Heidegger, Konrad Lorenz, Herbert Gruhl, Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Baldur Springmann, Rolf Peter Sieferle. Dass all diesen Leuten der ökologische Universalismus linker Couleur fremd ist, muss ich nicht betonen. Und dennoch ist diese rechte, ortsgebundene Form der Ökologie einem Teil der Rechten (den Technokraten, den Ordo-Kapitalisten, der Atomlobby usf.) immer fremd geblieben." Aus:
    Nassehi, Armin. Die letzte Stunde der Wahrheit: Warum rechts und links keine Alternativen mehr sind und Gesellschaft ganz anders beschrieben werden muss.

  • #27
    ke

    Die Gründe sind nachvollziehbar. Das Glückwunschschreiben unseres Präsidenten Steinmeiers ein weiteres Versagen unserer Außenpolitik und Diplomatie. Natürlich muss man im Dialog bleiben, aber die aktuellen Zustände im Iran sehe ich nicht als Grund, der dortigen Führung für ihr Staatsmodell zu gratulieren.
    Ich kann auch nicht nachvollziehen, wie hier "auch im Namen meiner Landsleute" geschrieben werden konnte. Ich bin mir absolut sicher, dass dieses Staatsmodell im Iran nicht zu Glückwünschen einer Mehrheit der Deutschen führen würde.
    Herr Steinmeier sollte in den Ruhestand gehen, nachdem er es schafft, selbst als Präsident noch eine katastrophale Diplomatie zu betreiben. Bisher dachte ich immer, dass man als Präsident eigentlich nichts falsch machen kann.

  • #28
    Helmut Junge

    Über die Absage der Veranstaltung wird sich Kubitschek wahrscheinlich mehr ärgern, als wenn Stefan Laurin gegen ihn gut argumentiert hätte. Trotz meiner anderen Art zu kämpfen, hochachtung Stefan Laurin. An der Absage bist du sicher maßgebend beteiligt. Supi, supi. Dich möchte ich nicht als Feind haben.

  • #29
    Kritiker

    @Herr Laurin
    Was Sie als "Aufklärung" beschreiben, von der Mann sich abkehren würde, ist doch ein Diskurs, der sich über mindestens die ganze frühe Neuzeit hinzieht. "Aufklärung" klingt dabei nett, aber sie war es auch, die gewisse Ideen des nationalen überhaupt erst erfand oder dazu die Wurzeln legte. (Keine Kritik an Ihrer Gesprächsabsage.)

  • #30
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Kritiker: Die Anfänge liegen tatsächlich bereits in der Renaissance. Es guibt allerdings große Unterschiede zwischen der Idee der Nation (Frankreich, USA) und dem völkischen Denken, das weniger national sondern eher stammesorientiert.

  • #31
    TPfanne

    Herr Laurin, ich vermute, Sie haben sich nie der Aufnahmeprüfung zum Auswärtigen Amt unterzogen; sonst sollten Sie mitbekommen haben, dass zur Pflege Auswärtiger Beziehungen auch der Umgang mit allen Staaten gehört, was zum Beispiel mit Jahrestags-Glückwünschen zelebriert wird. Wir pflegen mit allen Staaten Beziehungen, um etwas zu erreichen, gerade auch mit Staaten die uns "bad, very bad" nennen und uns gerne Milliarden-schwere Nachteile zufügen (USA) Staaten, die die meisten Journalisten im Knast verschwinden lassen (Türkei), oder Staaten, die die größte humanitäre Katastrophe auslösen und schon mal einen Washington-Post-Journalsiten in einem Konsulat abschlachten lassen, für den Großteil des europäischen Terrorismus verantwortlich sind und den IS hochgerüstet haben. Auch ein Regime, das einem gebildeten und hochzivilisierten Volk elementare Rechte vorenthält, ist – nicht zuletzt wegen seiner strategischen Bedeutung für die Sicherheit Israels – Pflichtumgang für einen ehemaligen Außenminister und Staatspräsidenten. Das "den Mullahs zu 40 Jahren Schlächeterei im Namen der Bürger dieses Landes gratulier(en)" zu nennen, disqualifiziert sich als eines Studienstiftlers unwürdige platteste Vereinfachung. Ansonsten ist das Feind-Denken ein Charakteristikum der Carl-Schmitt’schen Nazi-Ideologie. Die AfD kann im deutschen Bundestag offensichtlich auf gebildetere und klügere, jedenfalls sich besser benehmende Vertreter zählen, als Sie sich hier darstellen, vgl. https://www.facebook.com/tpfanne

  • #32
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @TPfanne: Das Regime des Irans hat als Ziel die Vernichtung Israels und das von Anfang an. Einem solchen Regime im Namen aller Deutschen zum 40. Jubiläum zu gratulieren ist schlicht eine Unverschämtheit und ganz nebenbei geschichssvergessen: Es wird Persien noch geben, wenn sich niemand an die Namen der verkommenen Zauselbärte erinnert, die heute dort an der Macht sind.

  • #33
    Pascal Zurhold

    Herr Laurin,
    ich muss nun doch nachhaken, weil mich diese Frage seit dem Lesen dieses Beitrags nicht loslässt: Sie finden es ja anscheinend lächerlich, dass Herr Kubitschek "unscharf" ist, und zitieren Herrn Leo (und widersprechen ihm ja nicht), wir würden den Rechten ja zu einem scharfen Profil verhelfen, indem wir sie in die entsprechende Schublade stecken (grob vereinfacht). Nun mein großes Fragezeichen: Wenn Sie hier im Internet mit dem Finger auf Herrn Kubitschek zeigen und sagen: "Der da ist ein rechter Pudding!", dann erfüllen Sie doch genau das und helfen diesem Menschen sogar noch. Stattdessen könnten Sie auf diesem Podium mit der Ihnen gegebenen Rhetorik allen Anwesenden zeigen, wie verwaschen, ausfluchtsreich und lächerlich Herr Kubitschek ist. Das sollte Ihnen ja gelingen, auch wenn er vor Ihnen sitzt und ein paar Leute dabei live zuschauen? Auch Sie selbst sind ja weder dumm noch ungeschickt.
    Bisher komme ich zu keinem anderen Schluss, als dass Sie es sich schlicht einfacher machen, indem Sie die Sache hier auf dieser Seite "regeln" (…in einer Weise, die Herrn Kubitschek weder interessiert noch ihn bei der entsprechenden "Zielgruppe" entsprechend unglaubwürdig macht).
    Sie hätten also die einmalige Chance, den Einfluss einer grausigen Person zu senken und sein Ansehen an bedeutsamer Stelle zu schmälern. Stattdessen tun Sie im Endeffekt leider… nichts.

    Bitte sagen Sie mir, dass ich mich irre.

    Pascal Zurhold

  • #34
    MattySyntax

    Entschuldigung aber was ist jetzt die Leistung sich nicht einer politischen Diskussion mit dem rechtskonservativen Götz Kubitschek zu stellen.

    Es ist keine Leistung und zeigt die Unfähigkeit und gewissermaßen die intellektuelle Verfettung großer Teile der Linken in Deutschland und verdeutlicht einmal mehr, warum der Zustand dieses Landes und großer Teile unseres Kontinents der ist, der er halt ist, desolat.

    "Er meidet klare Aussagen, bleibt im Ungefähren, verweigert sich in Debatten jeder Auseinandersetzung mit offenem Visier." Das ist Kubitschek? Dann scheint er ein Politiker alter Schule zu sein 😉

    Ich kenne aber die Schriften und einen Auftritt bei einer Konferenz (YouTube Video) des kruden Compact Magazins von Kubitschek. Seine Aussagen sind deutlich und Klar und sie gefallen mir auch nicht.

  • #35
    Thommy

    Herr Laurin,

    Ich halte Ihre Entscheidung in diesem Fall für absolut richtig und lobenswert.
    .
    Es ist bedauerlich genug, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstakten den kulturfeindlichen rexhtsextremistischen Krakeelern von der AFD über Jahre regelmäßig vor einem Millionenpublikum Gelegenheit gaben, ihren xenophoben menschenverachtenden Müll zu propagieren.

    Ohne diese Plattformen wäre die AFD nie in diesem Ausmaß in den hiesigen Parlamenten vertreten.

    Allerdings sind mir Ihre Ausführungen zu lang geraten.

    Und- wenn Sie gegen Steinmeier schießen-so lange Sie hier Sprechern der israelischens Armee und Geheimdienstkoordinatoren der rechtsgerichteten und von rechtsrafikaken Rassisten unterstützten israelischen Nethanjahuregierung, der inzwischen sogar Bündnisse mit der rassistischen Nachfolgepartei "Jüdisches Heim" der terroristisch Kach-Partei von Kahane anstrebt,das Mikro halten, sollten Sie sich mit solchen – von Doppelmoral geprögten-Statements zurückhalten . Das ist dann einfach nur noch unglaubwürdig.

    Menschenrechte sind unteilbar und insofern kann es auch keine "guten" und keine " bösen "Menschenrechtverletzer geben. Wer abwr nur due einen verueteilt und abdere Menschenrechtsverletzer hofiert, interessiert sich nicht für Menschenrechte.

  • #36
    Klaus Lohmann

    @#34: "Seine Aussagen sind deutlich und Klar" Ist das bei Ihnen nur Allohol oder sind da noch Pillen im Spiel? Ich frage aus rein medizinischem Interesse.

  • #37
    Maria

    Verstörend, einen Teil dieser Kommentare zu lesen. In jedem Fall hat der demokratische Umgang mit undemokratischen Menschen NICHT den gewünschten Erfolg. Offensichtlich überzeugen deren Lügen und Verdrehungen, ihr Hohn für „Gutmenschen“ mehr, als dass sie aufklären. Die hitzigen, scharf geführten Diskussionen mit den Rechtsaußen in den Talkshows machte diese populär. Eingeladen wurden sie damals für die Quote. Es ist rührend zu erleben, wie aufrechte und kluge Demokraten sich abmühen und verlieren gegen kryptische,verfolgungswahnhafte Verschwörungstheorien oder gegen bieder völkische Treuherzigkeit. Ein Narr, wer glaubt, er könne durch öffentliche TV oder Pudiumsdiskussionen Publikum umstimmen. Wer oft auf dem Land weilt, schafft es auch dort nicht in kleinen Kneipenrunden. Let us face it: ein gutes Drittel unserer Gesellschaft möchte einen Führer, eine nationale Diktatur, das Germanische, und sie hasst Fremdes, Ausländisches. Dieses Drittel gab es immer. Aber jetzt kann es sich dreist oder „demokratisch“ äußern . Und unsere liberale Grundhaltung möchte allem und jedem eine Chance geben. Das ist zunächst richtig, bedarf aber genauerer Untersuchung und Klarheit im Kopf. Sonst lässt sie sich komplett verarschen wie im Falle Bushidos, dem eilfertig ein Bambi für Integration verliehen wurde . Mit all den Laudatoren und einem Eichinger Filmchen. Manchmal muss man sich so klar abgrenzen, dass es weh tut, eine Diskussion nicht mehr geht. Den Mut, das zu erkennen und so zu handeln, haben nicht viele. Ich nehme mir das Recht auf diese Weigerung. Die Absage finde ich richtig. Aber in ihr werden zu viele hochbrisante Themen angesprochenen, sodass der Kernpunkt: wie lange und mit wem diskutiere ich öffentlich wo etwas verschwindet. Klar, eine Begründung muss her, aber reicht es nicht, auf die Erfahrungen in der Nazizeit hinzuweisen? Oder auf die anwachsenden Zahlen der AfD mit und nach den hunderten von TV Auftritten? Herrn Hans-Olaf Henkels jetzt vergessene, dreiste Ausnutzung seiner medialen Macht bei Gründung dieser Partei? Wer gebot ihm Einhalt? Das Fernsehen berichtete und berichtete und berichtete, bis auch die Letzten hinter den 7 Bergen davon hörten. Das soll nicht zynisch sein, ich schüttele nur den Kopf bei dieser gefährlichen pseudodemokratischen Diskussion

  • #38
    TPfanne

    Darf ich Ihre Geschichtskenntnisse ein wenig auffrischen: Nach der Konferenz von Guadeloupe im Januar 1979, auf der der französische Präsident Valéry Giscard d’Estaing, Präsident Jimmy Carter aus den Vereinigten Staaten, Premierminister James Callaghan aus dem Vereinigten Königreich und Bundeskanzler Helmut Schmidt beschlossen hatten, den Schah nicht mehr zu unterstützen und das Gespräch mit Ajatollah Ruhollah Chomeini zu suchen, begannen die 40 Jahre einer neuen iranischen Staatsverfassung. Sie ist mir keineswegs sympathisch, aber auch keineswegs kohärent verlaufen, auch wenn die Leugnung des Existenzrechts Israels eine Konstante sein mag. Mit Ihrer grob fokussierenden Brille können Sie anscheinen nicht sehen, dass Außenpolitik mit (komplexen) realen anderen Staaten zu tun hat – und nicht in einer Blase aus sich selbst verstärkenden Feindbildern stattfindet, etwa à la Netanyahu, der die Visegrad Staaten als EU-Spaltpiltz nutzen (wofür Polen die Zustimmung zu seiner doktrinären Geschichtsbetrachtung verlangte). Studienstiftler sollen versuchen, ihre "hohe wissenschaftliche oder künstlerische Begabung und Persönlichkeit" so zu nutzen, dass man "besondere Leistungen im Dienst der Allgemeinheit erwarten" kann. Was Sie hier vorführen, sind hingegen reine Überheblichkeit.

  • #39
    Stefan Laurin Beitragsautor

    Als Steinmeier noch Aussenminister war hat er Trump nicht zur Wahl gratuliert – der Mann wurde immerhin in freien Wahlen gewählt.
    https://www.n-tv.de/politik/Steinmeier-gratuliert-Trump-nicht-article19045691.html
    Bei den Mullahs übt Steinmeier den Kotau.

  • #40
    Helmut Junge

    Genau, Steinmeier mal so mal so. Da er damals, bei Trumps Wahlsieg, Außenminister war, hätte er sich genau in dem Sinne verhalten müssen, wie @TPfanne es erklärt. Hat er aber nicht.
    Mir ist aber gut in Erinnerung, daß Außenminister Gabriel als erstes EU-Mitglied, Stunden nach Aufhebung des Boykotts, bereits im Mullahreich, Wirtschaftsverhandlungen geführt hat.
    Seine populistische Forderung war zwar, daß der Iran das Existenzrecht Israels anerkennen sollte, aber es ging um handfeste Wirtschaftsinteressen. https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/sigmar-gabriel-fordert-iran-zu-dialog-in-teheran-auf-13711513.html
    Ich vermute, daß sich an den Wirtschaftsinteressen nichts geändert hat.
    Nur den Wählern streut man kleine Zuckerwürfelchen hin, damit der nicht viel nachfragt. Menschenrechte anzusprechen gehört zum Standardrepertoire bei Wirtschaftsverhandlungen. Versteht sich doch von selbst.

  • #41
  • #42
    ke

    @38 TPfanne
    Wenn man klare Leitsätze und eine klare Haltung hat, reduziert sich Komplexität enorm und man kann sich auf Problemlösungen fokussieren.

