WDR: Konzeptionell Nazis dieselben Chancen einräumen


Der WDR präsentiert in seiner Aktion „Kandidatencheck“ alle Landtagskandidaten, die mitmachen wollen. Auch die Programme der Parteien werden verlinkt – so sie denn in einfacher Sprache verfasst wurden. Man mag es formal korrekt bei der Anstalt. Der WDR hat damit ein unjournalistisches Polit-Panini-Album ins Netzt gestellt. Drei Rechtsradikale bekamen vom WDR sogar eine Nazi-Video-Show finanziert. Weitergehende Informationen gibt es ebensowenig wie eine journalistische Begleitung der Informationen. Stumpf ist Trumpf bei der Kölner Anstalt, und dass man einer Nazi-Partei wie Die Rechte und ihre zum Teil vorbestraften Kandidaten genau so behandelt, wie die Kandidaten demokratischer Parteien, ist für die Anstalt kein Problem. Und so kommt man mit einem Klick von der WDR-Seite auf das Programm von die  Die Rechte und findet dort Sätze  wie:

„Wenn Du auch einer derjenigen Ausländer bist, die nur nach Deutschland gekommen sind,
um zu klauen, Frauen anzufassen und Drogen zu verkaufen, dann kannst Du jetzt schonmal
Deine Koffer packen, denn wir werden Dich aus unserem Land werfen!“

oder

„Außerdem wollen einige Leute, dass nicht nur ein Mann und eine Frau heiraten können,
sondern auch Mann und Mann, Frau und Frau, Mann und Kind oder Mann und Ziege. Das ist
völlig verrückt und wir wollen diesen Wahnsinn stoppen!“

Nachdem dieses Blog gestern über die WDR-Aktion geschrieben hat, legten wir nach und stellten dem WDR einige Fragen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bitte Sie um schnellstmögliche Beantwortung nachfolgender Fragen:
1. Wieso stellen Sie im Rahmen des WDR-Kandidatenchecks Kandidaten ohne jede journalistische Einordnung und Hintergrundinformationen vor, und geben so alle die selbe Plattform?
2. Ist ihnen klar, dass es sich bei den Kandidaten der Partei „Die Rechte“ zum Teil um vorbestrafte Neonazis handelt?
3. Wieso verlinken sie die Programme der Parteien ohne jede Zusatzinformation?
4- Wieso haben sie das Programm  der Nazi-Partei „Die Rechte“ verlinkt?
5. Wieso geben sie – ohne jede juristischen Not und ohne jede journalistische Zusatzinfomation Neonazis eine Plattform?
6. Wie viel Geld hat der WDR für die Produktion der Kandidatenchecks insgesamt ausgegeben?
7. Hält der WDR die unkommentierte Weitergabe von Nazipropaganda und die Verlinkung von Nazi-Programmen  für vereinbar mit dem Programmauftrag in dem steht:
„Neben der Ausgewogenheit der Berichterstattung sehen die im Gesetz vorgesehenen Programmgrundsätze des WDR vor, dass er in seinen Sendungen die Würde des Menschen zu achten und zu schützen hat. Auch soll er dazu beitragen, die Achtung vor Leben, Freiheit und körperlicher Unversehrtheit, vor Glauben und Meinung anderer zu stärken. Die sittlichen und religiösen Überzeugungen der Bevölkerung sind zu achten. Weiterhin soll der WDR die internationale Verständigung fördern, zum Frieden und zur sozialen Gerechtigkeit mahnen, die demokratischen Freiheiten verteidigen, zur Verwirklichung der Gleichberechtigung von Männern und Frauen beitragen und der Wahrheit verpflichtet sein.“
Mit freundlichen Grüßen,
Stefan Laurin

Der WDR antwortete nach einer Erinnerung:

Hallo Herr Laurin,

zu Ihrer Anfrage können wir Ihnen folgende Informationen geben:

Der Kandidatencheck ist ein Teil der umfassenden informierenden und einordnenden Wahl-Berichterstattung in unseren linearen und digitalen Programmen.

Das Konzept des Kandidatencheck gibt den Menschen in NRW die Möglichkeit, sich über alle Kandidatinnen und Kandidaten, die konkret auf ihrem Wahlzettel stehen, zu informieren. In Kombination mit den allgemeinen, übergreifenden Informationen und Analysen stellt der Kandidatencheck einen individuell nutzbaren Beitrag zur Verfügung, der die Menschen in NRW dabei unterstützt, mündig an Politik teilzunehmen und auf einer umfassenden Grundlage eine Wahlentscheidung zu treffen. Das bedeutet für uns konzeptionell, im Kandidatencheck allen vom Landeswahlleiter zugelassenen Kandidatinnen und Kandidaten genau dieselben Chancen auf derselben Plattform einzuräumen – ganz egal zu welcher Partei sie gehören.

