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Kennt jemand jemanden, der einen funktionierenden Prototyp erfunden hat, der ohne konventionelle Energie zu verwenden, elektrische Energie herstellen kann?

Strom aus dem Nichts. Das läßt sich Michael Jachan gerne eine fünstellige Summe kosten. (Foto: Sebastian Bartoschek)

Ich habe mich im November 2017 dazu entschlossen, eine fünfstellige Eurosumme in die Freie-Energie-Nutzung zu investieren. Warum? Weil ich mittelfristig nicht mehr Geld auftreiben kann. Seit meinem öffentlichen Facebook-Posting bin ich der zukünftige Finanzier, der die Welt aus ihrer Energie- und Umweltkrise herausholen wird – falls sich das Konzept der Nutzung der Freien Raumenergie (oder Ähnlichem) als möglich erweist. Ich wäre auch an der Entdeckung gänzlich unbekannter Energieformen interessiert. Ein Gastbeitrag von Michael Jachan.

Wer weiß, vielleicht kann man diese auch nutzbar machen. Aber um das weiter zu erforschen wäre ja dann mein Geld da! Das klingt jetzt ziemlich abgehoben und süffisant, ist aber so. Wenn es notwendig ist, um die Welt damit zu retten, kann ich sogar einen Kredit aufnehmen. Und ich würde sogar zum Vertreter für unsere Sache werden und bei allen Physikern und bei allen Industriellen der Welt Klinken putzen gehen. Nachdem ich mich von der Sache selbst überzeugt habe.

Ich bin ein Mini-Westinghouse und suche meinen Tesla. Aber nicht, dass jemand glaubt, ich sei J. P. Morgan, dem Tesla etwas aufschwatzen könne! Die Freaks der Freien-Energie-Szene können diese Anspielung hoffentlich richtig deuten: Der junge geniale Ingenieur Tesla konnte mit Westinghouses Finanzierung alle Grundlagen unserer Elektro-Infrastruktur erfinden: Wechselstromgeneratoren und -motoren, Neonleuchten, Funk, Radio und Radar. Beide wurden dadurch reich und die Welt wurde damit modern. Tesla wurde jedoch vom Allrounder der Elektrotechnik zu einem Visionär, oder besser gesagt, einem Spinner, der eigentlich nur eines wollte: Energie über Antennen zu versenden, aufdass man damit die Welt mit einer drahtlosen Energieversorgung ausstatten könne. Auf Nikola Tesla berufen sich heute gerne viele alternative Energieforscher.

Wann gibt es mein Geld?

Kennt jemand jemanden, der einen funktionierenden Prototyp erfunden hat, der ohne konventionelle Energie zu verwenden, elektrische Energie herstellen kann? Ich frage nur, weil viele Spezialisten, oder alternative Spezialisten, dies im Web anpreisen. Nun, ich persönlich glaube noch nicht daran, aber es ist ja nichts unmöglich. Freie Energie ist zwar ein Begriff aus der Physik, aber er wird auch als Ausweichbegriff für ein Perpetuum Mobile verwendet. Wir alle wissen, dass es kein Perpetuum Mobile geben kann, da die Energie eine Erhaltungsgröße ist und nicht erzeugt werden kann. Man kann sie umwandeln, was Ressourcen und Geld kostet und Verluste erzeugt. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass Pseudowissenschaftler vielversprechende Pseudotheorien popularisieren, um Investitionen herauszufordern.

Ich habe einige Bedingungen formuliert:

1. Unter dem Begriff Freie-Energie-Maschine verstehen wir Anlagen, die elektrische Nutzleistung erzeugen, ohne dabei herkömmliche Energieformen umzuformen.

2. Es handelt sich hierbei um ein Angebot einer Finanzierung für jemanden, der bereits einen Prototyp gebaut hat. Ich alleine entscheide, ob es zustande kommt. Ich habe keine Absichten ein „Wohltäter“ zu sein. Ich will 23% vom späteren Einkommen als Rendite. Ich habe die Absicht, dieses Projekt kontinuierlich zu fördern.

3. Sobald ich mich mit den Mitteln der Physik und Elektrotechnik von der Funktion überzeugt habe, können konkretere Verhandlungen über Finanzen beginnen.

