Michael Spreng: „Rüttgers hätte früher in der Partei aufräumen sollen!“

Michael Spreng war Redakteur bei Bild und Welt, Chefredakteur von  Bild am Sonntag  und Kölner Express und beriet Edmund Stoiber und Jürgen Rüttgers in Wahlkämpfen. Spreng,  dessen Blog Sprengsatz zu den wichtigsten politischen Blogs der Republik gehört,  sprach mit uns über den Wahlkampf von Jürgen Rüttgers

Ruhrbarone: Der Wahlkampf in NRW neigt sich dem Ende entgegen und Rüttgerst steht unter Druck. Was hat er im Wahlkampf falsch gemacht?
Michael Spreng: Die Probleme von Jürgen Rüttgers und der CDU in NRW haben ihre Ursache vor allem in dem schlechten Start der Bundesregierung und dem Unmut der Wähler über die finanzielle Unterstützung Griechenlands. Er muss jetzt die Suppe auslöffeln, die ihm andere eingebrockt haben.


Rüttgers ist es auch nicht gelungen, mit seinen Themen zu Punkten. Die Schulpolitik war nicht das Hauptthema des Wahlkampfs.
Nein, der wurde von bundesweiten Themen bestimmt. Aber die Schulpolitik ist für die Union generell ein schwieriges Terrain. Alle Umfragen zeigen, dass auf diesem Feld der SPD eine höhere Kompetenz zugestanden wird.

Und dann war da noch das Thema Rot-Rot-Grün. Wirkt das noch?
Eine Anti-Linkspartei Kampagne wirkt heute nicht mehr so stark wie noch in den 90er Jahren. Aber es war richtig von Jürgen Rüttgers auf die Gefahr einer rot-rot-grünen Regierung hinzuweisen. Frau Kraft hat eine solche Koalition nie ausgeschlossen und der Gedanke, dass die chaotische Linkspartei in NRW an einer Landesregierung beteiligt werden könnte, macht vielen Menschen Sorgen.

Rüttgers stolperte  auch über eigene Skandale…
Ja, Rent a Rüttgers hat ihm geschadet und sein Image beschädigt.

Er spricht von einem nie dagewesenen Negative Campaigning.
Mit solchen Superlativen wäre ich vorsichtig. Die Kampagne gegen Willy Brandt 1972 war deutlich übler. Damals schalteten Unionsanhänger Willy Weinbrandt-Anzeigen in den Zeitungen. Auch andere Wahlkämpfe wurden sehr hart geführt. Neu ist für mich, dass Rüttgers größte Gegner aus den eigenen Reihen kamen. Enttäuschte CDU-Funktionäre haben offensichtlich die Medien mit Informationen versorgt, um Rüttgers zu schaden. Das Motiv war Rache.

Rüttgers hätte sich in seiner Partei nicht so viele Feinde machen sollen.
Das sehe ich anders. Rüttgers hätte früher in der Partei aufräumen sollen.

Sie selbst bloggen unter Sprengsatz.de. In den letzten Tagen war viel über die gestiegen Bedeutung von Blogs die Rede.
Wir in NRW und die Ruhrbarone konnten Themen setzen, aber für die Wahl wird das nicht entscheidend sein. Wie bereits gesagt: Die Griechenlandhilfe und der Fehlstart von Schwarz-Gelb in Berlin sind die großen Probleme der CDU in NRW.

Eine letzte Frage: Es gab das Gerücht, Sie würden Jürgen Rüttgers in diesem Wahlkampf beraten.
Das habe ich auch gelesen. Es stimmt nicht.

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2 Kommentare

  1. #1 | Dieter Carstensen sagt am 7. Mai 2010 um 17:12 Uhr

    Den Blog Sprengsatz von Michael Spreng lese ich täglich, auch wenn ich wahrlich nicht immer seiner Meinung bin. Aber es ist wie die Ruhrbarone für mich eine tägliche Routineübung, interessante News-Blogs zu lesen und gerade auch die Auseinandersetzung mit anderen Meinungen finde ich bereichernd.

    Schmunzeln musste ich bei ihrer Frage, lieber Stefan Laurin an Herrn Spreng „Es gab das Gerücht, Sie würden Jürgen Rüttgers in diesem Wahlkampf beraten.“

    Ich glaube Herrn Spreng, daß er es nicht getan hat, aber wer würde sich auch ernsthaft bei diesem CDU Desaster in NRW öffentlich als Berater von Rüttgers outen? Doch wohl nur Masochsiten!

  2. #2 | Ulrich sagt am 8. Mai 2010 um 12:00 Uhr

    Auf einen der großen Fehler von Rüttgers geht Spreng nicht ein. Der hat einige Ministerinnen und Minister berufen die wie sich bald herausstellte ihren Aufgaben nicht gewachsen waren. Statt rechtzeitig die Konsequenzen zu ziehen hat er seine Leute mit einer Ausnahme weiter herumstümpern lassen und so den Ruf der Landesregierung massiv beschädigt.

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