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Ökologie als Dilemma: Was auf die Grünen und ihre Wählerschaft zukommt

Kernkraftwerk Grafenrheinfeld Foto: Avda Lizenz: CC BY-SA 3.0

Nein, ich habe nichts dagegen, wenn die Grünen bei der nächsten Koalition nicht mehr Kellner, sondern Koch sind. Sie haben jetzt die Chance, die 30% zu knacken, auf jeden Fall aber die beiden alten und offensichtlich auch veralteten Volksparteien bei den kommenden Wahlen hinter sich zu lassen. Und die werden schneller kommen, als die meisten denken. Ich werde sie wohlmöglich sogar wählen, weil ich ihnen auch ganz persönlich die Handlungsmacht gönne, die sie brauchen, um ihre Ideen in die Tat umzusetzen, denn die vielbeschworene Ökodiktatur steht uns auf keinen Fall bevor.

Gesellschaften lernen nur langsam und in der Regel zu spät. Einzelne Individuen können zwar schneller, bzw. der Zeit voraus sein, aber die Masse bleibt trotzdem träge. Selbst Diktatoren müssen darauf Rücksicht nehmen, es sei denn sie wollen das, was die große Mehrheit selbst will, oder zumindest wovon sie leicht zu überzeugen ist. Vom radikalen Verzicht, egal zu welchem höheren Ziel, lässt sie sich in der Regel jedoch nicht begeistern. Ein konsequente Klimapolitik, sofern denn sicher wäre, was das genau ist, ist deswegen auch von einem grünen Bundeskanzler, egal welchen Geschlechtes, sehr wahrscheinlich nicht durchzusetzen.

Erst recht nicht in einer Koalition mit der CDU und/oder der FDP. Auch mit den Restsozialdemokraten und einer Linken, die es nicht geschafft hat, durch das Debakel der Sozialdemokratie zu wachsen, ist das nicht möglich, ohne diese beiden Parteien endgültig zu Grund zu richten. Wer vorrangig von den „kleinen Leuten“ gewählt wird, kann mit einem Verzichts- und Verteuerung-Programm keinen Blumentopf ernten. Grün-Rot-Rot mag für manche zwar sozialpolitisch wünschbar sein, klimapolitisch ist es für die beiden Roten eher ein Selbstmordkommando.

Es sei denn, die Kosten einer konsequenten Klimapolitik werden vor allem von denen aufgebracht, die sich einer erhebliche Reduzierung ihres Einkommens ohne einschneidende Probleme leisten können. Diese Menschen werden das aber, selbst wenn sie Grün gewählt haben, mehrheitlich nicht einfach hinnehmen. Erst recht nicht, wenn die Maßnahmen, die sie finanzieren sollen, in der Wirkung fragwürdig, oder wohlmöglich sogar kontraproduktiv sind. Obendrein würde die so aufzubringende Summe, selbst wenn sie freiwillig bereitgestellt würde, in Anbetracht selbst der niedrigsten Bedarfsschätzungen bei weitem nicht ausreichen.

Übrig bleibt dann nur noch eine erhebliche Produktivitätssteigerung, weil nur die überhaupt erst die Wachstumsgewinne einspielt, auf der eine konsequente Klimapolitik ohne massenhafte Verarmung möglich wäre. Dazu zählten dann vor allem gewaltige Investition in die Erforschung, Erprobung und Einführung klimaneutraler Technologien in allen Bereichen der Daseinsvorsorge, besonders aber in der der weltweiten Nahrungsmittelproduktion und der Mobilität. Produktiv kann nur der sein, der auch genug zu essen und zu trinken hat und räumlich hoch beweglich ist. Dazu wäre aber, und das machen sich die wenigsten klar, auf absehbare Zeit erst einmal mehr Energie erforderlich.

Es sei denn, man präferiert die feudalistische Lösung, in der nur noch die hoch mobil, gut ernährt und technisch angemessen ausgerüstet sind, die den wirklichen Preis dafür problemlos aus der eigenen Tasche bezahlen können. Dies wiederum, lässt sich mit denen nicht machen, die dabei den Kürzeren ziehen, bzw. noch mehr ausgebeutet werden müssen, um der Oberschicht auch im Zeitalter des Klimawandels den Lebensstil zu ermöglichen den sie gewohnt ist  Aus diesem ersten Ökodilemma können auch die Grünen nicht ohne Blessuren heraus.