    Ist man im beliebigen "Ich habe auch alle lieb und akzeptiere alles" Modus , muss man sich nicht wundern, dass man irgendwann nur noch Bittsteller ist. Dann wird es kompliziert.

    Da ich mich nicht an irgendwelche außenpolitischen Erfolge in den letzten Jahren erinnern kann, scheint offensichtlich etwas falsch zu laufen bzgl. der Ausbildung im Bereich des auswärtigen Amts . Dass England aus der EU austritt und Dänemark vor einigen Jahren wieder Grenzkontrollen an der dt. Grenze einführten, ist doch wohl das offensichtlichste Zeichen, dass irgendwas gewaltig in den falschen Bahnen läuft.
    Dass Herr Maas, der als Jurist schon im Justizministerium eher fragwürdig aufgefallen ist, jetzt Außenminister ist, lässt die Hoffnung auf Besserung schwinden. Wenigstens haben die bunten Blätter etwas von dieser Besetzung.

  • #43
  • #44
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @adeleine Nass: Kubitschek sieht sich selbst so – da gibt es nichts zu "diffamieren".

  • #45
    Rainer Gebhardt

    Herr Laurin,

    Sie sind ein ausgezeichneter Schattenboxer, aber für einen Fight gegen Kubitschek reicht das nicht. Daß Sie Fracksausen haben, verstehe ich, aber bitte versuchen Sie nicht, uns Ihre Feigheit als Stärke aufzubinden. Das ist jämmerlich.

  • #46
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Rainer Gebhardt: Naja, blasen Sie sich mal nicht so auf – glauben Sie mir, ich hatte keine Angst. Es ist eher Arroganz: So ein Schwurbler, der nie eine Position bezieht und gerne im Ungefähren bleibt ist nicht jemand, den ich als adäquaten Gegner sehe. Man kämpft mit offenem Visier. Das ist nicht Kubitschekcs Stil – also werde ich mich nicht auf sein Niveau herabbegeben. Und dann noch: Warum sollte ich überhaupt einen Rechtsradikalen als Gesprächspartner akzeptieren? Man redet mit Gegnern, nicht mit Feinden. Feinde bekämpft man.

  • #47
    MattySyntax

    #36 Klaus Lohmann

    Ich weiß nicht was bei Ihnen im Spiel ist. Vermutlich der schlechte Charakter gegen den es keine Pillen gibt, mit dem man sterben wird und der sich in Deutschland in der anonymen Diskussion im Internet besonders gut ausleben lässt. Mit einem Schuss Arroganz.

    Seine Aussagen sind deutlich und Klar. Die Aussagen der anderen Autoren und Autorinnen in der Sezession, aber auch anderer Blätter wie der Jungen Freiheit sind nicht verklausuliert bzw. rhetorisch getarnt. Also ist die Behauptung falsch von Stefan Laurin, denn ich, als ich auf den "offenen Brief" aufmerksam gemacht wurde im Internet, nicht mal kannte.
    Auch die Widersprüchkeit die jemand wie er, nicht mal selbst erkennt. Wenn er von Demokratie schreibt und ignoriert das die AfD sich nicht in den Bundestag und Landtage nicht gepuscht hat sondern von Bürgern und Bürgerinnen mit ihrem demokratischen Recht gewählt wurde!

    Wenn er aber auch versucht, über die Kurve Steinmeier einen antisemitischen Drall der Anklage in den Text zu bringen und Kubitschek somit vorwerfen will, ein Antizionist und somit Antisemit zu sein. Er ist wohl wie Kubitschek, ein "Parias der Intellektuellen". Die Rechten sind im übrigen offensichtlich, soweit ich deren Geschreibsel mitkriege, immer mehr fasziniert vom Zionismus. Was daran liegt das der Staat der Juden eben der Staat des jüdischen Volkes ist und sonst von niemandem.

    Soll halt eine bestimmte Linke ihre selbstgefälligen Selbstgespräche führen irgendwelchen Studienstiftungen des…. führen. Sie wird soviel wie ich lesen konnte, jetzt doch nicht stattfinden.

    Laurin weiß gar nicht welchen gefallen er rechtskonservativen wie Kubitschek leider gemacht hat. Denn das demonstrative Verweigern einer Diskussion mit einem "Feind" wird erstrecht das Bewusstsein erzeugen "sie wollen nicht","sie können es nicht".

    Die Verwerfungen, der Gesellschaft, gehen weiter. Bravo! Es ist eine Kapitulation der anderen Art.

  • #48
  • #49
    Nina

    "Faschismus ist keine Meinung sondern ein Verbrechen."
    Wer mit Neonazis flirtet, ob im Bundestag oder im akademischen Elfenbeinturm, hat nicht verstanden, worin der Unterschied zwischen Meinung und Verbrechen liegt.

  • #50
    Giuseppe Bottazzi

    Kann mir jemand erklären, warum die Frage, wer mit wem zu reden und wer was zu lesen hat ausschließlich von "Linken" und "Liberalen" aufgeworfen wird, aber nie von "Konservativen" und "Rechten"? Der Sprech in den 60igern war genauso mit umgekehrten Vorzeichen wie heute: "Spiel nicht mit den Schmuddelkindern" – keiner wollte mit den "Linken" reden, außer Ralf Dahrendorf (aber ist halt nicht jeder ein Dahrendorf).

  • #51
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Giuseppe Bottazzi: Leute wie Kubitschek sind heiß auf Reputation, obwohl sie ja selbst sagen, dass sie an einer Debatte eigentlich kein Interesse haben. Es hat auch was mit Eitelkeit zu tun – und sowas erhöht ja auch den Stellenwert in der eigenen Szene. Bei der Studienstiftung Seminar leiten und auf einem Podium sitzen – das ist ja schon mal was.

  • #52
    Klaus Lohmann

    @MattySyntax: Kubitschek ist durch und durch ein Rechtsradikaler (Vom Admin editiert) . So, wie wir sie aus der Geschichte kennen (Sie vielleicht nicht) und so, wie sie sich heute wieder verhaltensauffällig umtreiben. Das ist das einzig "klare" an ihm. Punkt, eot. Und endofthread heißt auf deutsch: "Der Worte sind genug gewechselt".

  • #53
    Nina

    @50 Giuseppe Bottazzi: Ich für meinen Teil bin weder links noch liberal. Ich hab einfach Grips im Kopf und mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass mit Neonazis nicht zu reden ist.

  • #54
    thomas weigle

    @ Nina "Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen." Richtig, nur haben Sie leider vergessen hinzuzufügen:"egal ob er braun oder rot ist."
    Der deutsche Faschismus ist mit seinem Raubkrieg für rund 50 Millionen Tote verantwortlich, er hätte aber diesen Krieg nicht ohne freundliche Mithilfe seiner roten Bündnis-und Freundschaftspartnerpartner aus der "antifaschistischen SU" beginnen können.
    Und die rote Fahne, die auch deutsche Antifas gerne wehen lassen, wurde, da ist man sich nicht ganz sicher, zum Leichentuch für mindestens 20, möglicherweise 60 Millionen Sowjetbürger, wie Sacharow, einer der Schöpfer der roten Atombombe, meinte, sowie allein von 58-62 für ca 40 Millionen Chinesen, die verhungerten im "Großen Sprung nach vorn", der dem chinesischen Griff nach der Atombombe geschuldet war.
    Mit anderen Worten, wer glaubwürdig den Faschismus bekämpfen will, darf nicht nur nach rechts blicken, sondern sollte auch in die Geschichte und in den eigenen Reihen genau, sehr genau hinschauen. Nicht nur in den diversen kommunistischen Splittergrüppchen wird Stalin immer noch als verdienstvoller Staatsmann und Genosse gesehen, auch in der Linkspartei gibt es solche abstruse Einschätzung des "besten Freund des deutschen Volkes", wie ihn einst eine gewisse M.Feist nannte, die auch viel später als M.Honecker und Ex-Ministerin nicht von ihrem positiven Urteil über diesen Verbrecher abrücken wollte.

  • #55
    Rainer Gebhardt

    Laurin,
    das Verrückte an Ihrem Artikel ist, daß Sie, indem Sie Kubitschek zum Feind erklären, de facto den Ernstfall verkünden. Auch das verstehe ich. Denn wer kämpft schon gern gegen Gespenster, noch dazu, wenn diese aus dem Fundus linker Phantasmagorien stammen. Ein Feind ist was Echtes, etwas zum Anfassen. Warum Sie dann aber nicht auf dem Kampfplatz stehen sondern in Ihrer warmen Schreibstube hocken wollen, müssen Sie uns noch erklären.

  • #56
    Schmidt

    @ thomas weigle

    Andrei Dmitrijewitsch Sacharow, der „Vater der sowjetischen WASSERSTOFFbombe“, hat die Toten durch die bei Kernwaffentests freigesetzte Radioaktivität hochgerechnet. Wer hat die erste Atombombe entwickelt und gegen Zivilisten eingesetzt? Die Vereinigten Staaten von Amerika. Wer hat die erste Wasserstoffbombe entwickelt? Die Vereinigten Staaten von Amerika. Wer hat im Kalten Krieg Kernwaffentests ohne Ende durchgeführt?. Die Vereinigten Staaten von Amerika. Ich überlasse es Ihnen, auch die Vereinigten Staaten von Amerika als "faschistisch" zu bezeichnen. Ihr "Antikommunismus" hat pathologische Züge.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Andrei_Dmitrijewitsch_Sacharow#Dissident

    "Nach 1955 setzte bei Sacharow ein Umdenken über die Atombombe ein. In jenem Jahr gab es bei einem Bombentest die ersten Toten. Des Weiteren war Sacharow überzeugt, dass jeder künftige Versuch über 10.000 Opfer kosten werde, und zwar im Laufe der Generationen 10.000 Opfer pro Megatonne.[12] Nach Sacharows Berechnungen waren bereits 50 Megatonnen getestet worden, also 500.000 Tote. 1958 veröffentlichte er in der Zeitschrift Atomenergie den Aufsatz ‘Der radioaktive Kohlenstoff nuklearer Explosionen und die schwellenunabhängigen biologischen Effekte’. 1961 wandte sich Sacharow bei einem Treffen mit KP-Chef Nikita Chruschtschow gegen den Plan, eine 100-Megatonnen-Wasserstoffbombe in der Atmosphäre zu testen. 1962 beteiligte er sich an der Wissenschaftsopposition gegen den stalinistischen Chefbiologen Trofim Lyssenko, der sich gegen gar nicht so neue wissenschaftliche Erkenntnisse wie Genetik gesperrt hatte. 1966 unterzeichnete er einen Brief, in dem vor der Rehabilitierung Stalins gewarnt wurde.

    Sacharow verurteilte 1968 die Zerschlagung des reformkommunistischen Prager Frühlings und veröffentlichte im Juli 1968 das Memorandum Gedanken über Fortschritt, friedliche Koexistenz und geistige Freiheit, in dem er sich für internationale Abrüstung und Kernwaffen-Kontrolle einsetzte. Als Folge wurde er aus dem sowjetischen Atomprogramm entlassen.

  • #57
  • #58
    abraxasrgb

    @ Stefan,
    we agree to disagree?
    Es ist / war Deine Entscheidung, also keine Kritik.
    Ich an Deiner Stelle anders gehandelt und hätte teilgenommen.
    Weder hätte ich Bedenken mental "infiziert" zu werden, noch die Hoffnung, jemanden, der kategorisch anderer Meinung ist, zu überzeugen. Spannend finde ich aber immer die verbale Auseinandersetzung mit Menschen, die kategorisch anderer Meinung sind, als ich.
    Da ich ohnehin nicht daran glaube, dass Politik ein rationales Geschäft ist, kann man sie als Zeitvertreib oder Zeitverschwendung sehen. Letzteres finde ich OK, wenn man besseres zu tun hat und z.B. lieber mit Freunden einen schönen Tag verbringt, als mit jemandem, den man als politischen Gegner sieht.
    Die Dialektik ist auf jeden Fall gnadenlos, je kategorischer die Verweigerung des Dialogs, desto tiefer die konfrontativen gesellschaftlichen Gräben.
    Anyway, Veranstaltung ist abgesagt, jetzt ist es Zeitverschwendung 😉
    enjoy!

    #54 Thomas
    Wir sind zwar oft anderer Meinung, diesmal aber völlig d´accord.

  • #59
    thomas weigle

    @Schmidt Ich sehe keinerlei Zusammenhang zwischen Sacharow als Mitschöpfer der Atombombe und dem roten Faschismus in seinem Heimatland. Zumal er ja später als Dissident nach dem damaligen Gorki verbannt war und erst unter Gorbi nach Moskau zurück durfte. Ich habe das mit der Atombombe nur deshalb erwähnt, weil sein Name wohl nicht mehr jedem was sagt.
    Ich finde am Abwurf der beiden Atombomben nicht wirklich verwerfliches, denn ein längerer Kriegsverlauf hätte sehr viel Menschen das Leben gekostet. Die Amerikaner rechneten bei konventioneller Weiterführung des Krieges mit einer halben Million Verluste in den eigenen Reihen, bei der Eroberung Okinawas starben ein Viertel der Zivilbevölkerung, was v.a. auf die jap. Kriegsführung zurückzuführen ist, die ja nicht mal auf die eigenen Leute Rücksicht nahm.
    In den drei Wochen Krieg der SU mit Japan im Sommer 45 auf chin. Gebiet starben mehrere Hunderttausend japanische Soldaten.
    In Europa starben im letzten Kriegsjahr mehr Menschen als in den 5 Jahren zuvor. Nun stellen Sie sich mal vor, zwei Atombomben auf Deutschland im Sommer44 hätten den Krieg beendet.
    Ich verstehe deshalb schon seit langem nicht das jährliche Gedenken, dass völlig außen vor lässt, dass diese Bomben Millionen Menschen Leben und Gesundheit gerettet haben. Von den materiellen Schäden nicht zu reden.
    Generell denke ich im Gegensatz zu früher, dass uns im Westen die atomare Rüstung den Arsch vor dem roten Faschismus gerettet hat.
    Was den Bau der sow. Atombombe angeht, so hat Chrustchow 1957 auf der Konferenz der kommunistischen und Arbeiterparteien Mao auf dessen Ankündigung des Baus einer chin. Atombombe gesagt, dass der Bau der russischen A-Bombe anderthalb Millionen Menschen das Leben gekostet habe( Hungersnot in den westl. Gebieten der SU.)Antwort Maos:"Menschen sind das Einzige wovon wir genug haben." Nachzulesen in "Grabstein"von Yang Jisheng über die chinesische Hungerkatastrophe. Die Tatsache als solche wird auch von den regierenden Murxisten-Leninisten nicht mehr bestritten, lediglich die Höhe der Zahl der Opfer bestreiten sie.

  • #60
    thomas weigle

    Ergänzung zu #59 Wissenschaftler in der Stalinzeit kann man kaum wegen ihrer Mitarbeit an Rüstungsprojekten verurteilen, denn die forschten buchstäblich um ihr Leben, v.a. auch solche, die aus dem Gulag direkt in Forschungsstätten verbracht wurden, wie es bspw. im "1.Kreis der Hölle" beschrieben wurde Deshalb denke ich, dass Wissenschaftlern wie Sacharow kaum eine Möglichkeit der Verweigerung einer Mitarbeit hatten, bei was auch immer. Deshalb sehe ich in diesen eher keine Überzeugungstäter im Sinne des Murxismus-Leninismus, Hinzu kommt, dass die Atomforschung bis in die Mitfünfziger militärisch wie auch zivil noch nicht das große Streitthema war, sondern als großes Zukunftsprojekt galt. Da konnte man sogar in Micky Maus 1959 lesen, dass im Jahre 2000 Atomloks die USA von Küste zu Küste durcheilen würden.