4. Um Scharlatanerie, Pseudowissenschaft und nicht ernst gemeinte Angebote abzuwehren, werde ich keinerlei Vorschüsse und keinerlei Reisekosten etc. investieren/übernehmen, bevor es nicht erwiesen ist, dass die Anlage elektr. Energie (netto) erzeugen kann. Damit meine ich mind. 1 Watt Leistungsgewinn im Dauerbetrieb.

5. Alle Anfragen, die folgendes nicht enthalten, werden gelöscht:
(a) Eine Angabe, welche elektr. Nettoleistung (in Watt) im Dauerbetrieb abgegeben werden kann.
(b) Ihre Stromrechnung seit der Erfindung des Prototypes.

6. Ein Sorry an alle, aber alle Anfragen/Postings, die 4) nicht erfüllen, werden gelöscht! Dies betrifft besonders Links zu den üblichen pseudowissenschaftlichen Sites.

7. Warum mache ich das? Um das Klima zu retten. Um berühmt zu werden. Um reich zu werden. Um die Spreu vom Weizen zu trennen.

Der Mann mit dem Plasma

Am nächsten Tag kam eine Anfrage eines jungen Mannes. Er habe sich intensiv mit der Plasma-Technologie beschäftigt und habe mit seinen Freunden ein System entwickelt, welches drahtlos Energie abgeben könne. Ihr System utilisiere ein „magnetisch-gravitatives Feld bzw. Plasma“. Nach seinen Angaben sei dieses Feld bzw. Plasma mit ganz einfachen Messmethoden zu messen, also seine Existenz sei festzustellen.

Soweit ich die Physik überblicken kann, wäre es einen Nobelpreis oder auch mehrere wert, ein „magnetisch-gravitatives Feld bzw. Plasma“ erzeugen und vor allem, definieren, zu können. In der Welt der Physik ist das Plasma ein Zustand der Materie, bei dem ein Teilchengemisch auf atomar-molekularer Ebene vorliegt, dessen Bestandteile teilweise ionisiert sind. Man nennt es auch den vierten Aggregatszustand, neben fest, flüssig und gasförmig, da der Plasmazustand dann erreicht wird, wenn man einem Gas weitere Energie zuführt. Feuer, zum Beispiel, ist ein Plasma.

Des Weiteren pries mein erster Interessent an, auch an einem Hochleistungskondensator zu arbeiten. Darüberhinaus sei ein anderer Freund von ihm mit einem Benzinsparsystem beschäftigt, mit dem man den Verbrauch seines Autos halbieren könne. Dieser Freund habe über 50000 km alles mit einer Kamera dokumentiert. Ich fragte nach, ob er den Verbrauch nicht besser in einer Excel-Tabelle hätte festhalten sollen. Aber auch das bejahte er. Ich schlug ihm noch ein skeptisches Video zum Thema Kraftstoffsparmythen vor und wollte zum eigentlichen Thema zurückkehren.

Er sendete mir einige Fotos von zwei verschiedenen Versuchsaufbauten seiner Plasma-Maschinen, die wohl in einem Wohnzimmer stattfanden. Die Aufbauten, die auf einem Tisch Platz finden, bestehen aus zwei oder drei Plattformen, die im Abstand von 20 bis 30 cm übereinander angeordnet sind. Der eine Aufbau ist durch ein Dreibein aus drei ca. einen Meter langen Holzlatten gestützt, der andere kommt ohne ein Dreibein aus. Auf der oberen Plattform sind einige Verdrahtungen zu sehen, welche in einem zirkulären Muster, das als die „Blume des Lebens“ bekannt ist, geführt sind. Die untere Plattform aus durchsichtigem Material ist parallel zur Oberen und beinhält auch etliches Kabelwerk. Die Basisplattform, die direkt auf der Tischfläche liegt, trägt ebenfalls Kabel, welche aber ungewöhnlich dick sind. Auf den drei Holzbeinen der einen Variante ist je ein spulenartiges Gebilde angeflanscht, die andere Variante hat auch solche Gebilde, die auf dem Tisch liegen. So wird also besagtes Plasma erzeugt, gewandelt oder gesammelt. Der eine Aufbau liefere drahtlose Energie, der andere Drahtgebundene, glaube ich verstanden zu haben. Es habe noch kein „vernünftiger Test“ stattfinden können, meinte er, aber laut seinen Angaben wäre es möglich, damit bis zu 30% Energie einsparen zu können. Aufgrund eines Umzuges konnte er seine Arbeit an diesem Projekt nicht fortsetzen.

