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Und der Preis für die schmierigste PR-Aktion geht an: Grubenmann

Grubenmann Foto: OpenPR

Ich bin ein großer Junge. Ich rege mich selten auf. Nur ganz selten. Das Label Grubenmann hat es geschafft, meinen Blutdruck zu erhöhen. Mit der schmierigsten PR-Aktion, die ich in diesem Jahr mitbekommen habe.

Wie jeder habe ich mich darüber gefreut, dass die 33 verschütteten chilenischen Bergleute in der vergangenen Woche gerettet werden konnten. Umso unverständlicher ist es mir, wenn man angesichts eines solchen Ereignisses als erstes daran denkt, wie man damit Geld machen kann, wie man es für eine schmierige PR-Aktion nutzen kann. Die Macher des Labels „Grubenmann“ sind da anders. Sie haben in dem Schicksal der 33 Kumpel sofort eine Chance gesehen, in die Medien zu kommen. Lest selbst die Pressemitteilung:

Wie viele Millionen Menschen rund um den Erdball haben auch die beiden GRUBENMANN-Inhaber Knut Schneider und Roland Ebbing (Bild) mit großer Anteilnahme das Bergwerkunglück nahe Copiapo im Norden Chiles verfolgt. Nachdem “los 33”, wie sie in Chile jetzt genannt werden, in einer beispiellosen Rettungsaktion an die Oberfläche geholt waren, stand für die beiden Ruhrgebietler fest, “diesen Männern möchten wir unsere Anteilnahme und Bewunderung ausdrücken. Unser Ruhrgebiets-Markenzeichen erinnert an die Kameradschaft, den Mut und die Tugenden eines ganzen Berufsstandes, ohne die auch das Überleben in dieser Notsituation sicher nicht möglich gewesen wäre.” Schnell waren 33 GRUBENMANN-Shirts namens “Kumpel” gepackt. Stellvertretend für alle 33 Bergleute geht das große Paket nun zunächst an den Bürgermeister der Stadt Copiapo, Maglio Cicardini, der diese dann an die chilenischen Volkshelden weiterleiten wird.

Was soll man da machen: Kotzen? Verachten? Verachten und kotzen? Ich weiß es nicht. Grubenmann wirbt mit dem Slogan: 100% Ruhrgebiet. Wie wäre es mit 100% Arschloch?

RuhrBarone-Logo

24 Kommentare zu “Und der Preis für die schmierigste PR-Aktion geht an: Grubenmann

  • #1
    Oliver Fink

    Wirklich schmieriger als Tatort Internet, der PR-Aktion für Onlineüberwachung, Vorratsdatenspeicherung und Netzsperren?!? Ich weiß ja nicht…

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Oliver Fink: Da ist der ganze Sender schmierig. Und ich habe von dem Mist keine Folge gesehen.

  • #3
  • #4
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Hans: Ja, neben so einem Artikel will jeder sein Foto gerne sehen. Da bin ich ja mal wieder voll reingefallen.

  • #5
    Jilly

    Das ist keine PR-Aktion, nicht einmal eine schmierige. Das ist widerlich, billig, zum Kotzen oder sonstwas.

    Jeder ernsthafte PR-Spezialist wird sich einer solchen Aktion verwehren.

  • #6
    punkerkordeon

    mal ganz abgesehn davon, daß dieser sogen. „grubenmann“ nur eine billige kopie des ampelmännchens ist, welches, man mag davon halten, was man will, jedoch wirklich für den osten steht, da es nur dort vorkam. was jedoch für leute arbeiteten denn aber in den schächten bspw. des erzgebirges? waren das nur grubenfrauen? aber dinge aus dem erzgebirge nur für sich selbst zu beanspruchen hat im ruhrgebiet ja sowieso tradition, man denke mal an das lied „Glück auf, der Steiger kommt“
    insgesamt würde ich diesen sch*** also als eine gänzlich unkreative und obendrein auch noch rückwärts-gerichtete (die zeit der schächte ist aus! im ruhrgebiet) farce bezeichnen!

  • #7
    Martin Kaysh

    Man kann es ja mal versuchen. Die Grubenmänner hätten einfach 100 000 Dollar pro Bergmann überweisen müssen, dann hätten die den Kram angezogen, ehe sie ans Tageslicht gezogen werden. Hehe. Natürlich wird der Bürgermeister die Brocken nicht an die Bergleute weiterleiten. Steafn, Du hast Recht. Ekelig ist das, bah. naja, @punkerkordeon. mit dem steiger lass mal. Oder sollen wir jetzt ne musikalische integrationsdebatte führen? darf man den importierten blues, rock, punk gut finden, dieses äh…. buschnegergejaule? (ist das der richtige ausdruck?)

  • #8
    Ulrich Voß

    Alles Berufsbetroffene hier?

    Ich habe schon schäbigere, weil konstruiertere Aktionen gesehen (und die aktuellste steht in Kommentar #1). Außerdem haben die geretteten Bergleute iPods von Apple (besser His Steveness persönlich) bekommen (Next Apple gift to the Chilean miners should be…). Hat sich da jemand aufgeregt?

    Ich kann über vieles aufregen, aber über diese PR-Aktion sicherlich nicht. Sie ist nicht schön, aber eben auch nicht besonders schlimm. Ob ich die als Zeitungsmacher bringen würde, ist übrigens eine ganz andere Frage (nur ums klar zu machen: meine Antwort wäre Nein).

    Vor gut einem Jahrzehnt war die Aufmerksamkeitsökonomie in aller Munde, bekommen haben wir aber scheinbar nur eine Aufregungsökonomie.