  • #61
    Giuseppe Bottazzi

    Hat jemand eine Vorstellung davon, wie man mit *isten aller Schattierungen anders umgehen soll, als mit Reden? Vorsorglich Umerziehungslager, denn strafbar gemacht hat sich der K. Ja scheinbar noch nicht. Und die Mystifizierung des politischen Gegners als Gottseibeiuns war immer ein Mittel des Machterhalts. Ich bleibe dabei, das Verhalten der Linken und Liberalen ist nicht besser (und genau so dumm), wie damals das von Dachlatten-Börner, Dregger, FJS und Konsorten. Der K. lacht sich doch schlapp. Wenn man sehen will, wie es geht, mal bei den Krautreportern den Briefwechsel mit Nassehi lesen. Nazisraus brüllen ist einfach zu wenig.

  • #62
    Schmidt

    @ thomas weigle

    Schreiben Sie eigentlich unter Ihrem Realnamen? Bei den Kommentaren, die Sie veröffentlichen, ist das "mutig". Wie ich schon sagte: Ihr "Antikommunismus" hat pathologische Züge. Welches Wort wird da betont?

  • #63
    abraxasrgb

    Ja, das doofe an dem "Rechts-" Vorwurf, auch wenn er manchmal berechtigt ist, selbst-ironischerweise, dass es vermutlich (fast) jeden von uns im Netz schon einmal be- bzw. getroffen hat.
    Honi soit qui mal y pense 😉
    Das ist Stefan Laurin in anderen Blogs auch schon vorgeworfen worden (pro-Israel horrible dictu).
    Mir übrigens auch … was bleibt einem also übrig, als Schulterzucken.

    Andererseits kann ich Stefan verstehen, richtig cool wäre es aber, einfach zu sagen: Ich habe keinen Bock mit dem Typ ein Podium zu teilen, wer von Euch anderen tut sich das an? Positionen, die man nicht teilt, Paroli zu geben oder … oh, je … auch mal recht (Achtung Wortwitz) zu geben? Es geht nicht um das "Können", sondern das "Wollen".
    Wer "A" sagt, muss auch politisch "-limente" zahlen. Wer Refugees welcome kommuniziert hat, darf sich demokratisch meiner libertäten Haltung nach, nicht über "Refugees raus" wundern. Das wäre trivial naiv. Muss man nicht mögen, kann man verstehen. Das ist kein "rassistischer" K(r)ampf, das ist erst einmal eine innerdeutsche Frage der Kultur der fundamentalen politischen Dissens.
    Wer populistisch "emotional" handelt, der darf sich meiner Meinung nach, nicht über "pluralistische" Ressentiments wundern.
    YMMV

  • #64
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @abraxasrgb: Es geht nicht um "Refugees welcome", das habe ich pauschal übrigens nicht aus Zufall nie gesagt. Es geht um ein völkisches Denken, dass sich etwas moderner präsentiert.

  • #65
    Fischer

    Sehr geehrter Hr. Laurin,

    mit großem Befremden habe ich den Teil Ihres Artikels gelesen, der fordert rechte Agitatoren als Feind, nicht als Gegner zu betrachten. Wer seinem Gegenüber erst die Redlichkeit (nicht an Diskurs interessiert), dann die menschlichen Grundrechte (intellektuelle Paria) aberkennt und anschließend seine Vernichtung fordert, der bewegt sich nicht in einem pluralistischen, demokratischen Rahmen. Dieser schließt nämlich stets die Möglichkeit des eigenen Irrtums mit ein, geht mit fubdamentalem Respekt vor dem Menschen im Gegenüber, nicht seinen Ideen, einher und fordert nicht seine rechtzeitige Vernichtung.

  • #66
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Fischer: Ach ja, dieses große Gerede davon, dass sich alle an einem großen Tisch setzen und nett miteinander reden sollen: Nazis, Islamisten und die anderen Volkserzieher. An diesem Tisch werde ich nicht Platz nehmen.

  • #67
    Fischer

    Das ist in Ordnung, geht aber an meiner Kritik vorbei.
    Der kleine Teil Ihres Briefes, der mir kritikwürdig scheint, ist der, in dem Sie den Schritt von Kubitschek hat eine andere Meinung, die ich vehement ablehne und deren Verbreitung ich verhindern möchte (demokratisch; moralisch völlig i. O.) zu Kubitschek ist ein Feind, mit dem man nicht sitzen darf und der vernichtet werden muss, zum Wohle aller (undemokratisch; totalitär) vollziehen.

  • #68
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Fischer: Für mich gilt Popper: Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit. Der ganze postmoderne Relativismus ist mir so fremd wie ein veganes Schnitzel.

  • #69
    Giuseppe Bottazzi

    @Stefan Laurin: Aber leider eine ausgezeichnete Gelegenheit verpasst, sich die politische Nahkampfspange in Gold zu holen!

  • #70
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Giuseppe Bottazzi: Die holt man sich nur bei einem Gegner der mit offenem Visier kämpft – und das tut Kubitschek nicht. BTW: Ein Sieg im Raumkampf ist auch schön 😀

  • #71
  • #72
    Nina

    Meine Güte…manche hätten sich auch mit Hitler an einen Tisch gesetzt. Der hatte schließlich auch nur ne andere Meinung und Sicht auf die Welt.

  • #73
    Ruppe Koselleck

    Sehr geehrter Herr Laurin,
    warum eigentlich setzten Sie Herrn Götz Kubitschek in eine Headline auf den Blog über Ihr persönliches Statement? Tun Sie damit nicht genau das, was er will? Die Rechte ins Zentrum zu rücken und das auch noch mit Promibonusbild vorab der geschriebenen Einwände? Warum greifen Sie nicht mal nach dem Telefonhörer und fragen bei den anderen Angefragten eines möglichen Podiums nach? Wie groß sollte das Seminar werden? In welchem Rahmen? Und wie öffentlich? Und wer hatte wirklich wozu zugesagt?
    Nachfragen schadet nicht!
    Herzlichen Gruß von Ruppe Koselleck

  • #74
    Fischer

    @Nina Es geht genau um den Unterschied zwischen nicht mit Hitler reden und Hitler vergasen. Das ist der Unterschied zwischen Demokratie und Totalitarismus.

  • #75
    Patrick Saum

    Warum ist Götz Kubitschek eigentlich so wichtig. Ich meine, keiner regt sich über einen Altstalinisten wie den knuffigen Herrn Westphal aus Dresden auf oder anarchistische Verleger mit Bart oder ein ewiggestrigen Typen der Linkspartei wie Hans Modrow. Wir lesen lustige messer-raussige Anarchistentexte von 1912, die freundlicherweise wieder aufgelegt wurden, essen Popcorn zu Westphals YT Videos mit FDJ und lachen es weg, wenn Opa Modrow auf dem Parteitag seinen Ältestenratbericht zur Rettung des Friedens vor dem Atomkrieg präsentiert.

    Warum werden diese rechten Leute wie Kubitschek so zu einer irren Bedrohung hochgejazzt, die noch im Fernbleiben und Ausgeladenwerden gigantisch groß werden? Denn Ausladen ist ja immer die Kapitulation des Diskurses, die den Ausladenden gar nicht souverän erscheinen lässt. Kubitschek ist zu eine Art Intellektuellen-Porno avanziert, über den man ständig spricht, aber mit dem man nicht zu sprechen hat.

    Nun wirfst Du hier Götz Kubitschek vor, er würde seine Positionen zu sehr verstecken. "Gegner der mit offenem Visier kämpft – und das tut Kubitschek nicht." Würdest Du mit expliziteren Leute von rechts sprechen? Doch wohl erst recht nicht!!!

    Unter den dürftigen Publikationen Kubitscheks ist ja auch interessantes dabei, auch offenvisierig. Der Thor von Waldstein etwa, der nach allen Regeln der staatsrechtlichen Kunst Vorverständnisse der herrschenden Politik filettiert, aus seiner NPD Nähe aber so überhaupt keinen Hehl macht. Würde man so einen sprechen wollen? Keine Ahnung. Lesen lohnt sich auf jeden Fall im Gegensatz zu dem anderen Schmarrn bei Ataios. Ein Kleinverlag, über den das Feuilleton ständig rauf und runter schreibt, und bei dem alle Regeln, Prinzipien, Schutzmechanismen der liberalen Publizistik plötzlich brechbar sind.

    Ich denke Kubitschek taugt als Redner und Talkgast überhaupt nichts. Der ist keine Rampensau. Den braucht man nicht vorzuführen, der zerlegt sich selbst auf der Bühne. Aber wenn er nicht eingeladen wird und mit ihm nicht gesprochen werden soll, dann wird er zur starken grauen Eminenz. Wenn man ihn auslädt, wenn man ihn nicht einladet, wenn man Panels absagt, mach es, aber dann sprech nicht drüber!!! Alles andere ist das Geheimnis seines Erfolges.

  • #76
    M. D.

    #46
    Aussagen wie "Warum sollte ich überhaupt einen Rechtsradikalen als Gesprächspartner akzeptieren? Man redet mit Gegnern, nicht mit Feinden. Feinde bekämpft man." ist Standard-Phrase im Arsenal derer, die Du selbst als "postmoderne Schwurbler" subsummierst.
    Klingt erst einmal gut, ist aber problematisch:
    Kurzerhand beliebige Menschen als rechtsradikal und damit als Feind zu deklarieren ist, je nach Kontext, gelebt faschistoide Praxis totalitärer Fanatiker; zu sehen täglich auf Twitter und zahlreichen Online Foren.
    Nun ist Kubitschek zweifellos ein Rechtsradikaler, und Stefan Laurin hat seinen Standpunkt schlüssig begründet- wozu also noch dieses virtue signalling?

  • #77
    Gotlandfahrer

    Werter Herr Laurin,
    Ihr Brief ist hoch interessant, da sich an ihm herauskristallisiert, wie Wahrnehmung, Kommunikation und Feedback in menschlichen Gruppen – trotz objektiver Selbstwidersprüchlichkeiten im Aussagensystem – zu trügerischen Wahrheitsübereinkünften führt. Vereinfacht: Groupthink.

    Je nach Zustand des Systems kann dies dann zu historisch gut belegten, immer wieder auftauchenden Massenhysterien und „Räuschen“ führen. Meiner Vermutung nach geschieht dies dann nicht trotz, sondern sogar allein aufgrund der menschlichen Fähigkeit zu abstraktem Denken. Mir ist neulich dafür der Begriff „Intelligenzinduzierter Illusionismus“ in den Sinn gekommen, der mir geeignet erscheint, um das Phänomen zusammenzufassen.

    Ein Kennzeichen für die dem Rausch vorangehende, komplexe Wechselwirkung ist stets, dass ein hoch erregter Teil der Gruppe sich selbst dazu aufgerufen fühlt, andere Teile der Gruppe dazu aufzurufen, gegen das absolut Böse „tätig“ zu werden. Der Kipp-Punkt hin zum Rausch ist dann erreicht, wenn diejenigen, die den öffentlichen Diskurs beherrschen (und der Diskurs wird kontrolliert, selektiert, organisiert und kanalisiert, vertrauen Sie da ganz auf Foucault), nach schrittweise erreichter Homogenisierung ihres umgebenden Referenzsystems, nur noch in einem monodirektionalen Nachahmungswettbewerb „punkten“ können. Dann schwillt der „Gesang“ in der Mehrheits-Filterblase derart an, dass die Erregung auf alle, die nicht nicht dabei sein wollen oder können, überschwappt.

    Daher sind Aussagen wie „Wir sind mehr“ oder „Wir sind 87%“ ein verlässlicher, beunruhigender Indikator dafür, dass ein solcher Punkt erneut nahe bevorsteht.

    Was hat das jetzt mit Ihrem Brief zu tun?

    Ganz einfach: Ihr Eifer, mit dem Sie hier aufgrund einer drohenden Untat zu einem Handeln auffordern („lassen Sie es“), steht, soweit werden Sie mir zustimmen können, ganz und gar im Einklang mit der aktuell, sagen wir: „mehrheitsfähigen“ „Haltung“.

    Gerade Sie, der Sie sich so ausdrucksstark auf die Aufklärung beziehen, werden wissen, dass Aufklärung zunächst und vor allem die Befreiung von Alternativlosigkeit war. Und zwar durch Einführung des Zweifels als Mittel des kontinuierlichen Tests der eigenen Hypothesen. Sie werden ebenfalls wissen, dass Fortschritt nie von „der Mehrheit“ erdacht oder erreicht wurde, sondern von Individuen und Minderheiten. Und dass diese sehr oft dafür zunächst als Spinner, Außenseiter, ggf. sogar als „gefährlich“ bezeichnet wurden, insbesondere immer dann, wenn deren Ideen denen, die den Diskurs beherrschten, nicht dienlich erschienen.

    Nun gehört es ebenso zum Phänomen des Rausches, dass sich die in ihm Getriebenen nie als Teil eines solchen empfinden, sondern sich stets in bester Absicht handelnd wähnen. Das macht die besondere Schwierigkeit unserer derzeitigen Situation aus, denn wenn es nun mal keinen objektiven Beobachter zweiten Grades geben kann, der ein akzeptiertes Urteil fällt, wie soll dann noch vermittelt werden können, wenn mindestens eine von zwei Seiten diesem Rausch verfallen ist? Die dem Rausch Verfallenen werden stets darauf hinweisen, dass sie es gerade nicht sind, sondern die anderen, die die Voraussetzungen eines Diskurses nicht mehr erfüllen.

    Es ist die Tragik der menschlichen Intelligenz, dass sie noch keinen Weg gefunden hat, sich selbst auf den Zustand eines Rausches zu testen. Dabei gibt es geeignete Indikatoren.
    Einer ist zum Beispiel die Prüfung der eigenen (eben „mehrheitsfähigen“) Rede auf Merkmale der Projektion. Lesen Sie bitte einmal Ihren Text aus der Sicht eines völlig Unbeteiligten, sagen wir aus Sicht eines Außerirdischen, der weder der einen noch der anderen Seite zuneigt.

    Was wird der Außerirdische über Sie denken, wenn er einige historische Eckpunkte der deutschen Geschichte kennt und dann zum Beispiel Ihre folgenden Passagen liest:

    „Demokraten dürfen nie kapitulieren. Ein solches Handeln ist als schändlich zu bezeichnen. Da mir der Gedanke an Kapitulation gänzlich fremd ist, habe ich nicht vor, mich an einer solchen zu beteiligen, auch wenn Sie es sind, die die Fahne vor dem Feind in den Staub sinken lassen.“

    Nun bin ich kein Außeririscher, aber ich unterstelle, ein solcher würde sich an die Rhetorik einer einschlägig bekannten Geisteshaltung erinnert fühlen, die Sie ja gerade als das, was es zu bekämpfen gilt, herausstellen.