Es besteht nämlich im Kern darin, dass eine ökologische Politik, die aus einhelliger Expertensicht Jahrzehnte zu spät einsetzt, nur dann erfolgreich sein kann, wenn sie für eine Übergangszeit die ökologischen Probleme weiter vergrößert, bzw. verstärkt auf Technologien zurückgreifen muss, die dem angestrebten ökologischen Standard (noch) nicht entsprechen. Es handelt sich dabei um eine Art Rückschritt für den Fortschritt, der schlicht der Tatsache geschuldet ist, dass neue und alte Systeme eine Zeit lang parallel laufen müssen, wenn das Ganze nicht in einem Desaster enden soll.

Es handelt sich dabei zugleich um einen Wettlauf mit der Zeit, denn das völlige Misslingen des Wandels steht auf der anderen Seite der Gefahr gegenüber, dass wenn er zu lange dauert, sein Miss- oder Gelingen egal wird, weil die ökologischen Schäden irreversibel geworden sind. Was nichts anderes heißt, dass weder für arme noch für reiche Menschen der Planet weiter bewohnbar bleibt. Der einzige Ausweg aus diesem zweiten Ökodilemma ist der Einsatz von Technologien, die zwar technisch riskant aber dafür besonders klimaneutral sind, um den unabdingbaren weiteren Einsatz von klimaschädlichen Techniken zu kompensieren.

Bei der Nahrungsmittelproduktion ist das die Gentechnik und bei der Energieproduktion die Atomkraft. Dazu kämen verschieden Formen der CO2 Lagerung sowie des Recyclen von CO2.Es handelt sich dabei um Gefahrenkonstellationen, die wenn überhaupt, nur unter einer gemeinsamen und globalen Kontrolle beherrschbar sind, womit mir beim dritten Ökodilemma sind: die völlige Überforderung eines kleinen Landes wie Deutschland. Es sei denn, die Grünen begreifen ihre internationale Vorreiterrolle und starten zuallererst eine Initiative für ein weltweit koordiniertes Forschungs- und Technologieprogramm, in dem alle Länder, die dazu finanziell in der Lage sind, einzahlen, und das die UNO unter Beratung führender globaler Experten leitet.

Diese Ökologische Internationale wäre allerdings auch nicht ohne Feinde, weil die drei sich imperial gebärdenden Weltmächte USA, Russland und China schon bei der bisherigen internationalen Klimapolitik keine vorbildliche, ja sogar teilweise eine kontraproduktive Rolle spielen. Deswegen muss die Diskussion weg von negativen Grenzwerten zu positiven technischen Entwicklungszielen, die im Interesse auch der großen Nationen liegen. Hier liegt vor allem die wasser-, land- und luftbezogene Transporttechnik auf der Hand sowie die gemeinsame weltweite Abstimmung und Normierung der dazugehörigen Logistik.

Ebenso könnte es gemeinsame Anstrengungen geben, nicht recyclebare Schadstoffe im Ernstfall auch massenhaft im Weltall zu verbringen. Dazu käme eine weltweite Klima-Task-Force, die unter der Leitung der UNO in besonders betroffenen Gebieten massive technische Hilfeleistungen in kürzester Zeit ermöglicht. Einschließlich der Versorgung von Klimaflüchtlingen. Alles zusammen, und vieles mehr, lässt sich nicht durch besondere deutsche Betroffenheit und klimamoralischer Überheblichkeit lösen, sondern nur durch gemeinsame internationale Anstrengungen verwirklichen, bei der auf jeden Vorwurf und jede Besserwisserei verzichtet werden sollte.

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12 Kommentare zu “Ökologie als Dilemma: Was auf die Grünen und ihre Wählerschaft zukommt

  • #1
    ke

    Es ist an Absurdität kaum zu überbieten, dass unser jetzt so grünes Land es einfach nicht schafft, selbst einfachste Verbrauchsdaten zu reduzieren, die noch nicht einmal einen Komfortverzicht darstellen würden.
    Hierfür zählen für mich:
    – große Wohnungen
    – Flugreisen, Reisen
    – große Autos mit viel Gewicht
    – Fleischkonsum insbesondere von Rindfleisch, da die Klimaauswirkungen von Fleisch erheblich von der Art abhängen)
    – große Fernsehen und hohe Datenraten (bspw. UHD), die zu vielen Datenübetragungen führen
    – Reduzierung der Kleidung etc.
    Erst heute wurde im Ruhrpilot auf
    https://www.welt.de/politik/deutschland/article194985317/YouGov-Umfrage-zum-Klimawandel-Mehrheit-offen-fuer-Verzicht.html
    verwiesen.

