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Shitstorm gegen den Zentralrat der Juden nach Erklärung gegen die AfD

AfD Motivwagen Foto: DGB Infozentrale Lizenz: Public Domain

Der Zentralrat der Juden und zahlreiche weitere jüdische Organisationen wie der Jüdische Frauenbund, der Sportverband Makkabi und die Allgemeine Rabbinerkonferenz haben  gestern eine gemeinsame Erklärung gegen die AfD veröffentlicht:

Wenn Juden auf die AfD als Garant für jüdisches Leben in Deutschland angewiesen
wären, wäre es um das jüdische Leben hier schlecht bestellt. Die AfD ist eine Partei, in
der Judenhass und die Relativierung bis zur Leugnung der Schoa ein Zuhause haben. Die
AfD ist antidemokratisch, menschenverachtend und in weiten Teilen rechtsradikal. Allein
der Blick auf die Ereignisse in Chemnitz sollte ausreichen, um zu erkennen, wes Geistes
Kind die AfD ist. Dort marschierten Repräsentanten der AfD Seite an Seite mit Neonazis,
Hooligans und Pegida-Anhängern. Sie scheuten sich nicht, mit Menschen, die den
Hitlergruß zeigten, auf die Straße zu gehen. Aus diesem Klima des Hasses und des
völkischen Denkens heraus wurde ein jüdisches Restaurant in Chemnitz angegriffen. Die
AfD eine Partei der „besorgten“ Bürger?

Anlass ist die geplante Gründung eines jüdischen Arbeitskreises in der rechtsradikalen Partei. Die Reaktion aus den Kreisen der AfD-Anhänger: Ein Shitstorm gegen den Zentralrat und die jüdischen Organisationen in Deutschland auf Facebook, der zeigt, wie richtig sie mit ihrer Stellungnahme lagen:

RuhrBarone-Logo

18 Kommentare zu “Shitstorm gegen den Zentralrat der Juden nach Erklärung gegen die AfD

  • #1
    Wolfgang Walk

    Shitstorm ongoing. Jede zivilisierte Hilfe wird gerne gesehen. FB-Seite des Zentralrats ansteuern. Danke.

  • #2
    bob hope

    Getroffene Hunde bellen! Die Beiträge zeigen, dass das Verhältnis der AfD-Funktionäre, -Mitglieder und -Anhänger zu den in Deutschland lebenden Juden ein rein taktisches ist. So lange sie Opfer des muslimischen Antisemitismus sind, ist alles ok, aber wehe, sie wehren sich gegen den deutschen Antisemitismus und sie bezeichnen die AfD als das, was sie ist: als „antidemokratische, menschenverachtende und in weiten Teilen rechtsradikale“ Partei – dann ist es vorbei mit der vermeintlichen Solidarität.

    Dabei sollte man nicht vergessen: In Weimar waren nicht wenige assimilierte Juden in deutschnationalen und nationalliberalen Parteien organisiert, waren Ritterkreuzträger aus dem 1. Weltkrieg etc. Spätestens mit der „Machtergreifung“ wurden sie von ihren ehemaligen Parteifreunden „fallengelassen“.

    "Those who cannot remember the past are condemned to repeat it."

  • #3
    Klaus

    Diese öffentliche Demaskierung muss die AfD-Spitze veranlassen, endlich das zu tun, dessen sie sich bislang hartnäckig verweigerte, nämlich Farbe zu bekennen – eher blau oder doch richtig kackbraun.

  • #4
    thomas weigle

    Was sich da so auskotzt in den einschlägigen Foren hat auch noch die deutsche Sprachbürgerschaft!! Kopfschüttel!! Die gehören doch wg. erwiesener Feindseligkeit der deutschen Sprache gegenüber hinter (Lern)Gitter!!!! Förderschulen sind mit dieser Klientel eindeutig überfordert.

  • #5
    Walter Stach

    Idioten, nicht nur politische, die in den von mir sog. a- sozialen Netzwerken zu informieren/zu kommunizieren versuchen mit dem regelmäßigen Ergebnis einer nachdrücklichen, zweifelsfreien Bestätigung ihrer Verfassung, einer sie kennzeichnenden Verfassung, die "geistig" zu nennen gewagt wäre.

    Kenntnisnahme?
    Ja, denn ansonsten würde die Realität in Deutschland ausgeblendet.

    Darüber nachdenken, darüber diskutieren, darüber debattieren?
    Da objektiv nicht möglich, muß jeder diesbezügliche Versuch scheitern. zumal "man" sich ggfls. auf ein Niveau begeben würde, das als solches von den jüdischen Mitbürger in Deutschland als beleidigend empfunden werden müßte.

  • #6
    Waldemar Wolkenbruch

    Es gibt in der jüdischen Kultur wie generell in den westlichen Demokratien einen linken und einen rechten Flügel.

    Zu den Konservativen gehören zB die Jüdische Allgemeine und auch Breitbart hat mal so angefangen.

    Der Zentralrat der Juden ist vermutlich links dominiert. Diese Frage sollte man jedenfalls erstmal klären um zu sehen, wer hier eigentlich für wen spricht.