    In der Psychologie nennt man dies – von Schulen unabhängig – Projektion: Projektion ist ein Abwehrmechanismus. Der Begriff Projektion umfasst das Übertragen und Verlagern eines innerpsychischen Konfliktes durch die Abbildung eigener Emotionen, Affekte, Wünsche und Impulse, die im Widerspruch zu eigenen und/oder gesellschaftlichen Normen stehen können, auf andere Personen, Menschengruppen, Lebewesen oder Objekte der Außenwelt.

    Ich möchte Sie damit nicht pathologisieren, nur einen Hinweis darauf geben, dass Sie sich fragen sollten, von welcher Art innerem Gefühl Sie tatsächlich beseelt sind.

    Denn auch folgendes könnten Sie wissen – und wenn nicht, machen Sie sich bitte zügig damit vertraut: Nicht unsere Intelligenz und Rationalität bestimmt unser Denken und Handeln, sondern unsere Intuitionen. Je intelligenter wir sind, desto überzeugender können wir diese nur anderen und uns selbst gegenüber verargumentieren. Und ich halte Sie für sehr intelligent.

    Ein weiterer Indikator, den man zur Selbstprüfung betrachten kann, um festzustellen, wie weit man Teil eines Rausches geworden ist, ist die Isolierung eines einzelnen Zielkriteriums als alle anderen „übertrumpfendes“.
    Denn wenn Sie schreiben:

    „Sie (die Idee des Ethnopluralismus) ist der ideelle Kern einer immer populärer werdenden Identitätspolitik, die Menschen nicht mehr als Individuen mit denselben Rechten sieht, wie es die Erklärung der Menschenrechte beschreibt, sondern als Teil von Gruppen, Ethnien, Kulturen oder Religionen.“

    Dann möchte ich zunächst Sie selbst bemühen:
    „Man mag das als Kinderei abtun, im Kern ist es jedoch nichts anderes als eine Abkehr von der Aufklärung.“

    Denn Sie zeigen zwar ein beachtliches Vermögen in abstraktem Denken, täuschen sich mit Ihrem gefühlt naheliegenden Schluss aber darüber hinweg, dass es selbstverständlich immer mehrdimensionale Abhängigkeiten sind, die einen lebensweltlichen Zusammenhang kennzeichnen. Ihr Wunsch, die Erklärung der Menschenrechte (die im Übrigen selbst sehr differenziert ausfallen, und nicht für ein „passt immer“ geeignet sind) als Erst- und Letztbegründung für vollständige Unerheblichkeit der menschlichen Eingebundenheit in Gruppen, Ethnien, Kulturen oder Religionen heranzuziehen, ist Ausdruck des Strukturwunsches in einer Zeit, in der der „Poststrukturalismus“ Strukturen als solche nicht mehr gültig sein lassen will. Während die Strukturen, die uns sein ließen, aber komplexe, mehrdimensionale sind, ersetzen Sie diese nach dem Schleifen durch eine schöngeistige Leitlinie. Diese ist so schön, dass ihr niemand widersprechen mag, aber eben auch zu schön, um mit ihr etwas konkret anfangen zu können, außer eben zum Abtrag all dessen, was zum Beispiel auch Sie in die Lage versetzt hat, einen Brief an die „Studienstiftung des deutschen Volkes“ zu richten.

    Ihr Ideal ist es, die Welt zu einer Fläche zu machen, die wie der Straßenverkehr nach einem Satz von Ordnungsregeln „gemanagt“ wird. Kriegste halt ein Ticket, wennde zu schnell fährst. Aber so funktioniert Welt nicht.

    Nichts Anderes trägt, so wie ich es sehe, ein Herr Kubitschek vor. Alles andere ist dumme und/oder böswillige Unterstellung.

    Andere dazu aufzufordern, der einzigen Opposition im Lande keine Bühne zu bieten ist dumm. Sie sind nicht dumm. Lassen Sie es.

  • #78
    thomas weigle

    @ Patrick Saum
    Natürlich sind in der Linkpartei Altstalinisten zu Gange, wobei ein Modrow ja 88/89 als "Reformer" in den westl. Medien figurierte. Hier in OWL wird diese Partei tw. von ex-DKP- Kadern geführt, für die bspw. "der Kampf gegen Israel Teil des Kampfes gegen den westl. Imperialismus ist." Oder man lud zu einer Veranstaltung gegen den "drohenden Krieg Israels und der Nato am Golf, um von der Finanzkrise abzulenken." Solche Typen will man gewiss nicht in einer wie auch immer gearteten politischen oder medialen Verantwortung sehen. Allerdings ist es doch heute so, dass nicht die Linkspartei und ihre Ziele den politischen Diskurs bestimmen, sondern die als Partei verkleideten Armseligen für Deutschland. Diese Leute und die aus ihrem Umfeld sind z.Zt die Gefahr für die bürgerliche Republik und die im GG formulierten freiheitlichen Bürgerrechte. V.a. macht mir auch Sorge, dass Teile der CDU immer noch nicht die Gefahr erkannt haben, die von den Rechtspopulisten ausgeht. Als um die Jahreswende Peter Fischer in seiner Eintracht keine Armseligen für Deutschland sehen wollte, ließ der hess. CDU-MP verlauten, dies sei allein Sache der Eintracht. Für seine mutige Haltung erhielt Fischer kurz darauf 99% der Stimmen bei seiner Wiederwahl als SGE-Präsident.
    Und die Linkspartei? Die hat trotz der eklatanten Schwäche der SPD Mühe republikweit die 10% zu erreichen.

  • #79
    ratatoskr

    "Nun ist Kubitschek zweifellos ein Rechtsradikaler"

    Könnte hier mal das Wort "rechtsradikal" definiert werden?

  • #80
  • #81
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Gotlandfahrer: Ich habe den Text in aller Ruhe am Abend vor seiner Veröffentlichung geschrieben. Rauschhaft war das nicht. Es war der dritte lange Text an diesem Tag – am Ende war etwas müde und schaute mir noch Miami Vice von Michael Mann auf Netflix an. Ein ganz wunderbarer Film.
    Wie Sie richtig ahnen halte ich vom Poststrukturalismus soviel wie von der Postmoderne, nämlich gar nichts.
    Wovon ich viel halte ist, wenn Menschen sich nicht nach einer imaginärer Volkszugehörigkeit orientieren, sondern nach Überzeugungen und Werten. Religionen sind für mich erst einmal nur Meinungen über die Welt. In modernen Gesellschaften haben sie ihren Platz, wenn sie, wie das Christentum, domestiziert wurden. Einen radikalen Islam möchte ich also schon einmal nicht zugestehen, ein bestimmendes Element der Gesellschaft zu sein. Ebenso ist das völkische Denken für mich nichts anderes als ein Atavismus. Mir ist jeder aufgeklärte und moderne Tunesier, der die Ideen des Westen gut findet näher als ein rechtsradikaler Deutscher. Der ist mir so fremd und so sehr Feind wie ein Zauselbart, der einen Gottesstaat errichten möchte. Zur Opposition: Es gibt jede Menge Opposition – mehr Liberalismus, zum Beispiel auch in der Wirtschaft, würde diesem Land sicher nicht schlecht tun. Kapitalismus und Demokratie sind nun einmal sie süßeste Versuchung seit es Politik gibt 😀

  • #82
    thomas weigle

    @ Schmidt#62 Antikommunismus war und ist eine Frage des Anstandes, nicht des Mutes. Jedenfalls in den Mitgliedsstaaten der EWG bzw.EU.
    Mut, sehr viel Mut brauchte und braucht dieser Anstand allerdings in den stalinistischen Diktaturen östlich von Helmstedt. Allein in der DDR saßen bis zu 300.000 Antikommunisten tw. lange und unter unsäglichen Bedingungen ein.

  • #83
    Gotlandfahrer

    @ Stefan Laurin
    "Wovon ich viel halte ist, wenn Menschen sich nicht nach einer imaginärer Volkszugehörigkeit orientieren, sondern nach Überzeugungen und Werten."

    Dann Fragen Sie Herrn K. doch am besten selber, ob er unter Volkszugehörigkeit tatsächlich das versteht, was Sie befürchten (dass diese "imaginär" sei, kann kein Vorwurf sein, denn was ist nicht "imaginär"?). Ich kenne den Herrn nicht persönlich, was man aber von dort liest klingt nicht nach etwas, was es ausschlösse, mit einem aufgeklärtem Tunesier zurecht zu kommen. Es sind eher Trigger-Begriffe, die Ihren Reflex auslösen. Und dass es diese Trigger gibt ist keine gute Grundlage für eine offenen Gesellschaft.

    Auf diverse performative Widersprüche Ihrer Ausführungen gehe ich angesichts des aufziehenden Feierabends nicht ein…

  • #84
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Gotlandfahrer: Erst einmal sind wir alle fröhlich gemischt – da belegen einfache Genanalysen. Und im fall der Germanen wissen wir, dass der Name eines Stammes genommen wurde um ein riesiges, gefährliches Volk zu schaffen – und zwar aus Gründen der Propaganda, um den römischen Senat zur Finanzierung eines Feldzuges zu nötigen. Lesen Sie bitte diese Einlassungen von Kubitschek: Sehr wohl sehe ich, sehen wir das Desintegrative in unserer Gesellschaft, und es ist fast billig zu sagen, dass auch uns manches gut erzogene Migrantenkind sympathischer ist und näher steht als jene anmaßenden, deutschen Rotzlöffel, denen noch nie eine äußere oder innere Not Beine machte. Dennoch sind diese Rotzlöffel Teil unseres Volkes, und wenn der seit Jahrzehnten abwesende Ernstfall im Großen oder im Kleinen den sozialen, staatlich finanzierten Reparaturbetrieb zum Erliegen bringt, wird sich jeder sofort daran erinnern, wer »Wir« ist und wer »Nicht-Wir«. Und: Die Abgrenzung des Ichs und des Wirs von etwas Fremdem ist schlicht eine Konstante.“ Aus: Nassehi, Armin. Die letzte Stunde der Wahrheit
    Das ist zwar wieder ziemlich verschwurbelt, man könnte es auch in einem einfachen Satz sagen, aber es zeigt den Unterschied: Für mich zählt das Verhalten des Einzelnen, für Kubitschek die Herkunft.

  • #85
    Schmidt

    @ thomas weigle

    Schaffen Sie es, einen einzigen Kommentar ohne "Antikommunismus" zu schreiben? Nein. Das ist "pathologisch". In Stefan Laurins Artikel ist "Kommunismus" gar kein Thema. Aber ich bin zuversichtlich, daß Sie auch aus Götz Kubitschek noch einen Kommunisten machen.

  • #86
    Helmut Junge

    @Schmidt, Sie schätzen @Thomas Weigle komplett falsch ein. Woran liegt das?
    Ich werde Sie aber nicht aufklären. Versuchen Sie, falls Sie überhaupt wollen, sich selber ein besseres Bild von ihm zu machen.
    Ein Tipp: Das geht nur, wenn Sie seine Argumente "zerpflücken", Punkt für Punkt. Falls Sie dazu fähig sind, sollten Sie es versuchen. Danach wird Ihr Bild schärfer. Vorher leider nicht.

  • #87
    thomas weigle

    Zum Volksbegriff und der Reinheit des Blutes hat schon Zuckmayr den General des Teufels sinngemäß zu einem Untergebenen sagen lassen, dass sich am Rhein schon immer die Völkerscharen trafen und fröhlich miteinander kopulierten. Dieses ganze Volks-und Blutgeschwätz ist deshalb einfach dämlich, genau wie dieses "Weiß ist mehr als eine Farbe", dass die NPD 2006 vorweinte, weil "Nichtweiße" in der DFB-Elf mitkickten. Zu diesen in jeder Hinsicht limitierten Biodeutschen gehört ja auch Gauland, der nicht neben Jerome Boateng wohnen möchte, wie er die Öffentlichkeit im Sommer 17 wissen ließ.
    Ich persönlich würde mal zu gerne eine Diskussion mit dem"Nichtweißen" Danny da Costa und einem dieser gedanklich und sprachlichen Grobmotoriker aus deren Bundestagsgang erleben. Der SGE-Spieler da Costa formuliert ja so was von druckreif und amüsant, macht einfach nur gute Laune ihm zuzuhören.
    @ Schmidt Sie sind in der Schublade "erledigte Fälle" bestens verwahrt. Was mich angeht, bleiben sie da auch.

  • #88
    Karsten

    "Aus dem völkischen Denken entwickelte sich gegen Ende der sechziger Jahre die Idee des Ethnopluralismus. Sie ist der ideelle Kern einer immer populärer werdenden Identitätspolitik, die Menschen nicht mehr als Individuen mit denselben Rechten sieht, wie es die Erklärung der Menschenrechte beschreibt, sondern als Teil von Gruppen, Ethnien, Kulturen oder Religionen."

    Man kommt um die Tatsache nicht herum, dass die Basisaktivisten des Multikulti in den 90er Jahren eine ethnoplurale Sichtweise hatten. Beim Multikultifest stellt jeder seine eigene ethnische Folklore vor. Tradition ist super sofern es nicht unsere ist. Jede Fremdkultur soll sich ungestört in ihren Extremen ausleben können und sich nicht in unsere Gesellschaft mischen und seine Identität verlieren. Jeder hatte in den 90ern eine Klassenkameradin, die in die Heimat zwangserheiratet wurde – hach, das ist halt deren Kultur. Kopftuch, das trägt man ja angeblich so im Islam. Interessieren wir uns so für die Religion von denen, das wir ständig nur über das Kopftuch reden und wenn es hart auf hart kommt, den Karl May konsultiere. Wir sind ja keine Rassisten, wir finden es toll, wenn die bei uns in ihren Klamotten geil trommeln.

    Die Ideale der französischen Revolution mögen in St Justs Verfassungsentwurf der Ersten Republik geflossen sein, aber es kam zu dieser Verfassung nie praktisch. Es kam mit ihm die Terrorherrschaft der französischen Revolution, die sich gegen Ausländer und vermeintliche Verräter der Revolution in den Reihen der Revolution richtete. Feinde, Feinde, Feinde. Am Ende ein grausiger Kriegsherr und die Idee der Reformeliten, dass man das Volk wohl doch am Staat und an der Armee beteiligen muss. Heute ist man schon fast wieder auf dem Stand der Karlsbader Beschlüsse angekommen und benennt Unis wieder um.

    Das Ideal der gleichen Rechte ist gleichsam eine utopische Lüge, weil diese Gleichheit nicht besteht. Und gemeint war ja doch nur die Gleichheit vor dem Gesetz. In Schweden hat man sie nicht, weil es da noch eine Monarchie gibt, also den Adel und das Volk – stört aber keinen Schweden und stört nicht die praktische Gleichheit der Gesellschaft. Natürlich stehen uns im Grundsatz unsere Kinder näher als die Kinder anderer. Für Sozialpolitik brauche ich zuerst eine Solidargemeinschaft mit dem Grundsatz füreinander einzustehen. Je größer und anonymer und balkanisierter diese Gemeinschaft desto schwieriger wird es diese Solidargemeinschaft zu basteln, weil die Konfliktlinien da sind und die ganz reale kulturelle Distanz. Sieht man an den USA und seiner Unfähigkeit selbst eine allgemeine Krankenversicherung für alle Amerikaner zu etablieren. Es ist ziemlich gefährlich Gemeinschaften wegzuwischen, weil sie den absoluten Gleichheitsgrundsätzen im Wege zu stehen scheinen.

