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Motorräder: Sonntagsfahrverbot wie 1973?

Norton Foto: pyntofmyld – Norton Motorcycle Lizenz: CC BY 2.0

Nein, nicht für alle Räder, nur für Motorräder. „Zur wirksamen Minderung und Kontrolle von Motorlä-“, von „Motorradlärm“, heißt die Entschließung des Bundesrats von Mitte Mai. Eine altertümliche Denke, 1973 waren Sweet mit „Hell Raiser“ das Sounddesign des Jahres, unser Vorschlag: Emissionshandel! Von unserem Gastautor Thomas Wessel.

Dafür muss man zuerst ein Protokoll machen, Auszüge: „BO-Innenstadt, gegen Abend rauschen die ersten rein, 15 Minuten einparken KOMMKOMMKOMM, Bässe wummern, der draußen STOP!STOP!!STOP!!! Türen auf Türen zu zu zu, die nächsten röhren rein, Fenster runter Musik hoch, eindeutig Ennepetal, ab und an kommt man da durch, es gibt da solche Musik. Hier gibt es den ersten Streit, Kreischenbrüllen dauert 20 min, immer, Versöhnung dauert schneller, du weißt alles über die Liebe im Tal. Ein einsamer Großstadt-User steigt in Papas BMW, erstmal warmlaufen lassen, im Navi rumstochern, EN ist das KW des Westens … ‚Kehren Sie‘ – pieps! – ’nie zurück‘, aber das ist die Stimme im Ohr, der erste Laubbläser erwacht, die Dönerreste müssen von der Straße, sind ein paar Buden hier, die Ennepetal querfinanziert, da hängen Familien dran, wer in der Stadt lebt, wird taub oder tolerant.“

Hat man einmal das Protokoll, erschließt sich die Entschließung des Bundesrates, Drucksache 125/20. Sorgsam adaptiert lautet sie:

„Nach-Bochum-Reinfahren ist für viele Menschen im Sauer- und Bergischen Land Freizeitvergnügen und Hobby. Zahlreiche Discos und Kneipen und Kinos und Kirchen sind hier schön gelegen. Das zieht viele Motor fahrende Ennepetaler aus dem In- und Ausland an. Im Rahmen der Freizeitgestaltung sind sie oft an Ruhetagen (Wochenende, Feiertage) unterwegs, wo sie durch absichtlich erzeugten Lärm auch als Einzelperson extrem belästigen können. Dabei sind ein rücksichtsvolles Miteinander und die Fähigkeit einzuparken Voraussetzung, um Verbotszonen zu vermeiden. Ansätze können sich durch Förderung von Verständnis und Toleranz ergeben …“

Und durch: Emissionsrechtehandel, money follows mission. Alle kriegen, sagen wir, 25 Zertifikate pro Jahr, wer aus Ennepetal kommt und in Bochum röhrt, lässt eines hier, umgekehrt genauso. Wer sein Zertifikat verkaufen will, kann es in Ennepetals Eisdiele tun. 25 Zertifikate wären alle 14 Tage 1 x Ausgang, das ist okay. Wenn alle mitmachen, haben wir überall Zone, das ist toll. Am Jahresende wird gezählt, wer verloren hat verliert, wer gewinnt, bleibt tolerant.

„Bei eklatanten Verstößen“ allerdings  –  auch da sind wir mit dem Bundesrat eins  –  „müssen die Polizeibehörden der Länder ein wirkungsvolles Instrumentarium in die Hand bekommen, um die betroffenen Ennepetaler unmittelbar aus dem Verkehr zu ziehen.“ Das klingt böse, „unmittelbar aus dem Verkehr ziehen“, ist doch aber nur ein anderes Wort für unmittelbare Verkehrserziehung. Die betroffenen Ennepetaler werden dann per Motorradeskorte nach Hause verbracht.

Listen Motor running…

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Ein Kommentar zu “Motorräder: Sonntagsfahrverbot wie 1973?

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    Sarah F.

    Ach ja, die Spaßbremsen im Bergischen Land, Sauerland, Siegerland und der Eifel… Ich bin an einer solchen Motorradstrecke, in der Nähe der Bevertalsperre, aufgewachsen. Und das war bei gutem Wetter kein Spaß. Da wohnt es sich jetzt hier in Bochum wesentlich ruhiger als damals "auf dem Land". Lärmbelästigung ist extrem lästig und gesundheitsschädlich. Und die Jungs und Mädels könnten ja auch einfach leisere Maschinen kaufen. Dann hätte sich das Problem soweit ja erledigt.

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