    Neulich war ein Artikel in der NZZ der pointiert behauptet, linksstehende Israelis würden wegen Netanjahu Israel verlassen und nach Berlin gehen.

  • #7
    Thommy

    In Fragen der Grenzsicherung haben Isrsel und die AFD durchaus eine gemeinsame Schnittmenge.

    Und in der Beurteilung von Arabern besteht such Einigkeit insofern verwundert es sich nicht, dass man sich gegenseitig temporär anziehend findet

  • #8
    thomas weigle

    #7 Die Grenzsicherung der Israelis hat nicht nur, aber auch mit den ca 1000 durch arabische Selbstmordattentäter getöteten Israelis in der ersten Dekade dieses Jahrhunderts zu tun. Und schon in den 70ern überfielen mörderische arabische Banden Kindergärten und Schulen in Israel. Diese Banden kamen von jenseits der Grenzen Israels
    Dass die Araber in Israel zu Recht schlecht angesehen sind, hat auch damit zu tun, dass die Araber seit der israel. Staatsgründung mehrfach den Versuch unternahmen, Israel von der Landkarte zu löschen.
    Dass Israelis seit Jahrzehnten bei europ. Championaten auflaufen, in EM und WM Qualis bei uns in Europa mittun, liegt daran, dass die arab und ein Teil der asiatischen Staaten konsequent den Sportverkehr mit Israel und Israelis vermeiden. Die einzige WM-Teilnahme der Israelis fand 1970 statt, qualifiziert hatten sie sich allerdings damals noch u.a. gegen Australien und, wenn ich das recht erinnere, auch gegen Südkorea.
    Dass viele Araber 48 die angebotene Staatsbürgerschaft und gleichberechtigtes Mittun im neuen Staat verweigerten und sich stattdessen unter die Herrschaft arabischer Despoten begaben, hat sicherlich deren Beliebtheit bei jüdischen Israels nicht sonderlich befördert.
    Deshalb von einer Schnittmenge zwischen Israel und den armseligen für deutschland zu schwadronieren, ist der pure Flachsinn und nur ein weiterer dümmlicher Versuch der Relativierung der nazistischen Rechtsaußenpartei.

  • #9
    bob hope

    @ #6 Waldemar Wolkenbruch:
    Die Jüdische Allgemeine positioniert sich ganz klar die AfD und warnt zurecht vor „falschen Freunden“. Der Zentralrat der Juden war tedenziell immer eher liberal im politischen Sinne – mit all seinen Schattierungen. Und die Linke in Israel und in Deutschland ist ebenfalls wesentlich heterogener als oft behauptet wird – was sich dort an der Haltung gegenüber Palästina ablesen lässt. Es gibt in Israel und Deutschland nicht wenige Linke, die Hamas und BDS für Antisemiten und Terrorristen halten.

  • #10
    thomas weigle

    @bob hope Zu meiner Zeit in der Linkspartei (08-12) habe ich hier in OWL keine solche Linken kennengelernt. Ganz im Gegenteil, als ich einmal den BAK Shalom erwähnte, schlug mir verbal und nonverbal der blanke Hass entgegen. Das fand ich dann doch sehr erschreckend und es hat meinen Austritt sehr beschleunigt.
    So weit ich dass von außen beobachten kann, hat sich hier in OWL nix daran geändert, noch immer erfreut sich die Kopftuch tragende Zwischendeckreisende Höger in den hiesigen Parteikreisen breitester Zustimmung.

  • #11
    Thommy

    @t Weigle -da haben Sie mich falsch verstanden- ich wollte nicht die nazistische AFS relativieren – da gibt es nichts zu relativieren-, sondern darauf hinweisen,wie verkommen Teile der "proisraelischen " Community sind, dass ihnen schon der kleinste gemeinsame Nenner ausreicht, jeglichen moralischen und politischen Abstand über Bord zu werfen – und in der rassistischen Beurteilung von Muslimen und in dem Wunsch, Araber zu zu töten, sind sich diese Gruppen doch sehr einig.

  • #12
    thomas weigle

    #11 Ich habe Sie nicht falsch verstanden, sie stellen Israel und seine hiesigen Unterstützer, auch Ruhrbarone, auf eine Stufe mit Nazis, die aus rassistischen Gründen gemordet haben. Jede weitere Diskussion mit ihnen ist daher sinnlos.

  • #13
    Gerd

    Wer Interesse hat kann auf Publico ein Interview mit einem der Gründer der "Juden in der AfD" lesen. Offenbar sehen konservative Juden die AfD etwas differenzierer als Linke.

  • #14
    bob hope

    @ #13 Gerd: Sie nutzen auch jeden noch so kleinen Strohhalm, um zu belegen, dass die AfD angebliche keine rechtsradikale Partei ist. Spätestens seit Chemnitz hat sie sich aber für jeden, der nicht die Augen verschließt, in aller Öffentlichkeit geoutet. Sie hat gemeinsame Sache mit militanten Neonazis gemacht, mit Leuten, die in der Tradition einer Bewegung stehen, deren Ziel es war, die europäischen Juden komplett zu vernichten.