    Ball flach halten würde ich einfach mal vorschlagen …

  • #9
    Julian

    Ich kannte das Label Grubenmann bis vor zwei Minuten nicht. Jetzt schon. Die T-Shirts sehen schick aus.
    Danke Herr Laurin.

  • #10
  • #11
    Barbara Underberg

    Die Grubenmänner sind doch bloß unoriginelle PR-Trittbrettfahrer. Diese ganze Verschüttungs-, Ausharrungs- und Rettungsgeschichte ist von Unzähligen bis zur Unkenntlichkeit ausgeschlachtet worden.

    Ein paar tausend Journalisten standen um das Bergungsloch herum. Viele Medien haben viel Auflage gemacht mit dieser Story. Und nur darum geht’s. Und ich wette, viele haben darauf spekuliert, dass noch was schiefgeht – was für die Auflage oder Einschaltquote noch toller gewesen wäre. Zynisch, aber nicht neu.

    Die Verschütteten sind aber cool damit umgegangen, haben vor ihrer Rettung Interviewtrainings gemacht, und mancher verkauft nun seine Lebensgeschichte an den Meistbietenden. So haben alle was davon.

  • #12
  • #13
    JK

    Irgendwie sieht deren Logo aus, wie das Wappen von Berlin… nicht grade kreativ für Leute aus dem Ruhrgebiet, aber passt zu 100% Arschloch….

  • #14
    Martin Kaysh

    zum Chileunglück möchte ich dringend einen meiner Lieblingsfilme meines liebsten Regisseurs empfehlen: Ace in the Hole (später: The Big Carnival) dtsch: Reporter des Satans von Billy Wilder.

    „Packendes, exzellent inszeniertes und gespieltes Drama, das – mit einem gewissen Zynismus – die Praktiken der Boulevardpresse und die menschliche Habgier kritisch bloßstellt. Einer der bittersten Filme Billy Wilders.“
    – Lexikon des internationalen Films (aus Wikipedia übernommen)
    Ein abgefuckter Reporter (Kirk Douglas) sieht die Story seines Lebens. Ein Verschütteter irgendwo am Ende der Welt. Dessen Rettung läst sich medial ausschlachten, auch wenn die Rettung dadurch länger dauert und das Opfer schließlich stirbt. Der Film war 1951 ein Skandal und ein Flop. Aber er verrät auch heute noch alles über die Wirkweise kommerzieller Medien und der handelnden Akteure.
    Überhaupt sollte man mehr Wilder-Filme gucken. Sunset Boulevard/ Boulevard der Dämmerung. The Lost Weekend/ Das verlorene Wochenende. Witness for the Prosecution/Zeugin der Anklage und andere.

  • #15
    Thomas

    >Überhaupt sollte man mehr Wilder-Filme gucken.

    Natürlich sollte man wieder mal mehr Wilder-Filme gucken.

    Damit man hier mal wieder das Gefühl für Relevanz, Drama und Pointensetzung kriegt.

    Was ist schon diese Grubenmann-Nummer?

    Unbedeutende Leibchenbedrucker schmeißen sich an die Weltläufte ran, um Aufmerksamkeit zu kriegen

    Alles Folkore.

  • #16
  • #17
    Elmar

    Schätze mal, die T-Shirts sind made in China, oder?

    Das hat doch wieder was.
    RIP, unknown Grubenmänner in China. Aber man kann Euch die T-Shirts, die Eure Kinder gefertigt haben, jetzt eher schlecht zurückschicken, nicht wahr?

    Elmar

  • Pingback: Links anne Ruhr (20.10.2010) » Pottblog

  • #19
    christian westheide

    Ipods, T-Shirts, Werbezeiten. Wer sich fragt, warum die 30 so coooool aussahen: Oakley hat Ihnen die Brillen gespendet, das auch publik gemacht udn sich selbst gelobt: http://www.oakley.com/community/posts/2534

    Was den Grubenmann angeht: Es ist billig, es ist schmierig, aber schweigen, ja totschweigen, wäre viel besser gewesen.

  • #20
    Ulrich Voß

    @Jens:

    Nee, aber geheim gehalten haben Steve und Apple das auch nicht. Es war aber als private Aktion von Steve gelabelt.

    Ich will die Grubenmann-Aktion nicht schön reden. Ich will nur darauf hinweisen, dass wenn ich mich über die Grubenmann-Aktion aufrege, ich mich jeden Tag über 100 andere Aktionen aufregen könnte. Und dabei denke ich nicht nur an PR, sondern auch an Politiker in Umkleidekabinen von Nationalmannschaften, Politiker auf Katastrophentouren (Oder-Deichgraf, …), etc. pp. Das ist genau so schäbig. Da geht es auch nicht um Hilfe. Da geht es nur um Bilder, um Erwähnungen in der Presse, um das Image als Helfer bzw. Macher. Und sonst nichts. Politik-PR.

  • #21
    Astrid

    Ich finde die Idee super. Ist doch eine nette Geste.

    Man kann auch versuchen an allem rumzunörgel und sich selbst dabei für den Besten aller Moralapostel halten. Arrogant und wesentlich schmieriger als die Aktion…

  • #22
    a.t.

    entspannt Euch mal.
    da würde ich mir meine aufregung für was anderes aufheben.

    außerdem denkt der verfasser auch bei einer der nächsten katastrophe sehr bald daran wie man daraus einen artikel machen kann.

  • Pingback: So What « jojoclub

  • #24
    Janes

    Astrid hat Recht. Es ist bösartig und arrogant, die nette Geste der Grubenmänner als schmierige PR in den Dreck zu ziehen.

    Wer den „Grubenmann“ als „eine gänzlich unkreative und obendrein auch noch rückwärts-gerichtete Farce“ bezeichnet, kennt den Erfolg des Markenzeichens nicht.

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