    Es ist auch eine destruktive Note. Wenn ich aus Westfalen, Bayern, Franzosen usw. nur noch "den Menschen" mache, dann muss ich ja auch in der Lage sein den sozialen Kleister zu haben, damit mir diese neue Gemeinschaft nicht um die Ohren fliegt. Wenn ich Bindungen zerschlage und wegrede, kann am Ende nur der Einheitskonsument und unorganiserte Lohnarbeiter stehen. Diesen Typus will der Kapitalismus sowieso, dafür brauche ich überhaupt kein politisches Handeln. Wahrscheinlicher ist, dass sich Widerstandsidentitäten bilden. Ob es religiöse Kleister oder neue Nationalismen sind, spielt erst mal keine Rolle. Willst Du ein Land verteidigen, musst du halt auf die Tektonik der Landschaft Rücksicht nehmen. Flüsse z.B. sind etwas besser zu verteidigen. Auch wenn niemand definieren kann, was Fluss ist und was nicht. Zum Rhein, zum Rhein, zum deutschen Rhein. Stehst Du an der Grenze zwischen Ländern vermagst Du nicht mikromässig zu sagen, warum der eine Hügel Frankreich ist, und das andere Hügel deutsch. Aber wenn man so anfängt, tut man’s um die Grenze zu verschieben. Das gleiche bei jeder anderen Identitätspolitik. Alles ist dann nur noch Konstrukt. Geschlecht zum Beispiel. Nationale Identität der Deutschen – nicht zu erkennen. usw.

    Da Dein Millieu der gebildete westliche Bürger des Wortes ist, steht Dir natürlich der tunesische Doktorant näher als der brandenburgische Schlosser. Das ist dann aber auch unreflektiertes Klassenbewusstsein, bei dem der Spaltpilz im eigenen Volke zuschlägt und der nahe "Fremde" die Strohpuppe abgibt.

    Wie auch immer man Gemeinschaften definiert, es wäre gut sie feindfrei zu haben und das jedenfalls reklamiert der Ethnopluralismus im gegensatz zum älteren Denken. Der pseudowissenschaftliche Rassismus gab die Blaupause zu einer Gesellschaftsbildung durch Ausschluss des vermeintlich anderen. Ein Reinheitsgedanke. Das Problem ist aber nicht die Exklusion per se, sondern die Degeneration einer "Volksgemeinschaft", die der Feinde bedarf zu ihrer Selbstvergewisserung. Es sind die identitätsschwachen Völker, in denen der Faschismus blühte. Jetzt einen hypothrophen Menschheitsbegriff zu lanzieren, der als gemeinsamen Feinde der Rechtradikalen bedarf, das ist höchst problematisch. Und es ist eine Zumutung gegenüber anderen Völkern, die sich in der Vergangenheit emanzipiert haben.

    Unser Land ist von gebrannten Ex-Nazis und ihren Gegnern aufgebaut worden. Ein super Resozialisierungsprojekt. Je länger das her ist, desto mehr bedürfen wir der rechten Gefahr um unsere Demokratie zu leben, desto unsouveräner gehen wir mit Rechtsradikalen um, die ungefähr das Mindset haben wie 1980 die Wilmersdorfer Witwe nebenan, die eisern ihre SPD oder CDU wählte. Nach 1989 blieb für die Linke nur noch der Kampf gegen rechts, als Magazine wie Explosiv mit getürkten Berichten über Faschisten und Satanisten uns überzeugen wollten, dass es größere Gefahren als Atomtod und Waldsterben gibt. Immer noch regiert sie, diese Angst, vor Dieselstinkern bei sinkender Bedrohung durch Abgase, vor orientaler Maskulität mit Messer bei sinkender Kriminalität, vor rechtsvölkischen Kleinverlegern bei sinkendem Stern für nationale Identität im globalen Wirtschaftsprozess . Fragt sich, wozu brauchen die Angst vor etwas so sehr in Deutschland und warum wir immerzu das Bedrohliche im nationalen Kleingarten mit Stumpf und Stiel ausrotten müssen?

  • #89
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Karsten: "Da Dein Millieu der gebildete westliche Bürger des Wortes ist, steht Dir natürlich der tunesische Doktorant näher als der brandenburgische Schlosser. Das ist dann aber auch unreflektiertes Klassenbewusstsein, bei dem der Spaltpilz im eigenen Volke zuschlägt und der nahe "Fremde" die Strohpuppe abgibt." Der Brandenburgische Schlosser steht mir so nah wie der tunesische Doktor, wenn er meine Werte teilt. Das ist es auch schon. Volk ist ein selten dummer und unhistorischer Begriff. ^Das Ideal der gleichen Rechte ist gleichsam eine utopische Lüge, weil diese Gleichheit nicht besteht. Und gemeint war ja doch nur die Gleichheit vor dem Gesetz.“ Die reicht ja auch aus – die Menschen sind nicht gleich, sondern jeder ist anders. Dauerhafte Kollektive sind Lügen, wir sind Individuen, schließen uns mal zusammen und trennen uns dann wieder. Kollektive Ideologien führen zudem ins Elend und rauben der Wirtschaft jede Dynamik.
    Die Idee der Nation ist nicht allzu alt, eine ethnische Homogenität gab es nie. Und feindfrei möchte ich meine Gemeinschaft auch haben – nur das Leute wie Kubitschek zu meinen Feinden zählen, die ich übrigens sammle und das nicht nur bei den Rechten.0
    Zur Linken nach 68: https://www.ruhrbarone.de/vergesst-die-identitaetspolitik/159533

  • #90
  • #91
    Karsten

    Vielleicht kann man so etwas wie ein kulturelles Distanzmaß aufmachen, ein pluraler Vektor, wobei sich Gegensätze hin und wieder auch anziehen. Wenn ich eine große Gruppe von Menschen habe, die kulturell sehr distant, sehr inhomogen sind, ist es schwieriger was Gemeinsames, und sei es als gemeinsame Erzählung zu begründen. Dann bilden sich vielleicht andere Fraktionen innerhalb der Gemeinschaft mit Wertvorstellungen etc., die alles andere dominieren. Du redest selbst von Deinen homogenen Wertgemeinschaften, die auf dem Auschluss bestimmter politischer Gegner beruhen. Ausschluss ist ja immer genau das, wo es brenzlich wird mit der Identität. Ausschliessen für Identität braucht man aber auch nur, wenn man unzureichend kollektive Identität besitzt.

    Wir alle sind doch mal im Ausland gewesen und haben entdeckt, was wir vorher nicht über unsere Kultur gesehen haben, unsere kollektiven Vorverständnisse als Deutsche.

    Also wie dem auch sei, wenn ich eine demokratische Basis für eine soziale Umverteilungspolitik möchte, dann müssen die Leute sich erst mal als generationsumspannede Solidar- und Schicksalsgemeinschaft begreifen. Dann erst kommt der Staat und schreibt entsprechende Gesetze. Demokratie bedeutet ja immer, das wir ein Demos, ein Volk, benötigen. Da haben wir eben das Glück, dass 45 das Land in Scherben lag und alle gesellschaftlichen Schichten sozial erschüttert wurden, insofern eine breite Basis für Sozialpolitik bestand. Klischeemässig rechts gedacht vielleicht die soziale Absicherung der Kriegswitwen und -beschädigten. Durchaus nicht selbstverständlich siehe Präsident Hoovers fataler Bonus Army Conflict. Klischeemässig links die Zeit starker Gewerkschaften und sozialer Fortschritte, Wohnungsbauprogramme usw. bis zum Thatcherismus.

    Ein Volk kann ein Träger eines Sozialvertrags sein. Die nationale Narration kann dann alles mögliche sein, etwa die gemeinsame Verantwortung für die Shoa, mit der die Rechten so ihre Probleme haben, oder die Verteidigung der Grundrechte. Demokratie ist halt mehr als das Wählen einer Bevölkerung im hier und jetzt. Der Volksbegriff hat das Gute, weil er geschichtlich ist, er umspannt die Generationen. Und er ist als etwas da-seiendes erst mal nützlich zum Backen einer Gemeinschaft.

    Es ist schwieriger zu sagen, wir müssen Verantwortung für die Shoa übernehmen, wenn große Teile der Bevölkerung einen Migrationshintergrund haben. Das ist alles nichts schlechtes per se. Irgendeine Gemeinschaft muss man aber versammeln, und sei es sehr fluid. Dieser "völkische" i.e.S. als Blutsmythos ist ja nur eine fatale Antwort auf deutsche Identitätsschwäche. Vor etwas über hundert Jahren waren Polen entweder russische oder deutsche Staatsbürger. Die empfänden es natürlich als eine Zumutung, wenn man die Schraube zurück dreht. Die jüngeren Völker Osteuropas in der Nationalstaatwerdung sind es gerade, die den universalistischen Narrationen nichts abgewinnen können, weil das für sie ein Rückschritt ist. Sie wählen die rechten Rattenfänger, wenn Linke und Liberale das ignorieren.

    Der babylonische Mythos ist lehrreich, kulturelle Vielfalt ist eine Verteidigung gegen den Totalitarismus. In unseren Zeiten, den totalitären globalen Markt, die Mechanismen, die wollen, das wir alle nur noch englisch miteinander reden, die gleiche Musik hören, über die gleichen Videos lachen, die gleichen Autos fahren, die gleichen Probleme mit Apple haben. Da sind Völker und ihre Staaten kleine Burgen der gemeinsamen demokratischen Verteidigung gegen den Geist des Allesgleichen. Andere Gemeinschaften sind möglich, aber sie müssen gebaut werden. Der schwindende Nationalstaat ist eine Linie der Verteidigung, Wie Schotte, die verhindern oder verzögern, dass alle gemeinsam im globalen Kapitalismus absaufen. Kleiner Räder im Getriebe der Marktrationalität.

    Erschreckend, aber auch Quell der Hoffnung, dass es der Westen mit Milliarden und geballter Militärmacht nicht schafft, dass die tribalistischen Afghanen befriedet werden. Die sozialen Bindungen, Stämme, Religionen, Traditionen, usw. sind stärker als wir glauben. Völkisches Denken i.e.S – ja klar, lehnen wir ab. Völker und Ethnien als solche sind ziemlich robust, selbst da wo es der Wohlfahrt des einzelnen eher abträglich ist.

    Es ist völlig richtig, dass der Volksbegriff historisch jung ist, aber so ist die Demokratie, die "Herrschaft des Volkes". Die Volkwerdung und die Demokratiserung sind geschichtlich eines. Was nützt mir ein atomisiertes Staatswesen, in dem die einzelnen so gespalten und distant untereinander sind, dass der Staat nicht einschreiten soll, wenn der Nachbar aufgrund einer OP wirtschaftlich ruiniert wird?

    Oder demokratisch gedacht, eine Gesellschaft, in der jeder nur von der Marginalisierung seiner politischen Feinde träumt, statt sich mit ihnen an einen Tisch zu setzen — oder mindestens ihre Existenz und ihr Recht auf Publikation zu ertragen. Man muss ja auch nicht jeden Dissenz auflösen. Wir haben heute keine KZs mehr, aber die Vorstellung seinen politischen Gegner ins Abseits zu stellen, ist weiterhin stark.

  • #92
    Giuseppe Bottazzi

    @Stefan Laurin: Sie (und ich) haben mit dem Tribalismus, sei es der völkische, nationale, regionale, europäische, identitäre oder der der Klasse nichts am Hut, aber die allermeisten Menschen wollen in einer sicheren Gruppe leben. Und momentan bastelt sich der Rest (die Mehrheit) der in Deutschland Lebenden seine eigenen Gruppen zusammen, weil alte Strukturen verschwinden und die Karten neu gemischt werden. In Deutschland besonders schnell, wegen der gepflegten antinationalen Grundstimmung. Es ist aber vermutlich eine trügerische Hoffnung, dass danach die freie Gesellschaft kommt. Hoffen wir mal, dass da für den einen oder anderen Liberalen Platz ist. @Kasten hat das sehr schön beschrieben.

  • #93
  • #94
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Karsten: "Wir alle sind doch mal im Ausland gewesen und haben entdeckt, was wir vorher nicht über unsere Kultur gesehen haben, unsere kollektiven Vorverständnisse als Deutsche." Naja, ich war mal in Brisbane und in den Clubs dort habe ich mich wohler gefühlt als in einer Dorfdisse im Sauerland. Und alle die da rumliefen hörten dieselbe Musik, lasen dieselben Bücher und schauten diesselben File wie ich.
    Sie sehen Kultur völkisch und biologisch – das ist sie aber nicht. Welche Ansichten ein Mensch hat, welche Musik er hört etc. ist am Ende seine Entscheidung. Und auch die NAtionalstaat ist nichts völkisches – in den USA wird dass sehr deutlich. Und dort haben wir eine stabile Demokratie und einen sehr großen Wohlstand seit 1776. "Der schwindende Nationalstaat ist eine Linie der Verteidigung, Wie Schotte, die verhindern oder verzögern, dass alle gemeinsam im globalen Kapitalismus absaufen. Kleiner Räder im Getriebe der Marktrationalität." Wir saufen nicht im globalen Kapitalismus ab, uns geht es durch ihn so gut wie noch nie. Das ist Angstmacherei. Grüne und Rechte sind sich auch da seh nah – das Gegenteil ist richtig: https://www.ruhrbarone.de/alles-wird-gut-2/136982
    Und klar, der Wohlfahrsstaat ist eine nationale Nummer – aber deswegen keine völkische, Mit einer vernünftigen Einwanderuns- und Wachstumspolitik bekommt man die Probleme hin. Dafür muss ma allerdings technologieoffen sein.

  • #95
    Gotlandfahrer

    @ Laurin:
    Sie zeigen die Symptome unserer Zeit der Beliebigkeit und kategorischen Unschärfe. Auf die eigentlichen Kernpunkte einer Kritik gehen Sie nicht ein, entweder weil Sie diese gar nicht erkennen können oder es nicht wollen. Sie begnügen sich damit, einzelne Stichworte misszuverstehen (Rausch – ich habe nicht behauptet, dass Sie in einem individuellen Zustand eines abendlichen Rausches geschrieben haben, sondern dass der Zustand des gesellschaftlichen Diskurses Anzeichen dafür bietet – man kann ganz unberauscht ein kühl agierender Teil eines solchen Rausches sein) und neue halbwahre Versatzstücke anzuführen. Die Sache ist damit für Sie erledigt weil Sie glauben, bereits das bessere Argument angeführt zu haben. Das ist eben Auswirkung des herrschaftsgetränkten öffentlichen Diskurses, der Ihnen für ein solches Verhalten stets positives Feedback gibt. Sie verhalten sich also anreiz-beitrags-optimal. Deswegen sind Diskussionen mit Personen wie Ihnen im Grunde im wahrsten Sinne sinnlos.