Die Keshe-Foundation

Um sich einen Eindruck seiner Aufbauten zu verschaffen, kann man eine Bildersuche mit den Schlagworten „Keshe“ und „Free Energy“ starten. Die Keshe-Foundation, die er immer wieder im Chat erwähnte, weiß mehr über besagtes „magnetisch-gravitatives Feld bzw. Plasma“. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Ansichten über unser Universum definiert diese Foundation ein Plasma als ein magnetisch-gravitatives Feld, das sich zu einem Ball verbinden könne. Wenn Millionen von diesen Plasmabällen aufeinandertreffen, entstehe Materie. Sowohl die Sonnensysteme und die Galaxien als auch die Atome, Moleküle und das Licht bestehe aus diesem Plasma. Es, dieses Keshe-Plasma, habe sogar ein Bewusstsein, es sei das Leben an sich! Diese neue Technologie werde uns nicht nur neue, sichere und billige Energie bringen, mit ihr könne man auch neue Werkstoffe herstellen, bessere Autos bauen, Raumschiffe antreiben und auch Krebs, multiple Sklerose, etc. heilen.

Das alles ist kein Wunder. Der Gründer der Foundation Mehran Tavakoli Keshe (geb. 1958) ist ein aus dem Iran stammender Erfinder und Messias. Er hat nicht nur Forschungen auf dem Gebiet der Freien Energie vorzuweisen, sondern arbeitet auch an der Antigravitation und an der kalten Fusion. Keshe – We are here to serve and not to be served. Aber man fragt sich nun, warum ein Jünger von Herrn Keshe auf meine paar Tausender angewiesen wäre.

Die Keshe Foundation ist eine in den Niederlanden registrierte gemeinnützig-philantropische Organisation. Ihr Ziel sei es, ihre Erfindungen populär zu machen und aufzuzeigen, dass sie uns allen gehören. 2009 rief die Foundation auf, sich einen Platz für Weltraumflüge zu reservieren, welche 2014-1025 hätten stattfinden sollen. Ein zehnstündiger Flug in 60 Kilometer Höhe hätte nur 19000 Euro gekostet. Für 2017 waren Mondflüge für nur 50000 Euro vorgesehen. Gewisse polizeiliche Ermittlungen gegen die Stiftung führten dazu, dass der Hauptsitz nach Norditalien verlegt werden musste. Dort eröffnete Keshe im Jahre 2014 das Spaceship-Institut und bietet Studiengänge zum Thema an. Das Jahr kostet schlappe 20000 Euro und nach dem dreijährigen Studium hat man den Grad eines Knowledge-Seekers erreicht. Vielleicht will mein Applikant seine Ausbildungskosten einwerben oder auf eine Reise sparen.

GANS – oder gar nicht?

Kehren wir in unser Universum zurück. Es wird durch die Lehren der Keshe Foundation ein für Laien beinahe unerkennbarer Bedeutungswechsel der zentralen physikalischen Begriffe hin zur Bedeutungslosigkeit durchgeführt, grad so als ob ein Hütchenspieler die Münze mit einem Magneten unter das andere Hütchen transferiert. Ich habe nicht die Absicht, mein Geld zu verzocken. Mir war bald klar, dass mein erster Applikant keinerlei Beitrag zur Energiewende liefern kann. Jedenfalls wollte ich ihn darauf hinweisen, dass er, falls er das, was er tut, ernst nimmt, nachmessen muss, dass er Energie aus dem leeren Raum oder aus dem Nichts erzeugt. Begeistert beantwortete er alle meine weiteren Fragen, aber keine davon war meiner Meinung nach zufriedenstellend.