    Wir sind alle so Öko, aber nicht willens in Stadtparks trotz Urban Outdoor Expeditionskleidung aufs Streuen der Wege zu verzichten.
    ARMES HILFLOSES GRÜNES DEUTSCHLAND
    Aktuell legt eine Raupe das Revier lahm.

    Es ist gut, dass im Artikel auf internationale Zusammenarbeit verwiesen wird. Wenn es um Flüchtlinge geht, zeigt sich die Internationale Solidarität. Es gibt sie fast gar nicht.

    Deutschland wird nicht das Klima retten und auch nicht alle Flüchtlinge der Welt versorgen können.

  • #2
    Wolfram Obermanns

    Viele kluge Gedanken.
    Aber vergesst die UNO. Ein Verein, in dem SA verantwortlich für Menschenrechte sein soll, wird bei ökologischen Themen ähnlich Diktatoren-freundlich agieren.

    Außerdem wird durch den Klimawander weder die Menschheit ausgerottet noch der Planet im ganzen unbewohnbar. In D wird es aller Wahrscheinlichkeit nach, neue Standards beim Deichbau, neue Versicherungspolicen für Sturmschäden, restriktivere Einwanderungsgesetze etc. geben. Dafür wird z.B. der in HH angebaute Wein auch für nicht Lokalpatrioten trinkbar. Das ist zugegebenermaßen in der Gesamtbilanz nicht unbedingt ein Haben.

    Für viel kritischer als erhöhte mittlere Jahreshöchsttemperaturen, die sich für unsere Region in der Nähe des mittelalterlichen Klimaoptimums bewegen, halte ich die Vermüllung der Natur durch Kunststoffe und Medikamente, die eine völlig neue Mikrobiologie produzieren wird.

  • #3
    Robert Müser

    Einen Politikwechsel könnte diesen Land bestimmt nicht schaden, da sich ein gewisser alternativloser Mehltau ausgebreitet hat. Keine Frage, durch die Grünen könnte da Bewegung in den aktuellen Politikbetrieb kommen.

    Was ich seit Jahren schon staunend beobachte, dass die Grünen es bisher immer irgendwie geschafft haben ihre Botschaften zu platzieren, ohne dabei einschneidende Auswirkungen auf das bisherige Verhalten ihrer eigenen Klientel zu benennen.

    Der Realitätsschock könnte für manchen Anhänger der Grünen arg heftig werden, wenn das bequeme Zeigen auf andere Bevölkerungsschicht einen selber trifft …

  • #4
    Psychologe

    Die Analyse halte ich für weitestgehend zutreffend. In diesem Kontext ist es schade, dass die typische FDP-/Lindner-Position dazu, man müsse anstatt des plumpen Verzichts den Wohlstand mehren und durch Innovation (sowie eine grundsätzlich "optimistische" Haltung) die Klimaproblematik adressieren, nur, weil sie von der FDP kommt, oftmals zu wenig Beachtung findet.
    Und genau das noch unangenehm zurück kommen.
    Ich spiele jetzt Mal Prophet und sage einen Satz, den Ulrich Deppendorf nach der 18-Uhr-Prognose immer mal wieder bei den "Demoskopen" einfängt, die um 17:59 noch von einem "Kopf-an-Kopf-Rennen" gesprochen haben: "Es ist(war) eine klare Wechselstimmung zu verspüren".
    Offenbar ist der Groko-Verdauungsvorgang an einem Ende angekommen und nach einer langen Phase der Orientierungslosigkeit zeichnet sich Mal wieder so etwas wie eine Richtungsentscheidung ab. Danach aber kommen vermutlich: Innerer Richtungsstreit, nicht erreichte Ziele und all das verpackt in dem hier skizzierten Dilemma.
    Und dennoch: Vermutlich werde ich sie auch wählen. Mir gehen zwar Gendersternchen (Fun fact: Google Chrome streicht dieses Wort gerade als Fehler an) und viele andere Dinge auf den Senkel, aber auch ich möchte einen echten Wechsel. Die Grünen liefern noch so etwas, das allen anderen abhanden gekommen ist: Ein Modell, eine Vision. Die FDP wäre mir in einer Koalition zwar lieber gewesen, aber sorry Christian, ich verschenke meine Stimme gerade nicht.
    Außerdem freut es mich so richtig, den AfDlern, die sich als stille Repräsentanten des "wahren Volkes" gerieren, mit ihrem Lieblingsfeind eines auszuwischen. Ich glaube, an dieser Vorstellung habe ich derzeit den meisten Spaß.

