9

Regulierung: Europaparlament will Foto-Freiheit abschaffen

dom_koeln
Ihr fotografiert, wir fotografieren, alle fotografieren: Seitdem in jedem Smartphone eine halbwegs vernünftige Kamera steckt fotografieren die meisten von uns wie die Weltmeister. Und sehr viele Fotos werden auf veröffentlicht: Von uns Journalisten in den Medien für die wir arbeiten oder hier im Blog, von Euch vor allem auf Facebook. Damit könnte es bald vorbei sein, denn das Europaparlament plant das Panoramarecht einzuschränken. Wer dann den Eifelturm, den Kölner Dom oder auch nur irgendein schönes Haus fotografieren will, muss sich vor einer kommerziellen Veröffentlichung die Genehmigung des Urhebers einholen und eventuell sogar dafür zahlen. Und eine kommerzielle Veröffentlichung ist auch ein Posting des Fotos auf Facebook, wie der Standard schreibt:

Denn Nutzer gestehen Facebook beim Upload „das Recht zur kommerziellen Nutzung der Bilder“ (etwa zu Werbezwecken) zu. Fällt die Panoramafreiheit, hätte man bei einer Vielzahl von Urlaubsfotos aber gar kein Recht mehr.

Für alle die beruflich Fotografieren wäre die neue Regelung sowieso eine Katastrophe, wie Fotografen-Berufsverband Freelens schreibt:

In Deutschland ist es bisher erlaubt, Fotos, die von öffentlich zugänglichen Orten aufgenommen wurden, in jeder Weise zu verwerten. Dabei ist es auch erlaubt, fremde Werke wie Denkmale, Kunstwerke, Häuser abzubilden, solange diese sich »bleibend« an diesem Ort befinden.

Nunmehr wird dem Europaparlament mit den Stimmen der Christ- und Sozialdemokraten vorgeschlagen, dass »die gewerbliche Nutzung von Fotografien, Videomaterial oder anderen Abbildungen von Werken, die dauerhaft an physischen öffentlichen Orten platziert sind, immer an die vorherige Einwilligung der Urheber oder sonstigen Bevollmächtigten geknüpft sein sollte…«

Das bedeutet, dass der Fotograf für diese Abbildungen von Denkmalen, Kunstwerken und Häusern eine Lizenz des Architekten oder des Bildhauers einholen muss – ein unmögliches Unterfangen. Das kann das Ende der professionellen Fotografie im öffentlichen Raum bedeuten.

Wir haben mal geschaut, wer aus Deutschland im Rechtsausschuss des Europaparlaments sitzt.

Da ist Julia Reda von den Piraten, die gegen diese Änderung ist.

Und dann sind da noch von den Christ- und Sozialdemokraten folgende Politiker – Um Euch beim auf die Füße treten den Kontakt zu erleichtern geben wir einfach die Facebooklinks an:

Dietmar Köster:
https://www.facebook.com/dietmar.fuer.europa?fref=ts

Evelyne Gebhardt:
https://www.facebook.com/pages/Evelyne-Gebhardt/253121031481890?fref=ts

Sylvia-Yvonne Kaufmann:
https://www.facebook.com/Sylvia.Yvonne.Kaufmann?fref=ts

Angelika Niebler:
https://www.facebook.com/aniebler?fref=ts

Rainer Wieland:
https://www.facebook.com/wieland.mdep?fref=ts

Das Gesetz schränkt Eure Freiheit zu fotografieren ein – dreisterweise auch von Gebäuden, die ohne Eure Steuergelder überhaupt nicht stehen würden. Eine tolle Sache ist es nur für Abmahnanwälte. Die scheinen in der Tat gut vernetzt zu sein in Brüssel.

 

RuhrBarone-Logo

9 Kommentare zu “Regulierung: Europaparlament will Foto-Freiheit abschaffen

  • #1
    keineEigenverantwortung

    Ein weiterer Sargnagel für den modernen bürgernahen Staat.
    Was soll diese Regelung bringen, außer einem Förderprogramm für Anwälte?

    Es ist auch nicht begründbar, wieso hier Urheberrechte vorhanden sein sollen. Jedes Gebäude, Bild etc. baut auf unserer Kultur und damit dem Allgemeingut auf. Die künstlerische Leistung liegt hier doch in der Fotografie.

    Sollen wieder Bürger abgeschreckt werden, sich offen im Internet zu engagieren, weil das juristische Risiko unnötig hoch ist? Ein freies WLAN wird ja u.a. durch die Störerhaftung erschwert.

    Die EU zeigt sich wieder von ihrer besonderen Seite. So langsam überwiegen die Nachteile. Erst die vermutlich wieder illegale Vorratsdatenspeicherung, jetzt kommen solche Vorschläge. Es ist gut, dass die Piraten wenigstens in seltenen Fällen jenseits des Unisex-Klos zu ihrem Markenkern finden.

  • #2
    Hans Wurst

    "Es ist auch nicht begründbar, wieso hier Urheberrechte vorhanden sein sollen. Jedes Gebäude, Bild etc. baut auf unserer Kultur und damit dem Allgemeingut auf. Die künstlerische Leistung liegt hier doch in der Fotografie."

