
Das Palestine Poster Project Archives ist ein digitales Mammutprojekt: Mehr als 23.500 Plakate aus über hundert Jahren wurden gesammelt und katalogisiert. Spannend ist zunächst, dass dort auch frühe Poster aus den 1920er, 30er und 40er Jahren auftauchen, die sich positiv auf den Zionismus beziehen – ein lehrreicher, oft vergessener Teil der Geschichte.
Doch wer weiter durch die Sammlung klickt, stößt unweigerlich auf einen roten Faden: Mit der Etablierung der Fatah, der PLO und besonders der PFLP verschiebt sich die Bildsprache radikal. Israel wird zum Feindbild, Zionisten erscheinen als Monster, Kolonialisten oder Faschisten. Es ist kein Zufall, dass viele dieser Motive ihren Ursprung in der sowjetischen Propaganda haben. Das Poster wird zum „visuellen Schlachtfeld“, das Israel dämonisiert und Juden entmenschlicht: Eine Bildsprache, die längst in den globalen Diskurs eingesickert ist.
Die Seite stammt aus den USA und wurde im Zuge eines Masterprojekts an der Georgetown University systematisiert, nachdem Dan Walsh bereits seit den 1970er Jahren Palästina-Plakate gesammelt hatte. Eine kleine Förderung – auch mit Unterstützung von Edward Said – half ihm, die bereits gesammelten Plakate pädagogisch aufzubereiten und erste Lehrmaterialien zu entwickeln. Heute präsentiert sich die Sammlung als pädagogisches Archiv. Doch gerade das ist problematisch: Wer antisemitische Propaganda einfach in einen „visuellen Kanon“ einsortiert, ohne klare Distanzierung, riskiert ihre Normalisierung.
Besonders brisant wirkt die Sammlung nach dem 7. Oktober 2023. Die Enttabuisierung antisemitischer Parolen auf den Straßen weltweit, die offene Verherrlichung terroristischer Gewalt, all das findet hier seine bildlichen Vorläufer. Die schiere Quantität der Poster zeigt: Antisemitismus ist kein Randphänomen im Kontext der „palästinensischen Befreiung“, sondern Teil ihrer visuellen DNA. Für Historiker ist das Archiv ein aufschlussreiches Materiallager zur Genese von Antizionismus und Antisemitismus nach der Shoah. Doch in seiner Gesamtheit offenbart es vor allem, wie sehr die palästinensische Befreiungsrhetorik seit Jahrzehnten von judenfeindlicher Bildsprache durchzogen ist.
Es wäre wünschenswert, dass diese Sammlung weite Verbreitung findet. Nicht als romantisiertes Zeugnis „politischer Kunst“, sondern als Beleg dafür, von welchem ideologischen Gift die sogenannte ‚Globalize the intifada‘-Bewegung durchdrungen ist. Wer diese Poster sieht, erkennt: Antizionismus war und ist selten ohne antisemitischen Unterton zu haben.