  • #5
    Helmut Junge

    Wir schreiben jetzt 2021 und sind im Wahljahr zur Bundestagswahl. Coronazeiten, keine rechtzeitige Impftoffbestellung durch die Bundesregierung und EU, Ausgangssperren in echt und in der Diskussion, haben der CDU stark zugesetzt. Jetzt haben die Grünen eine Kandidatin aufgestellt, die nicht mit der altbekannten klischeehaften Methode zu packen ist. Man wird andere Methoden finden müssen, wenn man das will. Die CDU hat auf den bestmöglichen Kandidaten verzichtet. Aus welchen Gründen ist noch nicht bekannt. Die SPD hat immer noch kein Programm, und ihr Spitzenkandidat fällt nicht besonders auf, besser gesagt, er reißt niemanden vom Hocker. Es wird tatsächlich, zumindest nach meinem heutigen Eindruck, zu einem Wettlauf von CDU und Grünen um die Wählergunst gehen. Und ich würde mich nicht wundern, wenn die Grünen diesen Wettlauf gewinnen. Nach meiner kleinen Mathematik bleibt als spätere Koalitionsoption dann eigentlich nur noch Grün-Schwarz als Zweiparteienkoalition übrig, und falls eine dritte Partei gebraucht werden sollte, könnte es nur eine Partei sein, die beide akzeptieren. Die Scholz-SPD wäre als Ergänzung das kleinste Übel für die zwei Großen. Die Grünen werden kein Risiko eingehen wollen, daß ihre Regierungsphase mit einem Debakel endet, und viele Kernanliegen zugunsten des Zusammenhalts opfern. So könnte es kommen.

  • #6
    thomas weigle

    "Ich werde sie womöglich sogar wählen.." So weit bin ich noch nicht, aber bis September ist ja noch ein wenig Zeit. Die vielen Artikel und Kommentare hier, die die Ruhrbarone schon länger als Zentralorgan der Grünenhasser im Ruhrgebiet erscheinen lassen, werden einen Wahlerfolg der Grünen nicht verhindern. Das ist mal sicher.

  • #7
    DAVBUB

    @ 1, ke: " Komfortverzicht….Hierfür zählen für mich:
    – große Wohnungen"
    Ich wurde in einem winzigen Haus geboren und bin dort aufgewachsen. Ich möchte nicht auf die Annehmlichkeiten einer großen Wohnung, also viel Raum und Licht, je eine Arbeits- bzw. Kreativzone für jeden u.A. verzichten wollen. Zielführend wäre es m.E., die Möglichkeiten der Nachverdichtung, Aufstockung und Umwidmung nach modernen Standards zu nutzen.

    @ 4, Psychologe: "Vermutlich werde ich sie auch wählen….Die Grünen liefern noch so etwas, das allen anderen abhanden gekommen ist: Ein Modell, eine Vision."
    Die liefern vor allem viel Blabla und nichts Konkretes. Vor allem wird viel versprochen ohne echte Finanzierungspläne vorzulegen. Sollte die Koboldbeauftragte siegen, wird das Leben für sehr viele Menschen sehr teuer werden. Und daß die Kanzlerkandidatur im Hinterzimmer ausgehandelt wurde wie früher bei der SPD gilt bei den Grün*innen jetzt als Fortschritt?
    Die wollen an die Fleischtöpfe, endlich wieder in gepanzerten Bundesdiesellimousinen durch die Republik heizen (Sachzwang) und zur Not wie beim letzten Mal noch einen Krieg anfangen…
    @ 5, Helmut Junge: " Nach meiner kleinen Mathematik bleibt als spätere Koalitionsoption dann eigentlich nur noch Grün-Schwarz als Zweiparteienkoalition übrig,…"
    Wer nicht CDU wählen, aber auch Grün verhindern will, landet zwangsläufig bei der FDP, da Stimmen für SPD, PDS und sogar der AfD indirekt die Regierungsbeteiligung der Grünen begünstigen. Die FDP hat sich klammheimlich von 5-6% vor einigen Monaten auf stabile~10% vorgearbeitet. Sollte es wirklich zum Lager- oder Richtungswahlkampf kommen, könnte am Ende ein schwarz-gelbes Wunder geschehen. Z.Zt. fehlen da knapp 4%, da das Wahlrecht die CDU wahrscheinlich noch begünstigt.

