Warum die Diskussionen rund um die Zukunft des Warenhauskonzerns Galeria zumindest scheinheilig sind

Was soll ich hier noch? Dortmund-City im März 2020. Foto: privat

Seit einigen Tagen findet man sie wieder überall, die Berichte und Diskussionen rund um die Zukunft von Galeria Karstadt Kaufhof. Der Konzern soll derzeit schon wieder staatliche Hilfe benötigen, wenn er nicht in Kürze ganz vor die Hunde gehen soll, und angeblich stehen derzeit weitere rund 40 Filialen deutschlandweit vor dem Aus.

Die Emotionen schlagen deshalb hoch. Es wird auch über mögliche Investoren diskutiert und die Zukunft der Warenhauskette in Gänze. Die dabei teilweise zur Schau gestellte Überraschung und das Entsetzen über die schwierige Lage des Konzerns verwundert dann aber schon.

Um zu erkennen, dass die Zukunft von Galeria Karstadt Kaufhof alles andere als rosig aussehen dürfte, muss man kein ausgewiesener Experte oder gar Wirtschaftsfachmann sein. Schon ein interessierter Blick mit dem Auge des Kunden reicht grundsätzlich um zu bemerken, dass die aktuell noch deutlich über 100 Warenhäuser in der jetzigen Form keine große Zukunft mehr haben werden. Darüber habe ich hier im Blog auch schon im Jahre 2020 geschrieben, als Galeria bereits vor großen Problemen stand und etliche Häuser dichtmachen mussten.

Warum seit der damaligen Krise scheinbar keine wirkliche Besserung der Situation herbeigeführt werden konnte, in jedem Fall aber offenkundig deutlich zu wenige Vorbereitungen für die Zukunft getroffen wurden, so dass jetzt schon der nächste ‚Hilferuf‘ erklingt, das wundert mich sehr. Denn eigentlich müsste den Führungskräften von Galeria doch auch längst klar sein, dass das Unternehmen, wenn überhaupt, nur in deutlich veränderter, sprich geschrumpfter Form überleben kann.

Natürlich ist das Aufeinandertreffen von Corona-Pandemie und der aktuellen Energiekrise (zzgl. Inflation bzw. Konsumflaute) für Kaufhäuser extrem bitter, doch die offensichtlichen Schrumpfungsprozesse in unseren Innenstädten haben doch schon Jahre vorher eingesetzt und kommen grundsätzlich auch nicht wirklich überraschend. Die Leerstände in vielen Einkaufszentren sind unübersehbar. Auch dass Vollsortimenter vor Ort mit dem Internethandel weder bei den Preisen noch in Sachen Auswahl auf Dauer werden mithalten können, ist keine völlig neue Erkenntnis. Das lässt sich bereits mindestens seit der Jahrtausendwende von jedermann gut beobachten

So bitter es für die verbliebene Arbeitskräfte auch ist, die Zukunft des Handels sieht halt anders aus, sie liegt nicht in den vertrauten Kaufhäusern. Das kann doch jeder von uns schon mit bloßem Auge erkennen, wenn er sein eigenes Kaufverhalten und/oder das von Freunden und Verwandten beobachtet. Warum das der Konzernspitze von Galeria offenbar noch immer nicht vollumfänglich klar zu sein scheint, sie die ernste Lage nicht früher von selber erkannt bzw. dann auch die entsprechenden Konsequenzen gezogen hat, erschließ sich mir nicht.

Es wird gar keine andere Möglichkeit geben, als die vorhandenen Strukturen drastisch und grundlegend zu verändern, und das auch viel schneller als bisher. Es kann ja nicht angehen, dass am Ende immer der Steuerzahler dafür aufkommen muss, wenn sich ein großer Laden wie der Galeria Konzern nicht mehr rechnet, und er, da er offensichtlich von selber zu träge auf die Veränderungen des Marktes reagiert, wiederholt vor der ‚Pleite‘ bewahrt werden muss.

