
Sophie von der Tann beim Deutschen Fernsehpreis 2024 Foto (Ausschnitt): Superbass Lizenz: CC BY-SA 4.0
Die Journalistin und ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann spaltet die Öffentlichkeit. In Israel lebende und mit Israel vertraute Menschen halten ihre betont rührseligen Israel-Berichte für zumindest fragwürdig. In ihren Berichten erscheint das vielfach bedrohte Israel vor allem als ein aggressiver Staat, dem offenkundig willkürlich arme Palästinenser zum Opfer fallen. Am Donnerstag wird ihr hierfür im WDR der Hanns-Joachim Friedrichs Preis verliehen. Von unserem Gastautor Roland Kaufhold
Diese Preisverleihung hat starke Kritik hervor gerufen. Und vor dem WDR-Gebäude ist für Donnerstag eine Mahnwache angekündigt.
Ihre antizionistisch anmutende Suada vertritt von der Tann auch noch nach dem Hamas-Pogrom des 7. Oktober Exemplarisch sei ein Weltspiegel-Beitrag der Autorin erwähnt, der erstaunlicherweise keinerlei Reaktion hervorgerufen hat.
Sie berichtet für das deutsche Publikum von dem 100jährigen Israeli Chaim Shilo. Dieser Shoahüberlebende hatte das Hamas-Pogrom in seinem Kibbutz Nirim mit äußerstem Glück überlebt.
In Deutschland war der 1925 in Leipzig als Sohn eines Arztes geborene Shilo 2019 in einem jungle world Beitrag von A. Abchuelo als „lebendes Geschichtsbuch“ portraitiert worden. 1936 emigrierte die Familie gerade noch rechtzeitig nach Palästina. 1946 war der 21-jährige bei der Gründung mehrerer Kibbuzim aktiv dabei.
Der sehr linken Kibbuz Nirim, dessen Sekretär Chaim Shilo zeitweise war, wurde seine neue Heimat. Immer wieder wurde der Kibbuz von Terroristen angegriffen. Noch 2014 ermordeten palästinensische Terroristen zwei Kibbuzniks von Nirim. Dennoch hoffte der betagte Chaim Shilo auf eine friedliche Zukunft.
Von der Tann berichtet ausgerechnet am Jahrestag des Hamas-Pogroms in der ihr eigenen rührseligen Art von der Rückkehr des 100-jährigen Shoahüberlebenden in seinen Kibbuzim, begleitet von seiner Pflegerin. In nahezu perfektem deutsch erzählt Chaim Shilo von seinen Gefühlen bei seiner Rückkehr an den Ort, an dem die Hamas ihr Pogrom inszenierte. Inmitten dieser Szenen interessiert die „wiedergutgewordene“ (E. Geisel) junge Deutsche besonders ein Thema. Ob er, der mit seinen Leipziger Eltern mit äußerstem Glück als Jugendlicher zuerst die Shoah und 90 Jahre später auch noch das Hamas-Pogrom überlebte, der auch zwei Jahre später immer noch von seinen Erinnerungen an das Pogrom überrollt wird, am Tag seiner Rückkehr nach Nirim nicht vor allem an die Mörder des Pogroms denke?: „Denke Sie da auch an die Menschen auf der anderen Seite?“ Chaim Shilo bleibt gefasst angesichts dieser Frage einer jungen Deutschen. Die linken Kibbuzim in der Nähe Gazas waren in Israel berühmt für ihre jahrelangen Versuche, friedlich mit ihren palästinensischen Nachbarn zusammen zu leben – wofür sie einen sehr hohen Preis zahlten: 1200 Israelis wurden an einem einzigen Tag ermordet: „Wenn die Israelis Gaza nach dem Pogrom nicht erobern werden dann werden sie uns erobern, töten“, entgegnete Chaim Shilo achselzuckend.
„So sehen es viele Israelis auch nach zwei Jahren Krieg mit 10.000den Toten“ beschließt diese Israel-Korrespondenten ihren Beitrag über den zweifachen Shoahüberlebenden.
Dies könnte man als eine schon schockierende Kälte empfinden.