  • #8
    WALTER STACH

    Korruption als Dilemma
    (statt Ökologie als….)

    In jüngster Zeit sind massive Lobby-Vergehen und Korruptionsverdachte gegen CDU/CSU Politiker bekannt und in den Medien ausführlich behandelt worden mit erkennbar negativen Auswirkungen in der Bürge-(Wählerschaft) mit Blick auf deren Position gegenüber den Unions-Parteien und ihrem sog. Führungspersonal.

    Ist dieses "Dilemma" jetzt aus der Welt (aus dem Bewußtsein der Menschen ) verschwunden dank des wochenlangen Laschet – Söder Streites? Wenn das so sein sollte, frage ich mich, ob und wie diesem Effekt des Laschet-Söder-Streites (dem Zufall geschuldet oder gar strategisch geplant?) durch all diejenigen begegnen werden sollte, die das Ausmaß der sog. Lobby-Vergehen und der Korruptionsfälle als skandalös empfinden und daran interessiert sind -sein sollten-, zu verhindern, daß die Unionparteien wieder einmal, wenn der um Lobbyismus-Vergehen und Korruptionsskandale geht, schadlos davon kommen. Zumindest alle Parteien "links von CDU/CSU"
    sollten also "am Ball bleiben", ab sofort vor allem auch dann, wenn es um den "Armin" als Kanzlerkandidat der Union geht, um seine grundsätzliche "Arbeitshaltung" wenn es für ihn und seine Partei heikel zu werden droht nach de Motto: Ich weiß von nichts (ich höre nichts, ich sehe nichts, ich sage nichts.) Soweit ich mich erinnere, hat er sich bis dato zu dieser Problematik in den Unionsparteien gar nicht geäußert und – was mich sehr nachdenklich macht- er ist dazu m.W. medial auch nicht gefragt worden -noch nicht?

    Diese Bemerkungen hier bei den Ruhrbaronen nur , um daran zu erinnern, daß "man" viele gute Gründe finden könnte, ein politisches Dilemma zu finden und zu beschreiben, eben auch dann, wenn es nicht um "die Grünen", besser wohl gegen " die Grünen" geht.

  • #9
    thomas weigle

    @ Davbub Heute in der Printtaz ein Artikel über die vierjährige Belagerung Sarajewos durch faschistische Tschetniks und andere serbische Gangster. Keiner von denen,die sich 99 über den kurzen Krieg der Nato zur Befriedung empört hat-mich leider eingeschlossen- hat sich darüber aufgeregt, obwohl es oft genug in der Tagesschau war, wie ich mich erinnere. Wer seinerzeit dazu geschwiegen hat, auch zu den vielen anderen Schweinereien von 91-98, hat jedes moralische Recht verloren, sich über den Natokrieg aufzuregen. Er hat der Schlächterei in Ex-Jugoslawien ein Ende gesetzt. Frieden zählt scheinbar nix, wenn der pöse Westen ihn durchsetzt.

