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Transfeminismus: Das Patriarchat, das durch die Hintertür in den Feminismus eindrang

Judith Butler Foto: University of California, Berkeley Lizenz: Public Domain

Von unserem Gastautor Michael Müller*

Im Kern sollte es im Feminismus darum gehen, Geschlechterstereotypen abzubauen und für eine gleichberechtigte Gesellschaft zu kämpfen. Inzwischen ist dies aber nicht mehr immer der Fall, denn im postmodernen Feminismus haben sich diverse seltsame Blüten gezeigt: Mal wird ein Kopftuch auch als Zeichen der Emanzipation gesehen, und zwar von der westlichen Gesellschaft, mal wird Frauenbeschneidung als empowernder Akt gesehen, oder eben auch Prostitution. Es gibt auch Schimpfwörter für jene, die so etwas nicht mitmachen wollen: SWERF zum Beispiel soll jemand sein, der Prostitution als eine Form der Ausbeutung ansieht und im Leid von Zwangsprostituierten keinen ermächtigenden Akt sehen kann. Als Gegenargument wird natürlich von so Leuten dann die eine Prostituierte, die das dann doch freiwillig macht, und das Ganze irgendwie feministisch versucht aufzuladen, hervorgeholt. Wie weit solche Personen dann repräsentativ sind, interessiert dann so natürlich nicht. Wer nicht glaubt, dass es solche Praktiken nicht gäbe, kann sich gern mal eine Ausgabe des Missy Magazins besorgen, in der jede Befindlichkeit zum gesellschaftlich-sexistischen Problem versucht wird aufzuladen, wobei die Ergebnisse meist unfreiwillig komisch wirken.

Aber es gibt noch einen anderen Begriff: TERF – Trans excluding radical feminist. Dies basiert auf der Annahme, dass der Feminismus männerinkludierend sein soll, wenn Männer nicht als „Frauen gelesen werden wollen.“ Dass es die Transbewegung gibt, dass niemand Transpersonen wünscht diskriminiert zu werden, alles gut. Dass es aber so weit geht zu behaupten, dass ein Penis weiblich sein kann und alles andere nur Biologismus ist, das sind steile Thesen gegen Leute, die dann doch nicht sagen, die Biologie spielt gar keine Rolle.

Die Schriftstellerin Bell Hooks prägte den Satz „Feminism is for everybody“. Judith Butler radikalisierte schließlich diese Annahmen, dass biologische Kriterien letztendlich zur Geschlechterbestimmung auch nur eine Konstruktion seien. Dabei wird natürlich übersehen, dass Geschlecht nicht nur durch die Anatomie, sondern auch durch Hormone usw. beeinflusst wird, und letztendlich auch in der Biologie Cluster gebildet werden, mit denen Zuordnungen gemacht werden. Und diesen sind 99,8% der Menschheit einem Geschlecht zuordbar. Im Grunde kann man den Versuch der Dekonstruktion so sehen: Säugetiere legen in der Regel keine Eier. Nur weil es das Schnabeltier und ganz wenige andere Ausnahmen gibt, die als  von 6400 Säugetiereren Eier legen, stellt das nicht die Kategorie Säugetier infrage, und die grundsätzliche Richtigkeit der Kriterien aus denen diese Kategorie gebildet wird.

Solche Tatsachen interessieren den Transfeminismus natürlich nicht. Im Ernstfall wird sich mit „alter, weißer Mann sagt“ – oder „mansplaining“ – Vorwürfen selbst immunisiert. Dabei gibt es noch rein soziologische Kritik an so einem Vorgehen. Denn die Männlichkeitsforschung hat längst identifiziert, was für ein Verhalten in der Gesellschaft von Männern erwartet wird: Dazu gehört Risikobereitschaft, Gewaltbereitschaft, Durchsetzungsfähigkeit, Dominanz, Führungsanspruch und viel mehr. Das sind Attribute, die Jungen in ihrer Kindheit und Adoleszenz internalisieren, auch wenn diese später erkennen, dass sie eigentlich keine Männer sein wollen und eine Transidentität wählen.

Optisch wählt man ein weibliches Aussehen – soweit kein Problem, die Biologie versucht man als eine Konstruktion auszuhebeln – ein Vorhaben, das Unkenntnis über Naturwissenschaft zeigt, aber man so stehen lassen kann. Aber während man optisch zur Frau wird, wird man es nicht, was die eigene Sozialisation angeht. Und wie das passiert, kann an einem besonders drastischen Beispiel verdeutlicht werden.

In Vancouver gibt es ein „Women’s rape shelter“, was in etwa einem Frauenhaus in Deutschland  gleich kommt. Dieses wurde von Transfeminist*innen mehrfach angegriffen: Man warf tote Ratten durch Fenster, beschmierte die Front mit dem Schimpfwort „TERF“ und ähnliches.