Er erklärte mir, wie man seine Maschine startet: Man müsse sie als ein Bootstrap-System sehen, welches sich „in einem Kreislauf“ selbst hoch fährt. Man baut es auf und startet den Vorgang zB. mit einer 9-Volt-Batterie. Dann wird, wie auch immer, ein „geringer Überschuss produziert“. Nach ungefähr einem Monat sei das System hochgefahren und sei in der Lage, „mehrere Kilowattstunden zu liefern“. Sie konnten den Kreislauf schon einmal so weit bzw. hoch treiben, dass „die Lampe des Phasenprüfers bei einem großen Abstand nur mit Kontakt zur Luft geleuchtet hat“. Es ist also wie ein Tamagotchi, das am Leben erhalten werden muss und wächst. Auf ähnliche Weise funktioniert auch ein herkömmlicher Generator, der sein eigenes Magnetfeld aufbaut. Aber mit einem herkömmlichen Generator hat das, wonach ich suche, nichts zu tun. Und das, was hier vorgebracht wird, auch nicht.

Er begann dann noch etwas Neues zu erklären, was auf den ersten Blick wie wirres Zeug klingt: Das GANS. Er meinte, man kann „einen Reaktor mit Wasserstoff Gans, Deuterium Gans und Trizium Gans im nicht radioaktiven Zustand bauen. Mit der richtigen Kombination zieht die Nanoschicht die Energie, die sie braucht. Mit den richtigen Kreislauf erreichst du das was du brauchst.“ Ich fragte nach, was denn so ein „Gans“ ist, und er gab mir eine einfache Erklärung: Es sind halt Nanopartikel, die es ja auch in der herkömmlichen Technologie gäbe. Einen Moment lang dachte ich, er will mich veräppeln oder testen. Aber unsere Konversation ging noch tagelang weiter, und ich konnte sehen, dass er ein für sich kohärentes Weltbild vorbrachte. Man kann sich das alles auch ergoogeln, es existiert. Diverse Blogs aus der Szene erklären uns: GANS – Was ist das? Diese Abkürzung steht für GAs + Nano + Solid State. Gans einfach. Man nimmt ein Gas wie zB. CO2 und verpasst ihm eine neue Struktur, um es zu GANS zu machen. Mit der Verwendung von GANS, magnetisch-gravitativem Plasma, Feldplasma, flüssigem Plasma und auch noch anderen Plasmasorten kann die Menschheit in ein neues Zeitlater eintreten und die Harmonie mit dem Universum finden, so die Folklore. Man gibt aber auch zu, dass die genauen chemischen Eigenschaften, die das meist weißliche GANS hat, bisher noch nicht genau geklärt sind. Herr Keshe meint, dass das GANS bei einer normalen chemischen Analyse jedoch nur Kalzium ergibt; warum auch immer. Es ist auch auf den zweiten Blick wirr.

Ich bat ihn um ein Diagramm oder ein Lehrbuch, das dies alles erklären kann, aber er verwies nur auf besagte Foundation, die habe einige Lehrvideos und verkaufe Bücher. Ich meinte, dass ich selbst Elektrotechniker und Wissenschaftsfreak sei, und aber trotzdem von GANS und diversen Plasmen noch nie etwas gehört habe. Ich fragte, wieviele Nobelpreise Herr Keshe und sein Team bereits erhalten haben, und wenn keine, warum. Ja, ich wollte einige Verschwörungstheorien von ihm hören, aber er lehnte solche Themen ab und blieb technisch. Er verwies lediglich einmal auf Nikola Tesla, der ja bekanntlich ein verkanntes Genie war. Man müsse sich halt damit beschäftigen und dieser Bereich sei ohnehin gerade im Aufschwung begriffen.

Get with the FLOW

Wir stehen also vor zwei Anlagen, die Energie, drahtlos oder nicht drahtlos, erzeugen, wissen aber noch immer nicht das kleinste bisschen über deren Funktionsweise. Mit welchen Empfängern kann er die drahtlose Zwischenform der Energie empfangen und in ein Smartphone oder einen Toaster bringen? Oder anders gefragt, wie speist man diese Energie in unser bestehendes 50Hz/230V-Wechselstromnetz ein? Und woher kommt diese Energie überhaupt? Aber die wichtigere Frage für mich ist: Ein mittlerer Einpersonenhaushalt Verbraucht pro Jahr um die 2300 Kilowattstunden, wobei eine kWh an die 20 Cent kostet. Wie hoch auch immer Verbrauch und Preis sein mögen, wenn er drei oder vier solcher Prototypen baute, könnte er ja die vollen einhundert Prozent seiner Stromrechnung eliminieren, nicht? Ich wollte ihm diese Fragen aus meiner Ausschreibung nun stellen und Antworten erhalten, welche annehmbar, also technisch nachvollziehbar, sind. Er wollte sein System erstmal fertigstellen, um mir dann zeigen zu können, wie es funktioniert. Ich meinte, es mir zu zeigen heisst aber auch zu beweisen, dass es Energie abgibt, aber keine herkömmliche Art von Energie dazu benötigt. Er meinte selbstsicher, dass jedes System eine Input-Energie brauche, um Energie zu erzeugen, wie die Solarzelle die Sonne und die Windkraftwerke den Wind. Und für seine Plasma-Maschine braucht es eben einen Flow.