  • #10
    Thomas Siepelmeyer

    Herr Weigle, ich würde mal nicht von Ihnen auf alle anderen schließen. Ich / wir waren auch gegen den NATO – Krieg gegen Serbien, allerdings doch sehr ambivalent und zweifelnd und nur in dem Wissen, dass seit dem Ende des 2. Weltkriegs alle Kriege der USA und der anderen imperialistischen Mächte, als "humanitäre Interventionen" getarnt, von Korea, Vietnam, über Afghanistan bis Syrien, immer nur das eine selbe Ziel hatten, ihre eigene Vormachtstellung zu sichern. Im Falle des NATO-Angriffs gegen Serbien trug er zur Entlastung der Belagerungen im Kosovo und Sarajewo bei und führte schließlich zum Waffenstillstand. Aufgeregt über die von Ihnen erwähnten "serbischen Schlächtereien" haben wir uns allerdings sehr lange vorher und auch nachweisbar: man lese dazu nur unseren Artikel im ak Nr. 429 vom Aug. 1999 mit dem Titel "Pardon wird nicht gegeben", in dem wir uns gegen Gremliza’s faschistische Wortwahl der Charakterisierung der kosovarischen Bevölkerung wandten:
    Gremliza in der konkret 8/99, Seite 9, "Tod durch Erfindung":
    "… Das hat einen Grund, den besser verschweigt, wer nicht als Sympathisant der Mörder gelten will:
    daß die albanischen Bewohner des Kosovo, in dem Augenblick, da alle ihre Sprecher, ob Anführer
    der UCK oder schlichte Flüchtlinge, die Nato vor den Kameras von CNN zur Bombardierung
    serbischer Städte anfeuerten, den Status von Kombattanten angenommen hatten – wie zuvor die
    Bevölkerung jener Dörfer, in denen den Terroristen Unterschlupf gewährt worden war."
    Wir haben dazu u.a. gesagt:
    "Bei aller notwendigen Auseinandersetzung und Diskussion um den NATO-Einsatz in Kosova/Kosovo und seine Folgen, die in den vergangenen Monaten geführt worden sind, ist u.E. mit diesen Feststellungen in konkret ein Punkt erreicht, an dem es notwendig wird, einen klaren Trennungsstrich zu ziehen zwischen harter Auseinandersetzung und der primitiven Propagierung von Unmenschlichkeit. In der obigen Aussage wird jedem Albaner in der umkämpften Provinz, ob Frau oder Mann, Kind oder Greis, der Status des Kombattanten zugeschrieben; dafür müssen sich diese Menschen nicht einmal selbst zur Bombardierung serbischer Städte geäußert haben, sondern es genügt, daß angebliche oder wirkliche Sprecher dieser Volksgruppe dies gesagt haben sollen.
    Kombattant bedeutet, daß mit allen kriegerischen Mitteln gegen diese Person vorgegangen werden
    kann, Unterscheidungen zwischen Militärs, Bewaffneten und Zivilisten gibt es nicht mehr, eine
    Haager Landkriegsordnung und Genfer Konventionen existieren nicht mehr. Dieses Verständnis von kriegerischer Auseinandersetzung hat Herr Gremliza offensichtlich von der Praxis der deutschen Wehrmacht im Osten und Südosten Europas übernommen, zumindest entspricht es exakt ihrer damaligen Kriegsführung. Bis in die Sprache hinein ergeben sich diese Analogien, wenn er von den Bewaffneten der UCK umstandslos als "Terroristen" spricht. Die Wehrmacht und ihre Hilfstruppen von SS und Polizei haben ebenfalls ganze Dörfer vernichtet, wenn sie nur den Verdacht hatten, daß sich "Terroristen" – sprich: bewaffnete Partisanen – dort aufgehalten haben sollten."
    Dieser Kommentar war eigentlich vom damaligen taz – Redakteur R. Rossig angefragt worden, er fand ihn dann aber wohl zu scharf und druckte ihn nicht. Auch Gremliza fand das gar nicht lustig, sondern konnte in der nächsten konkret nur wild dagegen persönlich polemisieren, man wurde von ihm unter die kosovarischen Kombattanten direkt mit subsumiert und mit den gleichen Folgen verwünscht. Andere sog. Antideutsche, z.B. vom iz3w in Freiburg, für das ich selbst häufig geschrieben hatte, haben sich auf einem ähnlichen Niveau an der "Debatte" beteiligt.
    Wo Herr Laurin, der alte bekennende Antideutsche, damals stand wäre ja auch interessant zu erfahren…

  • #11
  • #12
    DAVBUB

    @9, T. Weigle: Es ging nicht um die Legitimation des Feldzugs gegen Serbien, es ging um die Wandlung der Grünen von der pathetischen "Nie-wieder-darf-von-deutschem-Boden-Krieg-ausgehen", lila Halstücher tragenden und die Friedensdemos in Massen bereichernden Partei zu der Partei, die in knapp zwei Legislaturperioden ebenso viele Kriege begonnen hat. Ich kann mich noch gut erinnern, wie damals die grünen MdB-Männer, allen vorweg der Säulenheilige Ströbele, gegen den Afghanistankrieg stimmten, während die Frauen dafür stimmen mußten, damit man in der Regierung bleiben und gleichzeitig mit schlechtem Gewissen so richtig betroffen sein konnte.

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