    Ein Beispiel: Sie führen die historische Tatsache der römischen Begriffsklammer "Germanen" und die unbestrittene relative genetische Vielfältigkeit selbstverständlich auch des deutschen Volkes an und meinen damit eine relevante Aussage für Ihr dann folgendes Urteil über eine Aussage von Herrn K gemacht zu haben. Das ist Humbug. Denn die Aussage von Herrn K bezieht sich weder auf die Kategorie des Germanischen noch behauptet er, im deutschen Volk läge eine (gegenüber was denn überhaupt im Vergleich?) genetische Homogenität vor. Es sind SIE der Sie das in die Aussage von Herrn K hineinprojizieren.

    Herr K weist lediglich auf die historische, also erfahrungsgemässe, und durch die Verhaltenspsychologie belegte Tatsache hin, dass sich in Krisensituationen die Kooperationsbedingungen gegenüber den wünschenswerten Phasen der Ruhe und Ordnung ändern. In Phasen der krisenhaften Unordnung ist der Mensch auf Grundprinzipien der eigenen Existenzsicherung zurückgeworfen. Wenn Sicherheit und Überleben zum knappen Gut wird, entstehen ohne weiteres Zutun "wir" und "die" Konstellationen. Das ist von uns nicht zu bewerten, weil dies eben ausserhalb jeden Kooperationshandelns liegt: Allgemeine Kooperation liegt ja eben gerade nicht mehr vor, in solchen Situationen.

    Im weiteren behauptet Herr K lediglich, dass sich in derlei Stressphasen "wir" und "die" eben nicht nach wünschenswerten Kooperationszielen ergibt, sondern nach Mustern des Vertrauenkönnens. Sie mögen im Krisenfall vielleicht auf einen guten, aufgeklärten tunesischen Freund vertrauen können, dann aber nur, weil hier eine persönliche Beziehung vorliegt. Wenn Sie die Masse aller persönlichen Beziehungen in einem krisengeschüttelten menschlichen System betrachten, wird Ihnen aber auffallen, dass tunesische Kantianer vergleichsweise wenige Verknüpfungen mit Ihnen aufweisen. Schauen Sie sich Ihr Netzwerk an, vielleicht sind Sie auf Xing. Versuchen Sie sich vorzustellen, wie die Summe aller Xing-Netzwerke einer Gesellschaft aussieht.

    Der Punkt auch von Herrn K ist: "Volk" ist das Beziehungsknäuel, dass sich unter Stress auf seine stabilsten Verbindungen zurückzieht. Das ist kein soziales Konstrukt sondern empirische Wahrheit. Jede verantwortungsvolle Politik muss der öffentlichen Sache, für deren Wirkungsraum sie überhaupt nur handeln kann, nicht nur nach Idealen einer Sommerparty mit überbordenem Buffet dienen, sondern überlebensfähig in Stressphasen machen. Wer die deutsche Atomtechnologie abschafft mit Hinweis auf das drohende Risiko, kann nicht gleichzeitig unsere Ordnung verachtende Parallelgesellschaften heranzüchten.

    All das zeigt auch die Oberflächlichkeit Ihres Denkens: Für Sie "zählt" (auf den materialistischen Aspekt Ihrer Sprache gehe ich nicht weiter ein) also Verhalten, nicht Herkunft. Wenn Sie sich mit dem Begriff "Verhalten" einmal auseinandersetzen, wird Ihnen klar werden, dass das "Verhalten" eines Menschen von seinem Können, Wollen und Dürfen abhängt. Ich kann mich in einem beruflichen Team von Idioten und Arschöchern trotzdem so verhalten, als seien dies alles gute Kollegen. Was heisst das aber schon? Verhalten kann ich jederzeit ändern und anpassen. "Herkunft" (ein Begriff den Sie Herrn K unterjubeln, weil SIE ihn so lesen wollen) wäre hingegen viel eher geeignet, um zu beschreiben, was ausserhalb des Kooperationsoptimums wirkmächtig ist. Wenn sich Ihr tunesischer Aufklärer soweit mit der Kultur seines Wohnortes verbunden fühlt, dass seine Loyalität im Krisenfall zweifelsfrei erkannt werden kann, spricht ja auch nichts dagegen, ihn als von gemeinsamer Herkunft zu betrachten.

    In unserer Zeit der massenmedialen Demokratie, hat derjenige Durchsetzungsvorteile, der die oberflächliche Begrenztheit des Durchschnittsdenkens besser – im Sinne von gewiefter, rücksichtsloser, verantwortungsloser – zu nutzen weiss. Das Denken des Durchschnitts wird damit immer weiter auf Kurzschlüsse herabtrainiert. Wir enden in einer Situation, in der Gauner den für sie optimalen Raubbau an der öffentlichen Sache betreiben können, unter Applaus und Zustimmung derjenigen, die sich nichts besseres mehr vorstellen können.

    Versuchen Sie, sich selbst zu widerlegen, nur so kommen Sie aus Ihrem Denkgehege raus.

  • #96
    Giuseppe Bottazzi

    @Stefan Laurin: Das Völkische ist aus meiner Sicht genauso gut oder schlecht wie jede andere identitäre Abgrenzung "qua Abstammung" : Familie, Rasse, Geburtsort, unveränderliche körperliche oder geistige Prägung. Wobei das völkische Denken als einem Gemenge von Kultur, Rasse und Abstammung (oder besser "Stammesdenken") nach meinem Eindruck z.B. gegenüber dem strengen Identitätskonzept "Rasse" (Thema PoC) noch eher offen ist. Den negativen Drall bekommt das ganze aber erst durch einen klaren Vernichtungswillen gegenüber den anderen Identitäten.

    Davon abgesehen muss aber man einfach zur Kenntnis nehmen, dass es ganz viele Menschen auf dieser Welt offensichtlich zu einer Identität zieht. Wobei ich mir in diesem Zusammenhang auch die Frage gestellt habe, ob diese tribalistische Prägung, die ja auch was mit hierarchischen Strukturen zu tun hat, nicht auch vorwiegend ein männliches Ding ist.

  • #97
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Gotlandfahrer: Ich glaube ja nicht, das Geschlechter soziale Konstrukte sind – dafür kenne ich meinen Dawkins zu gut. Aber Volk ist natürlich ein Konstrukt. Bleiben wir beim "deutschen Volk": Die Bayern musste durch einen Krieg in das 1871 geschaffene Deutschland gezwungen werden, die Sachsen kämpfen zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit Napoleon gegen Preussen und die Rheinländer wollten da raus. Für Adenauer war alles östlich der Elbe "Taiga". Viel mehr als ein Konstrukt ist es offensichtlich nicht. BTW: Das Blog ist ein Hobby, ich muss auch noch arbeiten. Wenn Sie sich kürzer fassen, kommen wir hier schneller voran.

  • #98
    Nina

    @Gotlandfahrer: MiMiMi, weil der Journalist nicht auf jede Ihrer kostbaren Zeilen eingeht? xD
    Zum Begriff Kultur: Sie ist stets erworben. Alles andere ist Teilgebiet der Anthropologie.
    In Krisenzeiten hält ein Volk zusammen? Falsch. Dafür sind wir zu viele, zu komplexe Gemeinschaften und Haushalte in einem Staat. In Krisen neigen Menschen dazu, sich auf auch zahlenmäßig überschaubare Gemeinschaften zu beziehen. Ein Volk ist wahnsinnig heterogen. Das ist Grundwissen Ethnologie. Die Prepper-Szene sagt ähnliches.
    Herrn Laurin wünsche ich einen schönen Tag.

  • #99
    Gotlandfahrer

    @ Nina:
    Ich sehe, dass es schwierig ist, Beschreibungen abstrakter Phänomene mit den Mitteln der Sprache und auf Basis unterschiedlicher Grundannahmen überhaupt schlüssig auszutauschen, jedenfalls dann, wenn mindestens eine Seite bereits im Besitz der Wahrheit ist. Was für ein Fortschritt in unserem Dialog schafft die Erkenntnis, dass "Kultur immer erworben" ist? Habe ich das bestritten? Was hilft die Tatsache, dass ein Volk immer "wahnsinnig heterogen ist" und dass dies auch die Prepperszene sagt? Dass ein Volk "wahnsinnig heterogen" ist, sieht man an uns beiden, aber wenn Sie im Bürgerkrieg die Wahl haben, in einen Krater mit mir oder einem voller tunesischer Kantianer zu springen weiss ich wie Ihre Entscheidung ausfallen wird, jedenfalls wenn Sie niemanden zuvor persönlich kennengelernt haben. Ihre "zahlenmässig überschaubaren Gemeinschaften" werden wie gesagt viel mit Ihren persönlichen Beziehungen oder spontanen wahrnehmbaren Ähnlichkeiten zu tun haben und nichts mit transformistischer Eiferei.

  • #100
    thomas weigle

    Der rechts(radikale) Volksbegriff ist für den Arsch. Hat in der jüngeren Vergangenheit zu nix Gutem geführt. Um das zu erkennen, muss man sich nicht philosophisch geben und langatmig werden.Man sollte vom Staatsvolk sprechen, zu dem jeder gehört, der die Sprache spricht und sich zu unserer Verfassung bekennt. Die Hautfarbe und Herkunft spielen da überhaupt keine Rolle, Punkt.
    Gerade was die Verfassungstreue angeht, da habe ich in Bezug auf die AfD-Bande einige Zweifel. In dieser Hinsicht sind mir viele sog. Biodeutsche ganz fern, während ein Cem Özdemir da nahe ist, auch wenn ich die Grünen nicht mehr wähle, zumindest zur Zeit nicht.
    Natürlich ist die Frage nach der Verfassungstreue problematisch, v.a. wer entscheidet darüber. Auch an meiner Verfassungstreue wurde in den 70ern gezweifelt, weil ich aus Protest gegen die Berufsverbote eine Zeitlang Mitglied im MSB Spartakus war und sowohl politische als auch private Kontakte in die DDR/ Ostberlin hatte.
    Ich selbst habe natürlich nie an meiner Verfassungstreue gezweifelt.

  • #101
    Frauke G.

    @Gotlandfahrer: Sehr geehrter Herr Gotlandfahrer, zuerst einmal ein herzliches Dankeschön!
    Ich lese Ihre Beiträge auf SiN mit allergrößtem Interesse und Gewinn. (Nebenbei: Schreiben Sie auch unter dem Pseudonym ‚Einar von Vielen‘?) Faszinierend auch hier ihr Dialog mit Herrn Laurin, der das Phänomen der kognitiven Dissonanz geradezu mustergültig exemplifiziert. Herr Laurin – oder besser gesagt: Sein Gehirn – ist nicht in der Lage, auf ihre (weitgehend) sachlich und fundiert vorgetragene Aufforderung zur Selbstreflexion einzugehen und reagiert anschaulich mit den kD-typischen Abwehrmechanismen: Ignorieren (etwa die Außerirdischen Analogie), Falsch verstehen (‚Rauschhaft war das nicht.‘), Themenwechsel (‚ethnische Homogenität‘), etc.

    Oder hindert mich meine kD daran, Herrn Laurins argumentative Stringenz hier zu erkennen?
    Man weiß es nicht, man weiß es nicht – und genau das ist der Punkt, oder?

    Hochachtungsvoll

    Frauke Gauss

  • #102
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Frauke G.: Ich bin kein Hippie. Selbstreflexion interessiert mich nicht die Bohne 😀

  • #103
    ratatoskr

    @Laurin:
    Wow, was für eine Definition des Wortes "Rechtsradikal" = "völkisches Denken"
    Sie sind ja ein richtiger Schlaumeier.

    Tibet den Tibetern ist gut?
    Aber Liechtenstein den Liechtensteinern ist böse?
    Was für ein hirnverbrannter Schmarrn.

  • #104
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @ratatoskr: Mir sind all diese Nationalbestrebungen ziemlich fremd. Den Tibetern sollte es gut gehen, sie sollte frei sein. Ob das Land dann Tibet heißen muss ist mir egal.

  • #105
  • #106
    Arnold Voss

    Natürlich ist der Nationlstaat eine Bastion gegen eine Art der Globalisierung, die sich jeder Verantwortung für die eben auch negativen Folgen, bzw. gegenüber ihren sozialen, politischen und ökonomischen Verlierern, systematisch entledigt hat. Aber das setzt nicht zwingend ein (Staats) Volk, geschweige den völkisches Denken voraus.

    Gemeinschaften lassen sich auch ohne diese monokulturellen Konstrukte bilden. Vielleich nicht so augenscheinlich und traditionsgebunden, aber doch stabil genug um Solidarität im Notfall und Verfassungstreue im Normalfall auszubilden. Deswegen ist mir der Begriff der (Staats) Bevölkerung weit näher als der des Volkes, weil er Multikultur und Nationbewusstsein, wenn auch mit größerem politischen Aufwand, innerhalb eines Landes zu verbinden in der Lage ist.

    https://www.ruhrbarone.de/freundlichkeit-statt-leitkultur-wie-eine-multikulturelle-gesellschaft-funktionieren-koennte/142087

  • #107
    walter stach

    Stefan Laurin,
    falls Du bezüglich Deiner Positionierung wider jeden Nationalismus -u.a. wider den "deutschen Nationalismus" -an "Rückendeckung aus der Wissenschaft" interessiert sein solltest:

    "Zur rechten Zeit -Wider die Rückkehr des Nationalismus", ein Buch das dieser Tage bei Ullstein erscheint; geschrieben als Gemeinschaftsarbeit von N.Frei, Franka Maubach und Maik Tändler -Historiker an der Uni Jena- und von Christiane Morina (Amsterdam).

    Aus einem ZEIT-Interview (x) mit den Frau Morina und den drei Männern über ihr Buch zitiere ich:

    Die ZEIT fragt abschließend:
    Die Neue Rechte lockt die Enttäuschten und Verägerten mit ihrem größten Kassenschlager: Identität. Was ist dem entgegenzusetzen?

    Antwort Frei:
    Ach, die Identitätsfrage! Die hat die Intellektuellen der Bundesrepublik schon umgetrieben, als Björn Höcke noch nicht ‚mal zur Schule ging.
    Die wohl wichtigste Antwort hat Dolf Sternberger 1979 mit seiner Idee des Verfassungspatriotismus gegeben- das ist völlig zu Unrecht in Vergessenheit geraten. Der soziale Rechtstaat, die Menschenrechte, Demokratie: Brauchst denn noch mehr "Leitkultur"? Wenn wir demnächst 70 Jahre Grundgesetzt feiern, sollten wir der AFD nicht das Feld überlassen.

    In diesem Sinne habe ich mich in den letzten Jahren hier bei den Ruhrbaronen zu dieser Idee von Dolf Sternberger bekannt ………als "Verfassungspatriot".

    Kurz und knapp und plakativ formuliert:
    Für mich sind Herkunft, Rasse. Religion, Geschlecht , Abstammung der in Deutschland lebenden Menschen weitgehend belanglos, wenn es darum geht, sie als gleichwertige Mitglied der staatlich organisierten Gesellschaft zu akzeptieren. Und dieserhalb kann ich mich auf die Verfassung stützen.
    Gleiches gilt mit Blick auf die Geschichte, die Kultur, die Sitten, die Gebräuche, die die hier lebenden Menschen erlitten, erlebt , geprägt haben und die ihren Alltag bis heute in unterschiedlichem, oftmals in gegensätzlichem Tun/Unterlassen prägen. Das gilt auch für das unterschiedliche Verständnis von Heimat und deren "Verortung".