    Humbug! Natürlich haben auch Künstler und Architekten ein Uhreberrecht an den von ihnen geschaffenen Werken, die im öffentlichen Raum zu sehen sind. Aber zugunsten der Allgemeinheit wird dieses in Deutschland zu Recht eingeschränkt.

    "Die EU" ist auch nicht für alles Böse in der Welt verantwortlich. Die Vorschläge für die Einschnitte ins Urheberrecht wurden nicht von "Der EU" eingebracht, sondern von ganz konkreten Abgeordneten der Sozialdemokratischen und Konservativen Fraktion, teilweise sogar aus Deutschland.

    Und bei der Vorratsdatenspeicherung ist nicht das Europäische Parlament Vorreiter bei der Gesetzgebung sondern die Kommission, die zunächst überlegte, das EU-Parlament bei der Gesetzgebung zu umgehen. Als man einsah, dass es ohne Parlament nicht ging, wurde die Richtlinie dann vor allem mit den Stimmen von EVP und den "Sozialdemokraten" beschlossen.

    Auch im Bundestag waren es CDU und SPD, die das Gesetz beschlossen haben.

    Gestoppt wurde das Gesetz in Deutschland zunächst vom Bundesverfassungsgericht.

    In der EU-weit wurde es dann durch ein <b>europäisches</b> Gericht, den EuGH, gestoppt.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Vorratsdatenspeicherung#Entstehungsgeschichte

    Also nicht die "EU zeigt sich von ihrer besonderen Seite" sondern EVP und SPE bzw. CDU und SPD zeigen sich "von ihrer besonderen Seite".

    Es ist also nicht die EU, die hier Mist baut, sondern die herrschenden Parteien.

  • #3
    Björn Wilmsmann

    Ja, bisher darf man das. Außer man ist Google. Weil Google der Teufel ist. In Deutschland glaubt man schließlich immer noch an den Staat. Wenn der privates fotografiert und abhört, ist alles super. Aber wenn Privatpersonen und -unternehmen öffentliche Dinge aufnehmen? Das darf nicht sein …

  • #4
    Klaus Lohmann

    Wenn schon Definitionslinks der Wiki rumgeschickt werden, muss man eben auch neu diskutieren, ob z.B. Googles StreetView unter die Panoramafreiheit fallen soll. Diese Diskussion wurde nach 2008, nach dem massiven Auftauchen der bunten Google-Autos, nicht befriedigend gelöst, also ist das Ansinnen der EU – welches i.Ü. auch von der Enquete-Kommission des Bundestages mitgetragen wird – nicht per se doof.

    Und sorry, aber Journalisten und Verlage sparen sich jetzt schon Unsummen an Aufwand, wenn sie Fotomaterial "in der Hektik des Alltags" ohne auch nur eine Spur von Rücksicht auf Persönlichkeits- und Urheberrechte mit der Panoramafreiheit relativieren und abdrucken bzw. hochladen.

  • #5
    TuxDerPinguin

    Ach, das freut sicher die Kommunalpolitiker, die damals versuchten, Google StreetView zu verbieten. Google ist zwar eine Suchmaschine, die man meiden sollte, aber StreetView ist toll zur Wohnungssuche.
    Wobei die bing maps durch die schräge Ansicht der Satellitenfotos ähnliche Bilder liefert.

  • #6
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @TuxDerPinguin: Niemand verlangt, dass eine Gesundheitsministerin eine Operation am offenen Herzen durchführen können muss. Aber sie sollte zumindest wissen was Medizin ist.

  • #7
    Fotofreiheit

    Es ist nicht so, dass Julia Reda gegen dies Abstimmung ist, sondern es ist so, dass sie die ganze Sache "angeleiert" hat, was aber nach hinten losgegangen ist. Das Argument und das wichtige ist, dass egal was die EU entscheidet, alle Länder außerhalb der EU die Bilder verwenden können wie sie es denn gerade möchten und nur die Pages innerhalb der EU dürfen nichts veröffentlichen. Das ist einfach nur "nicht zu ende" gedacht, um es höflich auszudrücken.

  • #8
    Klaus Lohmann

    @#7 Fotofreiheit:
    Innerhalb der EU kennen Belgien, Frankreich und Italien schon bislang keine Panoramafreiheit, andere Länder, auch außerhalb der EU, schränken die Panoramafreiheit für erkennbar rein kommerzielle Nutzungen ein. Insofern gibt es keine internationale "SchwarzWeiß"-Grenze bei der Beurteilung.

  • #9
    KClemens

    Die Abschaffung der Panoramafreiheit ist aber nicht das einzige Ungemach, das derzeit aus Brüssel droht.

    Mindestens genau so eingreifend in die Rechte der Bürger ist das hier.

    "Brüssel will entscheiden, wann Waschmaschine und Staubsauger laufen"
    http://www.heise.de/tp/artikel/45/45257/1.html

    Außer bei Telepolis habe ich das bisher nirgends gefunden.

    Wer auf Facebook ist, kann das auch teilen, oder sonst wie "weitersagen".
    https://www.facebook.com/meinhaushaltgehoertmir

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.