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Stadt Köln will Armenier-Mahnmal abreissen

Die Stadt Köln will ein gestern von der „Initiative Völkermord“ an der Hohenzollernbrücke errichtetes Mahnmal zum Gedenken an den Genozid an den Armeniern im ersten Weltkrieg morgen abreisse lassen. Es ist das einzige Denkmal in Deutschland, dass an die gemeinsame Verantwortung des Deutschen und des Osmanischen Reiches an diesem Verbrechen erinnert. Das Denkmal war ohne Genehmigung der Stadt errichtet und ihr geschenkt worden. Die Initiatoren rufen für morgen 8 Uhr zu Protesten am Mahnmal auf. Die Initiative Völkermord teilte in einer ersten Stellungnahme mit: “ Exakt eine Woche vor dem internationalen Gedenktag an den Genozid soll unter Berufung auf das NRW-Wegerecht das Erinnern in dieser Stadt unsichtbar gemacht werden. Ein skandalöser Vorgang, der auch der Bundestagsentschließung zum Völkermord an den Armeniern diametral widerspricht.“

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6 Kommentare zu “Stadt Köln will Armenier-Mahnmal abreissen

  • #1
    discipulussenecae

    "Es ist das einzige Denkmal in Deutschland, dass an die gemeinsame Verantwortung des Deutschen und des Osmanischen Reiches an diesem Verbrechen erinnert."

    Diese These finde ich zumindest sehr gewagt: Sicherlich hat das Deutsche Reich damals aus taktischen Gründen, völlig zu Unrecht und moralisch unverantwortlich zum Völkermord an den Armeniern geschwiegen. Aber daraus eine gemeinsame Verantwortung mit der Türkei zu konstruieren halte ich für absurd. Genauso gut könnte mann den Westaliierten, die spätestens seit 1943 von der Shoah und dem Porajmos wußten, eine Mitverantwortung an den deutschen Verbrechen zusprechen.

    Manchmal habe ich den Eindruck, daß der deutsche Selbsthaß nicht nur unter Linken weiter verbreitet ist, als mann meint!

  • #2
    Albrecht Kieser

    Na ja, die einschlägige historische Literatur spricht eine andere Sprache, keine linken Selbsthass-Tiraden. Danach sind hunderte von deutschen Offizieren in den Völkermord involviert gewesen, als Mithelfer, Täter und Zuschauer.
    Näheres findest Du unter www.voelkermord-erinnern.de

  • #3
    ke

    Verstehe ich es richtig, dass hier eine Gruppe ein "Denkmal" in die Gegend stellt und sich dann wundert, dass es wieder entfernt wird?

    Hoffentlich werden die Kosten in Rechnung gestellt.

    Demokratie funktioniert anders.

  • #4
    discipulussenecae

    #2 Albrecht Kieser:

    Ich habe Ihre Links studiert; und da habe ich gelesen:

    "Die Abgeordneten bedauern die unrühmliche Rolle des Deutschen Reiches, das als militärischer Hauptverbündeter des Osmanischen Reichs trotz eindeutiger Informationen auch von Seiten deutscher Diplomaten und Missionare über die organisierte Vertreibung und Vernichtung der Armenier nicht versucht habe, diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu stoppen."
    (www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2016/kw22-ak-armenier/423804)

    Was habe ich anderes geschrieben?

    "Die Fraktion hebt die historische Mitverantwortung des Deutschen Reichs bei der Vernichtung der Armenier hervor. Als Verbündeter des Osmanischen Reiches habe es trotz entsprechender Informationen nicht mit Nachdruck interveniert, um die Gräueltaten zu unterbinden. Im Osmanischen Reich stationierte deutsche Militärs hätten teilweise Deportationsbefehle der osmanischen Regierung mit unterzeichnet und aktiv an der militärischen Niederschlagung von armenischen Selbstverteidigungsaufständen mitgewirkt. Nach dem Ersten Weltkrieg hätten führende Verantwortliche der entmachteten jungtürkischen Regierung in Deutschland Asyl und Schutz vor internationaler Strafverfolgung erhalten."
    (www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2016/kw22-ak-armenier/423804)

    Aber daraus zu schließen: "Die Linke bittet die Armenier für die Beihilfe des Deutschen Reichs zum Völkermord um Entschuldigung. Außerdem wird die Bundesregierung aufgefordert, sich vorbehaltlos zur historischen Mitverantwortung des Deutschen Reichs am Völkermord zu bekennen."
    (www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2016/kw22-ak-armenier/423804)

    Das begreife ich nicht.

    Eine "gemeinsame Verantwortung des Deutschen und des Osmanischen Reiches" kann ich nicht nachvollziehen. Es sei denn, mann teilte den bisweilen verbreiteten deutschen Selbsthaß.

    Aber niemand würde auf die Idee kommen, dem italienischen, kroatischen oder rumänischen Faschismus oder der Täterschaft von einzelnen (!!!) französischen, niederländischen, baltischen, bulgarischen etc. SS-Freiwilligen, diesen Nationen eine Mitverantwortung an der Shoah und dem Porajmos zuzuschreiben.

  • #5
    Gerd

    @2:

    Das Osmanische Reich war ein souveräner Staat dessen Führung die Entscheidung zur Vertreibung und Ermordung der Armenien von sich aus getroffen hat. Das man mit Deutschland verbündet war, war weder Anlass noch Ursache.

    Dem Deutschen Reich kann man nicht mehr als Untätigkeit vorwerfen.

  • #6
    Klaus Lohmann

    Untätigkeit *trotz* Wissen um die Unmenschlichkeit solcher Taten und um die eigenen Fähigkeiten, beim politischen Partner mindestens protestierend eingreifen zu können, *ist* Mitverantwortung für solche Genozide. Es geht auch nicht nur um "Einzelne", sondern um ganze Bereiche der damaligen Reichsführung.

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