    Nicht belanglos, sondern für mich (als "Verfassungspatriot) mit Blick auf ein friedliches und menschenwürdiges Zusammenleben aller hier lebenden Menschen unabdingbar (!) ist, die Respektierung der Grundprinzipien unserer Verfassung, also ganz konkret die Respektierung der in den Art. 1 und 2o normierten Prinzipien.
    Wer diese Prinzipien in Frage stellt – deutsche Faschisten, radikale Islamisten oder….(?)- ist nicht nur im Sinne der Verfassung ein "Verfassungsfeind", dem der Staat mit allen seinen Mitteln und Möglichkeiten zu bekämpfen hat, sondern für mich kein politischer Gegner, sondern mein politischer Feind. Warum? Weil es für mich (!) keine alternative Staatsverfassung gibt, die ähnlich erfolgreich ein friedliches, ein menschenwürdiges Zusammenleben der Menschen gewährleisen kann -bei allen Mängeln, die jeder von Menschen gemachten Ordnung ihres Zusammenlebens innewohnt -.
    (Daraus resultiert bei mir, wie schon mehrfach bei den Ruhrbaronen betont, kein missionarischer Eifer, nämlich weltweit und mit allen Mitteln dieses "unsere Verfassungsordnung" anderen Staaten aufzuzwingen und daraus resultiert bei mir keineswegs die Gewissheit, daß "unsere Verfassungsordnung" ewigen Bestand haben könnte. In 2oo Jahren…..(?)….)

    Wir haben hier bei den Ruhrbaronen mehrfach kontrovers darüber diskutiert, wie "man" persönlich mit solchen politischen Feinden umgehen sollte. Die Meinungen dazu waren geteilt, u.a. bezogen auf die Teilnahme an "gemeinsamen Gesprächen", an diversen Diskussionsrunden pp.
    Soweit so gut und soweit für mich selbstverständlich und folglich unproblematisch, auch angesichts meiner persönlichen Einstellung, nämlich Nein zusagen , wenn von mir als solche wahrgenommenen Verfassungsfeinde vorgeblich einen Diskurs anregen.

    Gänzlich unverständlich war mir und ist mir nach wie vor, warum a.) nicht in aller Härte und in aller Deutlichkeit Verfassungsfeinde als solche benannt werden – durch Repräsentanten der politischen Parteien, "die auf dem Boden der Verfassung stehen" und durch die Medien – und b.) ist mir nach wie vor unverständlich, warum man auf Seiten der Gegner dieser Verfassungsfeinde nicht fähig zu sein scheint, zu akzeptieren, daß man z.B. , wie im vorliegenden Falle geschehen, eine Einladung zur einer Podiumsdiskussion ablehnt, und zwar "aus guten Gründen". Gründe , die "man" nicht teilen, die "man" aber akzeptieren sollte, jedenfalls dann, wenn "man" sich selbst zu den Gegner dieser Verfassungsfeinde zählt.

  • #108
  • #109
    abraxasrgb

    #107 @W. Stach
    Warum … nicht in aller Härte usw. usw.? Ganz einfach, weil nicht (je)der durchschnittliche Sozi darüber entscheidet, wie das Grundgesetz zu verstehen ist (z.B. Art. 5 Meinungsfreiheit), sondern das BVG 😉

    Wie das Gefühl diskursiv nicht satisfaktionsfähig zu sein, ist, dürfte noch erinnerbar sein? 😉

    PS: Ich bin mir des performativen Selbst-Widerspruchs dieses Kommentars bewusst. 😉

    PPS: Richtig urkomisch werden die Kommentare hier, wenn wir alle über Laurin versus Kubischtek diskutieren, statt die beiden miteinander. Streisand-Effekt.

  • #110
    Rüdiger Aloysius

    @ Frauke G: Ich kann mich Ihnen nur anschließen. Wofür steht denn SiN?

    @ Gotlandfahrer: Vielen Dank für Ihre passenden und interessanten Ausführungen. Ich habe Sie mit Genuss gelesen.

  • #111
    thomas weigle

    #103 Tibet den Tibetern, warum nicht? Von da zu Deutschland den Deutschen ist`s ja nicht weit, kann man sagen, muß man aber nicht. Ich habe aber auf jeden Fall was dagegen, dass Rechte, Rechtsradikale und völkische Spinner die Deutungshoheit darüber beanspruchen und bekommen, wer Deutscher ist und wer nicht. Und allein darüber bestimmen können, wer hierzulande sein darf und wer nicht.
    @ Walter Stach Ich gehe mal davon aus, dass der von mir gebrauchte Begriff "Verfassungstreue" weitgehend mit dem von Dir benutzten Begriff "Verfassungspatriotismus" deckungsgleich ist.

  • #112
    Waldgänger aus Schwaben

    Sie schreiben:
    1. Die Neue Rechte ist brandgefährlich.
    2. Ein Diskurs mit der Neuen Rechten ist unmöglich.

    Wie wollen Sie die Gefahr dann bekämpfen? Sagen Sie jetzt nicht: Durch Aufklärung!
    Aufgekärt wird, mit überschaubarem Erfolg, schon genug.

  • #113
    walter stach

    -1o8-
    Der "durchschnittliche und diskursiv nicht satisfaktionsfähige Sozi" ……….
    Nur bedauernswerte Arroganz macht solche "Wert-urteile" möglich .
    PS
    "Man urteilt über andere nicht so falsch wie über sich selbst."
    -Vauvenargues, Reflexionen-.

    Im übrigen:
    Wenn es mir gelingt , für das Buch "Zur rechten Zeit -Wider die Rückkehr des Nationalismus" hier bei den Ruhrbaronen Interesse zu wecken, hätte mein Beitrag -1o7- seinen primären Zweck erfüllt.

  • #114
    abraxasrgb

    #110
    SiN? Für die einen ist es die Sezession im Netz, für die anderen die Sünde auf Englisch 😉

  • #115
    walter stach

    Thomas Weigle
    -111-
    Verfassungstreue/Verfassungspatriotismus……

    Deckungsgleich?
    Ja, wenn Treue einhergeht mit öffentlichem Bekenntnis, mit Engagement für ….und einhergeht mit dem Willen, aktiv kämpferisch Widerstand leisten zu wollen gegen diejenigen, die die Grundwerte unseres Zusammenlebens, so wie sie in den Art. 1 und 2o GG normiert sind, durch andere, durch welche auch immer, zu ersetzen.

  • #116
    Waldgänger aus Schwaben

    @Walter Stach #107
    Auch an Sie die Frage: Wie sollen die Rechten bekämpft werden, ausser durch Diskurs?

    Der Versuch den Inlandsgeheimdienst auf die größte Oppositionspartei anzusetzen ist heute vor Gericht erst mal gebremst worden. In Deutschland, nicht etwa in Ungarn, wurde der bockige Chef des Inlandsgeheimdienstes in den Ruhestand versetzt, weil er die Opposition nicht bespitzeln wollte. Sein willfähriger Nachfolger liess dann die größte Oppositionspartei "prüfen". Das Ergebnis, obgleich eigentlich Verschlusssache, wurde der Presse durchgestochen. Aber nun hat ein Verwaltungsgericht in Köln da erst mal den Riegel vorgeschoben.

    Also so geht es auch nicht?

    Verschiedene linke Journalist*Innen riefen ja schon nach der Antifa. Aber deren Angriffe, unter anderem eine körperliche Attacke auf Kubitschek und seine Frau bei der Buchmesse in Frankfurt haben auch keinen Erfolg.

    Muss die Linke auf die Konzepte eines schnauzbärtigen Generalsekretär (1927-1953) der KPdSU zuürckgreifen, oder geht es noch eine Nummer kleiner?

  • #117
    thomas weigle

    Tja @ Waldgänger ist so`ne Sache mit dem Diskutieren mit Rechten. Da gab es mal ein paar Rechte, die glaubten, sie hätten sich den Schreihals aus Braunau engagiert.Sie wollten ihn quietschen lassen. Hat ja hervorragend funktioniert. Sie wurden in der Folge genauso wie alle anderen abserviert. Wenn also selbst diese Rechten mit den Rechtsradikalen nicht diskutieren konnten, welchen Erfolg hätten dann Demokraten in der Diskussion mit Leuten, die einem blutmäßigen Volksbegriff anhängen und die Demokratie eh nur als Mittel zur Macht verstehen und sie dann abschaffen wollen. Der hinkende Vorzeigearier vom Niederrhein hat des öfterern über die Dummheit der Demokraten gehämt, die seiner Bande jede Freiheit gelassen haben, die Freiheit zu bekämpfen.
    Diese Typen sind nicht an einer Diskussion interessiert, sie suchen Bühnen zur Selbstdarstellung. Müßen wir ihnen nicht bieten. So dumm sollten Demokraten nicht noch mal sein. Ich jedenfalls bin es nicht.
    Deshalb: über sie reden- ja, vor ihnen warnen-ja. Mit ihnen reden-Nein
    Kleiner Tip: schauen sie doch mal bei den völkisch-nationalen Fußtruppen auf PI vorbei.

  • #118
    Waldgänger aus Schwaben

    @Thomas Weigle

    Sie schrieben: "Ich habe keine Argument gegen die Rechten." nur unwesentlich falsch.
    Immer nur jenen einen Schnauz anpappen, die das eigene Weltbild nicht teilen, funktioniert schon lange nicht mehr. Die Nazikeule wirkt nur noch lächerlich.

    Wissen Sie was ich täte, hätte ich einen verbohrten Ideologen als Diskussionspartner?
    Ihn vor einem möglichst großen Publikum möglichst viel reden lassen, auf dass das Publikum selbst erkenne, was für ein Spinner das ist.

    Es ist die alte linke Bevormundungsideologie, zu meinen, das gemeine Volk sei zu dumm selbst zu denken und man müsse es deshalb schützen, in dem man den Feinden des Fortschritts keine Bühne böte.

    @Walter Stach #107

    Was meint der Verfassungspatriot zum jetzt gerichtlich gestoppten Vorgehen des Verfassungsschutzes gegen die AfD?

  • #119
    walter stach

    Thomas Weigle,
    im wesentlichen einverstanden.
    "Wir" können Rechtsradikale -Faschisten, Rassisten, Fremdenfeindliche, Antisemiten, Nationalisten- nicht dazu bringen, selbstkritisch über ihre Gesinnung, über ihre Überzeugungen, über mögliche negative Folgen ihres politischen Tuns für Gesellschaft und Staat nachzudenken. Wer das versucht, vergeudet Ressourcen.

    "Wir" können allerdings mit unseren Mitteln und Möglichkeiten versuchen, das Wachstum des "rechtsradikalen Krebsgeschwüres" aufzuhalten, es einzudämmen in der Hoffnung, daß es irgend wann wieder zu einer minimalen Größe zusammenschrumpft.
    Also….
    Es geht weiter in unserem (!) Kampf gegen rechtsradikales Gedankengut, besser wohl im Kampf für die Grundwerte einer freiheitlich-pluralistischen Gesellschaft und für die Akzeptanz der wesentlichen Grundentscheidungen unserer Verfassung, z.B. in Gesprächen und Diskussionen an Schulen, Hochschulen, in den demokratischen Parteien, im alltäglichen Gesprächen "auf der Straße", durch Meinungsäußerungen in den Medien.
    Das und noch vieles mehr können "wir" tun.

    Zudem erhoffe ich mir dieserhalb von allen gesellschaftlich relevanten Gruppen und Organisationen, die "auf dem Boden der freiheitlch-demokratischen Grundordnung stehen" mehr Aktivitäten gegen alle Verfassungsfeinde als bisher, u.a. von den Kirchen.
    ,
    Dass nicht zuletzt der Staat gefordert ist, noch mehr als bisher zu tun im Kampf gegen all diejenigen, die eine andere Gesellschafts- und Staatsordnung als die derzeit bestehende wollen -gegen Rechtsradikale, gegen radikale Islamisten, scheint , wenn auch sehr spät, mittlerweile "herrschende Auffassung" in allen demokratischen Parteien des Landes zu sein -und auch dieserhalb ist noch viel zu tun. Dazu gehört auch, Menschen die Angst vor dem sozialen Abstieg zu nehmen und Menschen, die in sozial menschenunwürdigen Verhältnissen leben müssen , wieder ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen -Erhöhung des Mindestlohnes, Mindestrentenscherung im Alter, bezahlbarer Wohnraum, denn diese Menschen sind keine rechtsradikalen Gesinnungstäter/Gesinnungsgenossen, aber veständlicheweise "anfällig" für deren Parolen.

    Waldgänger aus Schwaben -116-
    Meine Anmerkungen zum Beitrag von Thomas Weigle könnten auch als Antwort an Sie verstanden werden.
    Auf ihre konkreten Einlassungen gehe ich nicht ein, weile sachlich nicht möglich..(sh.u.a. der letzte Satz Ihres Beitrages, sh. auch Ihre Falschaussage bezüglich des "Ausbremsens" des von Ihnen sog. Inlandsgeheimdienstes in Sachen "Prüfung der Aktivitäten der AFD durch den Verfassungschutz",
    Der ist in seiner Arbeit keineswegs ausgebremst worden. Gerichtlich festgestellt wurde lediglich, daß die Tatsache eines solchen Prüffalles nicht hätte öffentlich bekannt gemacht werden dürfen. Eine für mich naheliegende, ja selbstverständliche Gerichtsentscheidung, die allerdings, wie gesagt, nichts daran ändert, daß die AFD (bzw. Unterorganisationen derselben )weiterhin ein "Prüfungsfall" für den Verfassungsschutz sind. Und das ist gut so, jedenfalls aus meiner Sicht. Und wenn ich mehr staatliche Aktivitäten gegen Verfassungsfeinde erwarte, hier konkret gegen Rechtsradikale, dann bezieht sich das auch auf die Bundeswehr, die Polizei, , den Verfassungschutz, denn es gibt immer wieder Hinweise darauf, daß sich dort beamtete MItarbeiter organisieren und engagieren für "rechtsradikale Ideen" und insofern wider die Verfassung und wider ihren geleisteten Eid, der sie " zur Treue zur Verfassung" verpflichtet.

    Thomas Weigle,
    denkbar, daß sich erste Erfolge im Kampf gegen den Rechtsradikalismus abzeichnen. In NRW ist nach der neuesten Wahlumfrage jedenfalls nach längerer Zeit die AFD erstmals wieder unter die 1o Prozent-Marke gerutscht.
    Und ganz generell: Solang die AFD bundesweit im Bereich von 15 % in den Wahlumfragen verharrt, besteht kein Anlass, Angst um den Fortbestand der freiheitlich-pluralistischen Gesellschaft und des demokratischen Rechtstaates zu haben, wohl aber darum besorgt zu sein, auch dem Motto gemäß: Wehret den Anfängen.

    Im übrigen werde ich jetzt den schönen Frühlingstag genießen und noch einige weitere Tage außerhalb "unseres Landes" verbringen -ohne Politik, ohne Ruhrbarone, aber u.a. und ganz sicher befaßt mit Fußball, mit dem BVB , mit Lesen -also mit schönen Dingen des Lebens..

