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Kein Platz für Salzborn

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Die im kommenden Jahr auslaufender Professur des Antisemitismus- und Rechtsextremismusforschers Samuel Salzborn wird nicht verlängert. Die formalen Gründe, mit denen die Universität das begründet sind nicht glaubhaft.

Eigentlich müsste eine Universität glücklich sein, einen Professor wie Samuel Salzborn zu haben. Seine Studenten und Kollegen sind von seiner Arbeit begeistert, der Stiftungsrat der Universität hat ihm einen Preis verliehen, er veröffentlicht viel in angesehenen Fachverlagen, greift in öffentliche Debatten ein und ist zudem im Bereich des Anwerbens von Drittmitteln für eine Sozialwissenschaftler ausgesprochen erfolgreich: Es war Salzborn Konzept, dass das Land Niedersachsen überzeugte, die „wissenschaftliche Dokumentationsstelle zur Analyse und Bewertung von Demokratiefeindlichkeit und politisch motivierter Gewalt in Niedersachsen“ an der Uni Göttingen anzusiedeln. 750000 lässt das Land sich dies kosten.

Samuel Salzborn

Samuel Salzborn

Doch die Universität Göttingen ist nicht glücklich, Samuel Salzborn als Professor zu haben. Sie will ihn loswerden. Wenn im kommenden Jahr seine befristete Professur ausläuft, soll sie nicht verlängert werden. Nachdem Wochenlang über die Gründe dafür spekuliert wurde, reichte die Universitätsleitung eine Begründung nach, um die Debatte zu beenden: „Bei der Berufung von Herrn Salzborn handelte es sich um eine sogenannte „Erstberufung“ gemäß §28 Abs. 1 Nr. 1 Nds. Hochschulgesetz (NHG). Für diese Erstberufungen ist laut NHG eine Verlängerung nicht möglich.“ Was Unfug ist, denn genau dieser Paragraph zahlreiche Ausnahmen von der Regel. Wenn es um die „Gewinnung herausragend qualifizierter Wissenschaftler“ oder „Berufspraktiker“ geht, kann er umgangen werden. „Wenn Universitäten jemanden behalten wollen, finden sie immer einen Weg“, sagt ein Politikprofessor dieser Zeitung. Aber die Universität Göttingen will Salzborn nicht und auch Proteste des Fakultätsrates, seiner Studenten und viele kritische Stimmen in der Öffentlichkeit haben daran nichts geändert.

Abgesehen von dem eher aus Hilflosigkeit von der Hochschule vorgetragenen juristischen Argument findet sich kein wirklicher Grund für das Ende der Arbeit Salzborns in Göttingen. Die Universitätsleitung und Salzborn, das scheint nicht zu passen, die Atmosphäre an der Hochschule außerhalb seiner eigenen Fakultät ist nicht reif für einen wie Salzborn der sich einmischt, der Position bezieht, der mit offenem Visier gegen Antisemitismus, Rechtsextremismus und Islamismus forscht und streitet. Salzborn setzte sich dafür ein, das auf der Homepage der Universität nicht mehr für Burschenschaften geworben wurde, der Universitäts-Vizepräsidenten Holger Schroeter, zuständig für Personal und Finanzen, ist im Göttinger Corps Hildeso-Guestphalia. Als im Sommer 2014 auch in Göttingen Antisemiten gegen Israel auf die Straße gingen, ließ Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel eine kleine Israelfahne aus den Räumen der Fachschaft Sozialwissenschaft entfernen. Der Grund: Sie würde der „kulturellen Diversität“ der Universität widersprechen. Benjamin Söchtig vom Fachschaftsrat Sozialwissenschaft glaubt, Salzborn passe nicht ins Bild einer Universität, wie Präsidentin Beisiegel sie sich wünscht: „Beisiegel möchte aus der Universitär einen unpolitischen Elfenbeinturm machen.“ Dazu passt jedoch Beisiegels politisches Engagement nicht. Die jetzige Präsidentin war bei der „Naturwissenschaftler-Initiative Verantwortung für den Frieden“, hat sich in der Friedensbewegung engagiert und war im Direktorium des Carl Friedrich von Weizsäcker-Zentrum für Naturwissenschaft und Friedensforschung (ZNF) an der Universität Hamburg.