Dann habe ich ihn nochmals gefragt, wass denn dieser „Flow“ sei. Und ich meinte, falls er erklären könnte, was dieser Flow genau ist, würde er einen weiteren Nobelpreis erhalten. Er ließ sich von solchen Aussichten weder beeindrucken noch animieren, konnte er es aber erklären: „Also ein Flow ist, wenn man einen Kreislauf generiert hat und der Strom fließt. Sobald der Strom fließt wird Energie produziert. Ganz easy.“ Achja, sein Kreislauf, der mit einer 9V-Batterie gestartet wird … Er war auch gans ääh ganz ehrlich und meinte, dass er nicht alles davon verstehe, dass es aber genug Keshe-Jünger gebe, die „uns auch was beibringen, sodass wir dann auf den richtigen Weg kommen“.

Er war sichtlich fasziniert von der Keshe-Geschichte und ich wollte ihn nochmals herausfordern. Ich fragte ihn, was er von Herrn Keshe denn wisse, was der Rest der Welt nicht weiß, nicht wissen will oder was eventuell auch unterdrückt wird, damit es niemand wissen kann. Wiederum hätte ich die Keshe-Videos gucken sollen, die doch all diese üblichen Fragen schon beantworten. Ich muss ehrlich sein, ich habe mir bis heute keines dieser Videos angesehen. Jaja, auch Galilei und Einstein wurden erstmal nicht ernst genommen, aber das wird auch schon die einzige Analogie bleiben. Wenn die Keshe-Technologie kein Fake wäre, wenn sie tatsächlich gerade im Aufschwung begriffen wäre, und wenn es keine Verschwörung gegen sie gäbe, so müssten doch alle Medien davon berichten, auch die außerhalb der Keshe-Welt. Ich sagte ihm sehr direkt, dass man mit einmal kurz googlen die Keshe-Szene als pseudowissenschaftlich und juristisch auffällig entlarven könne. Er lachte mich aus und meinte, ich habe mich nicht wirklich mit Mr. Keshe befasst. Ich meinte, dass es aber auch seine Aufgabe sei, sich erstmal mit der herkömmlichen Wissenschaft und Elektrotechnik zu befassen, bevor er sie verbessern, also den Wirkungsgrad über 100 Prozent erhöhen oder eine neue Energieform entdecken, kann. Ausserdem wollte ich wissen, wo denn ein Anknüpfungspunkt zwischen der alten gewöhnlichen Technologie, die mir geläufig ist, und der neuen Keshe-Technologie sei. Immerhin müssten doch alle Wissenschaftler der Welt Herrn Keshe belagern, außer wenn er ein Scharlatan ist. Ich hätte eben falsch gegoogelt, meinte er: „Ach, diese Seiten sind Blödsinn und von 2012.“

Die Wellen gingen nun etwas höher, aber ich erinnerte mich und ihn an meine Mission. Es geht um viel, immerhin konnte er schon kurzzeitig ein Drittel seines Energieverbrauches einsparen, was er nochmals bestätigte. Ich fragte ihn, wo denn genau diese 30 Prozent seines Gesamtverbrauches aus der Maschine herauskommen und welcher Verbraucher sie konsumiert. „Ja, die Energie kann man einfach aus der Steckdose ziehen. Die habe ich natürlich mit eingebaut.“ An dieser Steckdose habe er einige Smartphoneladegeräte angeschlossen und damit mehrere Handys aufgeladen. Und mit einem handelsüblichen Wattmeter aus dem Baumarkt habe er alles überwacht. Ja wie genau die Steckdose auf ihrer Rückseite verdrahtet war, wollte ich wissen, um an den Kern der Anlage zu gelangen.