Während etliche kleine Gewerbetreibende und Handwerker in diesen komplizierten Zeiten stillschweigend und verbittert die Segel streichen müssen, kommen Galeria & Co. scheinbar wesentlich leichter an Staatsgelder. Und das, obwohl (auch) sie in der aktuellen Form nicht zukunftsfähig sind. Das ist nicht nur ungerecht gegenüber den inhabergeführten Geschäften, es macht die Konzerne offenkundig auch ein Stück weit träge. Im Notfall springt ja der Staat ein. Das kann und darf nicht die (Dauer-)-Lösung sein.

So sehr ich Verständnis für die Situation der Angestellten habe, die um ihre Arbeitsplätze kämpfen, diese Jobs haben auf Sicht schlicht keine Zukunft. Schon gar nicht in der aktuellen Anzahl. Es wird höchste Zeit sich für die Zukunft neu auszurichten. Für Galeria, aber auch für die Angestellten. Warenhäuser, wie wir sie seit Jahrzehnten gewohnt waren, werden sterben. Auch nach dieser derzeit diskutierten Schrumpfungskur. Daran führt kein Weg vorbei. So traurig das für die Betroffenen auch ist….

 

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3 Kommentare

  1. #1 | Tagedieb sagt am 7. November 2022 um 15:32 Uhr

    Signa ist ein Immobilienkonzern, Bau und Vermietung von Dienstleistungsflächen jeglicher Art. Der eigenhändig organisierte Verkauf von Waren spielt da nur eine untergeordnete Rolle, und auch nur solange, wie die dafür genutzten Flächen und Grundstücke nicht anderweitig vermarktet werden können. Das kann man wunderbar an dem Konzept sehen, nach dem beispielsweise das KaDeWe in Berlin (als Teil der KaDeWeGroup der Signa Holding) neu gestaltet wurde/wird. Da wird mittlerweile ein sehr großer Teil nicht von der KaDeWeGroup, sondern von anderen Handelsmarken bespielt und dient insbesondere der Bedienung der potenziellen touristischen Shopper.
    Eigene Galeria-Kaufhof-Standorte dürften für Signa nur solange von Nutzen sein, wie diese nicht anderweitig genutzt bzw. neu bebaut werden können. Und wenn notwendig, greift man dann zu quasi erpresserischen Mitteln, wie Berlin erfolgreich an den Tag gelegt. Geht Galeria-Kaufhof jetzt endgültig pleite, passt das ins Konzept von Signa, die großen Immobilienflächen anderweitig zu vermarkten (vorzugsweise Abriss und Neubau).
    Ob Warenhäuser tatsächlich keine Chance mehr haben, könnte man durchaus bezweifeln. Wobei die Frage ist, inwiefern nicht gerade die Besitzstrukturen und daraus resultierenden Mieteinnahmeerwartungen der Immobilienbesitzer hier eine gewichtige Rolle spielen.

  2. #2 | Heather sagt am 7. November 2022 um 20:54 Uhr

    Arnold Voss, #33
    Danke……!
    5 einfache Sätze sagen manchmal mehr als 1000 Worte
    in unzähligen nicht endenden Wortbeiträgen.

  3. #3 | HOK sagt am 15. November 2022 um 22:43 Uhr

    Das Konzept des Kaufhauses ist mittlerweile doch fragwürdig geworden. Das liegt aber nicht nur am Internet sondern auch an den Kaufhäusern selbs. Weder das Warenangebot noch die Beratung kann noch überzeugen. Beispiel gefällig: Glasdeckel von einem kleinen Topf zerdeppert. Auf zur Galeria. Nach einer halben Stunde ließ sich eine Verkäuferin herab mit uns zu reden. Wir wurden weggeschickt mit dem Hinweis, der Hersteller hätte keine so kleinen Töpfe im Programm. Zuhause bei Amozon sowohl den Topf als auch den Deckel als Ersatzteil gefunden. Nach zwei Tagen war der Deckel da.

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