Weiterführende Links sind im Digitalen ein üblicher Service für Nutzerinnen und Nutzer. Wenn Ihnen strafbare oder anderweitig nicht zulässige Inhalte auffallen, informieren Sie uns gern. Zum Zeitpunkt der Linksetzung haben wir keine entsprechenden Probleme festgestellt.

Mit freundlichen Grüßen

Es ist die Aufgabe der Parteien, die Bürger über ihre Ziele und Kandidaten zu informieren und die Aufgabe von Journalisten, über Parteien, ihre Inhalte und den Wahlkampf zu berichten. Dass der WDR Nazis eine Plattform gibt, lässt sich nicht begründen – nicht einmal mit der Floskel der Gleichbehandlung, die nicht mehr als das Kaschieren der eigenen journalistischen Unfähigkeit ist. Kandidaten stumpf die selben Fragen zu stellen und die Programme zu verlinken, ist kein Journalismus. Der WDR hat mit Zwangsgebühren eine PR-Plattform für die Parteien und Kandidaten geschaffen. Mit den Filmen des WDR können sie nun in den Netzwerken für sich werben. Allein das verzerrt den Wettbewerb, denn ob eine  Partei die Menschen erreicht oder nicht, ist Teil desselben – und da der WDR gezwungen ist, Wahlwerbespots aller Parteien zu senden, kommt er damit seiner Pflicht nach, allen eine Chance zu geben. Parteien-PR, zumal für Neonazis, zeigt nur, dass der WDR inhaltlich am Ende ist. Er stellt seine Plattform den Parteien zur Verfügung, anstatt seine Mittel auf journalistische TV- Und Radio-Berichterstattung zu konzentrieren. Oder das Geld für das auszugeben, was er am besten kann: Dudelfunk und Karnevalsshows.

Der WDR hat eine Menge Geld, wie viel mag er nicht sagen. Wir haben den WDR unter der Androhung einer Auskunftsklage aufgefordert, doch noch einmal nachzuschauen, wie viel Gelder aus der Zwangsabgabe in den „Kandidatencheck“ geflossen sind.

 

Mehr zu dem Thema:

WDR – Der Großdwestdeutsche Rundfunk produziert eine online Nazi-Show

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11 Kommentare

  1. #1 | Stephan sagt am 19. April 2017 um 20:48 Uhr

    Nur mal hypothetisch gefragt: Wenn der Kandidatencheck nicht vom WDR, sondern z.B. von einem finnischen Fernsehsender produziert worden wäre: Gäbs dann weniger Polemik ("Irgendwer, der sich wahrscheinlich Journalist nennt") im Text? Irgendwie liest sich das Ganze, als habe der Autor weniger ein Problem mit dem Kandidatencheck als vielmehr ein grundsätzliches Problem mit dem WDR.

  2. #2 | Stefan Laurin sagt am 19. April 2017 um 20:57 Uhr

    @Stephan: Hätte RTL den Kandidatencheck gemacht, hätte ich ihn auch dumm gefunden. Aber dass ich ihn auch noch bezahlen muss, macht es schon ein wenig schlimmer. Ich halte so ein unjournalistisches PR-Format für Mumpitz. Ob es die Finnen, von denen es der WDR ja geklaut hat, machen, RTL oder der WDR ändert daran nichts.

  3. #3 | Stephan sagt am 19. April 2017 um 21:29 Uhr

    @Stefan Laurin: Woher stammt Deine Info, dass der WDR die Grundidee nicht mit Einverständnis adaptiert, sondern widerrechtlich kopiert (="geklaut") hat?
    BTW: Du irrst mit Deiner Annahme, dass Du neben dem WDR nicht auch RTL u.a. Privatsender mitfinanzierst. Was glaubst du, warum Dich 500g Nudeln oder ein Glas Nussnougatcreme mehrere Euro kosten? Wegen der wertvollen Zutaten? Oder vielleicht eher weil Fernseh-Werbeminuten unglaublich teuer sind?

  4. #4 | Yilmaz sagt am 19. April 2017 um 23:21 Uhr

    Die REPs sind doch auch drin, warum regt sich da keiner auf ?!?

  5. #5 | Stefan Laurin sagt am 19. April 2017 um 23:32 Uhr

    @Yilmaz: Die hängen keine Plakate mit dem Slogans wie "Nazi Kiez" und haben weniger Kinderschänder in ihren Reihen als Die Rechte. BTW: Ernährt sich Siggi noch noch Abfällen?

  6. #6 | Klaus Lohmann sagt am 20. April 2017 um 00:45 Uhr

    @Stephan #3: Wenn Du die "3Glocken-Korkenzieher" bei Rewe kaufst, dann finanzierst Du natürlich auch RTL & Co. übers Marketing mit. Ich kaufe so'n Zeuch nicht, aber ich kann als normaler Steuerzahler auch nichts dagegen unternehmen, dass meine Abgaben für derartig fehlgeschlagene "Experimente" teutscher ÖR-Fernsehspaßmacherei für den Rentneralltag verwendet werden.