Und dieses Beispiel ist nur die Spitze eines Eisberges: Denn mehrfach haben Transfeminist*innen versucht in Frauenräume einzudringen. Dass ein Frauenhaus aus gutem Grund niemanden mit einem Penis reinlässt, muss wohl nicht diskutiert werden. Aber es zeigt sich: Der eigene Dominanzanspruch wird notfalls mit Gewalt durchgesetzt. Im Feminismus sollen auf einmal die Themen von männlich sozialisierten Personen auf die Agenda kommen – wer nicht mitspielen will, muss mit Gewalt rechnen. Während man als Frau anerkannt werden will, benimmt man sich wie ein Mann.

Die Geschichte mit dem „Vancouver Rape Shelter“ ging übrigens so weit, dass in Deutschland auf einer Antifa Facebookseite diskutiert wurde, ob der Angriff auf einen Schutzraum für misshandelte Frauen nicht doch irgendwie okay wäre.

“Feminism is for everybody”, ob Bell Hooks das damit gemeint hat?

*Name des Autors aus Wunsch geändert

 

 

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7 Kommentare zu “Transfeminismus: Das Patriarchat, das durch die Hintertür in den Feminismus eindrang

  • #1
    Helmut Junge

    Wie die Frau Butler sich gerade so fühlt, hat gewaltigen Einfluß auf das Denken ihrer Anhänger.
    Wer aber kein Anhänger von Frau Butler ist, hat dann Probleme damit, diesen Quatsch zu verstehen.
    Mir geht es jedenfalls so.

  • #2
    Claude

    Hab mir gerade mal die Antifa FB Seite angeguckt: Die Betreiber haben sich gegen die Angriffe ausgesprochen und damit einen richtigen Shitstorm ausgelöst. Da haben Trans*Feministinnen ihnen obligatorisch "cis Antifa Mackertum" vorgeworfen. Das geht dann soweit dass den Betreibern der "Antifa-Kampfausbildung" das Links-sein abgesprochen wird! Bemerkenswert ist auch das da einige wenige Transfeministinnen sehr viele und extrem wortreiche Beiträge schreiben. Ein Fest für jede/n Linguisten/in 😏

  • #3
    yohak

    Schlimm genug, daß einige Extremisten sich nachts heimlich zu diesem „Vancouver Rape Shelter“
    schleichen, um dort üble Parolen an die Wände zu schmieren.
    Noch schlimmer finde ich es allerdings, daß es diesen Extremisten gelungen ist, die Stadt Vancouver dazu zu bewegen, dem „Vancouver Rape Shelter“ die finanzielle Unterstützung seitens der Stadt zu streichen (*). Das bedeutet ja, daß die Mehrheit der gewählten Vertreter der Bevölkerung Vancouver gemeinsame Sachte macht mit jenen bösartigen Frauenfeinden.

    (*) Siehe https://www.nationalreview.com/2019/08/women-only-rape-relief-shelter-defunded-then-vandalized/

  • #4
    Snickerman

    Schräg.
    Ich verstehe aber nicht, was die unsinnigen Bemerkungen über Prostitution damit zu tun haben.

  • #5
    HolleSonnenberg

    Hallo Gastautor,
    vielen Dank für deinen Beitrag. Ich hätte gerne einen Beleg für die These das es nennenswerte Strömungen gibt die Frauenbeschneidungen als empowernder Akt sehen. Das mag es geben, ist mir allerdings vollkommen neu. Zum Thema Prostitution erinnere ich mich an die Libertäre Medien Messe in der Zeche Carl bei der zwei Frauen gegen eine Vertreterin eines Prostituierten Verbandes redeten. Es hatte schon viel Fremdschämpotential zu sehen wie zwei gut gebildete Studentinnen die Vertreterin nicht nur mit viel Rhetorik sondern auch mit sehr viel verbaler Dominanz nieder redeten.
    Ich ging rauchen als die These vorgestellt wurde das das anschauen von Pornos eine Beteiligung an einer Vergewaltigung sei.
    Dies ist durchaus stringent, allerdings auch ziemlich albern.
    Ich mag die Idee das man Menschen fragt was sie brauchen und das man versucht mit ihnen solidarisch zu sein. Warum mich das Anti-Feministisch macht erschließt sich mir nicht.

    Das der Begriff SWERF an sich ein Schimpfwort ist, funktioniert natürlich auch nur so lange wie Sie nicht schreiben das dieses Akronym für „Sex Work Exclusionary Radical Feminism“ steht, also zu deutsch Prostituierte Ausschließender Feminismus. Was ja irgendwie nicht so wahnsinnig nach Schimpfwort klingt.
    Und die Kritik an SWERF dreht sich natürlich nicht darum das Prostitution nicht als Ausbeutung gesehen werden darf oder das es falsch wäre „im Leid von Zwangsprostituierten keinen ermächtigenden Akt“ sehen zu können.
    Ich gehe mal zu Ihren Gunsten davon aus das Sie dies einfach aus Unwissenheit so darstellen.