Sie engagierte sich also in einem politischen Umfeld, in dem „Israelkritik“ zum guten Ton gehört, für das jemand wie Salzborn kein Verbündeter, sondern eher ein Gegner ist.

In einer Hochschule, in der eine Mischung aus Friedensbewegten und Burschenschaftlern den Ton bestimmen, scheint für einen freien Geist wie Salzborn kein Platz zu sein. Sicher, von einer Querfront gegen Salzborn zu sprechen würde zu weit gehen, aber es gibt viele in Göttingen die froh zu sein scheinen, einen Weg gefunden zu haben, ihn loszuwerden. Den Schaden wird das Land Niedersachsen, dessen Dokumentationsstelle zur Analyse und Bewertung von Demokratiefeindlichkeit und politisch motivierter Gewalt in Niedersachsen“ in der Mittelmäßigkeit versanden könnte und die Studenten, die einen guten Lehrer verlieren. Salzborn gilt bundesweit als herausragender Vertreter seins Faches, sein Name steht immer wieder auf Berufungslisten, wenn es um die Vergabe von Professuren geht. Er wird eine Hochschule finden, die seine Arbeit zu würdigen weiß. Göttingen ist das nicht.

Der Artikel erschien in einer ähnlichen Form bereits in der Jüdischen Allgemeinen

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4 Kommentare zu “Kein Platz für Salzborn

  • #1
    nussknacker56

    Etwas, was sich schon seit einer ganzen Weile abzeichnet, scheint allmählich zur Gewissheit zu werden. Die Ausbootung von Prof. Salzborn ist nicht eine Sache, hinter der irgendwelche Rechten stecken, sondern der Hauptbetreiber scheint die sogenannte Linke zu sein. Das erwähnte Detail mit der Fahne war mir neu, passt aber bestens dazu.

    Dass die Friedensfreundin Beisiegel zusammen mit Linken und anderen „kritischen“ Individuen die treibende Kraft sind, ist sehr wahrscheinlich, andernfalls wäre es schwierig für dieselben, den Schein zu wahren. Von einer heimlichen Burschenschaften-Mehrheit in der Universität Göttingen habe ich zumindest bislang noch nichts vernommen.

    Es ist beklemmend zu sehen und immer häufiger zu beobachten, wie linke und rechte Reaktionäre Hand in Hand arbeiten, wenn es gegen den gemeinsamen Feind in beiden Weltbildern geht.

  • #2
    Charles A. Forbes

    Es würde eben nicht zu weit gehen, von einer Querfront gegen Salzborn zu sprechen! Genau diese ist in Sachen Antisemitismus – in der Verkleidung als Antizionismus – seit Jahren zu beobachten. Oder wie sonst sollte man es nennen, wenn Bundestagsabgeordnete der LINKEN in einem Boot mit türkischen Faschisten gen Israel zu Kriege ziehen?
    Bezeichnenderweise sind die akademischen Querfrontler nicht in der Lage und also nicht willens, sich inhaltlich mit Positionen wie von Salzborn auseinanderzusetzen.

  • #3
    teekay

    Schade, dass nur UEBER ihn aber nicht MIT ihm (oder anderen Insidern wenigstens) gesprochen wird. So bleiben doch nur teilweise etwas abwegige Spekulationen und politische Unterstellungen die sich bislang kaum begruenden lassen.

  • #4
    Gerd

    Als im Sommer 2014 auch in Göttingen Antisemiten gegen Israel auf die Straße gingen, ließ Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel eine kleine Israelfahne aus den Räumen der Fachschaft Sozialwissenschaft entfernen. Der Grund: Sie würde der „kulturellen Diversität“ der Universität widersprechen.

    Jetzt machen Vorwürfe Sinn. Linke Uni feuert ihn weil er sich auch gegen linken Judenhass/Judenhass von Menschen mit Migrationshintergrund ausgesprochen hat.

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