„Den Nachkommen der Schoah-Opfer kaltschnäuzig und nassforsch die Leviten gelesen“
Vergleichbare Kälte ist auch der bekannten Fernseh-Journalistin Esther Schapira bei von der Tann aufgefallen. „Den Nachkommen der Schoah-Opfer kaltschnäuzig und nassforsch die Leviten gelesen“ überschreibt die langjährige Redakteurin des Hessischen Rundfunks ihren Kommentar zu der Preisverleihung.
„Ausgerechnet zum 60. Jubiläum der deutsch-israelischen Beziehungen“ habe die ARD-Korrespondentin die „Kriegsführung in Gaza“ kritisiert, und das auch noch, „ohne die Hamas zu erwähnen“, so Schapira.
In ihrem Tagesthemen-Fernsehkommentar sei es von der Tann gelungen, „in gerade mal 90 Sekunden 60 Jahre Vertrauensvorschuss in die Tonne zu treten“, so Esther Schapira. „Nassforsch und kalt wie Hundeschnauze“ habe von der Tann „den Nachkommen der Opfer ihrer Großelterngeneration die Leviten“ gelesen. Und das „im Kammerton selbstgerechter Empörung“. Hierbei instrumentalisiere diese Journalistin ausgerechnet Israels mutige Protestbewegung „dreist als Kronzeugen ihrer Tirade“. Der Kommentar Schapiras, Preisträgerin der Buber-Rosenzweig-Medaille, ist lesenswert.
Soeben hat die profilierte Journalistin und Buchautorin zu NS-Themen in der FAZ einen zweiten, umfangreichen, sehr differenziert argumentierenden Beitrag vorgelegt „Warum Sophie von der Tanns Beiträge zu Nahost nicht preiswürdig sind“, in der sie die verzerrte Berichterstattung über den Nahostkonflikt analysiert. Van der Tann stehe stellvertretend für diese Misere, die sowohl ARD als auch ZDF böten: „Diwe Sender bilden sich darauf sogar etwas ein.“ Wer sich nur überm diese beiden Sender informiere könne „kein differenziertes Bild dieses komplexen Konflikts bekommen.“
„Grundfalsch und aberwitzig“
Die Kritik an der fragwürdigen Auszeichnung lässt nicht nach. Der WDR-Journalist Lorenz Beckhardt, Vorsitzender des Verbandes Jüdischer Journalistinnen und Journalisten, vermochte die Meldung von der Auszeichnung von der Tanns anfangs kaum zu glauben. Er bezeichnet diese als „grundfalsch und aberwitzig“.
Hanns-Joachim Friedrichs journalistische Grundhaltung war eindeutig: Wenn Gefühle geweckt werden und sich erhitzen müssten Journalisten »cool bleiben«, habe Hanns-Joachim Friedrichs 1995 kurz vor seinem Tod gesagt. Sie müssten »Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten«.
Dass dies Grundhaltung ausgerechnet auf von der Tann mit ihrer emotionalisierenden und Palästinenser als unschuldige Opfer israelischer Aggression darstellenden Art zutreffen soll verwundert Beckhardt. „Aus der Redaktion der Tagesschau höre ich, wie schwer sich die unerschrockene Korrespondentin nach dem Massaker vom 7. Oktober tat, die Hamas statt als »militante Kämpfer« als »von der EU als Terrororganisation eingestufte Gruppe« zu bezeichnen. Zu viel »Distanz halten, sich nicht gemein machen« war nicht ihr Ding.“
Wenn die Jury nun, sogar nach dem barbarischen Hamas-Pogrom vom 7.10.2023, den „Kontext der deutschen Geschichte“ heranziehe – also die Shoah, den millionenfachen Massenmord an unschuldigen Juden – so sei die Assoziation an die Attitüde der „Auschwitz-Keule“ mehr als naheliegend.
Die Erinnerung an Adornos präziser Definition des Antisemitismus als „Gerücht über die Juden“, das allgegenwärtige links-rechte Diktum, dass Juden die Shoah instrumentalisierten, das Geschwätz von der „jüdischen Lobby“ dränge sich bei dieser Preisverleihung geradezu auf. Hierdurch würden, so Lorentz, „astreine antisemitische Narrative reanimiert.“ Man wird ihm wohl kaum widersprechen können.