    Das andere Schimpfwort, TERF, steht übrigens für „Trans-Exclusionary Radical Feminism“, also Transsexuelle Menschen Ausschließender Feminismus. Ebenfalls nichts was sich in meinen Ohren nach „Schimpfwort“ anhört. Die These TERF Kritiker der Annahme unterliegen das Feminismus Männerinkludierend sein sollte, ist falsch.
    Und an dieser Stelle fällt es mir das erste mal wirklich schwer Ihnen etwas positives zu unterstellen, denn die weiteren Erläuterungen erklären ja das Gegenteil. Ebenso wie vollkommen falsche Behauptung es würde irgendjemand davon ausgehen das ein Penis weiblich sein kein kann.
    Um es sehr kurz zu fassen, die These ist das biologische Faktoren eben genau das sind: Faktoren. Keine Determinanten. Die These sagt das es noch mehr Faktoren außer den biologischen gibt und das diese ebenfalls eine Rolle spielen und zu mindestens in einigen Fällen spielen diese anderen Faktoren eine dominante Rolle.
    Oder noch stärker vereinfacht:
    Es gibt nicht nur Arnold Schwarzenegger und Alice Schwarzer. Viele bilden ihre Geschlechteridentität nach Ideen die in keinem der oben genannten Konzepte vorkommen.

    Und nun da ein paar Sachen mal ganz offen angesprochen wurden, zum Kern der Sache.
    Ich finde es witzig das Sie für ein negativ Beispiel von TERF Kritikern nach Kanada müssen, ich kann mit meinem Beispiel für das diskriminierende Verhalten von TERF Menschen im Pott bleiben und Verweise auf Diskussion bzgl. des Transsexuellen Menschen auf der Damentoilette.
    Der Penis als potentielle Tatwaffe einer Vergewaltigung…
    Ja dieser Mensch hatte noch einen Penis, aber alleine die Tatsache das ja offensichtlich dies erfragt werden musste, da man sich augenscheinlich nicht sicher war, lässt doch durchaus den Schluss zu das es hier von der Optik her keine berechtigten Zweifel gab an der Konstruktion des Geschlechtes dieses Menschen.
    Wurde denn dann sein Verhalten kritisiert? Nein, überhaupt nicht. Generell geht es ja in der Diskussion mit TERF Menschen einfach nie um das Verhalten von irgendjemanden.
    Denn klar ist doch: Wer in High-Heels und Minirock in einem geschützten Raum kommt und mit drei Tage Bart laut ein Bier fordert weil er saufen will, kann sich schlecht auf seine Weiblichkeit beziehen.
    Jeder Schutzraum hat außerdem das Recht und die Pflicht sich gegen Menschen zu stellen die Ihnen von ihrem Verhalten her unpassend erscheinen.
    Anders wäre so ein Konzept doch gar nicht umsetzbar.
    Im Fall des „Klo-Menschen“ wurde diesem jedoch seine offene und ehrlich Art auch noch zum Verhängnis. Er beantwortete die Frage nach dem finalen Schritt ehrlich mit Nein und wurde darauf hin in eine Rechtefertigungsdiskussion gezwungen, wann dies denn geplant sei, ob dies überhaupt geplant sei, warum diese Toilette gewählt wurde….
    Anschließend wurde dies dann auch noch einer breiten Öffentlichkeit publik gemacht.
    Vor zwei Monaten folgender Ausspruch in meinem direktem Umfeld von einer Feministin: „Ich bin ja schon ein wenig Enttäuscht darüber das meine Tochter (3 oder so) auf so rosa Sachen und Kleidchen steht.“
    Ich bin vielleicht keine Feministin, aber der Gedanke daran eine persönliche Enttäuschung aufgrund der Farbgeschmacks meines Kindes zu erfahren, fühlt sich befremdlich für mich an.
    Aber gut, obwohl es an dem Text noch viel zu kritisieren gäbe und mein Text sicher noch ein weiteres mal genaues Lesen erfordern würde, werde ich mich nun anderen Betätigungen widmen.
    Während du, lieber Gastautor, also aufmerksam und beängstigt auf Penisse achtest, werde ich mir nun im Internet Pornos anschauen.
    Wenn uns das zu Feinden macht, ist das vermutlich ok so.

  • #6
    Nina

    @Michael Müller: Bitte lege Du Zahlen vor, repräsentative Studien, aus denen hervorgeht, dass eine Mehrheit der Prostituierten gezwungen und genötigt wird.
    "SWERF zum Beispiel soll jemand sein, der Prostitution als eine Form der Ausbeutung ansieht und im Leid von Zwangsprostituierten keinen ermächtigenden Akt sehen kann. Als Gegenargument wird natürlich von so Leuten dann die eine Prostituierte, die das dann doch freiwillig macht, und das Ganze irgendwie feministisch versucht aufzuladen, hervorgeholt. Wie weit solche Personen dann repräsentativ sind, interessiert dann so natürlich nicht."
    Mich interessieren die Fakten-zeige bitte repräsentative Studien auf zu dem Thema.
    Ich bin selbst in der Sexarbeit, früher Vollzeit, heute nebenbei. Ich bin keine Feministin sondern ein Mensch, der so arbeiten und so leben möchte, wie er es für sich richtig hält. Das ist hier in Deutschland Gottlob möglich.
    Ich bin gespannt auf Deine Zahlen, Daten und Fakten. Ansonsten bleibt Dein Text reine Meinungsmache.

  • #7

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