    Der völkische Nationalismus der AfD unterscheidet sich strukturell kaum von dem der NSDAP. Beiden geht und ging es um die Erhöhung des „Volkes“ und der „Nation“ und um die Erniedrigung des aufgeklärten Individuums. Gauland als Vorsitzender hat nicht nur das „dritte Reich“ verharmlost, sondern auch die Verbrechen der Wehrmacht relativiert, einer Organisation, ohne deren Vernichtungskrieg Auschwitz, Treblinka, oder Sobibor nicht möglich gewesen wären. Das noch einmal zur Verdeutlichung, obwohl es mehrfach geschrieben wurde. Übrigens gab haben auch in Weimar etliche deutsche Juden, die den Aufstieg der NSDAP unterschätzt haben. Ich empfehle unter anderem Lion Feuchtwanger: Die Geschwister Oppermann.

    So viel ich weiß, waren es gerade einmal 24 Personen, die an der Gründung der so genannten „JAfD“ beteiligt waren. Und wenn man sich die Auszüge aus der Gründungserklärung durchliest, weiß man woher der Wind weht: direkt aus dem Mittelalter: Man wendet sich neben der scheinbaren „unkontrollierte Masseneinwanderung“ gegen „Gender-Mainstreaming“, „Frühsexualisierung“ und die "Zerstörung der traditionellen, monogamen Familie" (sic!). Gerade der letzte Punkt steht für ein Weltbild, das sich gegen die Moderne, die Zivilisation, den Fortschritt, Aufklärung und das Kosmopolitische richtet, für das auch das Judentum steht und stand. Statt dessen setzt man auf Abschottung in einer vermeintlich homogenen Volksgemeinschaft. Die Mitglieder der „JAfD“ sehen sich in erster Linie als Deutsche und dann als Juden – mal schauen, wie lange das ihre Kameraden ähnlich sehen.

  • #15
    walter stach

    Und wer von einer Jüdin hören/lesen will, wie groß ihre Besorgnis, ja ihre Angst angesichts der AFD ist, dem empfehle ich:
    "Wir stehen vor einem Ungetüm"

    Interview mit Charlotte Knobloch in "DEWR SPIEGEL" -Nr. 41/6.10.2018 . S. 35 ff.

  • #16
    Arnold Voss

    @ Bob Hope # 14
    Das ultraorthodoxe Judentum ist genauso wenig aufklärerisch wie fundamentalistische Christen und Muslime. Ganz im Gegenteil. Was die antiemanzipatorischen Elemente betrifft, sind sich die Extremisten aller drei Weltreligionen in furchterregender Weise gleich.

  • #17
    bob hope

    @ Arnold Voss: Das Problem der Orthodoxie und des Fundamentalismus in den Religionen sehe ähnlich. Aktuell erleben wir ja in allen drei großen, monotheistischen Religionen einen Rollback, der ja eben auch eine "Revolte gegen die Moderne" ist. Was ich oben meinte ist, dass es gerade im europäischen Judentum eine Kultur gab, die von den Nazis komplett zerstört wurde. Und diese Kultur stand für Aufklärung, Emanzipation, Fortschritt, kurz: für das befreite Individuum. Die so genannte "JAfD" steht für das genaue Gegenteil. Wobei ich glaube, dass die Mehrzahl der orthodoxen Juden keine großen Sympathien für die AfD hegt.

    Was man bei der aktuellen Debatte allerdings nicht vergessen darf: Die so genannten "Kontigentflüchtlinge", die in den 1990er und 2000er Jahren aus den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland, stellen mittlerweile die Mehrheit in den jüdischen Gemeinden. Ohne sie gäbe es vermutlich kein wirklich sichtbares jüdisches Leben in Deutschland mehr. Andererseits hat der verstorbene, ehemalige Vorsitzende des Zentralrates, Paul Spiegel, mal gesagt, viele der Zugewanderten seien gar nicht jüdisch und benutzten nur ein „jüdisches Ticket“, um nach Deutschland zu kommen. Viele sehen sich tatsächlich eher als Atheisten, wobei sie trotzdem dem Antisemitismus in der ehemaligen Sowjetunion ausgesetzt waren. Ich denke aber, dass man eben auch diese Gruppierung im Blick haben sollte, wenn man über die "JAfD" spricht. Immerhin kommen gut ein Drittel der 24 Gründungsmitglieder aus den Gebieten der ehemaligen SU.

  • #18
    walter stach

    -16-
    Arnold,
    ja, so war es, so ist es und so wird es bleiben -mit wachsender Tendenz (!!).

    Es bedarf einer mutigen, einiger kämpferischen Gesellschaft und eines mutigen, kämpferischen Staates,, damit deren Fundament vor der Zerstörung durch ultraorthodoxe religiöse Extremisten -jüdische, muslimische, christliche- bewahrt und damit freiheitlich.pluralistische Gesellschaften und demokratisch-rechtstaatliche Staatsverfassungen in ihrem Bestand gesichert werden können.

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