    Und zumindest ich habe auch ein grundsätzliches Problem mit Medien gleich welcher Art, die Ermittlungserkenntnisse der Staatsschutzbehörden aus mehreren Bundesländern derart strunznaiv ignorieren wollen, wie es der WDR in punkto "Die Rechte" nun auch noch per Quasi-Selfie-Clip für Nazis tut.

    Und PS: Wenn nun Irgendjemandem ein Hinweis auf die Sendepflicht bzw. Sendezeit bei Wahlwerbung einfallen sollte – das gilt laut § 36 (2) Landesmediengesetz NRW nicht für Parteien, die in weniger als einem Sechstel der Wahlkreise in NRW antreten, was für die Nazis Der Rechten zutrifft.

  7. #7 | Tilleulenspiegel sagt am 20. April 2017 um 02:56 Uhr

    Ja, es ist befremdlich, dass der WDR Brück und zweier seiner Konsorten Sendeminuten beim Kandidatencheck zur Verfügung stellt. Hätten Sie nicht datüber geschrieben, hätte ich es nicht bemerkt.

    Andererseits-Es ist noch viel unerträglicher, dass Brück die Ratsmitglieder in Dortmund mit Hitlerzitaten zutextet und auch von dem geplanten Umgang seitens der Rechten mit Demokraten nach der "Machtübernahme" der Rechten schwadroniert.

    Es ist schwer zu ertragen, dass ein Nazi wie Brück in einem Stadtparlament hockt und vom WDR Sendeminuten erhält.

    Aber die Verfassungslage ist so, dass wir es ertragen müssen- so unbegreiflich das auch ist.

    Dennoch- ich finanziere die öffentlich-rechtlichen Sender gerne. Oder wollen Sie – falls Sie fernsehen- nur noch diese privat finanzierten Sender haben?

    Wir werden auch Wahlwerbespots der Rechten sehen, so sieht die Rechtslage aus.

    Wahrscheinlich hätte Die Rechte deutlich mehr Aufmerksamkeit erhalten, hätte der WDR sich geweigert, deren Kandidaten zu filmen.

  8. #8 | Klaus Lohmann sagt am 20. April 2017 um 09:10 Uhr

    @Tilleulenspiegel: Niemand muss verfassungsfeindliche und kriminelle Handlungen von Nazis ertragen, auch wenn diese sich den Anstrich einer "bürgerlichen" und – in der Hoffnung der Hohlbirnen – legalen Partei verpassen. Und Niemand muss ertragen, dass solche Subjekte dann auch noch vom gebührenfinanzierten Staatssender hofiert werden. Das gibt auch die "Verfassungslage" nicht her.

  9. #9 | Tilleulenspiegel sagt am 20. April 2017 um 10:00 Uhr

    @Herr Lohmann- ich verstehe uns teile Ihre Haltung. Es ändert aber nichts daran, dass die Verfassungslage uns dazu zwingt, Partein wie Die Rechte alle verfassungsgemäßen Rechte einzuräumen. Dass diese Partei absolut personenidentisch mit dem verbotenen NWDO ist und sich unter dem Schutz des Parteinrechts neu organisiert hat und damit steuerlich begünstigt wird und auch in Rats-und Bezirksvertretungen sitzend finanzielle Zuwendungen erhältere, ist schwer nachvollziehbar und sozusagen bis an die Widerwärtigkeit unerträglich.

    Aber es gelingt Innenministerium und Verfassungs- und Staatsschutz nicht, belastbaren Material für ein Verbot zusammenzutragen. Also wird Brücke weiterhin seine nationalsozialistischen Leeren inklusive Originalität von Hitler im Rat der Stadt Dortmund von dich geben dürfen.

    Es erstaunt dennoch, dass die Ratsvertreter sich von diesem beschimpfen lassen, ohne geschlossen den Sitzungssaal zu verlassen.

    Aber- der WDR ist nicht das Problem. Die verfassungsgemäße Hilflosigkeit ist es.

  10. #10 | Tilleulenspiegel sagt am 20. April 2017 um 10:02 Uhr

    Originalzitat muss es heißen, nicht Originalität-asndyAutoRS..pardon

  11. #11 | Zwischen Ernüchterung und Freude – quergewebt sagt am 4. Mai 2017 um 16:42 Uhr

    […] aber dennoch im WDR-Kandidatencheck zu sehen und zu hören. Das hat den Machern bereits heftige Kritik aus der Bloggerszene eingebracht. Der Vorwurf: Hier werde rechten Parteien eine Verbreitungsplattform eröffnet. Für […]

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