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Ritter Sport: Mangelhaft für Mangelhaft

ritter_sportDie Unstatistik des Monats November ist die Note 5 (=mangelhaft). So bewertete die Stiftung Warentest die Vollmilch-Nuss Schokolade der Firma Ritter Sport. Zahlreiche Medien berichteten über dieses Testergebnis, so titelte die „Süddeutsche Zeitung“ in ihrer Online-Ausgabe am 22. November „Mangelhaft für Ritter Sport“.  Diese Bewertung ist jedoch aus zwei Gründen irreführend: Zum einen  wird – wie so oft im Warentestgewerbe – die reine Existenz eines (vermeintlichen) Schadstoffs zum Kriterium des Urteils gemacht. Zum zweiten wird das negative Urteil vor allem damit begründet, dass der in der Schokolade gefundene Aromastoff Piperonal nicht wie auf der Verpackung angegeben natürlich, sondern künstlich sei.

Abgesehen davon, dass Piperonal durchaus auch in der Natur vorkommt, führt dieses Argument aber noch aus einem viel wichtigeren Grund in die Irre. Denn es sind vor allem natürliche, nicht künstliche Schadstoffe, die unsere Ernährung gefährden. Nach einer vielzitierten Studie des führenden amerikanischen Biochemikers Bruce Ames sind 99,9 Prozent aller Pestizide und Gifte in der menschlichen Ernährung von Natur aus darin enthalten. Mit ihrem Insistieren auf den restlichen 0,1 Prozent lenken die Warentester damit systematisch von den eigentlichen Gefahren unseres Essens ab.

Die Stiftung Warentest stand bereits im Dezember 2012 im Fokus der „Unstatistik des Monats“. Seinerzeit hatte sie vor Mineralölrückständen in Adventskalendern gewarnt, obwohl diese nach Auskunft des Bundesinstituts für Risikobewertung nur  in etwa dem entsprachen, was Kinder und Erwachsene ohnehin über die sonstige Ernährung gewohnheitsmäßig zu sich nehmen.

Auch die Unstatistik des Monats September 2012 zieht weitere Kreise. Da ging es um den Medienwirbel um angeblich krebserregenden genmodifizierten Mais, erzeugt von einem Wissenschaftlerteam um den Franzosen Gilles-Eric Séralini. Jetzt meldet die „Süddeutsche Zeitung“ vom 29. November 2013, dass die Fachzeitschrift „Food and Chemical Toxicology“,  in deren Online-Ausgabe Séralinis Studie im September 2012 veröffentlicht worden war, diese Publikation als wissenschaftlich unhaltbar zurückgezogen hat.

Mit der „Unstatistik des Monats“ hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. Alle „Unstatistiken“ finden Sie im Internet unter www.unstatistik.de.

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6 Kommentare zu “Ritter Sport: Mangelhaft für Mangelhaft

  • #1
    Klaus Lohmann

    Jemandem, der wie dieser Bruce Ames „Vitalstoffe“ als Brausetabletten in einem mittlerweile billiardenschweren Pharmamarkt für eine menschenerfundene „Wohltat“ hält, eine „Expertenrolle“ bei der Beurteilung von Risikofaktoren in der Lebensmittelherstellung zuzubilligen, ist schon starker Tobak. Ist diese „Autorengruppe“ hier evt. auf der Lohnliste von Bayer, BASF, DuPont & Co.?

  • #2
    der, der auszog

    Interessant übrigens, dass auch die Nussschokolade des Bio Markführers ‚Rapunzel‘ von Warentest wegen eines zu niedrigen Nussanteils und falsch deklarierter Zuckerangaben mit der Note mangelhaft bewertet wurde, allerdings kein Hahn danach kräht.

  • #3
    Biofreund

    @Der, der auszog: Bei Rapunzel ist es ein Versehen, denn das sind die Guten; bei Ritter Sport ist es Absicht, denn das sind die Bösen. @Klaus Lohmann: Für diesen Post habe ich je 500€ von Bayer, Basf und DuPont und 5.000€ von Monsanto bekommen. Bei Interesse teile ich Ihnen gern mit, wie Sie sich damit sehr schnell einen Porsche finanzieren können.

  • #4
  • #5
    Thilo Baum

    Meiner Kenntnis zufolge gilt die Note fünf für die „Ritter Sport“ nicht, weil Piperonal ein Schadstoff wäre, sondern weil dieser Aromastoff angeblich falsch gekennzeichnet ist.

    Die Stiftung Warentest geht davon aus, das in der Schokolade gefundene Piperonal (welches nicht schädlich ist) sei künstlich hergestellt. Weil auf der Verpackung zum Aroma „natürlich“ steht, gab die Stiftung Warentest der Schokolade in der Rubrik „Deklaration“ eine Fünf. Es geht also nicht um das Piperonal an sich, sondern um die Frage, wie es hergestellt ist.

    Da die Stiftung Warentest nun eine Fünf in puncto Deklaration als vernichtend ansieht, hat sie die gesamte Schokolade mit Fünf benotet. Zitat: „War die Deklaration mangelhaft, konnte das test-Qualifätsurteil nicht besser sein“ (test 12/2013, Seite 25).

    Also insofern: Klar eine Unstatistik, aber seitens der Stiftung Warentest anders begründet.

  • #6
    der, der auszog

    Heute gab es für die Stiftung Warentest vor dem Landgericht München so richtig auf den Sack.

    Laut Urteil darf Ritter Sport weiterhin behaupten, dass die Nussschokolade natürliche Aromen enthält, was die Warentester in Hinblick auf den Aromastoff Piperonal vehement bezweifelten, weshalb sie der Schokolade das Prädikat mangelhaft verliehen. Die von Ritter jüngst erwirkte Verfügung ist damit rechtskräftig.

    Natürlich werden sich Deutschlands umstrittene Warentester ein solches Urteil nicht bieten lassen und den Fall vor das Oberlandesgericht bringen.

    Infos zu dem Urteil gibt es mittlerweile in fast allen Medien, u.a. dem Handelsblatt: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/streit-um-aroma-stiftung-warentest-unterliegt-ritter-sport/9322588.html

    @Klaus Lohmann
    Steht das Landgericht München eventuell auch auf der Lohnliste von Bayer, BASF, DuPont & Co.? Ich bin auf die nächste Verschwörungstheorie gespannt…

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