„Befördern ein falsches Bild von Israel“
Auch die freie Jounalistin Sarah Maria Sanders kritisiert die Berichte der Öffentlich-Rechtlichen und insbesondere die der Preisträgerin gleichfalls in scharfer Form als „oft einseitig“: Sie beförderten „ein falsches Bild von Israel.“
Als Kriegsreporterin aus der Region verfolge von der Tann konsequent eine einseitige Linie: „Fast jeder ihrer Berichte, fast jedes Interview, das sie führt, scheint darauf abzuzielen, Israel negativ darzustellen. Interviewt werden von ihr überwiegend jene, die am Rand des politischen Meinungsspektrums stehen – am äußersten linken oder am extrem rechten. Dass diese Stimmen existieren, bestreitet niemand. Es gibt sie. Doch sie repräsentieren nur einen kleinen Teil der israelischen Gesellschaft.“
Der jüdische österreichische Satiriker mit SPÖ-Parteibuch hat in der ihn kennzeichnenden Art einen sehr pointierten Kommentar zur Preisverleihung veröffentlicht: Sophie von der Tann sei „eine Missionarin. Sie bedient perfekt alle Ressentiments gegen diesen wehrhaften jüdischen Staat Israel.“
Sophiex von der Tann, Götz Schrage, sei „eine wichtige Figur im großen antizionistischen Ganzen.“ Sie entspreche „jedem Klischee zwischen “man wird ja Israel noch kritisieren dürfen” bis zu “einiger meiner besten Freunde sind Juden”“. Die Journalistin Tann erteile „den Segen und die Absolution. All jene linken JournalistInnen und RedakteurInnen der Öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die am liebsten alle Fesseln der Karriere sprengen möchten, um bei der nächsten “Intifada Revolution” mit marschieren zu können, wissen dass sie recht haben, wenn auch noch zum Teil im Geheimen.“
Qualifizierte JournalisInnen zu Nahost…
Mit Sehnsucht erinnert man sich an die langjährige Tätigkeit des ARD-Israelkorrespondenten Richard C. Schneider. Selbst in den winzigen jüdischen Kontexten 1957 als Sohn von ungarischen Shoah-Überlebenden in München geboren und aufgewachsen berichtete der Publizist und Buchautor ab 1989 für die ARD über Israel und den nahen Osten. Er verfügte über ein wirklich profundes Wissen über die komplexe Lage in Israel, vor allem jedoch auch über die alltägliche Bedrohung in Israel.
Er vermochte in überzeugender Weise auch Israels höchst umstrittenen Ministerpräsidenten Netanyahu zu kritisieren, besonders dessen Liaison mit rechtspopulistischen Regierungschefs wie dem Ungarn Orban.
Und Netanjahus Iran-Politik kritisierte er scharf als ein Debakel – jedoch in einer Grundhaltung von Seriosität.
Das Gleiche trifft auf die vorzügliche ZDF-Korrespondentin Katrin Eigendorf zu. . Auch sie wäre eine überzeugende Preisträgerin.
Für Donnerstag, den 4. Dezember ist ab 17 Uhr vor dem Kölner Funkhaus am Wallraffplatz eine Mahnwache gegen die Preisverleihung angekündigt.
Einlader:
Klare Kante e.V. Köln
Run for Their Lives Köln
Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Ganey-Tikva, Bergisch Gladbach e.V.
Initiative gegen Antisemitismus Wuppertal
Bündnis gegen Anisemitismus Bonn
Mishpacha Colonia
Bündnis gegen Antisemitismus Koblenz
Junges Forum der Deutsch-Israelischen- Gesellschaft Köln
Jüdisches Forum der CDU NRW
Gemeinsam gegen Antisemitismus Rhein/Sieg
City of Hope Cologne e.V.
Deutsch-Israelische-Gesellschaft Köln
Der Artikel erschien in einer ähnlichen Version bereits auf Hagalil