  • #120
    Waldgänger aus Schwaben

    @Weigle
    Das Gericht hat dem Antrag der AfD statt gegeben. Die AfD hatte beantragt nicht mehr "Prüffall" genannt werden zu dürfen. Mehr hatte das Gericht nicht zu entscheiden. Sammeln dürfen die Schlapphüte was sie wollen – leider – aber ihre Ergebnisse im Meinungskampf gegen eine politische Partei verwenden, dürfen sie nicht mehr. Das ist schon mal ein großer Schrittt.

    Und dass der Prüfbericht über die AfD an die Presse weitergegeben wurde, obwohl der Verfassungsschutz das nicht durfte – darauf gehen Sie ein.

    In anderen Demokratien undenkbar. In Deutschland der Normalfall, dass der Geheimdienst und das mit Zwangsgebühren finanzierte Staatsfernsehen gegen die Oppositon agiert.

    Wer schützt die VErfassung vor den beamteten und selbsternannten Verfassungsschützern?

  • #121
    Nina

    Waldgänger aus Schwaben: Also wegen dem Schutz, das geht ganz gut, da gibt es einige Tipps im Internet (wobei das Netz ja auch ständig von den Trenchcoat-Trägern überwacht und ggf. zensiert wird! Da also muss man auch erst sondieren, ob das seriöse Tipps sind!). Ich zum Beispiel nehme da Alufolie und wickel sie mir um die Schläfen, wenn ich das Haus verlasse. Das ist meines Erachtens der derzeit beste Schutz gegen Beamte! Als Schutz nutz aber auch eine handelsübliche Slipeinlage (können auch Männer tragen!), die man vorher mit etwas verdünntem Essigwasser benetzt hat. Der Essig unterbindet die Weiterleitung von Informationen an die da oben.

  • #122
    thomas weigle

    @ Walter Stach Natürlich sind die neuesten Zahlen in Sachen Armleuchter für Deutschland erfreulich, hoffentlich bestätigt sich das bei den Europawahlen. Ansonsten einv erstanden, allerdings zählt für mich der BVB nicht zu den erfreulichen Dingen, schmunzel. Ich habe da andere Präferenzen, die z.Zt durchaus erfreulich sind.Obwohl, nach der Auslosung letzten Freitag dachte ich erstmal: Auweia!! Das hätt`s so früh nicht gebraucht. . Das "Volk" ist nicht nur dumm, @ Waldgänger, es ist voller Hass und es ist gewaltbereit. Jedenfalls das Volk, dass sich auf PI auskotzt und von Hoyerswerda bis Freital dieser Gewalt freien Lauf gelassen hat bzw. Beifall klatschend dabei stand.
    Wie sie auf die Idee kommen, ich hätte keine Argumente gegen rechts, ist mir schleierhaft. Offenbar haben sie Probleme mit sinnentnehmendem Lesen, wie auch schon bei ihrer Darstellung des Gerichtsentscheides in Sachen AfD zu beobachten ist.
    Nochmal: besuchen sie pi, reden sie mit denen, überzeugen sie die. Diskutieren sie mit Afdlern, die die Rolle der Wehrmacht neu bewertet wissen wollen, für die der NS und der von ihm zu verantwortende Weltkrieg ein Vogelschiss ist. Viel Spaß!! Und v.a. viel Erfolg. Ich darf doch zuversichtlich hoffen, dass sie uns dann ihre Diskussion mit denen per Link zugänglich machen.

  • #123
    Thomas Weigle

    @ Waldgänger Was die antifa angeht, so ist mir hier am Wochenende "pathologischer Antikommunismus" vorgeworfen worden, weil ich auf die Verbrechen des "schnauzbärtigen Generalsekretärs" hingewiesen habe, und meiner Meinung Ausdruck gab, dass der Antifaschismus aus vielerlei Gründen nicht die besten Referenzen hat. Nicht jeder der politisch links denkt, ist Stalinist. Das gilt ganz gewiss auch für @ Walter Stach, wie ich aus vielen Diskussionen weiß.
    Ich muss mich in einer Sache bei ihnen entschuldigen, denn ich habe die Sache mit den "Argumenten gegen rechts" leider voreilig falsch verstanden. Somit fällt in diesem Fall mein Vorwurf an sie auf mich selbst zurück.Peinlich, peinlich.

  • #124
    Waldgänger aus Schwaben

    @Weigle
    Entschuldigung angenommen. Gauland hat für seinen Vogelschiss – Vergleich auch um Entschuldigung gebeten. Er wollte nur die Minderwertigkeit des NS zum Ausdruck bringen, nicht dessen Verbrechen verharmlosen. Also etwa "Haufen Scheiße" sagen, statt Vogelschiss.

    @Nina
    Nein, in die Falle tappe ich nicht. Ich mache jetzt keine sexitsischen Witze über Politiker_*#@!_Innen und stelle Zusammenhänge her zwischen deren/ihren/*#@!_en möglicherweise essiggetränkten Slipeinlagen und Verhalten.

    Aber was den Aluhut angeht, kann ich der Verlockung zu mansplaining nicht widerstehen:
    Strahlen oder Wellen, oder was auch immer das Alu abschirmen sollte, werden wenn sie erst mal im Kopf sind, zwischen den Alufolien hin- und herreflektiert (gespiegelt) und stören das Denken. Und rein kommen die Strahlen oder Wellen, oder was auch immer, stets – nach unten gegen den Hals kann kein Aluhut abschirmen.

    Ihr Mann oder Vater hat Ihnen sicher erklärt, warum Sie keine Metallgefässe in die Mikrowelle stellen sollten. Das ist das gleiche Prinzip.
    Am besten gar nichts denken, oder ständig ein paar politisch korrekte Formeln murmeln:
    Unwissenheit ist Stärke, Krieg ist Frieden, Sklaverei ist Freiheit.

    Und jetzt ist Schluss für mich. Ein herrlicher Frühlingstag lockt.
    Kein schöner Land in dieser Zeit, als das unsere hier weit und breit.

  • #125
    thomas weigle

    Gewalt gegen Personen und Sachen ist Sch…e und nicht zu rechtfertigen. Gleichwohl muss man schon den Blick auf beide Seiten lenken. Rechte sind da sehr viele aktiver, v.a. bei Gewalttaten gegen Leib und Leben. Das ist seit 1918-45 so, ebenfalls nach 49 in der Bundesrepublik .
    Die Rechten teilen aus ohne Ende und jammern lautstark über Gewalt, die sie erfahren.
    Da hätte ein Hitler eigentlich nach damaliger Rechtslage für seinen Putschversuch die Todesstrafe erhalten müssen. Stattdessen 5 Jahre,von denen er 10 Monate unter Hotel ähnlichen Bedingungen absitzen durfte, bekam so gut wie täglich Besuch, konnte Hess sein unsägliches "mein kampf" diktieren. Das hat ihn aber in der Folge nicht davon abgehalten, ständig über die böse Justiz zu greinen, die ihn und seine Partei ungerechtfertigt verfolge.
    Schon 1918-20 gab es laut Emil Gumbel 354 rechtsextreme Morde und 20 linksextreme Morde. Für die linksextremen Täter 10 Todesurteile oder15 Jahre Haft. Für die Rechten durchschnittlich 4 Monate Haft. So ging es weiter, nicht ganz so krass, aber keinesfalls ausgewogen, was sich auch in den Verfahren in Sachen "Schwarze Reichswehr" und NSDAP zeigte.
    Und an diesem unausgewogenen Verhältnis bei der Strafverfolgung extremistische Täter hat sich bis heute nichts geändert. Siehe RAF/NSU. Auch die Urteile gegen rechtsextreme Mörder und Gewalttäter werfen immer noch viel zu oft Fragen auf, ob die Gerichte wirklich für Taten aus der rechtsextremen Szene angemessene
    Strafen auswerfen. Da war man bei Baader und Co ganz anders drauf, die ihre Strafen aber so was von verdient hatten.
    Diese harten und notwendigen Strafen gegen rechtsextreme Gewalttäter bleiben viel zu oft aus.

  • #126
    Latte

    — "Den Tibetern sollte es gut gehen, sie sollte frei sein. Ob das Land dann Tibet heißen muss ist mir egal." —

    Hihi. Da müsste man dann mal trollweise Tibet durch Israel ersetzen, dann geht bei Mr. Laurin die Hutschnur hoch. Wer so etwas sagt und wenn sich der Bundespräsident mit ihm abgibt, dann wird janz scharf jeschossen., Leute!

    Dieses krampfhafte Distanznehmen vom Volksbegriff, der wie jede soziale Kategorie ein Konstrukt ist, hat was Belustigendes. Es führt auf der Linken auf Abwege. Den Polen wäre es glaube ich überhaupt nicht egal, dass sie nicht mehr unter fremder Herrschaft leben. Antikoloniales Denken, und ja, auch wir waren ein wenig Kolonie der USA bzw. UDSSR, kriegt es dann mit den scharfen Argumenten zu tun, wie "Polen" ist nur ein Konstrukt, es gibt keine polnische Identität, eine einheitlich polnische Kultur ist nicht zu erkennen usw. usf. Viel Spaß damit!

    Blöd finde ich das Progressive am Volksbegriff ausgerechnet den Rechten zu schenken, den Verächtern des Volkes und unserer Demokratie. Die WirsinddasVolksbewegung von Rechtsradikalen ist doch ein Witz, aber manche glauben es denen.

    Gut und frei, woll mer sei. Der Slogan ist schon heftigst philiströs. Das Lied der Kollaboration und der Made im Speck. Seriously!!! Jaaaa, aber das steht doch "frei"… irre scharfer Begriff…

  • #127
    Werntreu Golmeran

    Zur Frage, ob man mit Nazis reden soll, gibt es ein schönes Bild:

    https://pbs.twimg.com/media/DzYBAAtXQAAOJv2.jpg

  • #128
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Latte: Ich weiß nicht was sie haben. Nirgendwo geht es den Arabern so gut wie in Israel. Dort lebt es sich auf viel besser als unter der Hamas. Alles gut.

  • #129
    Lukas der Lokomotivführer

    Sahms Begriffe wie "Raumkampf, [keine] Kapitulation, die Fahne vor dem Feind [nicht] in den Staub sinken lassen, Feind, schändlich" klingen genauso, wie die Rechte Propaganda, die sie zu bekämpfen müssen glaubt.

    Sahm betreibt hier letztlich genau das, was er kritisiert: Eine "Identitätspolitik, die Menschen nicht mehr als Individuen mit denselben Rechten sieht, wie es die Erklärung der Menschenrechte beschreibt, sondern als Teil von Gruppen, Ethnien, Kulturen oder Religionen." Hier wird Götz Kubitschek zum Teil der Gruppe/Kultur der politischen Rechten, der kein Individuum mit Menschenrechten ist, sondern zu einem Feind, den es zu vernichten gilt.

    Man kann die gegnerische Position bis aufs Schärfste im Sinne Poppers "keine Freiheit für die Feinde der Freiheit" ablehnen und Feinde der Freiheit auch bis aufs schärfste kämpfend entgegentreten. Die Selbstgefälligkeit, sich auf der Seite der Guten und die anderen als die Bösen zu sehen und für nicht satifaktionsfähig zu erklären, empfinde ich allerdings als gefährlich unreflektiert und auch menschenverachtend, da nicht mehr auf die Sache zielend.

    Ich lehne völkisches Denken, Scharia oder Faschismus genau wie Sahm aufs schärfste ab. Hier sind wir uns einig. Aber ganz grundsätzlich hat jeder Mensch das Recht, Identiärer, Islamist oder Faschist zu sein, auch wenn er dabei mit meinem erbitterten Widerstand rechnen muss. Ich bin als Liberaler oder Demokrat aber nicht besser, mehr im Recht oder höherstehend, sondern möchte einfach nur eine andere Welt, als die betreffenden Personen. Und ich würde ein Gespräch von meiner Seite aus auch niemandem ausschlagen.

    Die abwertend-überhebliche Haltung, wie ich sie bei Sahm auszumachen meine, trägt mit dazu bei, dass sich die politische Rechte weiter radikalisiert.

    Wer den anderen zum Feind erklärt, kann nur noch in den Krieg ziehen. Und es ist nicht Götz Kubitschek, der das Gespräch und den Diskurs ausschlägt und den Krieg erklärt, sondern Stephan Sahm. Und je enger die eigenen Diskusgrenzen sind, desto eher kommt es zum Krieg.

  • #130
    thomas weigle

    Ich bin im Sommer 11, als noch niemand von AFD oder Pegida sprach, zufällig bei PI gelandet. Die Sprache des Unmenschen gegenüber Andersdenkenden und Migranten war dort die Regel. Vor allem Frau Merkel und andere führende Politiker wurden in widerlichster Art beschimpft.
    Auf Anfrage erhielt ich von der CDU-Bundespartei die Antwort, man wisse von dieser Hetze, gedenke aber nicht dagegen etwas zu unternehmen.
    Die demokratischen Parteien und andere wurden doch erst aktiv, als der Pegida-Mob durch Dresdens Straßen zog und Politiker an den Galgen wünschte, in NSDAP-Art von "Volksverrätern" halluzinierte.

    D.h., die sind nicht durch ihre Gegner radikalisiert worden, das haben die sich schon selbst besorgt.

  • #131
    walter stach

    "Nachdem der Journalist Stefan Laurin….."

    Auszug aus einem Beitrag in "KONTEXT" -Wochenzeitung- v. 2.3. auf S.2 von Tomasz Konciz zur Absage der Veranstaltung . Kontext erhalte ich jeweils samstags als Beilage zur TA Z.

    Anmerkungen:
    1.
    Interessanter Beitrag wegen der Erläuterungen zu Kubitscheck -zur Person, zu seinen politischen Zielen- und zu seinem politischen Netzwerk.
    2.
    Beste Werbung für den Journalisten Stefan Laurin und für "seinen" Blog Ruhrbarone -freut mich.

  • #132
    thomas weigle

    @ Walter Stach Deine Freude in dieser Causa teile ich uneingeschränkt. Da hat das Blatt des "linksgrünen Bildungsbürgertums" mal voll ins Schwarze getroffen.
    Diejenigen aber, die da auch hier mein(t)en, man müsse mit einem diskutieren, der bereits 2007 unsere Republik in einen "Vorbürgerkrieg" halluzinierte,haben allen Grund, ihren Standpunkt zu überdenken.

  • #133
    walter stach

    Thomas Weigle,
    wir beide freuen uns über……

    Müssen wir uns heute beide gleichzeitig ärgern?
    BVB – 1 : 2 in Augsburg
    Eintracht -im Augenblick- 1: 2 gen Hoffenheim -oder ändert sich das noch zu Gunsten "Deiner" Eintracht?

    PS
    Ich lese "Kontext" stets mit großem Interesse, obwohl es regelmäßig um regionale Themen aus dem Südwesten der Republik geht. "Links-Grün" ? Ja, aber dieserhalb doch "selbstkritisch".

    Im übrigen ist unsere gemeinsame Freude über den Beitrag in Konntext zu Kubitscheck und seinen politischen Freunden letztlich wohl der Tatsache geschuldet , daß wir eine gemeinsame politische Grundhaltung haben , wenn es gegen Rechtradikale, gegen Rassisten, gegen Antisemiten, gegen Neo-Nationalisten, gegen Faschisten geht, egal in welchem politischen Gewande sie daherkommen.

  • #134
    walter stach

    Thomas Weigle,
    es ist ja noch ‚mal gutgegangen mit "Deiner" Eintracht.

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