Strom kommt aus der Steckdose

Ich konnte schließlich folgendes verstehen: Seine Steckdose war das hintere Ende eines Wechselrichters aus dem Baumarkt. Wechselrichter können aus einer kleinen Gleichsspannung eine 230V-Wechselspannung herstellen, mit der man dann Geräte mit herkömmlichen Netzteilen betreiben kann. Die einzige interessante Frage ist nun, womit er diesen Wechselrichter, der nach seinen Angaben durchgehend um die 70W liefere, gespeist wird. So kamen wir der Sache ein wenig näher. Ob es nun 30 Prozent seines Gesamtverbrauches oder aber nur 70W sind, ist auch schon egal. Er sagte dann ganz einfach, dass sein Flowkreislauf, den er damals hochgezüchtet hatte, 12,4V erzeugen konnte, und das stabil. Aber er konnte oder wollte mir nicht sagen, woher genau diese Spannung kommt, oder er wollte es halt mit Keshe-Worten erklären, die ich jedoch als bedeutungslos ansehe. Ich fragte ihn, welche Stromstärke denn notwendig sei, wenn man mit ca. 12 Volt Spannung ca. 70 Watt elektrische Leistung bereitstellen will. Er verstand meine Frage und sagte ca. 6 Ampere. Das war ein großer Schritt, nun wusste ich, dass er auch das gewöhnliche Handwerk der Elektrotechnik verstand: Leistung ist Spannung mal Strom. Ich sagte nochmals, dass, wenn er einen Strom von 6 Ampere, also ca. 70 Watt aus seiner Anlage holen könne, er der berühmteste Wissenschaftler des 21. Jhdts. werden würde. „Ach ich bitte dich, das ist noch garnix. Für mich wird es erst bei mehr als 10kW interessant.“

Es scheint, als ob wir uns auf etwas einigen können. Er hat mir also den Beweis zu liefern, dass er 6 Ampere bei 12 Volt abgreifen kann – aus dem Nichts abgreifen kann, nachdem er seinen Flow erneut aufgepeppelt haben wird. Er willigte nochmals in meine konkrete Forderung ein. Sobald er mir ein Foto von einer Messanordnung schickt, das meine Forderungen erstmal befriedigen kann, muss ich mir wohl überlegen, mit ihm eine Videokonferenz abzuhalten, um der Anlage beim Arbeiten zusehen zu können und weitere Messanweisungen geben zu können. Ich merkte nochmals an, dass, wenn er recht habe, alles was ich 20 Jahre lang in Schulen gelernt habe Schwachsinn sei und dass Einstein und alle anderen Wissenschaftler sich geirrt hätten. „Ach Michael. Ich bitte dich, worum geht es bei dem, was Mr. Keshe lehrt, eigentlich?“

Worum auch immer es dabei gehen mag, die Welt zu retten, das Universum zu verstehen, alle Krankheiten zu heilen, dem Messias zu folgen, … Ich will 6 Ampere bei 12,4V im Dauerbetrieb sehen. Mit einem Voltmeter und einem Amperemeter kann er umgehen, ob er sich nochmals bei mir melden wird?

Kennt jemand von euch jemanden, der einen funktionierenden Prototyp erfunden hat, der ohne konventionelle Energie zu verwenden, elektrische Energie herstellen kann, aber nicht die Ideen der Keshe-Foundation vertritt? Ich frage nur, weil viele Spezialisten, oder alternative Spezialisten, dies im Web anpreisen. Nun, ich persönlich glaube noch nicht daran, aber es ist ja nichts unmöglich. Falls ihr jemanden kennt, der Freie Energie nutzbar gemacht hat, so schickt ihn bitte zu mir. Wenn er an meiner Finanzierung bzw. Beteiligung ernsthaft interessiert ist, so soll er aber bitte auch gleich seine Stromrechnung seit der Inbetriebnahme der Anlage beilegen!


Unser Gastautor Michael Jachan studierte Elektrotechnik und arbeitet als Softwareentwickler. Er ist ein Mitglied der Skeptiker (GWUP) und würde sich freuen, der Welt auf diese Weise zu helfen.

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9 Kommentare zu “Kennt jemand jemanden, der einen funktionierenden Prototyp erfunden hat, der ohne konventionelle Energie zu verwenden, elektrische Energie herstellen kann?

  • #1
    Helmut Junge

    Wenn nicht diese realen Vorgaben wären, wie Dauerbetrieb und eine eine überprüfbare definierte elektrische Leistung, sondern Überzeugung und Glaube, wäre das keine Problem.
    Selbst der große Edward Teller hat anfangs an die Idee von Fleischmann und Pons geglaubt. Später mußten die aber zugeben, daß sie einen Rechenfehler bei der Wärmekapazität ihres Versuchsreaktors gemacht hatten. Einen peinlichen Anfängerfehler. Trotzdem gibt es immer wieder neue Ideen zur kalten Kernfusion. Alle hatten bisher einen Haken. Einen winzigen Haken. Hat nicht funktioniert.
    Aber faszinierend ist die Beschäftigung mit einem Perpetuum mobile schon. Ich habe im Schüleralter auch ein paar Ideen dazu gehabt. War eine schöne Zeit damals.

  • #2
    Klaus Lohmann

    Es muss da draußen wesentlich mehr buntes Zeugs geben, welches man rauchen/inhalieren/spritzen/trinken/kauen kann, als wir uns alle vorstellen können;)

  • #3
    ke

    Forschung/Erfindertum ist wie eine Lotterie, bei der viele Teilnehmer behaupten, gewonnen zu haben. Aber irgendwo in dieser Masse gibt es irgendwann auch mal einen echten Gewinner.

  • #4
    paule t.

    Ein Perpetuum mobile funktioniert nicht, und Energie kann nicht aus nichts entstehen, sondern nur umgewandelt werden. Das wussten wir auch vorher schon. Also warum dieses Scharlatanerieentzauberungsprogramm? Klar, man sollte die Scharlatanerien, die so verbreitet werden, als den Quatsch entlarven, der sie sind. Aber man muss die Leute doch nicht noch ermuntern …

  • #5
    Helmut Junge

    Ich hatte vor einigen Jahren von einer Freundin gehört, daß jemand aus ihrem Bekanntenkreis sich solch eine "Energiezentrale" kaufen wollte, die mit zwei Wasserbehältern, in dem das Wasser in einem Behälter unter Druck stand, durch periodischen Rücklauf jeweils Energie erzeugen sollte. Ich hatte das im Netz gefunden und entdeckt, daß jeder der diese "Erfindung" im Netz als Perpetuum mobile bezeichnet hat, mit einer Klage bedroht wurde. Vielleicht ist das der Trick dabei. daß man einen Richter findet, der solche "Rufschädigungen" zu einer lukrativen Einnahmequelle des oder der "Erfinder" macht.

  • #6
  • #7
    Jens Koenig

    Hallo,
    Mein Name.ist Ephraim Shikago, Dr., und ich habe nicht nur einen Prototypen für freie Energie, sondern auch 12.000.000 Dollar, die ich mit Ihrer Hilfe, sie bekommen dafür 10%, das sind 3 Mio, ausser Landes schaffen kann.

    Mal im Ernst, unterhält man. sich mit dem Protagonisten eines Nigeriasacms? Fordert man ihn auf, die Existenz seiner 12 Mio nachzuweisen? Nein.
    Gibt man einem Opfer eines Scams Geld, damit dieses nach Nigeria fliegen, kann, um nach dem Rechten zu schauen und schon mal 6 Mio abholen kann? Nein

    Von daher sehe ich den Sinn dieses Artikels nicht.
    Mag der Autor das erklären?
    Und bitte, nicht die Begründung aus dem Text oben, das hatte die Qualität von "Möglicherweise gibt es ja doch jemanden, der einige Mios ausser Landes bringt und für meinen Service mich reich entlohnt"

  • #8
    MJ

    Der Sinn meines Artikels ist, Angebote nachzuprüfen. Klar, die Angebote der Freie-Energie-Szene sind mit dem eines Nigerianischen Erben vergleichbar, doch sieht man den FElern die offene Täuschung nicht unbedingt sofort an. Sie treten mit einer erstaunlich breiten Webpräsenz auf.

    Dem jungen Mann, den ich da an der Strippe hatte, möchte ich attestieren, dass er sehr wissbegierig ist. Er kam als ein Fachfremder durch dieses Hobby zur Elektrotechnik. Ich hoffe, ich konnte ihm auch was Gutes tun.

    Lg, MJ:)

  • #9

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